Der lange Weg zum lebenslangen Lernen

Werner Eichhorst Stellv. Direktor Arbeitsmarktpolitik am IZA

Werner Eichhorst
Stellv. Direktor Arbeitsmarktpolitik am IZA

Es ist mittlerweile generell akzeptiert, dass Beschäftigungsfähigkeit im Lebensverlauf und bei einem längeren Erwerbsleben immer wichtiger wird. Jeder Beobachter unterstreicht auch die Notwendigkeit von lebenslangem Lernen für den Beruf und spricht sich für mehr Weiterbildung der Beschäftigten aus. Obwohl mehr lebenslanges Lernen als Königsweg für den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit und deren Anpassung an die Erfordernisse einer dynamische Wirtschaft schon seit längerem gefordert, führt es in der Praxis noch immer ein Schattendasein.

Nationale und europäische Statistiken zeigen, dass berufliche, aber auch allgemeine Weiterbildung in Deutschland generell zu kurz kommt. Es fällt auch eine sehr geringe Beteiligung von älteren und mittel- oder geringqualifizierten Erwerbstätigen an Weiterbildung auf. Die von den Arbeitgebern finanzierte und organisierte betriebliche Weiterbildung erreicht diese Gruppen offenbar kaum, und Weiterbildung in Eigeninitiative ist hier bei weitem nicht ausreichend. Zwar kümmert sich die Arbeitsmarktpolitik zunehmend auch um die Weiterbildung von gering qualifizierten und älteren Arbeitskräften. Doch dies erfolgt punktuell und ändert nichts am grundlegenden Befund. All jene, die nicht von Weiterbildung profitieren, die seitens der Arbeitgeber finanziert werden und sich selbst nicht systematisch um ihre Beschäftigungsfähigkeit kümmern, haben ein großes Risiko, mit den laufenden technologischen Innovationen und dem Strukturwandel der Wirtschaft nicht Schritt halten zu können und ihre Arbeit irgendwann zu verlieren. Der Wiedereinstieg wird für sie dann angesichts einer lange zurückliegenden, oft veralteten oder gar fehlenden Berufsausbildung besonders schwierig. Ihnen fehlen dann insbesondere übertragbare, nicht betriebsspezifischen Kenntnisse. Aber Qualifikationen, die bei verschiedenen Arbeitgebern genutzt werden können und in Weiterbildung erworben und vertieft werden, sind essentiell, um das Risiko der Arbeitslosigkeit zu minimieren.

Dies spricht für einen systematischen Ausbau der Weiterbildung für alle Erwerbstätigen. Ein Hauptaugenmerk sollte auf jenen Gruppen liegen, die weder aufgrund betrieblicher noch individueller Initiative an Weiterbildung partizipieren. Erwartbare Einsparungen im Bereich der Arbeitslosenunterstützung rechtfertigen eine Ko-Finanzierung aus Beitragsmitteln. So könnte z.B. für ein Gutscheinmodell etabliert werden, wie es bereits im Bereich der Weiterbildung von Arbeitslosen erprobt worden ist. Erhalten die Erwerbstätigen in regelmäßigen Abständen Gutscheine, die ihnen den Zugang zu Weiterbildung ermöglichen, so ist mit einer stärkeren Teilnahme zu rechnen. Die Intensität der öffentlichen Förderung sollte dabei je nach der individuellen Bedarfslage, der Einkommenssituation oder dem Risiko, den Arbeitsplatz in absehbarer Zeit zu verlieren, unterschiedlich ausfallen. Gleichzeitig muss selbstverständlich für eine entsprechende Beratung zu den verfügbaren und sinnvollen Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Transparenz der Anbieter auf diesem Markt gesorgt werden.

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