Reallöhne werden sich 2014 wieder erholen

moneyWeil viele Firmen Boni und Sonderzahlungen gestrichen haben, hatten deutsche Arbeitnehmer 2013 trotz niedriger Inflation weniger Geld in der Tasche.  IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann rechnet jedoch für das laufende Jahr wieder mit einem Anstieg der Reallöhne. Dazu ein Interview in der Passauer Neuen Presse vom 21. Februar 2014:

Die Reallöhne sind 2013 überraschend gesunken – erstmals seit 2009. Welche Ursachen gibt es?

Die Tariflöhne sind zwar stärker als die Inflation gestiegen, aber Tariflöhne gelten längst nicht mehr für jeden. Laut Statistischem Bundesamt ist nur noch die Hälfte der Arbeitnehmer tarifgebunden. Zudem beziehen sich Tariflöhne nur auf bestimmte Elemente der Gehaltsentwicklung. Es gibt viele Sonderzahlungen, die 2013 offenbar zurückgefahren wurden, etwa im Banken- oder Versicherungsbereich. Das hat den Lohnanstieg gebremst. Das vergangene Jahr war durch eine konjunkturelle Abschwächung und magere 0,4 Prozentpunkte Wachstum gekennzeichnet. Deshalb haben sich auch die Nominallöhne nicht so stark entwickelt.

Rechnen Sie mit einer Verbesserung?

Ich glaube, dass es in diesem Jahr besser aussehen wird. Die Konjunktur springt langsam wieder an, es geht aufwärts mit der deutschen Wirtschaft. Die Preissteigerung wird weiter gering bleiben, so dass sich die Reallöhne wieder erholen werden.
Experten waren zuletzt davon ausgegangen, dass das Wirtschaftswachstum durch die  Binnennachfrage gestützt wird. Ist das bei sinkenden Reallöhnen überhaupt möglich?
Zimmermann: Die niedrigere Lohnentwicklung muss nicht unbedingt in Kaufzurückhaltung umschlagen. Es gab diese negative Entwicklung nicht und wenn die Reallöhne wieder kräftiger steigen, besteht auch keinerlei Grund zur Konsumzurückhaltung.

Welchen Effekt wird die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro ab 2015 haben?

Man wird bereits in diesem Jahr erleben, dass sich einige Branchen anpassen und Löhne erhöhen werden. Das wird zu einem Schub für bestimmte Lohngruppen führen. Wenn Löhne unten erhöht werden, dürfte sich das aber auch für höhere Einkommensgruppen auszahlen, die ebenfalls angehoben werden, damit das Tarifgefüge insgesamt nicht aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Darauf setzen die Gewerkschaften große Hoffnungen. Insgesamt wird die Untergrenze stabilisierend auf das Lohngefüge wirken – unabhängig von den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Wird der Mindestlohn Arbeitsplätze kosten?

Natürlich können durch den Mindestlohn auch Arbeitsplätze für Unqualifizierte wegfallen und die Aufnahme von Arbeit für Arbeitslose erschwert werden. Zudem müssen wir mit Verdrängungseffekten rechnen: Ein Mindestlohn von 8,50 Euro ist für viele europäische Nachbarn, etwa für Rumänen und Bulgaren, sehr hoch und entsprechend attraktiv. Da steigt der Anreiz, hier zu arbeiten.

Das Interview führte Christoph Slangen.

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