IZA-Studie belegt Roma-Diskriminierung in Europa

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Klaus F. Zimmermann (2. v. l.) mit EU-Kommissar Vladimir Spidla und dem Beratungsgremium zur Integration von Minderheiten (2007)

Heute will das Bundeskabinett neue gesetzliche Bestimmungen für Asylbewerber verabschieden. Damit soll auch die Abschiebung von Roma in ihre osteuropäischen Herkunftsländer erleichtert werden, obwohl es dort nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen zu schwerwiegenden Benachteiligungen und Verfolgungen von Angehörigen dieser Volksgruppe kommt. Vor diesem Hintergrund fordert IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann größere Anstrengungen für eine bessere Integration. [Siehe auch AFP-Agenturmeldung]

Laut Untersuchungen des IZA sind gerade in Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina, die als “sichere Herkunftsstaaten” eingestuft werden sollen, die Arbeits- und Lebensbedingungen für Roma besonders schlecht. Eine aktuelle Studie untersucht die Ursachen für die Diskriminierung dieser größten ethnischen Minderheit in Europa vor allem in Bezug auf ihre sozialen Aufstiegschancen in Ausbildung und Beruf.

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die wirtschaftlichen und sozialen Benachteiligungen in vielen Ländern seit Jahren ein gravierendes Ausmaß annehmen. Die Diskriminierungen reichen von fehlender Chancengleichheit in Bildung und Ausbildung über oft aussichtslose Jobbewerbungen bis zu eklatanten Lohnnachteilen.

IZA-Direktor Zimmermann appelliert daher im Vorfeld der Regierungsentscheidung, sich abgewogen mit der besonderen Situation dieser ethnischen Minderheit auseinanderzusetzen: „Die Bundesregierung sollte nichts tun, was die Existenzgrundlage der bei uns lebenden Roma bedrohen könnte. Deutschland sollte sich vielmehr dafür stark machen, die Roma europaweit besser in unsere wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung zu integrieren. Die IZA-Studie zeigt die politischen Handlungsoptionen auf.“

Zimmermann hatte Anfang 2014 in Duisburg, einem der kommunalen Brennpunkte der Roma-Zuwanderung in Deutschland, mit Verantwortlichen und dort lebenden Betroffenen die Problemlagen und Lösungsmöglichkeiten diskutiert. Zuvor hatte das IZA der Europäischen Kommission bereits mehrfach Analysen und Konzepte zur besseren Integration von Minoritäten, insbesondere der Roma, vorgelegt. „Integrationsanstrengungen sind nicht nur aus moralischen und ethischen Gründen erforderlich, sie sind auch aus sozialen und ökonomischen Gründen zwingend nötig“, so Zimmermann.

Autor der neuen IZA-Studie ist der Migrationsexperte Martin Kahanec, Professor an der Central European University in Budapest und stellvertretender Programmdirektor des IZA-Forschungsbereichs Migration. Er arbeitet zudem eng mit der Weltbank, der Europäischen Kommission und der OECD zusammen.

Die englischsprachige Studie ist online abrufbar:

Das von Kahanec und Zimmermann gemeinsam herausgegebene Buch “Ethnic Diversity In European Labor Markets: Challenges and Solutions” (Edward Elgar, 2011) beinhaltet weitere Analysen zum Thema, darunter die folgenden Beiträge:

Weitere Literaturhinweise zum Thema:

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