Demografie: Kompetenzen besser nutzen, um produktiver arbeiten zu können

Alexander Spermann

Alexander Spermann

Deutschland steht vor einer enormen demografischen Herausforderung, weil in den nächsten Jahrzehnten Millionen von sehr gut ausgebildeten Babyboomern in Rente gehen. Allein durch – wie derzeit – hohe Nettozuwanderung von Migranten ist diese Herausforderung nicht zu bewältigen. Auch erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen und Rentnern hilft nur bedingt weiter. Der Schlüssel zur Lösung heißt Produktivitätssteigerung. Darauf hat die OECD in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht Deutschland erneut aufmerksam gemacht. Das Rauschen im deutschen Blätterwald war jedoch kaum vernehmbar. Lediglich das britische Wirtschaftsblatt The Economist (Ausgabe vom 7. Juni) hat die Bedeutung der Produktivitätsentwicklung  für Deutschland klar herausgestellt (wie übrigens regelmäßig, siehe auch Economist vom 26. April): Ohne Produktivitätssteigerungen wird sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland mittelfristig deutlich abschwächen.

Höhere Produktivität erfordert nicht nur neueste Technologien und private Investitionen. Hier ist Deutschland teilweise weltweit führend. Auch haben die Unternehmen in Sachen Weiterbildung in den letzten Jahren unter den Stichworten Employer Branding und Corporate Social Responsibility einiges getan. Doch angesichts des Marktversagens wegen externer Effekte bei der Weiterbildung sollte der Staat bessere Rahmenbedingungen schaffen, um im Inland verfügbare Kompetenzen verstärkt nutzen zu können. Die vereinfachte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist ein guter erster Schritt. Ein weiterer, großer Schritt wären öffentliche Investitionen im Bereich der Kompetenzfeststellung: Onlineportale für Kompetenztests für alle Alterskohorten in Verbindung mit einem Credit-Point-System könnten einen Quantensprung in der Weiterbildung ermöglichen.

Denn eine Kultur des lebenslanges Lernens ist insbesondere in Deutschland dringend nötig: Täglich lernen, ein Leben lang, nicht nur für nächste Prüfung – dieser Mindset ist erforderlich. Darin besteht die zentrale Antwort auf die demografische Herausforderung.

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