Warum die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa nur schleppend vorankommt

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„Das Hauptproblem liegt darin, dass die Mitgliedsstaaten auch eigene Mittel zusätzlich aufbringen müssen.“
(Werner Eichhorst bei RTL aktuell, 29. Juni 2014)

Der für den 11. Juli geplante EU-Gipfel zur Jugendarbeitslosigkeit ist mit Verweis auf mangelnde Fortschritte abgesagt worden. Warum tut sich bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit trotz der groß angekündigten europäischen Initiativen und der durchaus beachtlichen verfügbaren Mittel so wenig? Das Hauptproblem liegt darin, dass die so genannte Jugendgarantie als Kernstück der EU-Strategie national nicht überall kurzfristig und wirksam umgesetzt werden kann.

Die Beschäftigungsgarantie für Jugendliche funktioniert dort am besten, wo es das Problem der Jugendarbeitslosigkeit nur in einem begrenzten Ausmaß gibt und wo auch im Rahmen der Arbeitsverwaltung Kapazitäten zur gezielten Umsetzung bestehen, wie etwa in Skandinavien oder Österreich. In den Ländern, die aktuell eine hohe Jugendarbeitslosigkeit aufweisen und die nun EU-Mittel abrufen könnten, fehlt es an geeigneten Kapazitäten für die Entwicklung und Durchführung entsprechender Maßnahmen. Dies erklärt, warum bislang kaum Mittel entsprechend den Anforderungen der EU abgerufen worden sind.

Es geht also nicht primär um einen Mangel an Geld, sondern in erster Linie um die Strukturen, die für die Aktivierung und Qualifizierung der Jugendlichen notwendig sind. Geld hilft nicht allein, auch mehr Geld wird unter diesen Bedingungen nicht helfen, sondern die Problemlage unter Umständen noch verschärfen. Würden jetzt die Anforderungen an die Mittelvergabe vereinfacht, so bestünde ein erhebliches Risiko groß angelegter und wenig zielgerichteter Programme in Regionen hoher Jugendarbeitslosigkeit, die zwar kurzfristig die Statistik entlasten können, aber ohne eine solide Gestaltung und Umsetzung keine ausreichende Wirksamkeit erreichen werden. Sinnvolle Projekte müssen spezifisch sein, also auch eher kleiner, werden sich aber auf die Statistik der Jugendarbeitslosigkeit weniger deutlich auswirken.

Weiterhin gilt, dass aktive Arbeitsmarktpolitik allein das Problem der Jugendarbeitslosigkeit ohnehin nicht lösen kann. Jugendarbeitslosigkeit kann nicht isoliert betrachtet werden, da sie sehr stark mit den generellen Strukturen auf den Arbeitsmärkten sowie der Arbeitsnachfrage zusammenhängt. Aber Arbeitsmarktreformen sind noch schwieriger umzusetzen, und sie brauchen Zeit zum Wirken. Gleiches gilt auch für den Aufbau von Strukturen für die berufliche Ausbildung. Eine kurzfristige Linderung der Jugendarbeitslosigkeit ist hiervon also kaum zu erwarten. Am sinnvollsten ist dann eine Förderung der temporären Mobilität, damit junge Menschen noch rascher in anderen EU-Staaten Arbeit und Ausbildungsplätze finden können. Und die damit gewonnene Zeit sollte genutzt werden, um die Strukturen in den Herkunftsländern zu verbessern.

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