Die Zukunft der Arbeit hält noch mehr kreative Zerstörung für uns bereit

Werner Eichhorst

Werner Eichhorst

Die Beschäftigung in Deutschland hat Mitte 2014 mit 42,5 Millionen einen Rekordwert erreicht. Es ist aber nicht nur die Anzahl der Erwerbstätigen gestiegen, auch das lange Zeit allenfalls stagnierende Arbeitsvolumen – also die Anzahl der insgesamt geleisteten Stunden – hat zuletzt mit 58 Milliarden Stunden im Jahr 2013 wieder deutlich zugenommen. Bezahlte Erwerbsarbeit scheint entgegen manchen Vorhersagen nicht auszugehen, sondern bemerkenswert robust zu sein. Gleichzeitig befinden wir uns aber schon seit langem in einer Situation des massiven und permanenten Wandels. Wie bereits in der Vergangenheit haben wir es mit einem dynamischen Prozess der kreativen Zerstörung zu tun. Viele bekannte Unternehmen sind bereits verschwunden, ebenso einstmals mächtige Wirtschaftszweige und altbekannte Berufsbilder. Man denke etwa an Berufe in der Textilindustrie, in der Produktion von Unterhaltungselektronik in Deutschland oder auch in Bergbau und Schwerindustrie. Trotzdem ist die Erwerbstätigkeit nicht eingebrochen.

Kreative Zerstörung bedeutet aber eben nicht nur Zerstörung, sondern auch Kreation. Zeitgleich entstehen ständig neue Tätigkeitsfelder, Firmen, ganze Branchen, die es in der Vergangenheit gar nicht oder nicht in dieser Bedeutung gegeben hat – wie etwa der Software- und IT-Bereich, der Gesundheits- und Wellnesssektor, aber auch Marketing, Consulting und Finanzdienstleistungen. Das sind unaufhaltsame, aber keineswegs neue Entwicklungen. In einer Marktwirtschaft gibt es immer eine Prämie auf Innovationen, etwa durch die Entwicklung neuer Güter und Dienstleistungen oder Prozessinnovationen, die andere Anbieter wiederum unter Wettbewerbsdruck setzen. Individuen treiben diese Entwicklung an, als Entdecker und Anwender neuer Technologien. Dies gilt sowohl für die Produzenten als auch für die Konsumenten. Jeder und jede leistet damit einen Beitrag zu den Umwälzungen, die wir beobachten können. Dies zeigt sich auch im statistischen Bild der Erwerbstätigkeit.

Quelle: Sachverständigenrat, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.

Quelle: Sachverständigenrat, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnungen.

Wachsende Berufe umfassen vor allem Tätigkeiten, die mit Erzeugung und Anwendung von Wissen, dem Umgang mit Entscheidungen angesichts von Komplexität sowie mit persönlicher Interaktion zu tun haben. Dies sind menschliche Tätigkeiten, die kaum oder nur sehr eingeschränkt automatisiert werden können. Gewinner beim Wandel der Berufsbilder waren und sind Tätigkeiten in Forschung, Entwicklung, Beratung, Koordination und Steuerung, in Gesundheit und Pflege, Gastronomie sowie im Freizeit-, Touristik- und Logistikbereich.

Tätigkeiten im Kernbereich der Produktion im herkömmlichen Sinne befinden sich in einem langfristigen Sinkflug, weisen aber trotzdem hierzulande eine bemerkenswerte Stabilität auf, auch weil und insoweit es gelingt, technologische und organisatorische Innovationen zu entwickeln und anzuwenden. Berufe der Elterngeneration verschwinden zum Teil oder verändern ihr Gesicht, einige der neuen Berufsbilder sind nicht leicht zu erklären – immerhin gibt es aber einen Markt, der bestimmte Tätigkeiten nachfragt. Auch wenn technologische Entwicklungen die Automatisierung von bestimmten Routinetätigkeiten vorantreiben werden, besteht kein Grund zur Befürchtung, dass es dann keinen Raum für menschliche Arbeit geben wird. Wir können eher davon ausgehen, dass der Prozess der kreativen Zerstörung weitergehen und auch in Zukunft viele Möglichkeiten für wissensintensive, innovative und personenbezogene Erwerbsarbeit bieten wird. Damit gehen natürlich veränderte Anforderungen an die Qualifikation und die Beschäftigungsfähigkeit insgesamt einher.

Quelle: Mikrozensus, eigene Berechnungen.

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