Digitale Revolution: Überlebensstrategien für den Menschen

Alexander Spermann

Alexander Spermann

Viel wird über die Zerstörung bestehender Jobs durch die digitale Revolution geschrieben. Deutlich weniger wird zu den neuen Jobs veröffentlicht – vielleicht auch, weil häufig die Vorstellungskraft fehlt, was sich hinter den Wortungetümen verbirgt. So bieten altehrwürdige deutsche Institutionen wie die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien (VWA) neuerdings eine berufsbegleitende Weiterbildung zum Social Media Manager an. Social Media wie Xing, LinkedIn und Facebook sind inzwischen weitgehend geläufig. In der zweitgrößten industriellen Branche Deutschlands – der IT-Branche – werden Softwareentwickler mit Kompetenzen in den Bereichen Big Data und Cloud Computing gesucht. Diese Begriffe sind noch recht unhandlich, und Gerüchten zufolge gucken manche Zeitgenossen bei der Suche nach der Wolke gen Himmel.

Dass neue Jobs auch viel mit Apps zu tun haben, ist offensichtlich: Derzeit existieren etwa 1,5 Millionen Apps – manche sind sogar nützlich. Viele der im Silicon Valley ausgedachten neuen Geschäftsmodelle basieren auf dem Zugang zum Internet durch Apps auf Smartphones. Das mobile Internet ermöglicht neuen Plattformen wie Uber und airbnb exponentielles Wachstum und global roll-out innerhalb weniger Jahre. Der Begriff „Plattform-Kapitalismus“ hat sogar bereits Eingang in die englischsprachige Literatur gefunden.

Und was tun wir? Angst vor der neuen Weltregierung aus dem Silicon Valley entwickeln, wie es die Autoren der SPIEGEL-Titelgeschichte vom 28.2.2015 tun? Untätig beobachten, wie der „Planet der Smartphones“ (Economist, 28.2.2015) sich entwickelt ? Entnervt dem Drängen der Kinder nachgeben und ihnen zum zehnten Geburtstag ein Smartphone schenken?

Eine gute Idee ist zweifellos – empirisch untermauert – Selbstbewusstsein aufzubauen und sich auf Neues einzulassen. Das ist übrigens ein soft skill: Openness. Wer offener durch die Welt geht, erhöht seine Erfolgschancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer bei Schwierigkeiten auf die Zähne beißt und Rückschläge schnell verdaut, der ist auf dem richtigen Weg. Das lässt sich täglich üben. PISA und PIAAC stehen für die Messung der hard skills: Lesen, Schreiben, Rechnen (Mathematik wäre eine Übertreibung). Hard skills sind wichtig, soft skills werden jedoch in einer sich schnell ändernden digitalen und globalisierten Dienstleistungsgesellschaft immer wichtiger. Die gute Nachricht zum Schluss: Hard und soft skills lassen sich bis ins hohe Alter weiterentwickeln.

(Basiert auf einem Vortrag beim Symposium von Ludwig-Erhard-Stiftung und IZA: “Wohlstand für alle – Soziale Marktwirtschaft in Zeiten der digitalen Revolution”)

Lesen Sie dazu auch:
“Digitale Revolution wird die Arbeitswelt grundlegend verändern”

Bildquelle: IZA
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