Nehmen Zuwanderer uns die Jobs weg? New York Times zitiert Forschung aus dem IZA-Netzwerk

BauarbeiterDie verbreitete Angst vor mehr Zuwanderung beruht meist auf dem Vorurteil, Immigranten verdrängten Einheimische auf dem Arbeitsmarkt. Unter dem Titel „Debunking the Myth of the Job-Stealing Immigrant“ räumt ein aktueller Artikel in der New York Times mit diesem Mythos auf – und stützt sich dabei unter anderem auf Forschungserkenntnisse der IZA-Fellows David Card und Giovanni Peri. Demnach ergänzen Zuwanderer in der Regel die Qualifikationen einheimischer Arbeitskräfte und befördern deren „Aufstieg“ in Tätigkeiten mit höherem Anforderungsprofil und besseren Verdienstaussichten.

Peri analysiert diesen Zusammenhang in einem soeben erschienenen IZA-Diskussionspapier am Beispiel Dänemarks, das von 1991 bis 2008 einen hohen Zustrom von überwiegend geringqualifizierten Flüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Somalia, Afghanistan und Irak verzeichnete. Die staatlich verordnete Verteilung dieser Flüchtlinge auf die dänischen Gemeinden stellte ein „natürliches Experiment“ dar, anhand dessen sich der Einfluss von Zuwanderung auf den heimischen Arbeitsmarkt ideal erforschen lässt.

Wachstumstreiber der Nicht-EU-Zuwanderung

Zunahme der Zuwanderung aus den wichtigsten Nicht-EU-Staaten

Einheimische profitieren von beruflichem Aufstieg und Spezialisierung

Während sich viele der Zuwanderer aufgrund von Sprachproblemen zunächst auf einfache, meist handwerkliche Tätigkeiten konzentrierten, spezialisierten sich einheimische Arbeitnehmer zunehmend auf komplexere Jobs. Entgegen der landläufigen Meinung waren geringqualifizierte Einheimische deshalb keinem höheren Arbeitslosigkeitsrisiko ausgesetzt.

Abbildung 2: Durchschnittliche Komplexität der Aufgaben für Gruppen von Arbeitskräften im Zeitablauf

Komplexität der Qualifikationsprofile für Arbeitnehmergruppen im Zeitverlauf

Dieser Befund lässt sich auch auf andere europäische Länder übertragen, wie der von Peri ebenfalls mitverfasste Artikel “Immigration and careers of European workers: effects and the role of policies” (erschienen im IZA Journal of European Labor Studies) zeigt. Durchweg beförderte die wachsende Konkurrenz durch Zuwanderer den beruflichen Aufstieg von Einheimischen in anspruchsvollere Tätigkeiten (oder die Selbstständigkeit) mit höherer Qualifikationsanforderung und besserer Bezahlung.

Positive Effekte auf Löhne und Jobchancen

In der Gesamtbetrachtung ist die Wirkung von Zuwanderung auf Löhne und Einkommen von Einheimischen gering und in aller Regel positiv. Zwar kommt es in einigen Bereichen in der Tat zur Verdrängung von einheimischen Arbeitskräften, doch zugleich entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten, weil Zuwanderer die Qualifikationen von Einheimischen ergänzen sowie selbst Güter und Dienstleistungen nachfragen.

Den internationalen Stand der Forschung hat Peri in seinem IZA World of Labor-Artikel Do immigrant workers depress the wages of native workers?” zusammengefasst. Sein Fazit: Die Angst vor Jobverlusten durch Zuwanderung ist unbegründet. Im Gegenteil sind offene und zugleich flexible Arbeitsmärkte den Beschäftigungs- und Lohnaussichten einheimischer Arbeitskräfte eher förderlich.

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Bildquelle: pixabay & IZA
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