Markt statt Plan: IZA-Preis 2015 geht an den tschechischen Ökonomen Jan Svejnar

jan_svejnarDer mit 50.000 Euro dotierte IZA Prize in Labor Economics wird in diesem Jahr an den Wirtschaftswissenschaftler Jan Svejnar verliehen. Der an der Columbia University in New York lehrende Ökonom mit tschechischer und US-amerikanischer Staatsangehörigkeit hat mit seinen Analysen des Übergangs sozialistischer Planwirtschaften zu marktwirtschaftlichen Strukturen die Forschung geprägt und der Politik wertvolle Handlungshinweise gegeben. Svejnars Arbeiten haben maßgeblich dazu beigetragen, die ökonomischen Umbrüche in der Praxis erfolgreich zu bewältigen.

Bereits kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa legte Svejnar eine umfassende Agenda zur Gestaltung des Wandels von der Plan- zur Marktwirtschaft in Osteuropa vor. Rückblickend zeigt sich, wie treffsicher Svejnar bereits damals die Handlungsnotwendigkeiten in den Transformationsökonomien diagnostizierte: Effiziente Finanzmärkte, Handels- und Produktionsstrukturen setzten die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen und die Beseitigung von Marktzugangsbarrieren voraus. Privatisierungen und Anreizprogramme in Staatsbetrieben – etwa in Form von an den kurz- und langfristigen Betriebserfolg geknüpften Managergehältern – konnten die Unternehmen leistungsfähiger machen.

Svejnar empfahl darüber hinaus gezielte Sozial- und Arbeitsmarktreformen einschließlich der Einführung von Arbeitslosenunterstützung und Weiterbildungsprogrammen nach westlichem Vorbild sowie die Förderung der räumlichen Mobilität von Erwerbspersonen, um die Arbeitsmarktflexibilität in den Transformationsgesellschaften zu vergrößern.

Die Transformationsprozesse in Osteuropa zeigen, dass Svejnars Politikempfehlungen und seine danach folgenden umfangreichen Forschungsarbeiten überaus scharfsichtig waren und diejenigen Staaten den Umbruch am erfolgreichsten gestalten konnten, die Svejnars Empfehlungen besonders konsequent folgten.

IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann würdigte die hohe Praxisrelevanz der Forschungsarbeiten des Preisträgers:

„Jan Svejnar zählt zu den ausgeprägt politisch denkenden Ökonomen. Er hat das Forschungsgebiet der Transformationsökonomie maßgeblich mit aufgebaut und dabei stets im Blick behalten, dass praxisnahe Wissenschaft immer auch die Basis für gute Politikberatung sein muss. Für Europa war der Wandel der mittel- und osteuropäischen Länder von maroden Planwirtschaften zu erfolgreichen Marktwirtschaften die größte Herausforderung der Nachkriegszeit. Svejnar hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Wissenschaft diesen Prozess kompetent begleiten konnte. Der IZA Prize 2015 würdigt seine über zwei Jahrzehnte erbrachten Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet, die akademische Pionierleistungen und Richtschnur für politisches Handeln zugleich sind.“

Lesen Sie die Preisbegründung im Volltext.
Ausführlichere Infos im englischen IZA Newsroom.

This entry was posted in IZA News and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink.