IZA-Beiträge zur Reform der deutschen Zuwanderungspolitik

germanyDie deutsche Zuwanderungsdebatte gewinnt an Dynamik. Es mehren sich die Stimmen in Politik und Wirtschaft, die mit Blick auf den beginnenden Fachkräftemangel eine stärker an ökonomischen Belangen orientierte Migrationspolitik und ein „echtes“ Zuwanderungsgesetz fordern. Damit rückt die Diskussion näher an die von IZA-Experten seit langer Zeit vertretene Position heran, in Deutschland ein Auswahlsystem für die Gewinnung von ausländischen Fachkräften zu etablieren. Mit einem solchen Konzept würde sich Deutschland im Wettbewerb der Einwanderungsländer besser positionieren, zugleich aber auch die Akzeptanz von Zuwanderung und Zuwanderern im Inland stärken.

Ein aktueller IZA-Standpunkt plädiert für eine aktive Steuerung der Erwerbsmigration nach Deutschland durch ein Punktesystem und legt einen konkreten Gestaltungsvorschlag vor. Zuvor hatten IZA-Experten unter anderem für das Wirtschaftsministerium des Freistaats Sachsen ein entsprechendes Konzept erarbeitet und ausführlich begründet. Einen knappen Überblick zu den international praktizierten Punktesystemen liefert darüber hinaus ein neuer Artikel in IZA World of Labor.

Zuletzt hat IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann in diversen Gastbeiträgen für ausgewählte Zeitungen dezidiert Stellung zu dieser Thematik bezogen. Die wichtigsten Punkte fassen wir an dieser Stelle zusammen.

Demografischer Wandel setzt Sozialsysteme unter Druck

Um in Zeiten des demografischen Wandels das Funktionieren der sozialen Sicherungssysteme zu gewährleisten, „brauchen wir zwischen 400.000 und 600.000 Zuwanderer pro Jahr“, so Zimmermann in einem Interview mit der Leipziger Volkszeitung. Dass dabei zunehmend Augenmerk auf Migration aus Nicht-EU-Staaten gelegt werden müsse, macht Zimmermann in einem Gastbeitrag im Handelsblatt deutlich. Auch wenn die Zuwanderung aus der EU zuletzt angestiegen ist, kommen aus diesen sogenannten Drittstaaten derzeit nur 34.000 Erwerbsmigranten.

Punktesystem als Anreiz und Filter

Eine zentrale Forderung in dieser Debatte ist die Verabschiedung eines Gesetzes zur Regelung der Zuwanderung. „Trotz Fortschritten im Detail braucht Deutschland einen Mentalitätswandel und ein richtiges Einwanderungsgesetz, das temporäre wie dauerhafte Zuwanderung aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen transparent und klar regelt“, so Zimmermann in einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau. Als Kernelement dieses Gesetzes schlägt der IZA-Direktor ein zentrales Punktesystem vor, dessen Vorzüge er in einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt: „Ein Punktesystem ist […] hilfreich, weil es einfach, flexibel und transparent ist. Nicht nur potenzielle Zuwanderer können sich leichter ausrechnen, was ihre Chancen auf eine Zuwanderung erhöht: Deutschkenntnisse, soziales Engagement, Erfahrungen in anderen Ländern. Alles kann Punkte bringen. Das muss man nur definieren.“

Von Kanada und Australien lernen

Dass Deutschland bei der Ausgestaltung dieses Systems auch von anderen Ländern lernen kann, erläutert Zimmermann in einem Gastbeitrag für den Focus. In Kanada etwa werden einerseits Alter, Ausbildung, Beruf, Sprachkenntnisse und Arbeitsmarktbedarf sowie andererseits eine Höchstzahl von Einreiseerlaubnissen berücksichtigt. „Diese Kombination von qualitativer und quantitativer Steuerung macht das Erfolgsgeheimnis aus“, lobt Zimmermann das kanadische System. Auch Teile des australischen Modells könnten für Deutschland sinnvoll sein. Wie Zimmermann in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung erklärt, liegen die Vorteile des australischen Einwanderungssystems in seiner Flexibilität und einem vorbildlichen Marketing. (Lesen Sie dazu auch ein aktuelles IZA-Newsroom-Interview mit deutschen und australischen Experten.)

Flüchtlinge frühzeitig in den Arbeitsmarkt integrieren

Kritisch sieht Zimmermann allerdings die abweisende Flüchtlingspolitik Australiens. In einem Beitrag für den Kölner Stadtanzeiger fordert er, das europäische „Festungsdenken“ zu überwinden, Flüchtlinge stattdessen zügig in den Arbeitsmarkt zu integrieren und mit Sprachkursen zu unterstützen. Auf diese Weise könnten qualifizierte Flüchtlinge und Asylsuchende „nicht nur dazu beitragen, ihren Unterhalt und den ihrer Angehörigen zu finanzieren, sondern wären mit ihren erworbenen Kenntnissen und Erfahrungen bei einer späteren Rückkehr in das Herkunftsland auch beim weiteren wirtschaftlichen Aufbau dort eine wertvolle Hilfe“, so Zimmermann. In der Bild am Sonntag betont er, dass dies auch für Deutschland von Vorteil ist: „Viele von den Flüchtlingen könnten als Fachkräfte gebraucht werden.“

Eine Übersicht über diese und weitere Beiträge finden Sie hier.

Bildquelle: pixabay
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