IZA World of Labor Policy Symposium in Tokio: Herausforderungen des demografischen Wandels

IZA-WoL-Konferenz-JapanDie Folgen des demografischen Wandels sind in Japan mit seiner alternden Bevölkerung und seiner restriktiven Zuwanderungspolitik besonders heftig zu spüren. Nicht von ungefähr richtete das IZA daher in Tokio gemeinsam mit dem dortigen Research Institute of Economy, Trade and Industry (RIETI) ein Politiksymposium mit führenden japanischen und internationalen Forschern aus, um mögliche Arbeitsmarktreformen zur Förderung der Beschäftigung Älterer zu diskutieren.

In seiner Begrüßungsrede unterstrich RIETI-Präsident Masahisa Fujita die Bedeutung evidenzbasierter wissenschaftlicher Politikberatung, der sich IZA und RIETI gleichermaßen verpflichtet fühlen. Alessio J.G. Brown, Direktor Strategie und Forschungsmanagement am IZA, stellte in diesem Zusammenhang das Online-Kompendium IZA World of Labor vor.

David Neumark (University of California, Irvine) ging in seiner Rede auf die US-Gesetzgebung gegen Altersdiskriminierung ein, die zwar insgesamt die Jobchancen älterer Arbeitnehmer deutlich erhöht hat, sich jedoch während der jüngsten Krise als weitgehend wirkungslos erwies. Mit gesetzlichen Regelungen allein lässt sich das Problem der Altersdiskriminierung in den USA also offenbar nicht lösen.

Juan F. Jimeno (Banco de Espana) präsentierte am Beispiel der stärker regulierten europäischen Arbeitsmärkte verschiedene Politikansätze zur Förderung der Beschäftigung Älterer. Einen erhöhten Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer oder entsprechende Abfindungszahlen hielt er für weniger sinnvoll als ein „Experience Rating“ in der Arbeitslosenversicherung nach US-Vorbild, wo sich die Höhe der Arbeitgeberbeiträge nach deren Entlassungshistorie richtet. Jimeno wandte sich im Übrigen gegen den weitverbreiteten und empirisch nicht belegbaren Irrglauben, dass ein früheres Ausscheiden aus dem Erwerbsleben automatisch die Jobchancen von Berufseinsteigern steigere.

Ayako Kondo (Yokohama National University) referierte über die Beschäftigung Älterer in Japan und präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen japanischer Politikreformen. Die japanischen Gesetzesänderungen hatten Arbeitgeber verpflichtet, ihren Angestellten so lange einen Arbeitsplatz anzubieten, bis diese Anspruch auf volle Rentenauszahlung haben. Kondo hob hervor, dass sich die Löhne für diese Personengruppe als Folge solcher Gesetzgebung entsprechend zu sinken beginnen. Zudem machte sie deutlich, dass man sich auch in Japan im Lichte der schrumpfenden Bevölkerung künftig verstärkt mit dem Problem der noch zu geringen Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt beschäftigen müsse.

Im Rahmen einer intensiv geführten Diskussionsrunde wurde debattiert, welche Konsequenzen sich aus den internationalen Forschungsergebnissen für Japans Politik ergeben. Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Beschäftigung im japanischen Kabinettsbüro und RIETI-Programmdirektor Kotaro Tsuru (Keio University) unterstrich die Notwendigkeit von Lohnanpassungen und plädierte dafür, die japanischen Arbeitsmarktstrukturen zu reformieren. An die Stelle bislang dominierender Jobs mit „unendlich“ breitem Aufgabenspektrum müsse Japan Kurs in Richtung einer stärkeren Differenzierung nehmen, die klar definierte und spezifische Verantwortlichkeiten beinhaltet. Tsuru forderte darüber hinaus Reformgesetze, die die Segmentierung des Arbeitsmarktes reduzieren. Neben gezielten Anreizen zur Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen wurden als Handlungsoptionen ein an der Berufserfahrung ausgerichtetes Niveau der Arbeitslosenunterstützung und eine Abschaffung des verpflichtenden Renteneintrittsalters vorgeschlagen.

Die Panelteilnehmer waren sich einig, dass das japanische Sozial- und Arbeitsmarktmodel im Hinblick auf den demografischen Wandel nicht mehr tragfähig sei und umfassender Modernisierungen bedürfe.

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Bildquelle: IZA
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