Spermann fordert mehr Investitionen gegen Langzeitarbeitslosigkeit

„Wir brauchen eine Investitionsoffensive gegen Langzeitarbeitslosigkeit“, forderte Alexander Spermann (IZA-Direktor Arbeitsmarktpolitik Deutschland) bei einem Vortrag auf Einladung des Wirtschaft- und Arbeitsministeriums in Schleswig-Holstein gestern in Kiel. Eine Million Langzeitarbeitslose und drei Millionen Langzeitleistungsbezieher seien nicht hinzunehmen. Die bisherigen Anstrengungen der Bundesregierung gehen nicht weit genug. Es braucht mehr und besser qualifizierte Case Manager in den Jobcentern sowie Sucht-, Schulden- und psychosoziale Beratung bei Bedarf. Diese Investitionen können sich für alle Seiten rechnen: Für die Langzeitarbeitslosen, den Staat und die Gesellschaft.

spermann_lzaSpermann verwies dabei auf die Ergebnisse eines der größten britischen Sozialexperimente der letzten Jahre. Dabei wurden Langzeitarbeitslose massiv gefördert: durch passgenaue Beratung für 33 Monate, großzügige finanzielle Zuschüsse bei Aufnahme einer Vollzeittätigkeit und Zuschüsse fürs Durchhalten und Weiterbildung. Um den kausalen Effekt des Programms berechnen zu können, wurden knapp 7.000 Langzeitarbeitslose nach dem Zufallsprinzip in eine Programm- und eine Kontrollgruppe eingeteilt und über fünf Jahre regelmäßig befragt. Es stellte sich heraus, dass die Langzeitarbeitslosen in der Programmgruppe signifikant häufiger in Beschäftigung kamen und blieben. Außerdem verdienten sie deutlich mehr als die Langzeitarbeitslosen in der Kontrollgruppe. Das Programm erwies sich zudem als kosteneffizient: Die erhöhten fiskalischen Einnahmen konnten die ursprünglichen Mehrausgaben überkompensieren.

Die Veranstaltung im Landeshaus Schleswig-Holstein wurde von den Gastgebern – dem Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) und der Bürgerbeauftragten Samiah El Samadoni – eingeleitet. Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, hielt ebenfalls eine Rede bei der Veranstaltung zum Thema „10 Jahre Arbeitsmarkt- und Sozialreform“.

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gegen Langzeitarbeitslosigkeit (Wirtschaftsdienst 2015/4)

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Bildquelle: IZA
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