Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit – wie sieht die Situation in Europa aus?

Maßnahmen gegen die Langzeitarbeitslosigkeit stehen in diesem Jahr auf der Agenda der EU, aber auch in Deutschland rückt das Thema zunehmend in den Mittelpunkt der arbeitsmarktpolitischen Diskussion. Was können wir in diesem Zusammenhang aus dem Ländervergleich lernen, und welche Rolle kann die EU selbst dabei spielen?

LTUAnlässlich einer Keynote-Ansprache bei der Tagung „Wissenschaft trifft Praxis“ der Bundesagentur für Arbeit und des IAB zeigte Werner Eichhorst auf, dass sich eine Bewertung des Erfolgs einzelner Länder bei der Reduzierung von Langzeitarbeitslosigkeit nicht mit einfachen Kennzahlen vornehmen lässt, sondern mehrere Dimensionen in den Blick nehmen muss.

Zwar hat Deutschland vergleichsweise wenige Langzeitarbeitslose, wenn man ihren Anteil an allen Erwerbspersonen betrachtet, jedoch ist der Anteil Langzeitarbeitsloser an allen Arbeitslosen recht hoch. Dies kann zum Teil damit erklärt werden, dass die Erwerbsfähigkeit in Deutschland weiter gefasst wird als in anderen Ländern und der Zugang zu anderen Sozialleistungen hierzulande weniger als anderswo für ein „Verstecken“ von (Langzeit)Arbeitslosigkeit genutzt wird, etwa in Erwerbsunfähigkeitsrenten, längerfristigem Bezug von Krankengeld oder Vorruhestandsleistungen. Damit befinden sich in der Langzeitarbeitslosigkeit in Deutschland auch arbeitsmarktfernere Gruppen, die jedoch prinzipiell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen sollen und über die Instrumente der Arbeitsmarktpolitik erreicht werden können.

Der internationale Vergleich zeigt außerdem, dass es keine einfache arbeitsmarktpolitische Lösung für Personen mit größeren Vermittlungshemmnissen gibt, sondern es vor allem darauf ankommt, durch intensive und konstruktive Betreuung und Unterstützung die jeweilige individuelle Situation zu verstehen und geeignete Förderprogramme zu realisieren. Das jeweilige Bündel ist also entscheidend, nicht der massive Einsatz einzelner Instrumente.

Eine zentrale Rolle spielt die Häufigkeit, Intensität und Qualität von Gesprächen mit den Fallmanagern. Damit sind eine ausreichende Personalausstattung, eine gute Qualifizierung und ausreichende Handlungsspielräume für diese Akteure entscheidend. In Staaten mit hoher Langzeitarbeitslosigkeit muss also insbesondere am Aufbau solcher Kapazitäten gearbeitet werden, neben der Entwicklung innovativer und wirksamer Instrumentenbündel. Die EU kann über den Europäischen Sozialfonds zur Lösung dieser Herausforderungen beitragen.

Bildquelle: IZA
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