IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann: Deutsche Greencard ist eine Erfolgsgeschichte

Auf der CEBIT 2000 hatte Kanzler Schröder unerwartet erklärt, Deutschland brauche IT-Fachkräfte aus dem Ausland und dafür eine Greencard. Ab dem 1. August 2000 sollten insgesamt bis zu 20.000 Computerspezialisten aus Nicht-EU-Ländern angelockt werden. Am Ende kamen nur rund 13.000. Fünfzehn Jahre danach zieht IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann dennoch eine positive Bilanz. Gegenüber ZDF heute und in einem Beitrag für die Huffington Post bezeichnet er die deutsche Greencard als Erfolgsgeschichte und Katalysator der Reform der deutschen Zuwanderungspolitik.

Dazu drei Fragen an den Zuwanderungsexperten:

War die Greencard nicht vor allem ein Geschenk Gerhard Schröders an seine Freunde in der Wirtschaft?

zdf_heute_kfz_greencardZimmermann: Sicher überrascht zunächst, dass von den prognostizierten 50.000 bis 70.000 Stellen nur 13.000 durch Menschen mit Greencard besetzt wurden. Kritiker haben schnell von Lohndumping und ungerechtfertigten deutschen Wettbewerbsvorteilen gesprochen. Viele der Zuwanderer haben heute wieder das Land verlassen.

Also war das Ganze doch ein Flop? Die Menschen wurden gar nicht gebraucht, und heute spricht auch keiner mehr von der Greencard…

Zimmermann: Nein, das sehe ich anders. Die Quote für eine zeitlich begrenzte Zuwanderung war zunächst nur 10.000 und wurde im zweiten Jahr auf 20.000 angehoben. Knapp 18.000 Menschen hatten eine Zulassung. Zwar kamen nur 13.000 und sie waren sehr nützlich, aber das lag nicht an den Fachkräften oder der Politik, die sehr effizient umgesetzt wurde. Vielmehr brach die New Economy seinerzeit wirtschaftlich unerwartet ein, sodass sich die erwarteten Bedarfe nicht kurzfristig realisierten.

Was bedeutet die Greencard heute für die Zuwanderungspolitik?

Zimmermann: Die Greencard war seinerzeit Eisbrecher und Katalysator der Zuwanderungspolitik, die sich in eine Sackgasse manövriert hatte. Heute ist das damals erprobte Instrumentarium gesetzlich festgeschrieben und für alle Hochschulabsolventen erweitert und dauerhaft möglich gemacht. Für Höchstqualifizierte haben wir eine der offensten Einwanderungsregelungen der Welt für Arbeitsmigration. Nun muss es weitergehen für alle Fachkräfte. Ein Punktesystem in einem reformierten Zuwanderungsgesetz und die weitere Verbesserung der Zugänge von qualifizierten Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt gehören dazu.

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Lesen Sie dazu auch Klaus F. Zimmermanns Beitrag für die Huffington Post:

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