Initiativen gegen Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt

ADS_DiskriminierungTrotz einiger Fortschritte bleibt Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ein verbreitetes Phänomen. Immer noch werden Bewerber nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen, weil sie einen fremd klingenden Namen, ein zu hohes Alter oder das „falsche“ Geschlecht haben.

Um Diskriminierungen sichtbar zu machen und zu zeigen, welche Auswirkungen sie auf Menschen haben, startet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) jetzt eine bundesweite Umfrage. Unter dem Motto „Sie haben es erlebt? Berichten Sie davon!“ können sich vom 1. September bis zum 30. November alle in Deutschland lebenden Menschen ab 14 Jahren zu Diskriminierungen äußern, die sie in den verschiedensten Lebensbereichen selbst erfahren oder beobachtet haben. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen, die aus der gemeinsam mit dem Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung durchgeführten Umfrage entspringen, wird die Antidiskriminierungsstelle dem Deutschen Bundestag vorlegen.

Projekte zu anonymisierten Bewerbungsverfahren

Bereits 2012 hatte das IZA ein bundesweites Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zur freiwilligen Einführung anonymisierter Bewerbungsverfahren wissenschaftlich begleitet. Denn der Verzicht auf Foto, Namen und Angaben zu Geschlecht oder Ethnizität auf Bewerbungsunterlagen kann dazu beitragen, die häufig unbewusste Benachteiligung qualifizierter Bewerber abzubauen. Die durchaus ermutigenden Ergebnisse des Projekts sind als IZA Research Report No. 44 erschienen.

Im vergangenen Jahr wurde das Modellprojekt „Anonym Bewerben in Baden-Württemberg“ ebenfalls durch ein Forscherteam des IZA analysiert. Dabei zeigte sich, dass durch anonyme Bewerbungen Chancengleichheit für alle Bewerbergruppen herrscht, bei gleicher Qualifikation also weibliche Bewerbende, Personen mit Migrationshintergrund und ältere oder jüngere Bewerbende mit gleicher Wahrscheinlichkeit zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Zugleich wurde deutlich, dass sich Interessierte besser überlegten, ob sie sich überhaupt bewerben sollen, was zu einer höheren Qualifikation der Bewerbungen führte. Der Abschlussbericht des Projekts ist als IZA Research Report No. 63 abrufbar.

Zimmermann: „Wer diskriminiert, schädigt sich selbst“

In einem aktuellen Interview mit der Südwestpresse unterstrich IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann die Bedeutung von anonymen Bewerbungen: „Die meiste Diskriminierung im Einstellungsprozess findet bei der Entscheidung, wer eingeladen wird, statt.“ Zahlreiche, nicht mit der Leistungsfähigkeit im Job zusammenhängende Charakteristika der Bewerbenden hätten dabei Einfluss auf Entscheidungen der Personalchefs. „Ein ausländisch klingender Vorname kann dazu führen, dass man die Einladung zum Vorstellungsgespräch nicht bekommt“, erklärte Zimmermann. „Das gleiche gilt für das Alter, wenn man etwa über 50 ist.“ Daher, so der IZA-Direktor, gehe es bei anonymisierten Bewerbungen darum, solchen Kandidaten die Chance zu ermöglichen, bei einem Vorstellungsgespräch zu überzeugen. Zudem leide die Produktivität der Arbeit, wenn jemand bei höherer Fähigkeit aus Gründen der Ethnizität, des Geschlechts, des Alters oder des Aussehens einen Job nicht bekomme. „Wer diskriminiert, schädigt sich selbst“, folgerte Zimmermann.

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Bildquelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes
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