Eurozone braucht Arbeitsmobilität durch zirkuläre Migration

Eine Währungsunion kann nicht funktionieren, wenn die Mobilität auf den Arbeitsmärkten fehlt. Darauf weist IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann in einem Debattenbeitrag für die Süddeutsche Zeitung hin, in dem er Stellung zur europäischen Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik bezieht.

Vor dem Hintergrund von Griechenland-Krise, innereuropäischem Wohlstandsgefälle und gering entwickelter Arbeitsmobilität in der EU zeigt Zimmermann die Folgen falscher Politikstrategien auf. So seien etwa die anhaltende Euro-Krise und die ökonomischen Verwerfungen in ihrem Umfeld keineswegs überraschend. Nach dem Wegfall des Wechselkurses als Anpassungsinstrument divergierender Wirtschaftsentwicklung hätten die nationalen Regierungen wichtige Reformen versäumt:  „Weder wurde ein effektives System von Finanzhilfen oder ein Transfersystem zugunsten schwacher Mitgliedsländer etabliert, noch wurde die Mobilität der Arbeitskräfte hinreichend gefördert.“

arbeitsmobilitaetInsbesondere die Bedeutung mobiler Arbeitsmärkte und einer gezielt auf ihre Förderung gerichteten Politik werde bislang noch unterschätzt. Dabei sei die optimale Verteilung von Arbeit und Kapital der entscheidende Hebel für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa. Wanderungen von Arbeitskräften leisteten einen Beitrag zur Bewältigung von Ungleichgewichten zwischen den Volkswirtschaften. Gerade eine temporäre Arbeitsmigration sei in dieser Hinsicht ein wichtiges Instrument: Zuwanderer arbeiten befristet in einem anderen EU-Land, bis sich die Wirtschaftslage in ihrer Heimat wieder verbessert. In dieser Zeit erwerben sie Qualifikationen, die sie nach der Rückkehr auch im Herkunftsland einsetzen können.

Die EU-Osterweiterungen haben nach Einschätzung Zimmermanns zwar für eine Zunahme der EU-Binnenmobilität gesorgt, doch angesichts der einsetzenden gesellschaftlichen Alterungsprozesse sei absehbar, dass sich dieser Trend schon bald wieder umkehren werde. Die eigentliche Mobilitätsreserve für die europäischen Arbeitsmärkte bildeten deshalb Zuwanderer aus Drittstaaten. Doch auch bei ihnen sei keineswegs gesichert, dass sie dauerhaft im Land bleiben. In jedem Fall sei die Sorge, dass Arbeitsmobilität den heimischen Arbeitsmärkten schade, empirisch nicht haltbar.

Ein System zirkulärer Arbeitsmigration mit temporären Arbeitsverträgen ist nach Einschätzung Zimmermanns „ein Konzept, das mehr Erprobung und Vertrauen verdient“. Auf diese Weise könne auch eine europäische Antwort auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik gegeben werden:

klaus_f_zimmermann„Zirkuläre Abkommen mit Drittstaaten wären ein effektiver Ansatz, um Wirtschaftsflüchtlinge vom Elend und der Verschwendung von Ressourcen durch den Missbrauch von Asylverfahren abzuhalten. Auf Dauer könnte Europa zirkuläre Migrationsverträge unter anderem mit den Ländern des Mittelmeerraums unterhalten.“

Zimmermann betont in seinem Gastbeitrag den Nutzen, den Zuwanderung für die europäischen Volkswirtschaften habe und warnt vor einer Aushöhlung der Grundprinzipien der EU: „Weder schaden Zuwanderer einheimischen Arbeitskräften, noch beuten sie systematisch Wohlfahrtssysteme aus. Vielmehr waren sie wirksame Stimulatoren für Wirtschaftswachstum. Dieses Missverständnis bedroht nicht nur die europäische Idee von der Offenheit der Märkte, sondern gefährdet auch unseren Wohlstand. Ein Zerfall der Europäischen Union könnte die Folge sein.“

Der vollständige Beitrag “Arbeitsmigranten müssen willkommen sein” ist Teil der Euro-Debatte der SZ, in der prominente Ökonomen über die Krise in Griechenland und die Folgen für Europas Zukunft diskutieren.

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Bildquelle: IZA
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