Der US-Arbeitsmarkt brummt – aber die Ungleichheit nimmt zu

In den USA hat sich der Arbeitsmarkt fast vollständig von der Krise erholt: Die Arbeitslosigkeit ist unter 5% gesunken, und die Reallöhne sind zuletzt wieder deutlich gestiegen. Zugleich ist allerdings die Erwerbsbeteiligung zurückgegangen, während die Einkommensungleichheit nach wie vor drastisch zunimmt. Das sind die Hauptbefunde eines aktuellen IZA World of Labor Reports von Daniel S. Hamermesh, Professor am Royal Holloway (University of London) und IZA-Netzwerkkoordinator, der die Entwicklungen der letzten 15 Jahre auf dem US-Arbeitsmarkt unter die Lupe nimmt.

IZAWOL.361.gaDie Schwierigkeiten liegen laut Hamermesh unter der Oberfläche der positiven Makrodaten, etwa bei der vergleichsweise hohen Jugendarbeitslosigkeit von 15%. Die Langzeitfolgen für Gesellschaft und Arbeitsmarkt seien nicht zu unterschätzen, wenn junge Berufseinsteiger bereits mit Enttäuschungen und Rückschlägen ins Arbeitsleben starten.

Erstaunliches ist bei der Erwerbsbeteiligung zu beobachten, die in der Altersgruppe 55+ weiter steigt, während sie nicht nur bei Männern zwischen 20 und 54 Jahren zurückgeht, sondern inzwischen auch bei Frauen – was eine Trendumkehr bedeutet. Insgesamt fiel die Erwerbsquote seit 2000 um mehr als vier Prozentpunkte. Für Hamermesh ist dieser Trend jedoch nicht notwendigerweise negativ zu bewerten, zumal er auch dafür spricht, dass sich viele Amerikaner eine bessere Work-Life-Balance leisten können.

Problematisch ist dagegen die wachsende Kluft beim Einkommen, die auf überproportional gestiegene Reallöhne im oberen Einkommenssegment zurückzuführen ist. Auch die Entgeltlücke zwischen Schwarzen bzw. Hispanics und Weißen hat sich seit der Jahrtausendwende kaum weiter geschlossen.

Um der wachsenden Ungleichheit, soweit sie durch den Arbeitsmarkt verursacht ist, politisch entgegenzuwirken, schlägt Hamermesh eine steuerliche Mehrbelastung von Haushalten im oberen Einkommensdrittel vor, um damit im Gegenzug eine Entlastung von Geringverdienern und Mittelschicht zu finanzieren.

Lesen Sie den englischsprachigen Artikel im Volltext:

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Der Report von Dan Hamermesh ist der erste von insgesamt 27 geplanten Artikeln für IZA World of Labor, in denen renommierte Arbeits- und Makroökonomen aus verschiedenen Ländern die dortige Arbeitsmarktentwicklung pointiert zusammenfassen und bewerten. Unter der Rubrik “The labor market in …” werden neben Arbeitslosigkeit, Erwerbsbeteiligung und Lohnentwicklung auch weitere, im jeweiligen Länderkontext zentrale Arbeitsmarkttrends analysiert. Ein Deutschland-Report ist ebenfalls in Vorbereitung.

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