Wie der digitale Wandel die Geburtenrate beeinflusst

https://pixabay.com/en/student-typing-keyboard-text-woman-849828/Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird häufig als Grund für die sinkenden Geburtenzahlen in Deutschland genannt. Die fortschreitende Digitalisierung könnte das Problem lösen helfen, indem sie durch Home-Office-Lösungen und andere flexible Arbeitsmodelle die Entscheidung für ein Kind erleichtert. Ob sich ein solcher Effekt in der Realität belegen lässt, untersucht eine aktuelle IZA-Studie der italienischen Ökonomen Francesco C. Billari, Osea Giuntella und Luca Stella.

Die Grundvoraussetzung, um vom digitalen Wandel zu profitieren zu können, ist ein schneller Internetzugang. Die Autoren vergleichen daher regionale Unterschiede bei der Geburtenrate mit Daten zum Breitbandausbau in Deutschland. Um einen kausalen Effekt nachweisen zu können, nutzen sie die Methodik eines früheren IZA-Papers, das sich – vereinfacht gesagt – den Umstand zunutze macht, dass sich der Fortschritt beim DSL-Ausbau an technischen Gegebenheiten und nicht primär am Bedarf orientiert.

Digitalisierung beeinflusst Familienplanung von Akademikerinnen

Auf Basis von Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2008 bis 2012 zeigt die Analyse: Bei gut ausgebildeten Frauen im Alter von 25 bis 45 erhöht der Zugang zu schnellem DSL-Internet die Geburtenhäufigkeit um 9,3 Prozentpunkte. Der Zuwachs kommt vor allem dadurch zustande, dass sich Mütter häufiger für ein weiteres Kind entscheiden.

Dass die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf der ausschlaggebende Faktor zu sein scheint, lässt sich daran erkennen, dass in Regionen mit DSL-Verfügbarkeit die Häufigkeit von Heim- und Teilzeitarbeit zugenommen hat. Zugleich stieg die mit den Kindern verbrachte Zeit und die Lebenszufriedenheit.

Digitalisierungseffekt hängt vom Bildungsniveau ab

Doch der positive Effekt konzentriert sich vor allem auf Akademikerinnen. Bei Frauen unter 25 Jahren lässt sich kein signifikanter Anstieg der Geburtenhäufigkeit nachweisen. Eine mögliche Erklärung auf Basis früherer Studien sehen die Autoren darin, dass sich junge Frauen durch den schnellen Internetzugang eingehender über Geburtsrisiken und die Kosten von Kindern informieren, was vermehrt zu einem Aufschub der Familienplanung führen könnte.

Auch für Frauen mit niedrigerem Bildungsniveau erleichtert der digitale Wandel die Entscheidung für ein Kind offenbar nicht. Sie arbeiten häufig in Berufen, die sich für flexible Arbeitsformen weniger eignen. Die Forscher sehen daher einen potenziellen Trend zu einem „digitalen Geburtengefälle“ zwischen besser und schlechter ausgebildeten Frauen.

Download der Studie (IZA DP No. 10935):

Bildquelle: Pixabay
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