Profitieren Jungen von männlichen Grundschullehrern?

Männer? Höchstens im Hausmeisterkabuff“, befand DIE ZEIT angesichts des schwindenden Anteils männlicher Lehrer an Grundschulen. Manche Bildungsexperten beklagen, Jungen fehle es heute an männlichen Identifikationsfiguren außerhalb der Familie. Andere sehen die „Feminisierung der Grundschule“ (SZ) gar mitverantwortlich dafür, dass Mädchen beim Bildungserfolg inzwischen die Nase vorn haben. Aber führt das Aussterben männlicher Lehrer wirklich zu einem „Nachteil Junge“ (taz)?

Dieser Frage widmet sich IZA-Fellow Patrick A. Puhani (Leibniz Universität Hannover) in einem aktuellen IZA Discussion Paper. Um einen möglichen Einfluss des Lehrergeschlechts auf die Bildungskarriere der Schüler zu messen, analysierte er administrative Daten zu fast 200.000 Viertklässlern und rund 12.000 Lehrern an hessischen Grundschulen (Männeranteil: 10%) im Zeitraum 2007-2012.

In Deutschland spielt der Übergang ins mehrgliedrige Schulsystem eine entscheidende Rolle für den späteren Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg. Puhani untersuchte daher, ob sich das Geschlecht des Lehrers auf die Wahrscheinlichkeit einer Gymnasialempfehlung für Jungen auswirkt. Dabei berücksichtigte er mögliche Unterschiede zwischen den Schulen und Lehrern hinsichtlich Qualifikation, Alter, Bezahlung, Stundenzahl und unterrichteter Fächer.

Kein Einfluss auf Schulwahl und Bildungserfolg

Zwar zeigt die Analyse, dass Jungen von männlichen Lehrern minimal häufiger eine Gymnasialempfehlung erhalten. Dies hat jedoch keine messbaren Auswirkungen auf die tatsächliche Schulentscheidung, die letztlich bei den Eltern liegt. Ebenso wenig beeinflusst dass Geschlecht des Grundschullehrers die Wahrscheinlichkeit, dass die späteren Gymnasiasten eine Jahrgangsstufe wiederholen oder die Schule wechseln müssen.

Puhani plädiert daher dafür, den Schwund an männlichen Grundschullehrern nicht zu dramatisieren. Der weitere Bildungsverlauf zeige keine Benachteiligung von Jungen. Zu möglichen negativen Auswirkungen etwa auf die Persönlichkeitsentwicklung lässt sich anhand der Daten jedoch keine Aussage treffen.

Download der Studie (IZA DP No. 11139):

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