Fünf-Säulen-Konzept für Prävention und Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit

Zehn Jahre nach Inkrafttreten der „Hartz IV“-Reformen sind die Arbeitslosenzahlen in Deutschland auf ein Rekordtief gesunken. Die Langzeitarbeitslosigkeit verharrt allerdings auf vergleichsweise hohem Niveau (siehe dazu auch die aktuelle Ausgabe von IZA Compact). Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles plant daher, im Rahmen ihres Konzepts „Chancen eröffnen – soziale Teilhabe sichern“ Aktivierungszentren innerhalb der Jobcenter einzurichten sowie sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse für Langzeitarbeitslose und Langzeitleistungsbezieher mit bis zu hundert Prozent der Lohnkosten zu bezuschussen.

Das Nahles-Konzept geht in Richtung Aktivierung und soziale Teilhabe. Dieser grundsätzlich richtige Weg birgt jedoch auch Gefahren. So könnten im schlechtesten Fall mehr als 40.000 Arbeitsplätze in einer Parallelwelt des zweiten Arbeitsmarkts entstehen, warnt Alexander Spermann, IZA-Direktor Arbeitsmarktpolitik Deutschland.

Alexander Spermann

Alexander Spermann

Gegenüber der FAZ wies Spermann darauf hin, dass das ursprüngliche Hartz-Konzept des Forderns und Förderns noch stärker weiterentwickelt werden müsse. Notwendig seien insbesondere „eine individuelle Betreuung und die stärkere Integration über Zwischenziele“. Im Interview mit der ZEIT betonte Spermann, dass es bei Langzeitarbeitslosen auch um die „Würdigung und Wertschätzung von Aktivitäten“ gehe sowie darum, ihnen „Perspektiven aufzuzeigen“.

In der Reihe IZA Standpunkte präsentiert Alexander Spermann daher ein differenziertes Konzept zur Prävention sowie zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit und Langzeitleistungsbezug, das aus fünf Säulen besteht:

  1. Prävention durch Aus- und Weiterbildung
  2. Prävention durch mehr Abgänge aus Kurzzeitarbeitslosigkeit
  3. dauerhaften Abgang von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt fördern
  4. Abgang von Langzeitarbeitslosen in Qualifizierung fördern
  5. arbeitsmarktferne Langzeitarbeitslose und Langzeitleistungsbezieher über realistische Zwischenziele an den ersten Arbeitsmarkt heranführen

Die letzte Säule des Konzepts – der Aktivierungsansatz – stellt eine Weiterentwicklung des Prinzips des „Forderns und Förderns“ dar. Gefordert werden Aktivitäten mit dem Ziel der Integration in den ersten Arbeitsmarkt, Förderung wird ergänzt durch Würdigung und Wertschätzung der Aktivitäten durch den Fallmanager. Dabei müssen realistische Erwartungen zugrunde liegen, die als Zwischenziele formuliert werden sollen. So sollen Aktivitäten mit Zielrichtung ersten Arbeitsmarkt gefördert werden (z.B. ehrenamtliches Engagement, um potenzielle Netzwerke zu erschließen und soft skills zu trainieren).

Zur Realisierung des Fünf-Säulen-Konzepts sind vier bildungs-, sozial- und arbeitsmarktpolitische Entscheidungen der Politik notwendig: Es braucht mehr Prävention durch bessere Aus- und Weiterbildung zur Vermeidung zukünftiger Langzeitarbeitslosigkeit und Langzeitleistungsbezugs, mehr Fallmanager, bessere Aus- und Weiterbildung der Fallmanager und eine flächendeckende Versorgung mit sozialintegrativen Leistungen (Schuldner-, Sucht- und psychosoziale Beratung).

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Bildquelle: IZA
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