Diskriminierung von Schwulen und Lesben beim Aufstieg ins Top-Management

Ungleichbehandlung aufgrund der sexuellen Orientierung zieht sich durch verschiedene Bereiche der Arbeitswelt. Während Lohndiskriminierung und Mobbing wissenschaftlich bereits umfassend untersucht wurden, mangelt es noch an fundierten Erkenntnissen zur Benachteiligung beim Karriereaufstieg. Ein aktuelles IZA Discussion Paper von Cevat Giray Aksoy (EBRD & IZA) und Koautoren untersucht diesen Aspekt erstmals auf Basis umfangreicher britischer Daten von über 600.000 Befragten.

Demnach sind homosexuelle Beschäftigte zwar überdurchschnittlich häufig in beruflichen Positionen mit Personalverantwortung vertreten, allerdings zumeist auf den unteren Führungsebenen. Beim Aufstieg ins Top-Management sind schwule Männer bei gleicher Eignung gegenüber ihren heterosexuellen Kollegen benachteiligt. Gleiches gilt für lesbische Arbeitnehmerinnen, wenn auch in geringerem Maße.

Die Forscher halten Diskriminierung für die plausibelste Erklärung, zumal sie keine Hinweise auf systematische Unterschiede beim Qualifikationsniveau und anderen produktivitätsrelevanten Merkmalen finden, die für geringere Aufstiegschancen ursächlich sein könnten. Gelänge es mehr Angehörigen sexueller Minderheiten, die “gläserne Decke” zu durchstoßen, würde sich dies nach Einschätzung der Autoren positiv auf die Chancengerechtigkeit für den Führungsnachwuchs auswirken.

Lesen Sie eine ausführlichere Zusammenfassung in englischer Sprache.

Download der Studie (IZA DP No. 11574):

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Die versteckten Kosten der häuslichen Pflege von Angehörigen

Klamme öffentliche Kassen und fehlende Pflegefachkräfte führen in vielen alternden Gesellschaften dazu, dass immer mehr pflegebedürftige Menschen durch Angehörige betreut werden. In England und Wales beispielsweise sind rund 5,8 Millionen Menschen (etwa jeder zehnte Bürger) in die Pflege von Familienmitgliedern eingebunden. Insbesondere die Rund-um-die-Uhr-Betreuung hat im letzten Jahrzehnt massiv zugenommen – mit immensen Kosten für die Betroffenen.

Zu den direkten monetären Kosten in Form von zusätzlichen Aufwendungen und entgangenem Arbeitseinkommen kommen die psychologischen und emotionalen Kosten der Betreuung, die schwer in Geld zu bemessen sind.

Rebecca McDonald (University of Birmingham) und IZA-Fellow Nattavudh Powdthavee (Warwick Business School) nutzen daher die sogenannte „Wellbeing-Valuation“-Methode, um den „Schattenpreis“ der Pflege zu ermitteln. Mit diesem statistischen Verfahren lässt sich das fiktive zusätzliche Einkommen berechnen, dass notwendig wäre, um den Verlust an Lebensqualität auszugleichen, der durch die Pflege von Angehörigen entsteht.

Um den direkten Effekt der Pflegetätigkeit zu messen, konzentrieren sich die Forscher auf Fälle, bei denen infolge eines Unfalls ein akuter und unerwarteter Pflegebedarf auftrat. Anhand von umfangreichen Befragungsdaten zu Wohlbefinden und Lebenszufriedenheit errechnen die Autoren, dass die pflegenden Angehörigen im Schnitt rund 115.000 Euro an Zusatzeinkommen pro Jahr benötigen würden, um den Verlust an subjektivem Wohlbefinden auszugleichen, der durch die Pflegesituation entsteht und über die emotionale Belastung durch das Unfallereignis selbst hinausgeht.

Auch wenn es sich bei dieser Summe um einen statistischen Wert handelt, raten die Autoren, die versteckten Kosten nicht zu unterschätzen, wenn es etwa darum geht, durch eine stärkere Einbeziehung der Angehörigen die finanziellen Kosten der Pflege einzudämmen.

Download der Studie (IZA DP No. 11545):

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Yale-Ökonom Joseph Altonji erhält den IZA-Preis 2018

Joseph Altonji

Der diesjährige „IZA Prize in Labor Economics“ geht an den US-amerikanischen Ökonomen Joseph Altonji. Der 64-jährige Wirtschaftsprofessor an der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut erhält die mit 60.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine herausragenden wissenschaftlichen Beiträge unter anderem zur Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Die Preisverleihung findet im Rahmen der World Labor Conference anlässlich des 20-jährigen IZA-Jubiläums am 28. Juni 2018 in Berlin statt.

Das IZA-Preiskomitee würdigt das breite Spektrum von Joseph Altonjis Forschungsarbeiten, die sich konstruktiv mit etablierten ökonomischen Theorien und Modellen auseinandersetzen. Insbesondere hat Altonji wertvolle Beiträge zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Methoden geleistet, um die rigorose empirische Überprüfung theoretischer Annahmen und Vorhersagen zu ermöglichen. Auf diese Weise hat er maßgeblich zum besseren Verständnis von Arbeitsmärkten und individuellen wirtschaftlichen Entscheidungen beigetragen.

Beispielhaft hierfür sind seine Arbeiten zur „statistischen Diskriminierung“. Dieses Phänomen wurde bereits in den 1970er Jahren theoretisch beschrieben, jedoch von Altonji erstmals empirisch nachgewiesen. Demnach ist Diskriminierung, etwa aufgrund von Geschlecht oder ethnischer Herkunft, nicht notwendigerweise den persönlichen Präferenzen oder Vorurteilen der Arbeitgeber geschuldet. Unternehmen zahlen unterschiedliche Einstiegslöhne auch, weil sie die tatsächliche Produktivität eines Bewerbers zum Einstellungszeitpunkt nicht kennen und sich daher an der durchschnittlichen Produktivität anderer Mitglieder der gleichen sozio-demografischen Gruppe orientieren.

In einer Reihe wissenschaftlicher Beiträge weist Altonji nach, dass es auf diese Weise zu ungerechtfertigten Lohnunterschieden kommt. Erst mit wachsender Betriebszugehörigkeit und dem damit verbundenen „Lerneffekt“ der Arbeitgeber nähert sich die Entlohnung der tatsächlichen individuellen Leistungsfähigkeit an. Diese neuen Einsichten haben die Forderung nach wirksameren Maßnahmen gegen Ungleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt befeuert, zumal sie offenlegen, dass selbst unvoreingenommene Arbeitgeber mitunter aus einem für sie wirtschaftlich „rationalen“ Kalkül heraus diskriminieren.

Neben seinen Arbeiten zur Diskriminierung hat Altonji weitere Einflussfaktoren auf die Lohnungleichheit untersucht, darunter die Bedeutung von Bildungsabschlüssen. So zeigt er am Beispiel der USA, dass stark gestiegene Bildungsrenditen den Lohnabstand zwischen Beschäftigten mit und ohne Hochschulabschluss weiter vergrößert haben. Zugleich wächst aber auch innerhalb der Gruppe der Hochschulabsolventen die Lohnungleichheit, da sich die Verdienstaussichten je nach Studienfach und Spezialisierung innerhalb des Fachbereichs immer stärker unterscheiden.

Für die Bildungspolitik ergibt sich daraus ein Dilemma: Einerseits birgt der Versuch, möglichst viele Studierende für die lukrativen MINT-Fächer zu gewinnen, das Risiko hoher Abbrecherquoten. Fördert man andererseits die Studienwahl nach persönlichen Begabungen und Neigungen, besteht die Gefahr, Akademiker am Arbeitsmarkt vorbei zu qualifizieren. Altonjis Forschung liefert keine abschließende Antwort, verfeinert jedoch die Methodik, um den tatsächlichen „Wert“ eines bestimmten Bildungsabschlusses besser ermitteln zu können.

Die vollständige Preisbegründung ist in englischer Sprache abrufbar.

Über den IZA-Preis

Die außerordentliche Bedeutung arbeitsökonomischer Fragestellungen für die Bewältigung der Anpassungsprozesse auf den internationalen Arbeitsmärkten hat das Institut zur Zukunft der Arbeit dazu veranlasst, mit Unterstützung der Deutsche Post-Stiftung den „IZA Prize in Labor Economics“ ins Leben zu rufen. Dieser Preis wurde zunächst jährlich und seit 2016 alle zwei Jahre im Wechsel mit dem „IZA Young Labor Economist Award“ in Anerkennung besonderer wissenschaftlicher Leistungen auf dem Gebiet der Arbeitsökonomie verliehen und soll einen Anreiz zu weiteren Forschungsarbeiten liefern, die sich den drängenden Fragen der Arbeitsmarktpolitik widmen.

Zu den bisherigen IZA-Preisträgern zählt neben den späteren Nobelpreisträgern Dale Mortensen und Christopher Pissarides auch Altonjis Doktorvater, der Princeton-Ökonom Orley Ashenfelter. Zuletzt ging der IZA-Preis 2016 an die Harvard-Professorin Claudia Goldin, die mit zwei weiteren Frauen im siebenköpfigen IZA-Preiskomitee vertreten ist. Die Entscheidung des Preiskomitees erfolgt auf Basis von Nominierungen aus dem Kreis der rund 1.500 IZA Research Fellows und Affiliates.

[weitere Informationen und Liste bisheriger Preisträger]

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Mädchen, Mathe, Männerdomänen: Neue Erkenntnisse zu Geschlechterstereotypen

Obwohl inzwischen die Mehrheit der Abiturienten und Hochschulabsolventen in Deutschland weiblich ist, bleiben Frauen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik), in denen die Jobchancen und Verdienstaussichten besonders hoch sind, nach wie vor unterrepräsentiert. Mit Initiativen wie dem Girls’ Day oder Komm, mach MINT versuchen Politik und Wirtschaft, mehr Mädchen für Ausbildungsberufe und Studiengänge in diesen Bereichen zu begeistern.

Aber welche Faktoren beeinflussen eigentlich, für welches Fach sich Mädchen entscheiden und ob sie darin erfolgreich sind? Drei IZA Discussion Papers untersuchen die Effekte von Leistungsdruck, Klassenzusammensetzung und kulturellen Unterschieden auf die Bildungsentscheidungen von Mädchen. Ein viertes Discussion Paper beschäftigt sich umgekehrt mit der Frage, inwieweit Töchter bei ihren Vätern einen Wandel der Rollenbilder bewirken.

Lassen sich Frauen von schlechten Noten leichter entmutigen?

Ein Erklärungsansatz für die Geschlechterunterschiede bei der Wahl des Studienfachs besteht darin, dass Frauen sensibler auf schlechte Noten reagieren und deshalb anspruchsvolle Studiengänge meiden oder früher abbrechen, um in “leichtere” Studiengänge zu wechseln. IZA-Fellow Adriana D. Kugler stellt diesen Ansatz gemeinsam mit Catherine H. Tinsley und Olga Ukhaneva auf den Prüfstand. Für ihre Studie analysierten die drei Ökonominnen an der Georgetown University umfangreiche Daten einer großen US-Privatuniversität über den Zeitraum 2009 bis 2016.

In der Gesamtschau aller Studienfächer widerlegen die Ergebnisse den Erklärungsansatz: Die Wahrscheinlichkeit, aufgrund von schlechten Noten den Studiengang zu wechseln, ist bei Frauen und Männern gleich hoch. Ein Blick auf die männerdominierten MINT-Fächer zeigt jedoch, dass Frauen hier tatsächlich sensibler reagierten und ihr Studium als Reaktion auf schlechte Ergebnisse häufiger abbrachen als Männer. Daraus schließen die Autorinnen, dass der Notenfrust erst in Kombination mit einem männlich dominierten Studienumfeld zu einer höheren Sensibilität bei Frauen führt.

Je weniger männliche Mitschüler, desto mehr Mädchen wählen MINT-Fächer

Solche Peer-Effekte spielen bereits in der Schule eine wichtige Rolle, wie IZA-Fellow Pål Schøne in seiner gemeinsam mit Kristine von Simson und Marte Strøm verfassten Studie zeigt. Das Forscherteam des norwegischen Instituts für Sozialforschung untersuchte den Einfluss der Geschlechterzusammensetzung in Klassen der Unter- und Mittelstufe auf die Kurswahl und die schulischen Leistungen in der Oberstufe.

Demnach entscheiden sich Mädchen häufiger für MINT-Fächer, je weniger männliche Mitschüler sie haben. “Weniger männliche Konkurrenz” scheidet als Erklärung jedoch aus, wie die Autoren anhand von Umfrageergebnissen feststellen. Vielmehr legen die Erkenntnisse nahe, dass ein insgesamt verbessertes Lernumfeld (gemessen etwa an Pünktlichkeit, Mitarbeit und allgemeinem Wohlbefinden) dazu beiträgt, dass mehr Mädchen MINT-Fächer wählen und darin auch verhältnismäßig gut abschneiden.

Wie prägend ist das in der Familie vermittelte Rollenbild?

Viele Kinder werden schon in jungen Jahren mit verschiedenen Geschlechterstereotypen konfrontiert, entweder allgemeiner Natur (z.B. “Frauen brauchen keine Karriere zu machen”) oder auf Interessen und Fähigkeiten bezogen (z.B. “Technik ist nichts für Mädchen”). Inwieweit sich diese durch die Familie vermittelten Rollenbilder auf die Fächerwahl und das Abschneiden in MINT-Disziplinen auswirken, untersuchen Natalia Nollenberger (IE University) und Núria Rodríguez-Planas (CUNY, Queens College & IZA) in ihrer Studie.

Dazu nutzten sie PISA-Daten von rund 12.000 Zuwanderern der zweiten Generation in neun europäischen Ländern. Auf Basis des Global Gender Gap Index beurteilten sie, wie es um die Gleichberechtigung von Frauen in den insgesamt 35 Herkunftsländern bestellt ist. So konnten sie zeigen, dass Mädchen häufiger MINT-Fächer belegen und darin besser abschneiden, je weiter in den jeweiligen Herkunftsländern ihrer Eltern die Gleichstellung der Geschlechter vorangeschritten ist. Ausschlaggebend scheinen hier weniger bildungsspezifische Geschlechternormen zu sein als vielmehr die allgemeine politische und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen.

Wie Töchter die Einstellungen ihrer Väter verändern

Unter Vätern von Töchtern sind die traditionellen Geschlechterbilder weniger stark verbreitet als unter Vätern, die ausschließlich Söhne haben, so das Ergebnis einer Studie von IZA-Fellow Joan Costa-Font mit Mireia Borrell-Porta und Julia Philipp. Das Forscherteam der London School of Economics fand heraus, dass Väter mit einer um fünf Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit der Aussage “Männer verdienen das Geld und Frauen machen den Haushalt” widersprechen, wenn sie Töchter im schulpflichtigen Alter haben.

Die Studien zum Download:

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Luftverschmutzung steigert die Kriminalitätsrate

In der Metropole London kommt es an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung häufiger zu Verbrechen. Dass es sich dabei um einen kausalen Zusammenhang und keine bloße Korrelation handelt, hat ein Forscherteam der London School of Economics in einer aktuellen Studie belegt, die jetzt als IZA Discussion Paper erschienen ist. Demnach nehmen bei stärkerer Luftverschmutzung vor allem kleinere Delikte wie Laden- und Taschendiebstahl zu, während sich für Tötungsdelikte und andere schwere Straftaten keine signifikanten Effekte nachweisen lassen.

Für die Gesamtkriminalität ergibt sich ein Anstieg um 0,9 Prozent, wenn sich der Luftqualitätsindex (AQI) um zehn Punkte erhöht. An Tagen mit besonders hoher Schadstoffbelastung (AQI = 103,6) ist die Kriminalitätsrate somit um 8,4 Prozentpunkte höher als an Tagen mit der niedrigsten gemessenen Schadstoffbelastung (AQI = 9,3). Bereits eine leicht erhöhte Luftverschmutzung (AQI über 35), wie sie etwa an jedem vierten Tag auftritt, führt zu 2,8 Prozent mehr Straftaten. Von der Größenordnung her entspricht der Effekt einer um neun Prozent verringerten Polizeipräsenz.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine Verbesserung der Luftqualität in Großstädten nicht nur gesundheitsförderlich wäre, sondern auch eine kosteneffektive Methode sein könnte, um Verbrechen einzudämmen“, folgert der Umweltökonom Sefi Roth, der die Studie gemeinsam mit Malvina Bondy und Lutz Sager verfasst hat. Auch wenn sich der Effekt primär auf Bagatelldelikte beschränke, könne die Polizei auf diese Weise in die Lage versetzt werden, sich intensiver auf die Bekämpfung schwerer Straftaten zu konzentrieren.

Für ihre Analyse werteten die Forscher 1,8 Millionen Straftaten über einen Zeitraum von zwei Jahren aus und verglichen sie mit Daten zur Veränderung der Luftqualität in den einzelnen Stadtbezirken. Dabei berücksichtigten sie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmenge sowie die jeweiligen Wochentage und Jahreszeiten. Um andere Einflussfaktoren auszuschließen, nutzten sie außerdem den Umstand, dass sich die Schadstoffe je nach Windrichtung zufällig über das Stadtgebiet verteilen.

Als mögliche Ursache für den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Kriminalität nennen die Studienautoren den Anstieg des Stresshormons Cortisol bei hoher Schadstoffbelastung. Die Forscher gehen davon aus, dass sich ihre Ergebnisse auch auf andere Großstädte übertragen lassen, die gleichermaßen unter schlechter Luftqualität und hohen Kriminalitätsraten leiden.

Download der Studie (IZA DP No. 11492):
Crime is in the Air: The Contemporaneous Relationship between Air Pollution and Crime

Die gesellschaftlichen Folgen und wirtschaftlichen Kosten von Luftverschmutzung sind auch aus arbeitsökonomischer Sicht von hohem Interesse. So hatte ein IZA-Forscherteam anhand von umfangreichen Leistungsdaten aus dem Profi-Fußball in einer vielbeachteten Studie gezeigt, dass die Arbeitsproduktivität bei erhöhter Feinstaubbelastung messbar zurückgeht.

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Umstrittene Studie zur US-Drogenepidemie: Lebensrettendes Medikament verleitet zu riskanterem Verhalten

Gut gemeinte Politikmaßnahmen verpuffen bisweilen wirkungslos – oder erreichen im Extremfall sogar das Gegenteil des gewünschten Effekts (siehe dazu auch einen kürzlich erschienenen Beitrag zur Auswirkung der Kita-Gebührenfreiheit auf die Erwerbstätigkeit von Müttern). Wenn Ökonomen diese Fehlwirkungen mittels fundierter Datenanalyse offenlegen, werden ihre Ergebnisse von Befürwortern der Politikmaßnahme oft reflexartig angezweifelt und die Wissenschaftlichkeit pauschal in Abrede gestellt. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um ein Thema von hoher sozialpolitischer Brisanz handelt.

Ein Paradebeispiel für einen solchen Fall ist eine aktuelle Studie zu den Folgen der verbesserten Verfügbarkeit eines Überdosis-Gegenmittels für Drogenabhängige. Die Autorinnen stellen ihre Studie und die dadurch ausgelöste öffentliche Kontroverse ausführlich in einem englischsprachigen Gastbeitrag für den IZA Newsroom vor. Die wichtigsten Aspekte sind im Folgenden zusammengefasst.

Der Hintergrund: In den USA sterben inzwischen mehr Menschen an einer Opioid-Überdosis als im Straßenverkehr oder durch Mord. Der verstärkte Kampf gegen die Drogenepidemie zählt daher zu den obersten Prioritäten der aktuellen US-Innenpolitik. Um Todesfälle durch Überdosis zu reduzieren, plädieren viele Gesundheitsexperten für eine breitere Verfügbarkeit des Opioid-Gegenmittels Naloxon.

Das Problem: Die trügerische Sicherheit vor den fatalen Folgen einer Überdosis könnte zu vermehrtem und riskanterem Drogenkonsum verleiten. Ökonomen bezeichnen dieses Phänomen als „Moral Hazard“.  Ob und in welchem Umfang ein solches Verhalten tatsächlich zu beobachten ist, untersuchen Jennifer Doleac (University of Virginia & IZA) und Anita Mukherjee (University of Wisconsin–Madison) in ihrer aktuellen Studie, die jetzt als IZA Discussion Paper erschienen ist.

Die Studie: Um einen kausale Wirkung des erleichterten Naloxon-Zugangs auf den Anstieg von Drogenmissbrauch und damit verbundener Kriminalität herleiten zu können, nutzten die Autorinnen den Umstand, dass einzelne US-Bundesstaaten zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihre gesetzlichen Regelungen lockerten, indem sie etwa die Rezeptpflicht für Naloxon aufhoben oder die Verbreitung des Medikaments anderweitig erleichterten. Durch den Vergleich der jeweiligen Trends vor und nach den Gesetzesänderungen ließ sich der Effekt der Naloxon-Regelungen isolieren.

Das Ergebnis: Im landesweiten Durchschnitt nahmen die durch Opioid-Konsum bedingten Notfälle und Straftaten zu, während die Häufigkeit von tödlichen Überdosen nicht zurückging. Besonders ausgeprägt war der Effekt in den Staaten des Mittleren Westens, die von der Drogenepidemie am stärksten betroffen sind. Hier stieg auch die Zahl der Drogentoten um 14%, nachdem der Zugang zu Naloxon erleichtert worden war. Die Autorinnen fanden zudem Hinweise darauf, dass sich die negativen Folgen deutlich abschwächen lassen, wenn geeignete Rehabilitationsprogramme für Drogenabhängige angeboten werden. Sie plädieren daher nicht etwa für eine Einschränkung der Naloxon-Vergabe, sondern vielmehr für eine wirksamere Flankierung durch Behandlungsmaßnahmen für Betroffene.

Die Kontroverse: Nach der Erstveröffentlichung ihrer Studie ernteten die Autorinnen herbe Kritik und Anfeindungen in den sozialen Netzwerken und per E-Mail. Manche Kritiker warfen ihnen vor, wissenschaftliche Grundsätze missachtet zu haben, oder zweifelten die Herleitung des Wirkungszusammenhangs an. Andere stellten nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die moralische Integrität der Forscherinnen in Frage.

Die Reaktion: Die Autorinnen berücksichtigten sachdienliche Kommentare und erweiterten ihre Analyse um zusätzliche Kontrollen. Das Ergebnis änderte sich dadurch nicht, sondern gewann sogar noch zusätzliche an Plausibilität. Im Gastbeitrag für den IZA Newsroom fassen Jennifer Doleac und Anita Mukherjee ihre Erkenntnisse und Erfahrungen zusammen.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in englischer Sprache:
The moral hazard of life-saving innovations: Naloxone access, opioid abuse, and crime

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Debatte über Hartz IV: “Mut zum Experiment”

Hartz IV abschaffen, reformieren, ersetzen? Das Thema beherrscht die aktuelle arbeitsmarkt- und sozialpolitische Debatte in Deutschland. Die verschiedenen Vorschläge, die dazu in Berlin kursieren, bewertet IZA-Forschungsdirektor Holger Bonin im Interview mit der DuMont-Mediengruppe (Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung u.a.).

Dass die neue Bundesregierung mehr für Langzeitarbeitslose tun will, findet Bonin richtig, denn gerade die gute Lage am Arbeitsmarkt zeige: „Es gibt einen harten Kern an Langzeitarbeitslosen, die auch bei bester Wirtschaftslage keine Chance auf eine reguläre Arbeit haben. Und zwar nicht, weil sie nicht wollen. Viele Menschen, die sehr lange ohne Job sind, haben schwerwiegende Probleme, etwa weil sie krank sind oder weil ihnen elementare Qualifikationen fehlen.“

Den Vorstoß von Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD), über ein solidarisches Grundeinkommen Langzeitarbeitslose auf Mindestlohnniveau in der kommunalen Daseinsfürsorge zu beschäftigen, hält Bonin jedoch für problematisch: „Wer solche Tätigkeiten in Vollzeit bewältigen kann, den sollten und müssen wir in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln – denn da gehört er hin. Für die eigentliche Zielgruppe eines sozialen Arbeitsmarkts, also jene Menschen, die wirklich nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar sind, ist es dagegen gar nicht so leicht, passende Tätigkeiten zu finden.”

Zielführender sei der Vorschlag von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD), in einem sozialen Arbeitsmarkt die Lohnkosten für Langzeitarbeitslose zu bezuschussen. Dies berge eine geringere Gefahr, reguläre Jobs zu verdrängen, und biete „bessere Chancen, im ersten Arbeitsmarkt kleben zu bleiben, als wenn man Langzeitarbeitslose auf Dauer in einem öffentlich organisierten Beschäftigungssektor parkt.” Der Arbeitgeberbeitrag sollte jedoch mit der Zeit steigen, um Mitnahmeeffekte zu minimieren und Anreize für Qualifizierung zu setzen. Bei der flexiblen Gestaltung der Lohnkostenzuschüsse empfielt Bonin „etwas Mut zum Experiment”.

Lesen Sie das vollständige Wortlaut-Interview in der Frankfurter Rundschau.

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Wer sein Leistungsumfeld selbst wählen kann, ist motivierter

Soziale Vergleiche und Handlungen der Menschen um uns herum beeinflussen uns in unseren Entscheidungen. Unser direktes Umfeld ist allerdings kein Querschnitt der Gesellschaft, sondern wir suchen uns bewusst aus, mit wem wir uns vergleichen. Doch macht es einen Unterschied für die Leistungsbereitschaft, ob sich Mitarbeiter ihre Büronachbarn selbst wählen können oder Schüler für bestimmte Aufgaben eigenständig Gruppen bilden?

Dieser Frage sind die Bonner Doktoranden Lukas Kießling, Jonas Radbruch und Sebastian Schaube in einem Feldexperiment nachgegangen, dessen Ergebnisse jetzt als IZA Discussion Paper erschienen sind. Die Forscher ließen über 600 Siebt- bis Zehntklässler im Rahmen des Sportunterrichts jeweils zwei Linienläufe absolvieren – zunächst alleine, dann zu zweit.

Dabei wurde die Zusammenstellung der Laufpaare in einem Teil der Klassen per Zufall ausgelost, während die anderen Teilnehmer ihren Wunschpartner namentlich benennen bzw. nach der im Vorlauf erzielten Zeit auswählen konnten. Hatten sie die Wahl, wollten sich die Schülerinnen und Schüler bevorzugt mit engen Freunden bzw. mit gleich schnellen oder etwas leistungsstärkeren Läufern messen.

Im Schnitt waren alle Schüler im gemeinsam absolvierten Lauf schneller als bei der Einzelmessung. Allerdings fiel die Leistungssteigerung deutlich größer aus (siehe Abbildung), wenn die Läufer Einfluss auf ihre Mitstreiter hatten – und zwar unabhängig davon, ob sie diese anhand des Namens oder der relativen Leistung ausgewählt hatten.

In allen drei Versuchsvarianten profitierten die Teilnehmer überproportional stark von schnelleren Partnern. Eine detailliertere Analyse der Daten zeigt jedoch, dass nicht die tatsächliche Zusammensetzung der Paare ausschlaggebend für den Leistungsschub ist, sondern die „Kontrolle über die Situation“: Bereits die bloße Möglichkeit, seinen Partner selbst bestimmen zu können, führte zu einer höheren Leistungsbereitschaft.

Die Erkenntnisse verdeutlichen also einerseits den leistungsentfaltenden Einfluss von sozialen Vergleichen. Andererseits zeigen sie auch, dass es kontraproduktiv sein kann, wenn eine Lehr- oder Führungskraft die Schüler bzw. Mitarbeiter anhand bestimmter Kriterien in optimale Gruppen einzuteilen versucht. Denn der zusätzliche Motivationseffekt durch die eigene Entscheidungsmöglichkeit geht dabei verloren.

Die Studie (IZA DP No. 11365) zum Download:

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Neue Arbeitswelt: Arbeitszeitgesetz verliert an Bedeutung

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend. Schon heute verbringen Arbeitnehmer in ihrer Freizeit durchschnittlich mehr als fünf Stunden pro Woche mit beruflichen Aktivitäten. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der IZA/XING-Studie „Arbeiten in Deutschland“ hervor.

In der repräsentativen Befragung gaben 62,8 Prozent von 1.809 Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren an, sich auch in ihrer Freizeit mit Tätigkeiten zu beschäftigen, die eigentlich ihrer regulären Arbeitszeit zuzurechnen sind. Unter den zusätzlich befragten 1.967 XING-Mitgliedern sind es sogar 87,6 Prozent.

Dieser Befund wirft ein Schlaglicht auf Veränderungen in der Arbeitswelt, mit denen das gegenwärtige Arbeitsrecht nur schwer Schritt halten kann. So geht beispielsweise das Arbeitszeitgesetz davon aus, dass sich Arbeitszeit eindeutig messen lässt. Wird jedoch ein wachsender Teil der Arbeitsleistung nicht mehr am Arbeitsplatz erbracht, lassen sich Arbeitszeitüberschreitungen immer schwerer erfassen. Ein Instrument, das dazu gedacht ist, Arbeitnehmer vor Überlastung zu schützen, verliert damit an Wirkung.

Hilmar Schneider @ NWX

Die Realität überholt auch die im Arbeitsrecht gängige Definition von Arbeit als Zeit, in der Arbeitnehmer dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegen. „Wenn aber Dienstgeschäfte freiwillig außerhalb der Bürozeiten erledigt werden, erfüllt das nicht das Kriterium des Weisungsrechts und wäre somit keine Arbeit, was den Betroffenen einigermaßen absurd vorkommen dürfte“, erklärte IZA-Chef Hilmar Schneider im Rahmen der XING-Veranstaltung „New Work Experience“ in Hamburg.

Einerseits schafft die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber, Arbeitszeiten flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. Andererseits lösen sich auf diese Weise die Grenzen von Arbeit und Freizeit immer weiter auf. Diese Entgrenzung lässt sich empirisch beobachten. In der IZA/XING-Studie geben zwar weiterhin rund zwei Drittel (65,7%) der befragten Arbeitnehmer an, feste Arbeitszeiten zu haben. Bei den befragten XING-Mitgliedern, bei denen es sich überwiegend um „moderne Wissensarbeiter“ handeln dürfte, sind es allerdings weniger als die Hälfte (45,1%).

Bei den XING-Mitgliedern hat somit bereits heute eine Mehrheit flexible Arbeitszeiten. Die Studie zeigt außerdem, dass enorme Potenziale für flexible Arbeitszeitregelungen noch ungenutzt bleiben. So könnten die meisten Beschäftigten (53,5%) mindestens die Hälfte ihrer Tätigkeiten auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten erledigen. Bei den XING-Mitgliedern sind dies rund zwei Drittel (67,2%).

In der IZA/XING-Studie geben vier von zehn Arbeitnehmern (41,2%) an, in ihrer Freizeit mehr als zwei Stunden pro Woche mit Tätigkeiten zu verbringen, die eigentlich ihrer regulären Arbeitszeit zuzuordnen sind (z.B. Lesen und Beantworten von dienstlichen E-Mails, Beschäftigung mit Informationsmaterial und Fachliteratur). Bei den XING-Mitgliedern sind es deutlich mehr als die Hälfte (58,1%). Der durchschnittliche Arbeitnehmer verbringt auf diese Weise gut fünf Stunden seiner wöchentlichen Freizeit mit beruflichen Tätigkeiten. Mehr als sechs Stunden pro Woche beschäftigen sich Arbeitnehmer in der Freizeit zumindest gedanklich mit Vorgängen, die mit ihrer Arbeit zusammenhängen.


Die Studie offenbart auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen: In der repräsentativen Gruppe über alle Beschäftigen verbringen 67% der Männer, aber nur 50% der weiblichen Befragten einen Teil ihrer Freizeit mit beruflichen Aktivitäten. Die Forscher führen diese Diskrepanz zum Teil auf die immer noch ungleiche Verteilung der Arbeit im Haushalt zurück, die Frauen daheim weniger Zeit für Berufliches lässt. Ein weiterer Erklärungsansatz sind die Geschlechterunterschiede in den Tätigkeitsprofilen. So zeigt sich unter den XING-Mitgliedern, die sich von den Branchen und Tätigkeiten her ähnlicher sind als die repräsentative Gruppe, eine deutliche Angleichung von Frauen (83,7%) und Männern (88,8%) hinsichtlich Arbeit in der Freizeit.

Schneider: „Messbarkeit von Arbeitszeit gerät zur Illusion“

IZA-Chef Schneider sieht durch die Studienergebnisse die These bestätigt, dass das Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß ist: „Ein immer größerer Teil der Wertschöpfung gründet sich auf Wissensarbeit und soziale Interaktion. Beides findet zunehmend außerhalb eines physisch zu verortenden Arbeitsplatzes statt. Die Messbarkeit von Arbeitszeit gerät damit zur Illusion.“ So erfolge etwa die Steuerung moderner Unternehmen nicht mehr allein auf Grundlage von Inputgrößen wie der Arbeitszeit, sondern es werde zunehmend der Arbeitsoutput berücksichtigt. Eine Präsenzkultur am Arbeitsplatz, wie sie etwa aus Japan oder auch den USA bekannt ist, wirke sich dagegen eher als Kreativitätshemmnis aus.

Schneider hält deshalb auch eine grundsätzliche Debatte über die Definition von Arbeit für notwendig. Die Digitalisierung bewirke, dass selbständige Arbeit und abhängige Beschäftigung einander immer ähnlicher werden. Dadurch verliere der Arbeitnehmerschutz an Wirksamkeit und müsse an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Mit rückwärts gewandten Forderungen wie etwa dem Verbot von E-Mails außerhalb der offiziellen Bürozeiten sei dem nicht beizukommen.

Über die Studie:

Die Studie „Arbeiten in Deutschland“ wurde Anfang 2017 vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und XING gestartet. Anfang 2018 wurde bereits die zweite Befragungswelle dieser gemeinsamen Initiative abgeschlossen, um vor dem Hintergrund des fortschreitenden Wandels der Arbeitswelt neue Erkenntnisse über die Zukunftsperspektiven der Bevölkerung in Deutschland zu gewinnen. Die IZA/XING-Studie setzt sich aus zwei Befragungsteilen zusammen – einer nationalrepräsentativen Online-Umfrage mit rund 3.000 Teilnehmern und einer Online-Befragung von bis zu 6.000 zufällig ausgewählten XING-Mitgliedern.

Bislang sind folgende Ergebnisse erschienen:

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Wie der China-Schock das Freihandelsmantra relativiert hat

In den klassischen ökonomischen Modellen nützt der freie Außenhandel allen Beteiligten – oder stellt zumindest keinen der Handelspartner schlechter als vorher. Der wachsende Zuspruch für die populistischen Rezepte des Protektionismus zeugt jedoch gerade in den USA davon, dass die Globalisierung auch eine nicht zu vernachlässigende Gruppe von Verlierern hervorgebracht hat.

Der kometenhafte Aufstieg Chinas auf den Weltmärkten seit Anfang der 1990er Jahre hat gezeigt, dass die Globalisierung zwar den gesamtgesellschaftlichen Wohlstand mehrt, aber nicht allen Menschen zugutekommt. Wer seine Beschäftigung aufgrund der starken Konkurrenz durch Billigimporte verloren hat, findet häufig nur mit viel Aufwand oder erheblichen Gehaltseinbußen einen neuen Job in einer anderen Branche. Veränderte Anforderungsprofile bewirken, dass zwar manche Arbeitnehmer dauerhaft vom Freihandel profitieren, andere jedoch langfristige Nachteile in Kauf nehmen müssen.

IZA-Fellow David Autor (MIT) hat diese Problematik eingehend erforscht und den Stand der internationalen Wissenschaft in einem aktuellen Artikel für das Online-Kompendium IZA World of Labor zusammengetragen. Dazu zählt eine Studie, die den Einfluss der chinesischen Importkonkurrenz auf einzelne US-Wirtschaftsregionen (sogenannte Pendlerzonen) im Zeitraum von 1990 bis 2007 analysiert.

Anpassung des Arbeitsmarkts langsamer als gedacht

Demnach kam es überall dort, wo die ortsansässigen Unternehmen der verarbeitenden Industrie besonders unter Billigimporten aus China litten, zu dauerhaften Beschäftigungsrückgängen und Einkommenseinbußen vor allem im unteren Lohnsegment. Selbst nach einem Jahrzehnt war es nicht gelungen, die verlorenen Arbeitsplätze durch Verlagerung in andere Sektoren und höhere Arbeitsmobilität zu kompensieren – obwohl gerade der US-Arbeitsmarkt als besonders flexibel und anpassungsfähig galt.

Die von Ökonomen erwarteten kurzfristigen “Nachfrageschocks” entwickelten sich vielmehr zur anhaltenden Jobkrise in einzelnen Regionen. David Autor plädiert daher dafür, die Betroffenen von Massenentlassungen besser finanziell abzusichern, die regionale Strukturförderung zu stärken und Lohnsubventionen für Geringverdiener auszuweiten.

Lesen Sie den vollständigen Artikel (in englischer Sprache):

Verlierer und Gewinner der Globalisierung in Deutschland

Eine aktuelle Analyse von Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen und Jens Suedekum auf Basis der tagesgenauen Erwerbsbiografien von 2,4 Millionen Arbeitnehmern zeichnet für Deutschland ein ähnliches Bild: Die Konkurrenz durch Billigimporte hat hierzulande zum Abbau vergleichsweise gut bezahlter Industriearbeitsplätze geführt. In der Folge hatten vor allem Geringqualifizierte erhebliche Schwierigkeiten, erneut auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, während Höherqualifizierte von der Globalisierung profitierten. Sie wechseln deutlich häufiger als früher den Arbeitgeber, um lukrativere Jobs anzunehmen.

Download (IZA DP No. 11299):

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