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IZA Newsroom

IZA – Institute of Labor Economics

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Führt Corona zur Retraditionalisierung der Rollenverteilung in Familien?

November 20, 2020 by Mark Fallak

Wenn Männer in der Krise mehr Zeit mit Hausarbeit und Kinderbetreuung verbringen, wird das oft als Fortschritt auf dem Weg zu einer gleichberechtigten Rollenverteilung dargestellt. Die Soziologin Jutta Allmendinger tritt dieser Einschätzung entschieden entgegen. Sie diagnostiziert im Gegenteil eine „Retraditionalisierung“ der Geschlechterrollen. In der IZA-Vortragsreihe zu den politischen Lehren aus der Corona-Krise begründet die WZB-Präsidentin ihre These anhand von empirischen Befunden.

Die flächendeckende Schließung von Kitas und Grundschulen habe für erwerbstätige Mütter neben dem „Entzug freier Zeit“ auch einen „Verlust an Optionen“ bedeutet. Alternative Konzepte zur Entlastung von Familien, etwa durch Studierende, deren bezahlte Nebentätigkeiten wegfielen, seien nicht einmal diskutiert worden. Auch in der aktuellen Diskussion um verlängerte Winterferien würden die Belange von Frauen nicht berücksichtigt.

„Die Belange von Frauen werden in der Diskussion um verlängerte Ferien nicht berücksichtigt.“

Wo sich Väter verstärkt in Haushalt und Betreuung engagierten, sei dies in der Regel kein innerfamiliärer „Verhandlungserfolg“ der Mütter, sondern der Situation geschuldet, dass die Frau etwa einer systemrelevanten Tätigkeit nachgehe, während der Mann in Heim- oder Kurzarbeit sei. Allmendinger spricht in diesem Zusammenhang von „erzwungener Partnerschaftlichkeit“. Ein weiteres Problem, unter dem in erster Linie Frauen leiden, sei die Zunahme häuslicher Gewalt aufgrund der Corona-Einschränkungen.

Im Trend zum Homeoffice sieht Allmendinger kaum Vorteile mit Blick auf die Gleichberechtigung. Der Gender Care Gap verringere sich dadurch nicht – Frauen im Homeoffice würden eher mehr unbezahlte Arbeit verrichten als weniger. Mangelnde „Sichtbarkeit“ würde sich zudem negativ auf die Karrierechancen auswirken.

„Es ist falsch anzunehmen, dass das Homeoffice die Glücksbringerin für Frauen ist.“

Hier der komplette Vortrag mit anschließender Fragerunde als Video:

Weitere Infos zur IZA-Forschung „Corona-Krise und Arbeitsmarkt“: covid-19.iza.org

Filed Under: IZA News, Opinion

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten arbeitet während Corona im Homeoffice

October 8, 2020 by Mark Fallak

Mit dem Wandel der Arbeitswelt gehen auch neue Formen flexiblen Arbeitens einher. Fragen der Nutzung, Gestaltung und Wirkung von Homeoffice und ortsmobilem Arbeiten sind dadurch vermehrt in den Fokus gerückt. Dies gilt umso mehr, als Unternehmen und Beschäftigte während der COVID-19-Pandemie in großem Stil die Arbeit von zu Hause als Möglichkeit genutzt haben, um betriebliche Abläufe trotz Mobilitätsbeschränkungen und Abstandsregelungen aufrecht zu erhalten.

Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung greift das Thema auf und spricht sich für eine Erleichterung, Förderung und rechtliche Rahmung mobiler Arbeit aus. In einer Kurzexpertise für das Bundesarbeitsministerium hat ein IZA-Team gemeinsam mit Forscherinnen von IAQ und ZEW das verfügbare Wissen über die Nutzung, die Effekte und die rechtliche Gestaltung zu mobiler Arbeit und Homeoffice zusammengetragen, bewertet und an einigen Stellen gezielt erweitert.

Eine systematische Auswertung der verfügbaren Literatur wurde mit repräsentativen Umfragen vor und während der Pandemie, einer international vergleichenden Untersuchung sowie betrieblichen Fallstudien vertieft. Um die positiven Aspekte von Homeoffice und mobilem Arbeiten realisieren zu können, stellen sich demnach einerseits erhöhte Anforderungen an die betriebliche Organisation von Arbeit und Zusammenarbeit, andererseits an die Fähigkeiten zur Selbstorganisation bei den Beschäftigten. Die Praxis zeigt jedoch, dass in vielen Fällen passende Arrangements gefunden werden. So lässt sich Abb. 1 entnehmen, dass im Sommer 2020 bereits 36 Prozent der abhängig Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice gearbeitet haben (im Vorjahr waren es rund 24 Prozent).

Abb. 1: Nutzung von Homeoffice im Juli/August 2020 nach Gruppen (in %)

Dabei haben zum einen die Beschäftigten, die bereits in der Zeit vor Corona im Homeoffice gearbeitet haben, ihre Arbeitszeit, die sie von zu Hause oder einem anderen selbstbestimmten Ort aus arbeiten, massiv erhöht und verbringen aktuell vielfach den überwiegenden Teil ihrer gesamten Arbeitszeit im Homeoffice. Zum anderen haben während der Pandemie zahlreiche Beschäftigte erstmals mit der Arbeit im Homeoffice begonnen.

Trotz der starken Ausweitung der Arbeit von zu Hause aus und zusätzlichen Belastungsfaktoren wie dem Ausfall von Betreuungsinfrastrukturen waren die Beschäftigten mit ihrer Arbeit im Homeoffice zum Zeitpunkt der Befragung zu 87 Prozent alles in allem zufrieden bis sehr zufrieden. Dies gilt unabhängig von Bildungsstand, Geschlecht und Alter.

Eine klare Mehrheit der Beschäftigten befürwortet darüber hinaus einen individuellen Rechtsanspruch auf Homeoffice – genauer gesagt: auf Prüfung der Machbarkeit ortsflexiblen Arbeitens im Einzelfall. Die folgende Abbildung veranschaulicht das Verhältnis von Zustimmung (blau) zu Ablehnung (gelb) dieses Vorschlags nach Beschäftigtengruppen.

Abb. 2: Einstellungen zum Rechtsanspruch auf Homeoffice (Juli/August 2020)

Von den Befragten, die im Juli/August 2020 im Homeoffice gearbeitet haben, möchten 93 Prozent die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, auch in der Zeit nach Corona weiter nutzen. Die wesentlichen Vorteile, die die Beschäftigten – auch in der Corona-Zeit – mit dem Homeoffice verbinden, liegen darin, dass Zeit für die Fahrt zur Arbeit eingespart, Arbeit und Privatleben besser miteinander verbunden sowie mehr und besser gearbeitet werden kann.

Allerdings möchten die meisten Beschäftigten in der Zeit nach Corona weniger häufig im Homeoffice arbeiten als zum Befragungszeitpunkt, da oft vor allem der Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen vermisst wird. Eine deutliche Mehrheit von etwa zwei Dritteln präferiert ein Modell, bei dem sie einige Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten und die übrigen Tage am Arbeitsplatz im Betrieb.

Filed Under: IZA News, Research

Langfristige Arbeitsmarktfolgen für Schulabgänger in der Corona-Krise

August 31, 2020 by Mark Fallak

Die letzten Jahre waren goldene Zeiten für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Angesichts von Rekordbeschäftigung und Fachkräftemangel rissen sich viele Unternehmen geradezu um Nachwuchskräfte. Durch die Corona-Krise sehen sich die aktuellen Abschlussjahrgänge nun unverhofft mit großen Schwierigkeiten konfrontiert, überhaupt auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – vom Traumberuf ganz zu schweigen.

Dabei hat der Einstiegsjob einen entscheidenden Einfluss auf die späteren Karriereaussichten, wie umfangreiche Forschung aus dem IZA-Netzwerk belegt. Wer aus der Not heraus zunächst eine geringbezahlte Beschäftigung annimmt, muss auch längerfristig mit spürbaren Einkommenseinbußen rechnen. Eine kanadische Studie hat beispielsweise errechnet, dass die Karrierenachteile von Berufseinsteigern in Krisenzeiten erst nach rund zehn Jahren ausgeglichen sind. Am Ende des Erwerbslebens bleibt eine Einkommenslücke von fünf Prozent gegenüber Absolventenjahrgängen in Boomphasen, in denen die Arbeitslosigkeit um drei bis vier Prozentpunkte niedriger lag.

Wie wird sich Corona-Krise auf den Werdegang der diesjährigen Schulabgänger auswirken? Dazu hat das IZA rund 400 Expertinnen und Experten aus seinem internationalen Forschungsnetzwerk befragt. Insgesamt erwarten zwei Drittel der Befragten ernste Probleme beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Auffällig ist, dass in Deutschland wie auch in den USA pessimistische Erwartungen stärker verbreitet sind als beispielsweise in Italien und Spanien. Eine mögliche Erklärung könnte darin bestehen, dass in den Ländern mit extrem robustem Vor-Krisen-Arbeitsmarkt der relative Nachteil gegenüber früheren Einsteigerjahrgängen deutlich höher eingeschätzt wird als etwa in südeuropäischen Ländern mit traditionell hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Die Aufnahme eines Hochschulstudiums bietet eine Möglichkeit, krisenbedingte Arbeitslosigkeit zu vermeiden und zugleich die künftigen Karriereaussichten zu verbessern. Diese Option scheint in Großbritannien als besonders aussichtsreich zu gelten: Hier gehen drei von fünf Befragten davon aus, dass sich aufgrund von Corona mehr Schulabgänger für ein Studium entscheiden werden, um drohender Arbeitslosigkeit zu entgehen.

Dass in Deutschland überdurchschnittlich viele Experten dieser Aussage nicht zustimmen, könnte damit zusammenhängen, dass hierzulande die duale Ausbildung einen traditionell hohen Stellenwert hat und in der Krise durch staatliche Ausbildungs- und Übernahmeprämien zusätzlich gefördert wird. Außerdem liegen die Hürden für den Hochschulzugang bei einer Studienberechtigtenquote von nur etwa 50 Prozent vergleichsweise hoch.

Wie sieht es mit den langfristigen Karrierenachteilen aus? Rund die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die diesjährigen Schulabgänger noch im Alter von 30 Jahren deutliche Einbußen gegenüber früheren Jahrgängen verzeichnen werden. Über das gesamte Erwerbsleben betrachtet fallen die Erwartungen etwas optimistischer aus. Ein Drittel der Befragten erwartet sogar keine langfristigen Nachteile aufgrund der Corona-Krise. Die Einschätzungen aus Deutschland liegen hier etwa im internationalen Mittelfeld.

Was können Schulabgänger selbst tun, um das Beste aus der aktuellen Lage zu machen? IZA-Fellow Philip Oreopoulos von der University of Toronto gibt dazu in einem IZA-WoL-Gastbeitrag einige praktische Ratschläge. Unter anderem empfiehlt er, als Alternative zu Ausbildung, Job oder Studium auch eine ehrenamtliche Tätigkeit in Erwägung zu ziehen, die Praxiserfahrung bietet und sich später gut im Lebenslauf macht. Klar ist für ihn allerdings auch: Im Vergleich zu den früheren Jahrgängen werden die heutigen Berufseinsteiger mehr räumliche Mobilität und berufliche Flexibilität mitbringen müssen.

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Mehr zu früheren Ergebnissen des IZA Expert Survey:

  • Kommen Hochqualifizierte und unbefristet Beschäftigte glimpflicher durch die Krise?
  • Experten in Deutschland sehen Kurzarbeit und Liquiditätshilfen als aktuell sinnvollste Maßnahmen gegen die Corona-Krise

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: career, COVID-19, education, graduate, school-to-work, youth unemployment

Kommen Hochqualifizierte und unbefristet Beschäftigte glimpflicher durch die Krise?

June 25, 2020 by Mark Fallak

Internationale Arbeitsökonominnen und -ökonomen sehen die kurzfristige Entwicklung der Arbeitsmarktsituation insbesondere von Hochqualifizierten und Arbeitnehmern in unbefristeter Anstellung weniger pessimistisch als die von anderen Beschäftigtengruppen. Im Mitte Mai durchgeführten „IZA Expert Panel“ stuften die Fachleute die erwartete Beschäftigungsentwicklung in ihrem Land auf einer Skala von -5 (starker Rückgang) bis +5 (starker Zuwachs) ein.

Demnach werden zwar für praktisch alle Gruppen Beschäftigungsrückgänge erwartet, aber für Beschäftigte mit geringer Qualifikation und Beschäftigte mit befristetem Arbeitsvertrag fallen diese vergleichsweise stark aus. Im Durchschnitt über alle Länder schlägt sich dies im Hinblick auf die Qualifikation in einer Differenz von 1,5 Skalenpunkten zugunsten der Hochqualifizierten nieder. Ähnliches gilt für Beschäftigte mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag im Vergleich zu Beschäftigten in befristeter Anstellung. In Kontinentaleuropa macht die jeweilige Differenz sogar bis zu zwei Punkte aus, in den USA dagegen maximal einen halben Punkt.

Abb. 1: Erwartung der Beschäftigungsentwicklung bis September 2020 nach Gruppen

Quelle: IZA Expert Panel 2020. Anmerkungen: Gefragt wurde nach der erwarteten Beschäftigungsentwicklung auf einer Skala von -5 (starker Rückgang) bis 5 (starker Anstieg). Die Anzahl der Beobachtungen liegt zwischen 47 (Großbritannien, (Un-)befristete Anstellung) und 494 (Gesamt, hohe Qualifikation).

Wie bereits in früheren Wirtschaftskrisen zeigt sich darin die elementare Bedeutung eines guten Bildungsabschlusses. In der aktuellen Krise sind Geringqualifizierte nicht zuletzt deshalb stärker von Job- und Einkommensverlusten betroffen, weil sich die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten weniger leicht ins Homeoffice verlagern lassen. Befristet Angestellte sind naturgemäß eher von Beschäftigungsverlust bedroht, da dem Arbeitgeber keine Entlassungskosten entstehen, wenn der Anstellungsvertrag ausläuft.

Obwohl über die Geschlechterungleichheit in der Corona-Krise aktuell intensiv diskutiert wird, erwarten die befragten Expertinnen und Experten vergleichsweise geringe Unterschiede zwischen der Beschäftigungsentwicklung für Männer (-1,5) und Frauen (-1,8). Für Spanien und Italien fallen die Unterschiede etwas stärker aus als im Durchschnitt, was mit einer anderen Verteilung der Geschlechter auf Berufe und Tätigkeitsfelder in diesen Ländern zusammenhängen könnte.

Transatlantische Unterschiede

Dass die Unterschiede in den USA über alle Dimensionen hinweg deutlich geringer ausfallen als in Europa, mag auf den ersten Blick überraschen. Der Hintergrund ist, dass US-Unternehmen sehr schnell mit Entlassungen auf den einsetzenden Nachfrageschock reagiert hatten. Zum Zeitpunkt der Befragung waren diese Entlassungen bereits weitgehend vollzogen, was sich in einem entsprechenden Rekordanstieg der Arbeitslosigkeit in den USA niederschlägt. Insofern ist zu berücksichtigen, dass sich die Einschätzungen für die USA auf eine andere Ausgangssituation beziehen als die für Europa, wo zum Befragungszeitpunkt viele Firmen zunächst einmal von staatlichen Unterstützungsprogrammen zur Beschäftigungssicherung Gebrauch machen konnten.

Inwieweit die in den USA bereits vollzogenen Entlassungen qualifikationsspezifische und geschlechtsspezifische Besonderheiten aufweisen, lässt sich anhand der Befragungsdaten leider nicht ermitteln. Die Einschätzungen für die USA sind unter dem genannten Aspekt stärker von Erwartungen im Hinblick auf die erwartete Erholung geprägt, während sich in den Einschätzungen für Europa eher Erwartungen im Hinblick auf zeitverzögerte Auswirkungen der Pandemie niederschlagen.

Über das IZA Expert Panel

Für das „IZA Expert Panel“ werden die Mitglieder des weltweiten IZA-Forschungsnetzwerks nach ihren Einschätzungen zu den Arbeitsmarktfolgen der Corona-Pandemie in ihren jeweiligen Ländern gefragt. An der Mitte Mai 2020 durchgeführten ersten Befragungswelle nahmen mehr als 500 Ökonominnen und Ökonomen aus rund 50 Ländern teil

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: COVID-19, IZA Expert Panel

Experten in Deutschland sehen Kurzarbeit und Liquiditätshilfen als aktuell sinnvollste Maßnahmen gegen die Corona-Krise

June 4, 2020 by Mark Fallak

Neben Kurzarbeit sind Steuerstundungen und andere Liquiditätshilfen für notleidende Unternehmen laut Experteneinschätzungen in der aktuellen Phase der Corona-Pandemie die für Deutschland hilfreichsten Politikinstrumente zur Abfederung der negativen Arbeitsmarkteffekte. Beide Instrumente wurden von jeweils über 80 Prozent der im Rahmen des „IZA Expert Panel“ befragten deutschen Arbeitsökonominnen und -ökonomen als „äußerst nützlich“ oder „sehr nützlich“ beurteilt.

Gegenüber öffentlichen Ausgabenprogrammen zur Stimulierung der Wirtschaft zeigen sich die Fachleute vergleichsweise skeptisch: Weniger als 40 Prozent bescheinigen diesen Maßnahmen einen hohen Nutzen. Sozialtransfers ohne Bedürftigkeitsprüfung (beispielsweise in Form von „Helikoptergeld“) halten sogar nur rund fünf Prozent für besonders geeignet zur Linderung der Corona-Folgen.

Im Vordergrund sollten demnach zum jetzigen Zeitpunkt Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung stehen, die darauf abzielen, Firmenpleiten und Entlassungswellen zu verhindern. So beurteilen weniger als 15 Prozent der Befragten eine Aufstockung der Arbeitslosenunterstützung oder eine Intensivierung der aktiven Arbeitsmarktpolitik als aktuell besonders hilfreich.

Tabelle 1: Experteneinschätzungen der Maßnahmen im Ländervergleich

Quelle: IZA Expert Panel 2020. Anm.: Die Prozentwerte zeigen an, wie häufig die jeweilige Maßnahme als „extrem nützlich“ oder „sehr nützlich“ eingeschätzt wird. Die Top-3-Maßnahmen je Land sind farbig markiert. Anzahl der Befragten: 57 (Deutschland), 53 (Großbritannien), 55 (Italien/Spanien), 132 (USA).

Bei der Bewertung der Krisenmaßnahmen für die nationalen Arbeitsmärkte zeigen sich teils deutliche Länderunterschiede (siehe Tabelle 1). Während in Deutschland das Kurzarbeitergeld, das sich schon in der Finanzkrise als probates Mittel zur Beschäftigungssicherung erwiesen hat, die Liste der als nützlich eingeschätzten Maßnahmen anführt, rangieren Liquiditätshilfen für Unternehmen in Großbritannien, Italien und Spanien auf dem ersten Platz. Auch andere staatliche Ausgabenprogramme mit breiterer Streuung werden hier im Durchschnitt positiver bewertet als in Deutschland.

Am gravierendsten fallen jedoch die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA aus. Zwei Drittel der US-Fachleute sehen den größten Nutzen in aufgestockten Unterstützungsleistungen für Arbeitslose; knapp die Hälfte beurteilt Sozialtransfers ohne Bedürftigkeitsprüfung als sehr oder sogar äußerst nützlich. Naheliegende Erklärungen sind der schwache Kündigungsschutz und das geringe Niveau sozialer Sicherung in den USA. Da die US-Arbeitslosigkeit infolge massiver Entlassungen zum Zeitpunkt der Befragung bereits drastisch gestiegen war, kommt der Unterstützung von Betroffenen dort eine höhere Bedeutung zu als der Sicherung von Beschäftigung.

Über das IZA Expert Panel

Für das Panel werden die Mitglieder des weltweiten IZA-Forschungsnetzwerks nach ihren Einschätzungen zu den Arbeitsmarktfolgen der Corona-Pandemie in ihren jeweiligen Ländern gefragt. An der Mitte Mai 2020 durchgeführten ersten Befragungswelle nahmen mehr als 500 Ökonominnen und Ökonomen aus rund 50 Ländern teil. Weitere Ergebnisse werden in Kürze veröffentlicht.

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Inspirierender Vordenker der Migrationsökonomie: Don DeVoretz

March 15, 2020 by Mark Fallak

IZA-Fellow Don J. DeVoretz ist am 14. März 2020 verstorben. Er gehörte viele Jahre zu den aktivsten Mitgliedern unseres Netzwerks und war eine herausragende Persönlichkeit auf dem Gebiet der Ökonomie der internationalen Migration.

Erst vor wenigen Wochen reichte er sein letztes IZA Policy Paper zu Fragen der kanadischen Einwanderungspolitik zur Veröffentlichung ein. Don DeVoretz hat im Laufe seines Schaffens zahlreiche wichtige Forschungsarbeiten vorgelegt, die die politische Relevanz der Migrationsökonomie illustrieren. Sein Hauptinteresse galt dabei stets der Ökonomie von Integration und Einbürgerung. Er war ein unermüdlicher Botschafter für ein liberales Staatsangehörigkeitsrecht und machte sich für Anreizstrukturen zum Spracherwerb von Immigranten stark.

Der Netzwerkprogrammbereich des IZA zu Migration und Arbeitsmobilität hat seinen klugen, weitsichtigen und inspirierenden Überlegungen viel zu verdanken. Das IZA erinnert sich dankbar an seinen warmherzigen Rat und die intensive Zusammenarbeit während seiner zahlreichen Aufenthalte in Bonn. Angesichts der jüngsten internationalen Tendenzen zu Populismus, Intoleranz und Abschottung gegenüber Einwanderern wird seine ruhige, aber kraftvolle Stimme sehr fehlen.

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Expertenkommission Forschung und Innovation stellt Jahresgutachten vor

February 19, 2020 by Mark Fallak

Heute hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) ihr diesjähriges Gutachten an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht. Die Kommission analysiert die Strukturen, Trends, Leistungsfähigkeit und Perspektiven des deutschen Forschungs- und Innovationssystems im internationalen Vergleich und erarbeitet Handlungsempfehlungen zu dessen Weiterentwicklung.

Neben aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen mit Blick auf die Umsetzung der Hightech-Strategie 2025 sowie Aktivitäten von Bund und Ländern im Bereich der Wissenschaftspolitik widmet sich das Gutachten drei Schwerpunktthemen:

Innovationsstandort Ostdeutschland – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung: Auch wenn sich die Innovationstätigkeit ostdeutscher Unternehmen an diejenige westdeutscher Unternehmen angeglichen hat, besteht noch Aufholbedarf bei der Aufnahme von Innovationsaktivitäten und der Einführung von Innovationen in den Markt. Die Expertenkommission empfiehlt, Unternehmen ohne Forschung und Entwicklung stärker in die Forschungs- und Innovationsförderung zu integrieren und bei der Markteinführung von Innovationen zu unterstützen.

  • Pressemitteilung: „Ost- und westdeutsche Unternehmen weitgehend auf Augenhöhe“

Cybersicherheit: Cyberbedrohungen haben negative Auswirkungen auf die Innovationstätigkeit von Unternehmen. Daneben ist Cybersicherheit selbst Gegenstand von Innovationsaktivitäten. Gemessen an der Zahl angemeldeter Patente liegt Deutschland deutlich hinter den USA, China oder Japan. Nach Einschätzung der Expertenkommission sollte die Bundesregierung insbesondere die Vermittlung von Cybersicherheitskenntnissen vorantreiben, digitale Infrastrukturen sichern, F&I-Aktivitäten in der Cybersicherheit fördern sowie kleine und mittlere Unternehmen bei der Umsetzung von Cybersicherheitsmaßnahmen unterstützen.

  • Pressemitteilung: „Cyber-Angst lähmt Innovation“

Wissens- und Technologieaustausch: In Deutschland besteht die Sorge, dass es beim Wissens- und Technologieaustausch mit China zu einem einseitigen Abfluss von Know-how und damit zu einer Schwächung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands kommt. Um dem vorzubeugen, sollte sich die Bundesregierung laut Expertenkommission für gleiche Wettbewerbsbedingungen bei Direktinvestitionen einsetzen, Übernahmen im Bereich sensibler Technologien sorgsamer prüfen und die China-Kompetenz in Deutschland verbessern.

Nach Einschätzung der Expertenkommission braucht ein produktiver wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Austausch mit China Köpfe, die mit der chinesischen Sprache und Kultur gut vertraut sind, aber auch die Märkte, institutionellen Rahmenbedingungen und politischen Strukturen dort gut kennen. „Eine solche umfassende China-Kompetenz ist in Deutschland bisher aber kaum anzutreffen“, kritisiert IZA-Forschungsdirektor Holger Bonin, der Mitglied der Expertenkommission ist. Dieser Mangel betreffe Wissenschaft und Wirtschaft, sei jedoch von großen Unternehmen häufig leichter zu bewältigen als von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Hochschulen.

  • Pressemitteilung: „Deutschland braucht mehr China-Kompetenz“

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Das vollständige Gutachten steht auf der EFI-Homepage zum Download bereit.

Filed Under: IZA News Tagged With: China, cybersecurity, Germany, innovation, research, reunification, technology

Harvard-Ökonom Lawrence Katz erhält den IZA-Preis 2020

January 16, 2020 by Mark Fallak

Der diesjährige IZA Prize in Labor Economics geht an den US-amerikanischen Ökonomen Lawrence Katz. Der 60-jährige Wirtschaftsprofessor an der Harvard-Universität erhält die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung für seine herausragenden Forschungsarbeiten zum Einfluss von Bildung und technologischem Wandel auf die Entwicklung der Einkommensungleichheit. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Weltkongresses für Arbeitsmarktökonomen am 27. Juni 2020 in Berlin statt.

Zu Katz‘ einflussreichsten Arbeiten zählt seine Analyse der wachsenden Einkommensungleichheit in den USA ab Mitte der 1970er Jahre. Durch die methodisch präzise Aufschlüsselung des Einflusses von Arbeitsangebot und -nachfrage konnte er nachweisen, dass die gestiegenen Qualifikationsanforderungen aufgrund des technischen Fortschritts zu einem Auseinanderdriften der Einkommen von Akademikern und Geringqualifizierten führten. Die von Katz mitentwickelte Methodik bildet bis heute eine wichtige Grundlage für die Ungleichheitsforschung weltweit.

In neueren Studien zur Polarisierung des Arbeitsmarkts wies Katz auf die Gefahr eines „Aushöhlens“ der Mittelschicht hin: Während der technische Fortschritt früher vor allem einfache manuelle Tätigkeiten bedrohte, sank im Zuge der Digitalisierung die Nachfrage nach Beschäftigten mit mittlerer Qualifikation relativ zu Hoch- und Geringqualifizierten. Dass hohe Einkommen dadurch überproportional stiegen, erklärt einen Großteil der wachsenden Einkommensungleichheit in den westlichen Industrieländern.

In den 1990er Jahren zählte Lawrence Katz gemeinsam mit den IZA-Preisträgern von 2006, David Card und Alan Krueger, zu den ersten Ökonomen, die auf einen positiven Beschäftigungseffekt von moderaten Mindestlöhnen hinwiesen und damit der gängigen Lehrmeinung widersprachen. Ebenfalls mit Krueger dokumentierte Katz zuletzt den Zuwachs alternativer Beschäftigungsformen – beispielsweise Zeitarbeit, Werkverträge und Soloselbständigkeit – auf dem US-Arbeitsmarkt. Demnach gewann die „Gig Economy“, die auf Vermittlung von Arbeitsaufträgen über Online-Plattformen basiert, zwar seit 2005 als zusätzliche Verdienstmöglichkeit an Bedeutung, verdrängte jedoch reguläre Beschäftigung bislang nur in sehr geringem Maße.

Besonders hohen Wert legt Katz neben innovativen Datenanalysen auf die sozialpolitischen Implikationen seiner wissenschaftlichen Arbeit. Als Forschungsleiter des groß angelegten US-Sozialprojekts „Moving to Opportunity“ evaluierte er in einer ganzen Reihe von Studien, wie sich der staatlich geförderte Umzug ärmerer Familien aus sozialen Brennpunkten in bessere Wohnviertel auf deren Wohlergehen auswirkt. Die Auswertung der langfristigen Einkommenseffekte unterstreicht, dass Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit im frühen Kindesalter ansetzen sollten: Während Erwachsene und ältere Jugendliche kaum von dem veränderten Wohnumfeld profitierten, verbesserten sich die späteren Verdienstaussichten von Kindern unter 13 Jahren deutlich.

„Der IZA-Preis 2020 würdigt das Lebenswerk eines herausragenden Ökonomen, der in idealer Weise das verkörpert, was für uns als Institut und weltweites Wissenschaftsnetzwerk im Vordergrund steht: Exzellente empirische Forschung mit hoher Relevanz für die Arbeitsmarktpolitik“, erklärt IZA-Chef Hilmar Schneider.

Die vollständige Preisbegründung ist in englischer Sprache abrufbar.

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IZA Young Labor Economist Award in San Diego überreicht

January 4, 2020 by Mark Fallak

Im Rahmen des traditionellen IZA-Empfangs während der Jahrestagung der Allied Social Science Associations (ASSA) im kalifornischen San Diego erhielt Leah Platt Boustan (Princeton University) den IZA Young Labor Economist Award für ihre wirtschaftshistorischen Studien zu Migration und Ethnizität.

Sie teilt sich die Auszeichnung mit Philipp Kircher (University of Edinburgh / EUI), der für seine Forschung zu Suchverhalten und Job-Matching auf dem Arbeitsmarkt geehrt wurde, jedoch nicht persönlich an der Preisverleihung teilnehmen konnte.

Foto von links nach rechts: Preiskomitee-Mitglied Claudia Goldin, IZA-Chef Hilmar Schneider, Preisträgerin Leah Boustan, Preiskomitee-Vorsitzender Daniel S. Hamermesh.

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Neue Erkenntnisse zur Verbreitung von Werkverträgen

December 11, 2019 by Mark Fallak

Werkverträge und andere Formen des „Outsourcings“ betrieblicher Prozesse sind kein neues Phänomen, geraten jedoch nicht zuletzt durch die wachsende Bedeutung der „Gig Economy“ zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Arbeitsmarktdebatte durch die Erschließung und Auswertung neuer Daten zu fundieren, zählt zu den Kernaufgaben des IZA-Programmbereichs „Arbeitsmarkt-Statistik“, der sich in seinem diesjährigen Workshop dem Schwerpunktthema „Contract Work“ widmete.

Plattformarbeit oft als Nebenverdienst

Zu den insgesamt 16 Präsentationen zählte eine von Andrew Garin vorgestellte Studie, die auf Basis von US-Steuerdaten eine Zunahme der Plattformarbeit um zwei Prozentpunkte (gemessen am Anteil aller Steuerpflichtigen) zwischen 2000 und 2016 ermittelt, wobei die Hälfte des Anstiegs auf die Jahre seit 2013 entfällt. Die überwiegende Mehrheit der in diesem Bereich Beschäftigten ist jedoch nicht als selbstständig gemeldet, sondern bessert mit „Gigs“ ein bestehendes Lohneinkommen auf.

Junge Unternehmen nutzen häufiger Werkverträge

Kyung Min Lee präsentierte Ergebnisse einer jährlichen Arbeitgebererhebung in den USA, nach der 30% der Unternehmen von Werkverträgen Gebrauch machen. Der Anteil am betrieblichen Arbeitsvolumen, gemessen in Vollzeitäquivalenten, beträgt im Durchschnitt 14%. Werkverträge kommen häufig in neu gegründeten Unternehmen zum Einsatz, vor allem in der Produkt- und Technologieentwicklung, seltener im Personalwesen oder für Managementaufgaben.

Arbeitnehmerrechte gefährdet

In seinem Keynote-Vortrag ging David Weil (Brandeis University), Autor von The Fissured Workplace, auf die Gefahren eines „zersplitternden“ Arbeitsmarkts ein. Viele Arbeitnehmerrechte, die für das klassische Normalarbeitsverhältnis konzipiert worden seien, würden durch den zunehmenden Einsatz von Subunternehmern und selbstständigen Auftragnehmern ausgehebelt.

Weitere Präsentationen sind dem Workshop-Programm zu entnehmen.

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