Teilkrankschreibungen können betriebliche Fehlzeiten und Gesundheitskosten reduzieren

Bei Krankschreibungen gilt in Deutschland bislang die Alles-oder-Nichts-Regelung: Arbeitnehmer sind entweder arbeitsunfähig oder müssen die volle Arbeitsleistung erbringen. In der Realität sind krankgeschriebene Beschäftigte aber häufig willens und in der Lage, schrittweise und mit verringerter Stundenzahl in den Job zurückzukehren. Immer wieder wird daher das Modell der Teilkrankschreibungen diskutiert, das in Deutschland selten und nur auf freiwilliger Basis Anwendung findet.

Wie sich eine gesetzliche Verpflichtung zu Teilkrankschreibungen auf betriebliche Fehlzeiten und das Krankengeld auswirkt, untersucht ein aktuelle Studie von IZA-Fellow Øystein Hernæs (Institute for Social Research, Oslo) auf Basis einer in Norwegen durchgeführten Reform. Dort ist es seit 2004 gesetzlich vorgeschrieben, dass Krankgeschriebene so früh wie möglich, in der Regel nach spätestens acht Wochen, wieder teilweise in den Job zurückkehren.

Da die Reform jedoch in der Praxis nicht konsequent durchgesetzt wurde, entschied sich die Regierung der Region Hedmark, mit einer Reihe von Maßnahmen nachzuhelfen: Sachbearbeiter wurden geschult und Krankgeschriebene regelmäßig ermutigt, ihren Arbeitgeber wegen einer Rückkehr in Teilzeit zu kontaktieren. Zudem wurden Ärzte, Unternehmen und die Öffentlichkeit mit einer Informationskampagne aufgeklärt. Da diese Aktivierungsmaßnahmen regional begrenzt waren, konnte Hernæs die Effekte isoliert betrachten.

Schnellere vollständige Rückkehr in den Job

Die Ergebnisse zeigen deutlich die positiven Effekte des Programms: Betriebliche Fehlzeiten wurden um 12 Prozent verringert und das ausgezahlte Krankengeld reduziert. Die positiven Effekte stellten sich unabhängig von Geschlecht, Alter und Branche ein – nur nur im Baugewerbe fielen sie geringer aus. Am stärksten waren die positiven Arbeitszeiteffekte bei Arbeitnehmern mit Muskel-Skelett-Erkrankungen. Die positiven Effekte blieben jedoch nicht nur auf die in Teilzeit geleisteten Stunden beschränkt: Teilkrankgeschriebene Arbeitnehmer kehrten schneller wieder vollständig in den Job zurück.

Die Studienergebnisse zeigen somit die positiven Potenziale von Teilkrankschreibungen. In Deutschland besteht zwar mit dem sogenannten Hamburger Modell bereits jetzt die Möglichkeit, nach sechs Wochen Krankheit auf freiwilliger Basis wieder einige Stunden zur Arbeit zu gehen und in dieser Zeit weiterhin Krankengeld zu erhalten. Vorschläge zur Einführung einer gesetzlichen Grundlage zur Teilarbeitsunfähigkeit wurden jedoch bislang nicht weiter verfolgt.

Download der Studie (IZA DP No. 10991):

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IZA/XING-Studie: Beschäftigte in Deutschland haben keine Angst vor der Digitalisierung

Nur jeder achte Arbeitnehmer in Deutschland befürchtet, dass der eigene Arbeitsplatz durch Automatisierung bedroht sein könnte. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Studie „Arbeiten in Deutschland“ von IZA und XING hervor. In einer repräsentativen Befragung gaben 12,6 Prozent von 1.272 Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren an, ihre aktuelle Tätigkeit könnte in den nächsten fünf Jahren durch den Einsatz moderner Technologien wegfallen. Unter den zusätzlich befragten 4.219 XING-Mitgliedern hielten sogar nur 2,3 Prozent ein solches Szenario für wahrscheinlich.

Die aktuelle Diskussion um ein „Ende der Arbeit“ aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung wird insbesondere durch eine Studie der Universität Oxford (Frey und Osborne, 2013) befeuert, nach der in den USA jeder zweite Job durch Automatisierung bedroht sei. Auf Basis der gleichen Berechnungsmethode könnten in Deutschland rund 42% der bestehenden Arbeitsplätze durch den Einsatz von Robotern und Computern wegfallen. Berücksichtigt man jedoch, dass die Tätigkeitsprofile innerhalb einzelner Berufsgruppen stark variieren können und nicht gleichermaßen automatisierbar sind, sinkt der Anteil potenziell gefährdeter Jobs auf 12% (Bonin et al., 2015).

Männer sehen sich eher durch Automatisierung bedroht

Dieser weniger dramatische Befund deckt sich offenbar mit der Einschätzung der Arbeitnehmer selbst. In der IZA/XING-Studie schätzen Männer das Automatisierungsrisiko allerdings deutlich höher ein (16%) als Frauen (9,1%). Die Forscher führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass Männer häufiger in körperlich anstrengenden Jobs tätig sind, in denen das Potenzial für den Einsatz von Maschinen noch am höchsten ist. Weibliche und männliche XING-Mitglieder, bei denen es sich überwiegend um „moderne Wissensarbeiter“ handeln dürfte, schätzten das Automatisierungsrisiko gleichermaßen gering ein.

Auffällige Unterschiede zeigten sich mit Blick auf das individuelle Problemlösungsverhalten. Nur 5,8% der Befragten, die nach eigenem Bekunden bei unvorhergesehenen Störungen der Arbeitsroutine selbst nach Lösungen suchen, sehen sich einem Automatisierungsrisiko ausgesetzt. Eher bedroht fühlen sich Arbeitnehmer, die im Störungsfall üblicherweise Vorgesetzte bzw. Kollegen verständigen. Hier gaben 15,5% bzw. 29,7% der Befragten an, ihr Job könnte der Automatisierung zum Opfer fallen.

Wandlungsfähig bleiben, Chancen nutzen

IZA-Chef Hilmar Schneider sieht durch die Studienergebnisse bestätigt, dass die Beschäftigten dem Wandel der Arbeitswelt mit Zuversicht begegnen sollten, statt sich von Schreckensszenarien verunsichern zu lassen: „Die Menschheit hat bis heute jeden technologischen Wandel – vom Webstuhl bis zum Internet – bewältigt, obwohl die Auswirkungen vorher kaum vorhersehbar waren. Wichtig ist, dass wir wandlungsfähig bleiben und die Chancen nutzen, statt uns vor den Risiken zu fürchten.“

Der Blick auf die Automatisierung werde oft durch eine asymmetrische Wahrnehmung verzerrt. Diejenigen Tätigkeiten, die durch neue Technologien überflüssig werden, seien recht einfach zu erkennen. „Die menschliche Fantasie versagt aber regelmäßig, wenn es darum geht, sich neue Tätigkeitsfelder und Bedürfnisse vorzustellen“, so Schneider. Bislang hätten sich untergehende und entstehende Jobs noch immer die Waage gehalten. Der IZA-Chef sieht aber auch das Bildungs- und Ausbildungssystem in der Pflicht, sich noch stärker auf die Vermittlung von Zukunftskompetenzen zu konzentrieren. Neben rein fachlichen Qualifikationen sind dabei immer mehr auch sogenannte „Soft Skills“ wie beispielsweise Kreativität, soziale Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein und unternehmerisches Denken von Bedeutung.

Lesen Sie hier ein ausführlichere Analyse mit weiteren Grafiken (PDF).

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Steuerkonzepte der Parteien entlasten Privathaushalte höchst unterschiedlich

Die Konzepte zur Reform der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlags in Deutschland driften je nach politischem Lager weit auseinander. Die privaten Haushalte hierzulande sind davon äußerst unterschiedlich betroffen: Die Wirkung der steuerlichen Gesamtentlastung schwankt zwischen 1,5 Milliarden Euro und 34,6 Milliarden Euro, die verfügbaren Einkommen privater Haushalte steigen in einer Spanne zwischen 107 Euro und 905 Euro pro Jahr. Bei sämtlichen Reformvorschlägen wächst die absolute Entlastung (in Euro-Beträgen) über weite Teile mit dem Einkommen.

Dies sind wesentliche Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von IZA und ZEW im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler haben die Reformvorschläge auf dem Gebiet von Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag  untersucht, wie sie in den Regierungsprogrammen von CDU/CSU und SPD enthalten sind. Ebenfalls simuliert wurden die Vorschläge des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und des bayrischen Finanzministeriums, der sogenannte „Bayern-Tarif“. Das Mikrosimulationsmodell von ZEW und IZA fußt auf der Erhebungswelle der Faktisch Anonymisierten Lohn- und Einkommensteuerstatistik (FAST) aus dem Jahr 2010 sowie auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) von 2015.

Von den Vorschlägen der Union würden Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen zwischen 150.000 Euro und 250.000 Euro in absoluter Betrachtung am stärksten profitieren. Bezogen auf das Einkommen, ist die relative Entlastung bei zu versteuernden Einkommen zwischen 100.000 Euro und 150.000 Euro am größten. Auch die Vorschläge der SPD und des DGB kommen der oberen Mittelschicht tendenziell stärker zugute als Geringverdienern. Hier liegt der Schwerpunkt der Entlastungswirkung jedoch bereits bei einem zu versteuernden Einkommen zwischen 55.000 Euro und 80.000 Euro beziehungsweise – bezogen auf das verfügbare Einkommen – bei 40.000 Euro bis 55.000 Euro. Für Haushalte mit zu versteuernden Einkommen jenseits von 150.000 Euro führen die Vorschläge von SPD und DGB dagegen zu beträchtlichen Einkommensverlusten. Haushalte, die mehr als 250.000 Euro jährlich versteuern, würden im SPD-Vorschlag mit etwa 7.500 Euro und beim DGB-Vorschlag sogar mit gut 20.000 Euro pro Jahr zusätzlich belastet.

Die Studie zeigt weiter, dass die Entlastungswirkungen bei der beabsichtigten Reform von Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag insgesamt für den DGB-Vorschlag bei zwei Milliarden Euro, für den SPD-Reformvorschlag bei 6,1 Milliarden Euro und für den CDU/CSU-Vorschlag bei 21,2 Milliarden Euro liegen. Die reinen Einkommensteuerkomponenten des Bayern-Tarifs belaufen sich auf 8,2 Milliarden Euro. Würde die von CDU und CSU in Aussicht gestellte Abschaffung des Solidaritätszuschlags bereits heute umgesetzt, fiele die Entlastungswirkung mit 22,6 Milliarden Euro (CSU) beziehungsweise 34,6 Milliarden Euro (CDU) deutlich höher aus.

Positive Effekte auf das Arbeitsangebot

Sämtliche Reformkonzepte führen dazu, dass sich das Arbeitsangebot ausdehnt, da durch die Entlastungen ein größerer Anteil des Mehrverdienstes beim Arbeitnehmer ankommt. Die stärksten positiven Arbeitsangebotseffekte gehen von den Vorschlägen der Union aus (bis zu 400.000 Vollzeitäquivalente). Werden die Effekte ins Verhältnis zur fiskalischen Entlastungswirkung gesetzt, liegt der DGB-Vorschlag mit 7,3 Vollzeitäquivalenten pro 100.000 Euro Entlastung vorne, gefolgt vom Bayern-Tarif mit 2,4 Vollzeitäquivalenten und dem SPD-Vorschlag mit 1,9 Vollzeitäquivalenten.

Treffen diese positiven Arbeitsangebotseffekte auf eine entsprechende Nachfrage, entstehen Gegenfinanzierungseffekte. Diese belaufen sich nach den Vorschlägen von SPD und DGB auf jeweils rund zwei Milliarden Euro, bei Zugrundelegung des Bayern-Tarifs auf 4,5 Milliarden Euro sowie bei Umsetzung des Konzepts von CDU/CSU beziehungsweise der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung auf etwa sieben Milliarden Euro.

„Derzeit wird oft beklagt, dass sich die Konzepte der etablierten Parteien kaum noch unterscheiden. Bei den steuerpolitischen Vorstellungen trifft das das aber nicht zu. Hier bedienen die Parteien nach wie vor unterschiedliche Einkommensgruppen“, kommentiert Holger Stichnoth, kommissarischer Leiter der ZEW-Forschungsgruppe „Internationale Verteilungsanalysen“ und Mitautor der Studie, die Ergebnisse. Die Verteilungswirkungen der Konzepte, so Stichnoth, seien für viele Bürgerinnen und Bürger aber nicht leicht zu durchschauen. So profitierten von einer Beseitigung des Mittelstandsbauchs nicht nur die Haushalte der Mittelschicht, sondern auch Haushalte mit hohem Einkommen. Die von der SPD geforderte Abschaffung des Solidaritätszuschlags für Einkommen unter 52.000 Euro würde auch Wohlhabende besser stellen.

Holger Bonin, Forschungsdirektor am IZA, sagt zu der Studie: „Wenn die Politik  die Mittelschicht und Geringverdiener  entlasten will, bringen Änderungen am Tarif der Einkommensteuer oder beim Solidaritätszuschlag relativ wenig. Mehrwertsteuersenkungen würden diesen Zielgruppen deutlich mehr bringen.“ Bonin warnt zudem davor,  durch Steuersenkungen staatliche Gestaltungsspielräume zu stark einzuschränken. „Auch wenn eine Steuerreform in dieser Legislaturperiode sicher notwendig ist: Die öffentliche Hand sollte auch danach noch genügend Geld für die dringenden Investitionen in Bildung und Infrastruktur behalten.“

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Die Studie „Ökonomische Bewertung verschiedener Reformoptionen im deutschen Steuer- und Transfersystem“ von ZEW und IZA ist Teil eines Rahmenvertrags für das BMWi. Neben dem IZA kooperiert das ZEW dabei auch mit dem Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmen Prognos AG.

Download (PDF, 5 MB):

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Das deutsche Arbeitsmarktwunder: Eine Bilanz

Arbeitslosigkeit in Deutschland (1960-2016)

Einst „kranker Mann Europas“, heute der Star unter den großen Volkswirtschaften: Der deutsche Arbeitsmarkt glänzt mit den besten Zahlen seit Jahrzehnten. Welchen Anteil die Hartz-Reformen am „deutschen Arbeitsmarktwunder“ haben, ist jedoch nicht nur in der Politik, sondern auch unter Ökonomen umstritten. Manche halten ihn für maßgeblich, andere für maßlos überbewertet.

Ohne Ideologie und Emotionen sei diese Frage tatsächlich schwer zu beantworten, meint IZA-Fellow Michael C. Burda (Humboldt-Universität zu Berlin). „Zum einen ist streng kausale Evidenz fast unmöglich zu erzeugen. Zum anderen gibt es mehrere alternative Narrative, die auch plausibel erscheinen.“

Gemeinsam mit seiner Koautorin Stefanie Seele hat Burda daher die Rolle der Hartz-Reformen für die Beschäftigungserfolge auf dem deutschen Arbeitsmarkt analysiert. Die daraus resultierende Studie ist jetzt in der Reihe „IZA Standpunkte“ erschienen und wird in Kürze im Fachjournal Perspektiven der Wirtschaftspolitik veröffentlicht.

Die Autoren stellen zunächst fest: Bezogen auf Erwerbsbeteiligungs-, Beschäftigten- oder Arbeitslosenquoten verlief der Arbeitsmarkt im vereinten Deutschland noch nie so gut wie im Jahr 2017. Dies gelte vor allem für Frauen, Ältere und Menschen in den neuen Bundesländern. Trotz des massiven Abschwungs im Zuge der Wirtschaftskrise 2008/2009 habe sich die deutsche Arbeitsmarktverfassung als bemerkenswert robust und anpassungsfähig erwiesen.

Starke Lohnspreizung, aber Ungleichheit der Haushaltseinkommen stabil

Als Preis des Arbeitsmarktwunders wird jedoch häufig die starke Lohnspreizung angeführt, insbesondere durch die Beschäftigungszunahme im unteren Lohnbereich und bei der Teilzeitarbeit. Die Autoren bestätigen, dass die Bedeutung des unteren Lohnsegments zwischen 2003 und 2010 massiv anstiegen ist. Dies gelte insbesondere für Stundenlöhne im Teilzeitbereich. Die Ungleichheit der Haushaltseinkommen nach Steuern und Transfers habe sich seit 2003 aber als stabil erwiesen.

Die nachhaltigen Beschäftigungserfolge, die weit über die üblichen konjunkturellen Schwankungen hinausgehen, werden mit mehreren Ursachen in Verbindung gebracht. Dazu zählen eine gemäßigte und beschäftigungskonforme Lohnentwicklung, die ertragsschwache Unternehmen vor geschmälerten Gewinnen oder Entlassungen bewahren sollte, eine günstige Lage der Weltnachfrage nach deutschen Produkten mit entsprechendem Außenhandelsüberschuss, aber auch die angebotsaktivierende Wirkung der Arbeitsmarktreformen im Rahmen der Agenda 2010.

Dass die Erholung auf dem Arbeitsmarkt selbst der großen Rezession nach der globalen Finanzkrise getrotzt habe, deute auf eine zentrale Rolle der Hartz-Reformen hin, so die Autoren. Empirisch belegen sie die Hypothese, die Lohnmoderation der Tarifparteien sei eine „notwendige, jedoch nicht hinreichende Bedingung“ für den Erfolg des deutschen Arbeitsmarktes seit 2005. Auch wenn die demographische Entwicklung zum Anstieg der Erwerbs- und Erwerbstätigenquoten beigetragen habe, fällt die Aktivierung von Erwerbsfähigen stärker ins Gewicht, gerade bei der Teilzeitbeschäftigung in Westdeutschland.

Insbesondere die Reform der Arbeitslosenunterstützung habe zwar einerseits die Zunahme des unteren Lohnsegments erst ermöglicht, andererseits aber eben auch den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Teil- und Vollzeitarbeit. Die starken Rückgänge der Realstundenlöhne ab 2004 zeigten den entscheidenden Einfluss des Arbeitsangebots auf das „Arbeitsmarktwunder“ in Deutschland. „Ein Rückbau der Reformen könnte diesen Erfolg gefährden“, befürchten die Autoren.

Download der Studie (IZA Standpunkte Nr. 89):

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Attraktives Aussehen steigert die Wahlchancen von Politikern

Auf die Inhalte kommt es an – aber nicht nur. Dass an der Wahlurne mitunter auch das Aussehen der Kandidaten entscheiden kann, hat Panu Poutvaara (ifo, Universität München & IZA) anhand umfangreicher internationaler Studien analysiert, deren Ergebnisse er in einem Artikel für IZA World of Labor und einem aktuellen Gastbeitrag zusammengefasst hat.

Demnach können Äußerlichkeiten inbesondere bei Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen weniger bekannten Kontrahenten das Zünglein an der Waage sein. Davon profitieren in den meisten Fällen konservative Politiker rechts von der Mitte, die in Befragungen durchschnittlich als attraktiver bewertet werden.

Am Beispiel der Parlamentswahlen in Finnland (siehe Grafik) ermittelte Poutvaara, dass Schönheit einen deutlich größeren Wettbewerbsvorteil darstellt als Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit, wenn andere Faktoren wie Prominenz oder Amtsbonus keine Rolle spielen.

Vorteile durch Aussehen, Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit bei Wahlen in Finnland

Dieser Befund deckt sich mit Erkenntnissen aus anderen europäischen Ländern, den USA und Australien. Dabei geht es weniger um die Schönheit an sich, sondern um positive Charaktereigenschaften, die attraktiven Menschen zugeschrieben werden. Allerdings lassen sich die Anhänger etablierter Parteien selten von Äußerlichkeiten leiten. Der Schönheitsbonus kommt primär bei Wechselwählern und politisch weniger Interessierten zum Tragen.

Aussehen in der Politik noch wichtiger als auf dem Arbeitsmarkt

Dass gutes Aussehen die individuellen Arbeitsmarktchancen und Lohnaussichten steigert, ist wissenschaftlich bereits vielfach belegt. In der Politik dürfte der Effekt laut Poutvaara sogar noch größer sein. Denn während sich Personalentscheider im Vorstellungsgespräch von den Qualitäten der Bewerbenden überzeugen können, kommen Wähler nur selten mit den Kandidaten in persönlichen Kontakt und entscheiden häufiger anhand oberflächlicher Kriterien.

Zwar seien die Parteien gut beraten, auch auf das Äußere ihrer Kandidaten zu achten, wenn sie ihren Wahlerfolg maximieren wollen. Dennoch betont Poutvaara: „Gutes Aussehen ist weder Garant noch Voraussetzung für den Wahlerfolg.“ Den Wählerinnen und Wählern empfiehlt er, sich vor dem Urnengang bewusst zu machen, inwieweit sie sich womöglich vom Aussehen des Kandidaten leiten lassen.

Lesen Sie den englischsprachigen Artikel in IZA World of Labor:

Hinweis:
Als Service für unsere deutschsprachigen Leser bietet IZA World of Labor zu den rund 400 bislang erschienenen Artikeln sukzessive auch deutsche Kurzzusammenfassungen an.
Eine Auswahl ist über die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) abrufbar.

Wir würden uns freuen, wenn Sie eine kurze Online-Umfrage dazu ausfüllen!

 

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Studierende der VWL und BWL bewerten weibliche Lehrkräfte systematisch schlechter

Obwohl immer mehr Frauen Wirtschaftswissenschaften studieren, schlagen nur wenige von ihnen die universitäre Laufbahn ein. Als Grund wird häufig eine systematische Diskriminierung vermutet, die sich jedoch in der Praxis schwer nachweisen lässt. Die schwelende Sexismus-Debatte wurde zuletzt durch eine Studie von Alice Wu befeuert, nach der Frauen in einem anonymen Internetforum für Nachwuchsökonomen in erschreckender Regelmäßigkeit mit abfälligem Vokabular belegt werden.

Ein aktuelles IZA Discussion Paper liefert nun empirische Befunde aus der realen Welt, die ebenfalls für eine verbreitete Ungleichbehandlung der Geschlechter in der akademischen Welt sprechen. Das Autorenteam Friederike Mengel, Jan Sauermann und Ulf Zölitz nutzte dafür Daten aus rund 20.000 Bewertungen von Lehrkräften durch Studierende der School of Business and Economics an der Universität Maastricht, einer der renommiertesten Business Schools in Europa.

Die Auswertung zeigt, dass weibliche Lehrkräfte am Semesterende systematisch schlechter bewertet wurden, obwohl sich die Qualität der Lehre – gemessen am Arbeitsaufwand der Studierenden und ihren Leistungen in zentral durchgeführten Prüfungen – nicht nennenswert unterschied und die Kursteilnehmer den Lehrenden per Losverfahren zugeordnet werden. Selbst identisches Lehrmaterial wie Fachbücher und Online-Lernplattformen wurden schlechter bewertet, wenn eine Frau den Kurs geleitet hatte. Die Negativbewertungen kamen hauptsächlich, aber nicht ausschließlich von männlichen Studenten.

Evaluationen durch Studierende sind für Professoren, Dozenten und Tutoren durchaus beförderungsrelevant und werden auch bei Neueinstellungen und Vertragsverlängerungen immer häufiger herangezogen. Aus den beobachteten Bewertungen dürften sich daher Karrierenachteile und demotivierende Effekte insbesondere für junge Doktorandinnen ergeben, so die Einschätzung der Autoren.

Die Erkenntnisse sind jedoch nicht nur für den Wissenschaftsbetrieb relevant. „Viele Absolventen dieser Business School übernehmen später Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, wo sie dann auch selbst Personalentscheidungen treffen. Auf Basis unserer Ergebnisse muss man also leider davon ausgehen, dass sich die Ungleichbehandlung von Frauen dort fortsetzt“, erklärt Ulf Zölitz vom briq Institute on Behavior & Inequality.

Download der Studie (IZA DP No. 11000):

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Brauchen Führungskräfte eher männliche oder weibliche Eigenschaften?

boss-746525_640Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Die Gründe sind vielschichtig und werden nicht zuletzt in den Debatten um die Einführung von Frauenquoten kontrovers diskutiert. Ein klassischer, aber besonders umstrittener Erklärungsansatz führt die Schieflage darauf zurück, dass es die typisch männlichen Eigenschaften und Fähigkeiten sind, die eine erfolgreiche Führungskraft ausmachen.

Wie Managerinnen und Manager das selbst sehen, haben Tor Eriksson, Nina Smith und Valdemar Smith in einer aktuellen Studie untersucht, die als IZA Discussion Paper erschienen ist. In einer groß angelegten Feldstudie befragte das Forscherteam der Universität Aarhus rund 3.000 dänische Manager unterschiedlicher Hierarchieebenen.

Zunächst sollten die Befragten angeben, welche Eigenschaften aus ihrer Sicht eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit ausmachen. Dabei konnten sie für „männliche“ Eigenschaften (entschlossen, diszipliniert, risikobereit, kompetitiv, selbstbewusst), „weibliche“ Eigenschaften (sozialkompetent, dialogorientiert, hilfsbereit) und neutrale Eigenschaften (ergebnisorientiert, visionär, innovativ) jeweils Werte auf einer Skala von 1 bis 5 ankreuzen. Im zweiten Teil der Befragung sollten die Managerinnen und Manager sich selbst im Hinblick auf die genannten Eigenschaften beurteilen.

Männer halten männliches Auftreten eher für einen Erfolgsfaktor

Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass Männer im Durchschnitt den männlichen Eigenschaften einen größeren Wert beimessen als Frauen. Interessanterweise dreht sich diese „Stereotypisierung“ an der Spitze um: In der Gruppe der Vorstandsvorsitzenden sind es primär die Frauen, die männliche Eigenschaften für wichtiger halten. Zudem fällt auf, dass in Unternehmen, die viel Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legen, die Geschlechterbilder weniger stark ausgeprägt sind.

Die Autoren beobachten darüber hinaus eine „Selbst-Stereotypisierung“: Frauen in Führungspositionen schreiben sich eher weibliche Attribute zu, während Männer bei sich selbst die typisch männlichen Eigenschaften besonders ausgeprägt finden. Die Ausnahme bildeten auch hier wiederum die Top-Manager: Unabhängig vom Geschlecht sahen sie sich mit sämtlichen Führungsqualitäten überdurchschnittlich gut ausgestattet.

Laut Studie können die Selbsteinschätzungen der Führungskräfte allerdings höchstens zehn Prozent der Geschlechterlücke im Top-Management erklären. Die Autoren vermuten daher, dass ein Großteil der Diskrepanz darauf zurückzuführen ist, dass die überwiegend männlich besetzten Entscheidungsgremien bei Beförderungen und Neueinstellungen zur Stereotypisierung neigen und im Zweifel männlichen Kandidaten den Vorrang geben. Die Befragung liefert dafür starke Indizien, wenn auch keinen klaren Beweis.

Download der Studie:

Bildquelle: pixabay
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Thomas Dohmen wird Forschungsdirektor am IZA

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Thomas Dohmen

Die wissenschaftliche Leitungsebene des IZA wird ab dem 1. September 2017 durch Prof. Dr. Thomas Dohmen verstärkt. Dohmen behält seine Professur an der Universität Bonn, ist jedoch partiell für sein Engagement am IZA freigestellt, um sich neben der strategischen Beratung des Instituts stärker seiner eigenen Forschung widmen zu können. Prof. Dr. Holger Bonin koordiniert weiterhin, ebenfalls in der Funktion eines Forschungsdirektors, die arbeitsmarktpolitische Forschung und Beratung durch das IZA, dessen Gesamtleitung Prof. Dr. Hilmar Schneider obliegt.

Professor Dohmen ist ein durch zahlreiche hochrangige Publikationen international ausgewiesener Wissenschaftler auf dem Gebiet der ökonomischen Verhaltensforschung und der Organisationsökonomie. Bereits von 2003 bis 2007 forschte er am IZA, bevor er für fünf Jahre die Leitung des Research Centre for Education and the Labour Market (ROA) an der Universität Maastricht übernahm. Seit Januar 2013 ist er Professor für Angewandte Mikroökonomik an der Universität Bonn.

„Mit Thomas Dohmen gewinnen wir eine Persönlichkeit, die dem IZA schon seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen eng verbunden ist. Vor diesem Hintergrund und aus seiner Erfahrung als Institutsleiter in Maastricht heraus ist er wie kaum ein Zweiter mit den besonderen Herausforderungen eines Forschungsinstituts vertraut, das sich zum Ziel gesetzt hat, praktische Relevanz seiner Forschung und akademische Exzellenz in Einklang zu bringen“, erklärt IZA-Chef Schneider.

„Ein Forscher seines Kalibers ist auch deshalb für unser Institut von enormer Bedeutung, weil er unseren zahlreichen Nachwuchswissenschaftlern für eine erfolgreiche Entwicklung ihrer Karriere als kompetenter Ratgeber zur Seite stehen kann. Denn der individuelle Erfolg unserer Wissenschaftler ist uns mindestens ebenso wichtig wie die Erreichung unserer institutionellen Ziele“, so Schneider weiter.

Die Verpflichtung Dohmens markiert den Einstieg in eine engere Verzahnung der Forschungsaktivitäten des IZA und der Universität Bonn. „Beide Seiten haben viel zu bieten, und durch die Kooperation kommen diese Vorteile zukünftig noch stärker zur Geltung“, betont Prof. Dr. Jürgen von Hagen, Prodekan der Staatswissenschaftlichen Fakultät und Sprecher der Wirtschaftswissenschaftler der Universität Bonn.

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Jobchancen nach Massenentlassungen hängen auch vom Wohnverhältnis ab

Nach Unternehmensinsolvenzen wird häufig eine größere Zahl von Arbeitnehmern am gleichen Standort unvermittelt und ohne eigenes Verschulden arbeitslos. Wie sich diese Situation auf Jobchancen, Lohnniveau, Entfernung zum Arbeitsplatz und die Bereitschaft zum Wohnortwechsel auswirkt, untersuchen Jordy Meekes und IZA-Fellow Wolter H.J. Hassink in einem aktuellen IZA Discussion Paper.

Die Ökonomen an der Universität Utrecht wollten dabei vor allem wissen: Macht es einen Unterschied, ob die Betroffenen Wohneigentum besitzen oder zur Miete wohnen? Denn einerseits hilft eine eigene Immobilie, sofern sie abbezahlt ist, längere Phasen der Arbeitslosigkeit ohne die finanzielle Belastung monatlicher Mietzahlungen zu überstehen. Andererseits fällt es Mietern tendenziell leichter, den Wohnort zu wechseln, um ein Stellenangebot in einer anderen Stadt anzunehmen.

Wiederbeschäftigung nach Firmenpleiten erschwert

Für ihre Studie nutzten Meekes und Hassink niederländische Daten zu sämtlichen Jobverlusten durch Firmenpleiten zwischen 2006 und 2014, mit Ausnahme von Kleinunternehmen und geringfügig Beschäftigten. Die Ergebnisse belegen zunächst die negativen Folgen von Unternehmeninsolvenzen: Noch zwei Jahre danach verdienen die Betroffenen rund 9% weniger und weisen eine 20% geringere Beschäftigungsquote auf als Arbeitslose, die aus einem anderen Grund ihren Job verloren hatten.

Auch scheuen die von Massenentlassungen betroffenen Arbeitnehmer den Umzug in eine andere Stadt: Die Wahrscheinlichkeit eines Wohnortwechsels ist um 14% geringer als bei anderen Arbeitslosen. Dafür nehmen sie einen um durchschnittlich drei Kilometer längeren Arbeitsweg in Kauf. Mit längerer Arbeitslosigkeitsdauer steigt die Bereitschaft, eher ein geringer bezahltes als ein weiter entferntes Stellenangebot anzunehmen.

Hochverschuldete Hausbesitzer schneller zurück in Beschäftigung

Im zweiten Teil der Studie differenzieren die Autoren nach Wohnverhältnis. Im Vergleich zu Mietern und schuldenfreien Immobilienbesitzern führt der finanzielle Druck bei hochverschuldeten Eigentümern dazu, dass sie am schnellsten einen neuen Job finden, dabei im Durchschnitt jedoch einen etwas geringeren Lohn erzielen als andere Arbeitslose. Wer sein Häuschen abbezahlt hat, nimmt die längste Pendeldistanz für einen neuen Job in Kauf.

Insgesamt ergeben sich jedoch keine Hinweise darauf, dass Mieter deutlich eher bereit wären, für einen neuen Job den Wohnort zu wechseln. Nach Einschätzung der Autoren ist daher nicht zu befürchten, dass staatliche Förderprogramme für selbstgenutztes Wohneigentum unerwünschte Nebeneffekte auf dem Arbeitsmarkt entfalten könnten, indem sie etwa die geografische Mobilität der Arbeitsuchenden verringern.

Download der Studie:

Bildquelle: pixabay
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Bildungsentscheidungen erklären einen Teil der Lohnungleichheit in Deutschland

vocational trainingDie Ursachen der wachsenden Einkommensungleichheit in Deutschland werden kontrovers diskutiert. Eine neue Studie der Ökonomen Albrecht Glitz (UPF Barcelona und IZA) und Daniel Wissmann (LMU München) geht der Frage nach, wie sich Veränderungen bei der Qualifikationsrendite („skill premium“) auf die Lohnunterschiede zwischen besser und schlechter ausgebildeten Arbeitskräften auswirken.

Steigender Lohnunterschied zwischen Mittel- und Geringqualifizierten

Auf Basis von Arbeitsmarkt- und Mikrozensusdaten ermitteln die Autoren, dass in Deutschland die Lohndifferenz zwischen Arbeitnehmern mit mittlerem (Berufsausbildung und/oder Abitur) und geringem Qualifikationsniveau (Realschule oder weniger) in den 1980er Jahren leicht zurückging, aber seit dem Ende der 1980er Jahre um ein Drittel, von 18 auf 24 Prozent, gestiegen ist (siehe durchgezogene Linie in der Grafik).

Der Lohnunterschied zwischen Hochqualifizierten (Fachhochschule oder Universität) und Mittelqualifizierten entwickelte sich im gleichen Zeitraum u-förmig (siehe gestrichelte Linie). In den frühen 1980er und späten 2000er Jahren betrug sie jeweils 51 Prozent, Mitte der 1990er Jahre etwa 47 Prozent.

skill premiums

Entwicklung der Qualifikationsrenditen in Deutschland (1980-2008)

Während also der Lohnunterschied zwischen Mittel- und Hochqualifizierten heute wieder auf dem Niveau der 1980er Jahre liegt, ist die Differenz zwischen Mittel- und Niedrigqualifizierten um ein Drittel gewachsen. Dieser Anstieg, so die Autoren, lässt sich primär durch eine starke Zunahme der Qualifikationsrendite unter jungen Arbeiternehmern (30 und jünger) mit mittlerer Qualifikation erklären.

Bei der Untersuchung von Ausbildungsdaten zu den Geburtsjahrgängen 1950 bis 1981 stellten Glitz und Wissmann ab Jahrgang 1965 einen Bruch in der (west-)deutschen Ausbildungsentwicklung fest: Im Vergleich zu vorherigen Trends erhöhte sich sowohl der Anteil der Akademiker als auch der Anteil von Gerinqualifizierten. Das knappere Angebot in den Ausbildungsberufen führte zu einem relativen Lohnanstieg in dieser Gruppe und erklärt damit den Anstieg der Rendite gegenüber Geringqualifizierten.

Wachsende Anteile von Akademikern und Geringqualifizierten

Im Ergebnis zeigt sich, dass ein Teil der Lohnunterschiede zwischen den verschiedenen Qualifikationsgruppen in Deutschland auf veränderte Ausbildungsentscheidungen zurückgeführt werden kann. Nach 1965 entschieden sich im Verhältnis wesentlich weniger Deutsche für eine Ausbildung, während gleichzeitig die Anteile der Akademiker und der Geringqualifizierten zunahmen.

Neben Veränderungen der Nachfrage nach bestimmten Qualifikationsprofilen im Zuge von Digitalisierung und Globalisierung spielt demnach die Struktur des Arbeitskräfteangebots, die sich aus langfristigen Trends bei den individuellen Ausbildungsentscheidungen ergibt, eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Entwicklung der Lohnlücke zwischen den verschiedenen Qualifikationsgruppen.

Download der kompletten Studie (IZA DP No. 10901):

Bildquelle: Goodluz via Shutterstock
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