Qualifizierte Job-Bewerberinnen mit türkischem Namen und Kopftuch benachteiligt

Tanonyme-bewerbungrotz aller Integrationsbemühungen werden türkischstämmige Frauen, insbesondere wenn sie ein Kopftuch tragen, auf dem deutschen Arbeitsmarkt nach wie vor diskriminiert. Wie ein aktuelles IZA Discussion Paper zeigt, müssen kopftuchtragende Musliminnen für eine Einladung zum Bewerbungsgespräch – bei identischer Qualifikation – mehr als viermal so viele Bewerbungen verschicken. Bei höherqualifizierten Stellen steigt der Grad der Diskriminierung gegenüber Bewerberinnen ohne Migrationshintergrund noch weiter an.

Die Probleme von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt werden oft einer geringeren Qualifikation zugeschrieben. Doch selbst hier aufgewachsene Bewerberinnen mit besten Deutschkenntnissen und „deutscher“ Bildungs- und Ausbildungsbiografie sind mit erheblichen Benachteiligungen konfrontiert – wenn sie einen türkisch klingenden Namen haben und noch dazu ein Bewerbungsfoto mit Kopftuch vorlegen. Zu diesem Ergebnis kommt ein umfangreicher Feldversuch der Ökonomin Doris Weichselbaumer (Universität Linz). Sie verschickte rund ein Jahr lang fast 1.500 fiktive Bewerbungen an Unternehmen in Deutschland und analysierte die Rückmeldungen der Personalabteilungen.

Geringere Chancen trotz identischer Qualifikation

Die Ergebnisse weisen eindeutig auf die – bewusste oder unbewusste – Diskriminierung von Bewerberinnen mit Kopftuch und Migrationshintergrund hin: Während auf Bewerbungen mit einem typisch deutschen Namen (Sandra Bauer) in 18,8 Prozent der Fälle eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch folgte, erhielten von den identischen Bewerbungen mit einem türkischen Namen (Meryem Öztürk) nur 13,5 Prozent eine positive Rückmeldung. Wenn die fiktive türkischstämmige Bewerberin zusätzlich noch ein Kopftuch auf dem Bewerbungsfoto trug, sank die Rate für eine positive Antwort auf 4,2 Prozent. Erst nach 4,5-mal so vielen Bewerbungen kommt bei ihr ein Bewerbungsgespräch zustande.

Die Größe oder internationale Ausrichtung der angeschriebenen Firmen machte bei den Ergebnissen des Feldversuchs keinen Unterschied. Ob in der Ausschreibung Wert auf gutes Deutsch oder Erfahrung mit Kunden- oder Mitarbeiterkontakt gelegt wurde, wirkte sich ebenfalls nicht auf die Resultate aus.

Je höher die Position, desto größer die Benachteiligung

Unterschiede zeigten sich hingegen bei der Art der ausgeschriebenen Stellen. So nahm die Diskriminierung mit steigendem Qualifikationsniveau noch weiter zu: Für eine Stelle in der Bilanzbuchhaltung musste die kopftuchtragende Meryem Öztürk 7,6-mal mehr Bewerbungen verschicken als Sandra Bauer, während bei der Bewerbung um eine Stelle als Sekretärin die Ungleichbehandlung bei einem Faktor von 3,5 lag. Offenbar werden Musliminnen ungeachtet ihrer Qualifikation für Positionen mit höherem beruflichen Status in Deutschland immer noch vergleichsweise selten in Betracht gezogen.

dp10117-fig1Bei der Erstellung der fiktiven Bewerbungsfotos wählte die Linzer Forscherin eine moderne Art der Kopftuchbindung, mit der das Gesicht der Kandidatin gut sichtbar und der Hals nur teilweise bedeckt war. Dies sollte signalisieren, dass die Bewerberin ihre Religion nicht streng interpretiert. Weichselbaumer geht davon aus, dass die Ergebnisse bei einem konservativer getragenen Kopftuch noch eindeutiger ausgefallen wären.

„Im Westen wird das Augenmerk stets auf die Situation von Frauen in muslimischen Kulturen gerichtet, selten jedoch beschäftigen wir uns mit der Diskriminierung von Musliminnen durch die westliche Gesellschaft“, kritisiert Weichselbaumer. Angesichts der aktuellen Migrationsströme sei es politisch unerlässlich, die enormen Schwierigkeiten abzubauen, denen muslimische Kandidatinnen ausgesetzt sind, wenn sie sich im deutschen Arbeitsmarkt integrieren wollen.

Download der englischsprachigen Studie (IZA DP No. 10217):

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Scheuen Frauen wirklich das Risiko und den Wettbewerb?

cardsFrauen sind auf der Führungsetage seltener vertreten und verdienen weniger als Männer, weil sie allgemein das Risiko scheuen, leistungsabhängige Entlohnung tendenziell ablehnen, weniger offensiv in Gehaltsverhandlungen gehen und sich im Wettbewerb mit Männern eher zurücknehmen. Diesen klassischen ökonomischen Erklärungsansatz entlarven fünf aktuelle IZA-Publikationen – zumindest teilweise – als Mythos.

Die sprichwörtliche weibliche Risikoscheu werde überbewertet, resümiert Antonio Filippin, der in einem Artikel für IZA World of Labor die Ergebnisse diverser experimenteller Studien auswertet. Ob sich überhaupt Geschlechterunterschiede in der Risikobereitschaft nachweisen ließen, hänge stark von der gewählten Untersuchungsmethode ab. Jedenfalls seien sie als allgemeingültige Erklärung für den geringen Frauenanteil in leitenden Positionen ungeeignet, so der Mailänder Ökonom.

Mehr Geld? Pustekuchen!

Auch das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern lässt sich laut einer aktuellen Studie von Benjamin Artz, Amanda H. Goodall und Andrew J. Oswald nicht damit erklären, dass Frauen mit der Forderung nach Gehaltserhöhung zurückhaltender sind, etwa weil sie ihr gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen nicht belasten wollen.

Anhand repräsentativer australischer Umfragedaten konnte das britisch-amerikanische Forscherteam zeigen: In vergleichbaren beruflichen Positionen mit gleicher Stundenzahl bemühten sich Frauen im Erhebungszeitraum (2013-2014) ebenso häufig um eine Gehaltserhöhung wie Männer. Doch die Erfolgswahrscheinlichkeit war bei den männlichen Beschäftigten um 25 Prozent höher.

Über die Studie Do Women Ask? (IZA DP No. 10183) haben internationale Medien wie New York Times und BBC berichtet.

Voll auf Risiko

Ganz von der Hand zu weisen sind Unterschiede im Risikoverhalten dennoch nicht: Eine Auswertung von Leistungsdaten aus den Playoffs der US-Basketballligen NBA (Männer) und WNBA (Frauen) zeigt, dass die männlichen Spieler kurz vor Spielschluss ihre Risikofreude steigerten, wenn eine besonders riskante Strategie noch zum Erfolg führen konnte. Im Gegensatz dazu ging die Risikobereitschaft der weiblichen Basketball-Profis in der gleichen Situation sogar zurück. Je weniger Zeit noch auf der Uhr, desto größer die Lücke zwischen den Geschlechtern.

Mit erhöhtem Einsatz

Wenn die Geschlechter jedoch nicht untereinander, sondern gegeneinander konkurrieren, kann das Bild schon wieder anders aussehen. Eine Analyse von 4.279 Ausgaben der US-Quizshow Jeopardy! ergab, dass die Risikobereitschaft von Frauen zunahm, wenn sie gegen Männer antraten. Das galt sowohl für die Antwortwahrscheinlichkeit als auch für die Höhe des Einsatzes – obwohl Frauen gerade beim Spielen um Geld als risikoscheu gelten. Die Risikobereitschaft sei also offenbar nicht angeboren, sondern abhängig vom sozialen Kontext, folgern die Autoren.

Laufend überholt

Bleibt ein drittes Szenario: Frauen treten mit Männern im gleichen Wettbewerb an, konkurrieren aber nicht direkt miteinander – wie zum Beispiel beim New York Marathon. Die Forschungsfrage einer gestern erschienenen Studie lautet daher: Wie reagieren Frauen, wenn sie von Männern überholt werden? Tatsächlich ergaben die Laufdaten, dass weniger leistungsstarke Athletinnen ihre Schrittfrequenz leicht reduzierten, sobald der erste Mann an ihnen vorbeigezogen war. Insgesamt zeigte sich jedoch, dass sich die Läuferinnen von schnelleren Männern weder beflügeln noch demoralisieren ließen.

Lesen Sie mehr:
Im Online-Kompendium IZA World of Labor finden Sie eine Vielzahl weiterer Artikel zum Themenkomplex “Gender Gap” und Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

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IZA-Fellow neuer Vorsitzender des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration

bauer

Thomas Bauer

Thomas K. Bauer, langjähriger IZA-Mitarbeiter und Fellow, wurde am 7. September zum Vorsitzenden des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) gewählt. Bauer zählt zu den profiliertesten deutschen Migrationsexperten. Er koordinierte zwischen 1998 und 2003 die Forschungsaktivitäten des IZA zu Mobilität und Zuwanderung, bevor er an das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung wechselte.

Bauer war in seiner Zeit am IZA unter anderem Mitverfasser eines umfassenden Gutachtens im Auftrag der damaligen Unabhängigen Kommission Zuwanderung der Bundesregierung und Co-Autor von Fachbüchern des IZA zum Thema.

IZA-Chef Hilmar Schneider gratulierte Bauer zu seiner Wahl: „Ich bin sicher, dass die wichtige Arbeit des Sachverständigenrats unter der Leitung von Thomas Bauer nochmals an Profil und gesellschaftlicher Relevanz gewinnen wird.“

Lesen Sie mehr beim SVR.

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Unterschiedliche Formen der Kinderbetreuung und ihre Tücken

Bei der Organisation der Kinderbetreuung sind Eltern allzu oft mit Problemen konfrontiert, die auch ihre Arbeitsmarktaktivitäten negativ beeinflussen. Wer keinen Platz in einer Kindertagesstätte ergattert, zieht häufig die eigene Verwandtschaft heran – oder bleibt selbst zu Hause. Welche Form der Betreuung für das Kind am besten ist, bleibt auch in der Wissenschaft umstritten. Ein aktuelles IZA Discussion Paper liefert dazu neue Erkenntnisse, während zwei weitere internationale Studien die Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit der betreuenden (Groß-)Eltern beleuchten.

Hemmt oder fördert Kita-Betreuung die kognitive Entwicklung?

Die Nachfrage nach professioneller frühkindlicher Betreuung ist in allen OECD-Staaten während der letzten Jahre stetig gestiegen, primär aufgrund der immer stärkeren Erwerbstätigkeit von Müttern.

Margherita Fort, Andrea Ichino und Giulio Zanella von der Universität Bologna untersuchen in ihrem aktuellen IZA Discussion Paper, welchen Einfluss die frühkindliche Betreuung von Kindern unter drei Jahren auf deren spätere kognitive Fähigkeiten hat. Dazu führten sie IQ-Tests bei Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren durch und kombinierten die Resultate mit Daten der städtischen Kindertagesstätten in Bologna.

Das Ergebnis: Mit jedem zusätzlichen Monat, den Kinder in der Kita verbrachten, reduzierte sich der bei den Kindern später gemessene IQ-Wert um durchschnittlich 0,5%, wobei der negative Effekt bei Mädchen, insbesondere aus wohlhabenderen Elternhäusern, noch stärker ausfällt.

Das italienische Forscherteam verweist zur Erklärung darauf, dass die Kinder in der Kita meist weniger Gelegenheit zur unmittelbaren Interaktion mit Erwachsenen haben, die als wichtiger Stimulus der frühkindlichen kognitiven Entwicklung gilt. Mädchen profitieren davon aufgrund ihrer allgemein rascheren geistigen Entwicklung im Kindesalter stärker als Jungen.

Unwillige Großeltern büßen an Lebenszufriedenheit ein

Viele Familien setzen – freiwillig oder unfreiwillig – auf die Großeltern als verlässliche und nicht zuletzt kostengünstige Möglichkeit der Kinderbetreuung. Die steigende Lebenserwartung und Gesundheit im Alter macht dies auch perspektivisch immer plausibler. Für die Großeltern gehen damit aber häufig erhebliche Belastungen einher, die ihr Wohlbefinden trüben können.

Darauf weisen Giorgio Brunello und Lorenzo Rocco von der Universität Padua in einem aktuellen IZA Discussion Paper hin. Sie werteten die SHARE-Studie aus, die europaweite Umfragedaten von über 25.000 Personen im Alter von über 50 Jahren enthält. Demnach führen bereits zehn zusätzliche Stunden Kinderbetreuung pro Monat zu einer um rund vier Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken. Dabei zeigten sich Großväter fast doppelt so anfällig wie Großmütter.

Eine hohe Wahrscheinlichkeit depressive Symptome zu entwickeln zeigten Großeltern mit hohen „Opportunitätskosten“, also mit einer geringen Bereitschaft ihre Zeit für die Kinderbetreuung zu „opfern“. Dies war insbesondere bei Großvätern aus Italien, Spanien und Polen der Fall, die sich aufgrund ihres traditionellen Rollenverständnisses oft nicht für die Kinderbetreuung zuständig fühlen.

“Intensive Mutterschaft” für gebildete Mütter weniger erfüllend

Statt die Kinder den Großeltern oder einer Kita zu überlassen, kümmern sich viele Mütter lieber selbst ganztägig um ihre Kinder. Dem unter anderem in den USA verbreiteten Prinzip des „intensive mothering“ zufolge ist die intensive Betreuung durch die Mutter besonders förderlich für die Entwicklung der Kinder.

Während die tatsächlichen Vor- und Nachteile für Kinder in der Wissenschaft nach wie vor kontrovers diskutiert werden, sind die Auswirkungen auf die Mütter selbst bislang kaum erforscht. J. Ignacio Gimenez-Nadal (Universidad Zaragoza) und Almudena Sevilla (Queen Mary University London & IZA) liefern hierzu in ihrem aktuellen IZA Discussion Paper neue Erkenntnisse. Ihre Analyse von Umfragedaten aus den USA ergibt, dass das subjektive Erleben des „intensive mothering“ je nach Bildungsniveau der Mütter stark variiert.

So stellen sich Gefühle von Glück und Erfüllung bei gebildeteren Müttern seltener ein, während sie häufiger über Stress klagen als Mütter mit geringerer beruflicher Qualifikation. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass gebildete Mütter zeitintensivere Formen der Kinderbetreuung wählen, um in ihrer subjektiven Wahrnehmung ein Optimum an Erziehung zu gewährleisten.

Qualität der Betreuung wichtiger als die Form

Welche Form der Kinderbetreuung Eltern wählen, bleibt eine persönliche Entscheidung, die von individuellen, aber auch von vorgefundenen strukturellen Faktoren abhängt. Staatlicherseits kann mit einem besseren Betreuungsschlüssel die kognitive Entwicklung der Kinder gefördert werden. Umgekehrt birgt eine ungünstige Betreuungssituation in den Kitas die Gefahr einer nicht adäquaten Förderung.

Die häusliche Kinderbetreuung muss sich des Risikos bewusst sein, dass die eigene Lebenszufriedenheit je nach Konstellation nicht nur positiv beeinflusst wird und sowohl auf die Qualität der Betreuung als auch die eigene Gesundheit negativ ausstrahlen kann. Wer seine Kinder privat betreut, sollte darüber das eigene Wohlbefinden nicht vernachlässigen – oft leichter gesagt als getan.

Lesen Sie die vollständigen Studien (in englischer Sprache):

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Soziales Umfeld beeinflusst Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen

Die Beschäftigungslücke zwischen Männern und Frauen ist in den meisten Ländern noch nicht geschlossen. Zwar befinden sich die Frauen in vielen hochentwickelten Volkswirtschaften auf der Überholspur, was ihr Bildungsniveau angeht, aber mangelnde Kinderbetreuungs- und Teilzeitangebote hemmen nach wie vor die Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen.

Zudem sorgen soziale und kulturelle Einflüsse dafür, dass selbst hochqualifizierte Frauen oft dem Arbeitsmarkt gar nicht oder nur stark eingeschränkt zur Verfügung stehen. Zuletzt hat sich der Aufholprozess bei der weiblichen Erwerbsbeteiligung sogar wieder verlangsamt.

Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen, die in den meisten Industrienationen zu einer Schrumpfung der Erwerbsbevölkerung führen werden, sind Strategien zur weiteren Aktivierung von Frauen von großer Bedeutung. Ihr Erfolg wird dabei in doppelter Hinsicht von institutionellen Gegebenheiten wie flexiblen Arbeitszeiten oder ausgebauter Kinderbetreuung abhängen.

Neben der unmittelbaren Wirkung auf das Erwerbsverhalten beeinflussen institutionelle Reformen indirekt auch das jeweilige soziale Umfeld, indem dort der Anteil der berufstätigen Frauen zu- oder abnimmt. Wie stark dieses Umfeld auf die Erwerbsentscheidungen von Frauen einwirkt, verdeutlichen zwei kürzlich erschienene IZA Discussion Papers.

Vorbilder im Bekanntenkreis

Die Studie von Nuno Mota (Fannie Mae), Eleonora Patacchini (Cornell University & IZA) und Stuart S. Rosenthal (Syracuse University) zieht umfangreiche Daten aus den USA heran, die Rückschlüsse auf den ökonomischen Effekt von Vorbildern und Informationsflüssen innerhalb der privaten Netzwerke von Frauen zulassen. Demnach passen sich insbesondere Mütter relativ stark an das Erwerbsverhalten von Frauen aus dem direkten Umfeld an, die Kinder im gleichen Alter haben.

Jede zusätzliche erwerbstätige Mutter im sozialen Umfeld erhöht rein rechnerisch die Wahrscheinlichkeit um 4,5 Prozentpunkte, dass eine bislang nicht berufstätige Mutter auf dem Arbeitsmarkt aktiv wird. Der gegenteilige Effekt ist offenbar sogar doppelt so groß: Je fehlendem Vorbild in Form einer erwerbstätigen Bekannten oder Freundin verringert sich die Wahrscheinlichkeit selbst einen Job anzunehmen um 9 Prozentpunkte.

Bei Männern sind diese Effekte viel schwächer ausgeprägt. Mit anderen Worten: Eine nachhaltige Politik zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann dafür sorgen, dass über den Umweg des sozialen Umfelds eine nochmals verstärkte Arbeitsmarktaktivierung von Frauen gelingt.

Einfluss von Verwandten

Zu ähnlichen Resultaten gelangen auch Cheti Nicoletti und Emma Tominey (beide Universität New York) und Kjell G. Salvanes (NHH Bergen & IZA) in ihrem aktuellen IZA Discussion Paper. Während berufstätige Nachbarinnen der Studie zufolge einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Erwerbsentscheidung von Frauen haben, orientieren sich viele Mütter an Vorbildern in der Verwandtschaft.

So weisen die Autoren für norwegische Mütter nach, dass in den ersten sechs Jahren nach der Geburt des Kindes mit jeder Stunde, die andere Mütter aus dem erweiterten familiären Umfeld pro Woche mehr arbeiten, auch die eigene Arbeitszeit um eine halbe Stunde zunimmt.

Diese Effekte lassen sich auch nach der Geburt des zweiten Kindes noch beobachten und unterstreichen damit den Einfluss sozialer und kultureller Normen auf das Erwerbsverhalten von Frauen. Mütter mit Universitätsabschluss lassen sich den Analysen der Autoren zufolge weniger stark von ihrem Umfeld beeinflussen, während der Effekt bei weniger gebildeten Frauen besonders stark ausgeprägt zu sein scheint.

Beide Studien zeigen, welche Synergieeffekte einzelne Maßnahmen zur Förderung der Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen entfalten können. Politikmaßnahmen wie etwa ein weiterer Ausbau flexibler Kinderbetreuungsangebote werden sich aufgrund des “sozialen Multiplikators” mit doppeltem Effekt auf das Erwerbsverhalten der Mütter auswirken.

Die Studien zum Download:

Lesen Sie im englischsprachigen IZA Newsroom außerdem, wie sich das soziale Umfeld auf Konsumentscheidungen und den Auszug aus dem Elternhaus auswirkt.

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Glättung des Mittelstandsbauchs kaum realistisch finanzierbar

euro-taxDie Abschaffung des sogenannten “Mittelstandsbauchs” ist ein Dauerbrenner in der politischen Diskussion um große Steuerreformen. Tatsächlich steigt der geltende deutsche Einkommensteuertarif im Bereich der mittleren Einkommen stark an. Würde eine Glättung des Tarifverlaufs also die Mittelschicht steuerlich entlasten und für mehr Beschäftigung sorgen, weil sich Arbeit stärker lohnt?

Ein aktueller IZA-Standpunkt von Nico Pestel, Reinhold Schnabel, Sebastian Siegloch, Eric Sommer und Alexander Spermann nimmt die „Glättung des Mittelstandsbauchs“ unter die Lupe und simuliert die Aufkommens- und Beschäftigungseffekte einer solchen Reform.

Der Analyse zufolge würden:

  • hauptsächlich die oberen Teile der Mittelschicht profitieren (8./9. Dezil),
  • die zusätzlichen Beschäftigungsanreize vergleichsweise gering ausfallen,
  • die massiven Steuerausfälle nicht (realistisch) gegenfinanzierbar sein.

Während also vor allem Bevölkerungsgruppen von einer entsprechenden Reform profitieren würden, die kaum noch der Mittelschicht zugerechnet werden können, käme es zugleich zu massiven Steuerausfällen von mindestens 20 Milliarden Euro jährlich. Das enstpräche etwa 10 Prozent des gesamten Einkommensteueraufkommens pro Jahr.

Die Studie betrachtet deshalb auch mögliche Varianten einer Gegenfinanzierung, um Ausgabenkürzungen an anderer Stelle oder eine steigende Neuverschuldung des öffentlichen Haushalts zumindest teilweise zu vermeiden. Am Beispiel von Steuererhöhungen für Besserverdienende und der Streichung einiger großer Steuersubventionen zeigt sich allerdings, dass selbst dann die Gegenfinanzierung kaum realistisch ist und obendrein die Ziele der Reform sogar konterkariert werden könnten.

Download der Studie:

Lesen Sie mehr zum Thema in der WELT vom 27.07.2016:

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Gute Einwanderer, schlechte Einwanderer? Interview mit Harvard-Ökonom George Borjas

Der drastische und unerwartete Anstieg der Flüchtlingszahlen im Jahr 2015 hat die anhaltende Diskussion über die Einführung eines Einwanderungsgesetzes in den Hintergrund treten lassen. In der aktuellen Lage halten viele Beobachter ein solches Gesetz für unangebracht. Dabei könnte gerade jetzt, wo die Flüchtlingszahlen wieder zurückgehen, der richtige Zeitpunkt sein, um die Diskussion um ein deutsches Einwanderungsgesetz wieder aufzunehmen, nicht zuletzt um den Rechtspopulisten in dieser Frage nicht das Feld zu überlassen.

Obwohl die Bundesrepublik schon seit den frühen Sechzigerjahren ein beliebtes Einwanderungsland ist, wurde erst 2004 der erste Vorstoß für deutsches Einwanderungsgesetz gestartet. Auch wenn alle bisherigen Versuche gescheitert sind, halten IZA-Experten eine Reform des deutschen Einwanderungsrechts, insbesondere mit Blick auf die Einrichtung qualitativer und quantitativer Auswahlkriterien, nach wie vor für dringend geboten.

George Borjas

George Borjas (Harvard University), einer der international führenden Migrationsökonomen und Programmdirektor des IZA-Forschungsbereiches “Labor Mobility”, spricht im IZA-Newsroom-Interview über Migrationspolitik und seine Sicht auf die aktuelle Debatte.

IZA: Professor Borjas, in der Migrationsfrage ist nicht nur die öffentliche Diskussion stark polarisiert. Auch unter Ökonomen gibt ist sehr unterschiedliche Perspektiven auf die Vor- und Nachteile der global zunehmenden Arbeitsmobilität. Was ist Ihre Sicht der Dinge?

George Borjas: Das ist eine gute Frage, die nicht ganz einfach zu beantworten ist. Bei internationaler Arbeitsmobilität denke ich in erster Linie an ökonomische Modelle. Das heißt, ich habe einen bestimmten methodischen Ansatz im Kopf, der mich bei der Lösungsfindung leitet. Natürlich gehe ich auch eigener empirischer Forschung nach, aber üblicherweise sehe ich die Daten immer in einem wirtschaftlichen Bezugsrahmen.

Sozialwissenschaftler und selbst manche Ökonomen betrachten Einwanderung als ein Politikfeld, was es natürlich auch ist, aber dieser Ausgangspunkt bestimmt die Art und Weise, wie wir Fragen stellen und Daten interpretieren. Das Problem an dieser auf Politik fokussierten Herangehensweise ist, dass sich dadurch unsere politischen Präferenzen auf unsere Arbeit und unsere Forschungsergebnisse auswirken können.

Deutschland diskutiert über eine Reform des Einwanderungsgesetzes. Wie kann Migrationspolitik uns dabei helfen, von den positiven Effekten der Zuwanderung zu profitieren?

Die wirtschaftswissenschaftliche Fachliteratur zum Thema Einwanderung zeigt vor allem eines: Rein ökonomisch betrachtet profitiert das aufnehmende Land von gut ausgebildeten Zuwanderern stärker als von schlecht ausgebildeten.

In den Industrienationen können die Hochqualifizierten bestehende Ressourcen wesentlich besser ergänzen und ihr Wissen in andere Wirtschaftsbereiche übertragen, was letztlich die gesamte Wirtschaft produktiver macht. Außerdem zahlen sie tendenziell mehr Steuern und empfangen weniger Sozialleistungen.

Die Frage ist also nicht, ob gut qualifizierte Einwanderer mehr wirtschaftliche Vorteile bringen als geringqualifizierte. Die Frage ist vielmehr, ob die Einwanderungspolitik primär von ökonomischen Zielen geleitet sein sollte.

Im Oktober erscheint Ihr neues Buch mit dem Titel „We Wanted Workers: Unraveling the Immigration Narrative“. Was kann der deutsche Leser von Ihrem Buch lernen?

Der Titel meines Buches basiert auf einem Zitat des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Mit Blick auf die Einwanderung der Gastarbeiter nach Deutschland und in andere europäische Länder in den 1950er- und 1960er-Jahren prägte er den berühmten Satz: „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“

Wie ich in meinem Buch darlege, können wir von dieser Einsicht lernen, dass die „ökonomistische“ Perspektive auf internationale Migration – die Migranten als eine Art Armee von Arbeitsrobotern betrachtet – fehlgeleitet ist. Zuwanderer sind Menschen, die sich auf das aufnehmende Land in vielfältiger Weise auswirken. Und die wirtschaftliche Bedeutung der gesellschaftlichen Auswirkungen könnte wesentlich größer sein als die Vorteile, die sich allein aus der Arbeitsmarktbeteiligung der Zuwanderer ergeben.

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Zuwanderung Deutschland 1991-2015

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Gegen den Akademisierungswahn

Hilmar Schneider

Die steigende Zahl von Studiengängen führt nicht zu besseren Jobchancen. Nötig sei ein stärker nachfrageorientiertes System der beruflichen Bildung, fordert IZA-Chef Hilmar Schneider in einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche.

Während das duale Ausbildungssystem relativ passgenau den im Markt benötigten Qualifikationsbedarf abdecke, sei die Expansion und zunehmende Spezialisierung der akademischen Ausbildung weitgehend angebotsgetrieben, kritisiert der Arbeitsmarktexperte.

Für den Zertifizierungsprozess neuer Studiengänge sei „leider unerheblich“, ob es für den Abschluss überhaupt eine Nachfrage am Arbeitsmarkt gebe. So fänden sich an deutschen Hochschulen inzwischen „illustre“ Bachelorabschlüsse in Alternativem Tourismus, Angewandten Kindheitswissenschaften oder Baustellenmanagement. „Es darf bezweifelt werden, dass eine derartige Horizontverengung den Einstieg ins Berufsleben erleichtert“, so Schneider.

Schneiders Vorschlag: „Es müsste nach Hochschule und Studiengang offen zugänglich gemacht werden, was aus den Absolventen später geworden ist.“ Auf diese Weise entstünde Markttransparenz, die einen heilsamen Qualitätswettbewerb der Hochschulen in Gang setzen und junge Menschen vor Fehlentscheidungen bewahren könne.

Lesen Sie den Gastbeitrag im Volltext:

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Akzeptanz von Staatsausgaben sinkt mit steigender Kenntnis

Die schwäbische Hausfrau gilt gemeinhin als Vorbild für deutsche Sparsamkeit. Spätestens seit sich die Bundesregierung dieses Bild zu eigen gemacht hat, kennt jeder die Maxime, nach der der Staat nicht mehr ausgeben soll als er einnimmt. Aber weiß der Bürger überhaupt, wie viel der deutsche Staat tatsächlich für öffentliche Aufgaben ausgibt?

Viele Ökonomen blicken mit Skepsis auf einen Trend steigender Staatsausgaben, der sich nicht nur in Deutschland beobachten lässt. In den OECD-Staaten belief sich die Staatsquote, also der Anteil öffentlicher Ausgaben am Bruttoinlandsprodukt, im Jahr 2014 auf durchschnittlich 22 Prozent, Tendenz steigend:

SOCX2014

Anteil öffentlicher Ausgaben am BIP (in Prozent) für 2007 und 2014 sowie zwischenzeitliche Höchststände.
Quelle: OECD Social Expenditure Database.

Aus politökonomischer Sicht ist die Höhe der Staatsquote Ergebnis des Wählerwunsches. Fraglich ist alerdings, ob die Bürger sich der Ausgabenentwicklung bewusst sind und diese mittragen. Daher untersuchten die Forscher Philipp Lergetporer, Guido Schwerdt, Katharina Werner und Ludger Woessmann (LMU, ifo & IZA) in einem neuen IZA Discussion Paper, ob die öffentliche Meinung über staatliche Ausgaben auf realistischen Annahmen beruht. Sie wollten herausfinden, ob eine bessere Kenntnis der tatsächlichen Höhe der deutschen Staatsausgaben die Zustimmung der Bürger dazu beeinflusst.

Im Rahmen ihrer Studie wurden über 4.000 Bundesbürger nach ihrer Meinung zu einer Erhöhung der deutschen Staatsausgaben gefragt. Dabei wurden die Befragten zufällig in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt vor der Befragung aktuelle Zahlen über die öffentlichen Ausgaben nach Aufgabenbereichen: 227 Milliarden Euro für Arbeit und Soziales, 95 Milliarden Euro für Bildung, 38 Milliarden Euro für die öffentliche Sicherheit, 27 Milliarden Euro für Verteidigung und 10 Milliarden Euro für Kulturausgaben. Die Kontrollgruppe erhielt keine Informationen und musste ihre Meinung auf Grundlage der eigenen Einschätzung äußern.

Das Ergebnis: Die informierten Befragten waren weitaus weniger bereit, einer Erhöhung der öffentlichen Ausgaben zuzustimmen als die uninformierten Befragten. Wie Diagramm 1 zeigt, konnten die Forscher in allen abgefragten Haushaltsfeldern einen eindeutigen Zusammenhang zwischen den zur Verfügung gestellten Informationen und der Akzeptanz höherer staatlicher Ausgaben feststellen.

Die Tatsache, dass die Kenntnis der tatsächlichen Staatsausgaben zu deutlich anderen Ergebnissen führt, legt den Schluss nahe, dass viele Bundesbürger die tatsächliche Höhe der öffentlichen Ausgaben unterschätzen. Diesen Befund überprüften die Forscher anhand einer Folgebefragung. Hier zeigte sich, dass tatsächlich nur diejenigen Befragten ihre Meinung aufgrund der Informationen änderten, die auch vorher die staatlichen Ausgaben geringer eingeschätzt hatten.

Zweitens zeigt sich, dass die Akzeptanz öffentlicher Ausgaben zu großen Teilen auf falschen oder verzerrten Informationen beruht. Je besser die Bürger über die tatsächliche Höhe öffentlicher Ausgaben informiert sind, desto weniger unterstützen sie weitere Erhöhungen. Besonders beim Bildungsetat sinkt die Bereitschaft für eine Ausgabensteigerung, je genauer die Befragten informiert sind.

Lesen Sie das komplette englischsprachige Paper (IZA DP No. 9968):

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Ein Tor vor der Halbzeit würde dem Spiel gut tun… oder nicht?

https://pixabay.com/en/the-ball-stadion-football-the-pitch-488700/Die Fußball-Europameisterschaft geht in ihre entscheidende Phase. Viele Spiele wurden mit nur wenigen Toren entschieden, die obendrein erst sehr spät oder gar in der Nachspielzeit erzielt worden sind. Die Reporter hatten häufig genug Gelegenheit, eine alte Fußballerweisheit wieder auszugraben: Ein Tor kurz vor der Halbzeitpause bringt einen psychologischen Vorteil und steigert die Siegchancen. Aber hält dieser Mythos dem Praxistest stand? Dieser Frage gehen Stijn Baert und Simon Amez in einem aktuellen IZA Discussion Paper auf den Grund.

Die Forscher der belgischen Universität untersuchten 1.179 Spiele der Champions League und Europa League aus den Jahren 2008-2014. Für ihre Analyse berücksichtigten sie neben dem Spielverlauf auch diverse Einflussfaktoren wie zum Beispiel rote Karten.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu Treffern während des restlichen Spiels bringt ein Last-Minute-Tor vor der Halbzeit keinen nennenswerten Vorteil. Für Heimmannschaften wirkt es sich sogar nachteilig aus.

“Schießt die Heimmannschaft ein Tor in der 45. Minute, dann fällt der Endstand für sie um durchschnittlich ein halbes Tor ungünstiger aus, als wenn der Treffer zu einem anderem Zeitpunkt erzielt wurde”, erläutert IZA-Fellow Stijn Baert.

Abnehmender Druck, Selbstüberschätzung und Taktikfehler

Die Sportpsychologie liefert dazu drei Erklärungsansätze:

  1. Ein Tor kurz vor der Pause kann die gesunde Anspannung der Spieler bewusst oder unbewusst reduzieren und zu Konzentrationsschwächen im restlichen Spielverlauf führen. Diese Erklärung deckt sich mit weiteren Ergebnissen des belgischen Forscherteams: Ein Tor der Heimmannschaft kurz vor der Pause erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das erste Tor der zweiten Halbzeit ein Gegentreffer ist.
  2. Unter dem Eindruck des jubelnden Publikums gehen die Heimmannschaften womöglich allzu siegessicher in die Kabine und neigen zur Selbstüberschätzung. Denkbar ist ebenso, dass die Erfolgserwartung einen negativen Druck aufbaut.
  3. Auch der objektive Blick des Trainer könnte durch den positiven Spielverlauf getrübt sein und ihn dazu verleiten, die Mannschaft für die zweite Halbzeit zu defensiv einzustellen.

Ähnliche Effekte zeigen sich übrigens auch für ein Tor kurz nach der Halbzeitpause. Ein Treffer in den ersten fünf Minuten nach Wiederanpfiff bringt (im Vergleich zu Toren im restlichen Spielverlauf) keinen statistisch messbaren Vorteil für den Endstand.

Fußball und Ökonomie

Warum beschäftigen sich Ökonomen mit Fußball? Nicht nur aus rein sportlichem Interesse – oder weil der Fußball längst ein Milliardengeschäft ist. Auch für die Personalökonomik liefert der Sport mit seinen präzisen und umfangreichen Leistungsdaten wertvolle Erkenntnisse zu Aspekten wie Motivation, Teamwork, Leistungsdruck und Produktivität.

Lesen Sie die englischsprachige Studie im Original (IZA DP No. 9980):

Bildquelle: Pixabay
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