GLM|LIC: Kooperation mit DFID wird fortgesetzt, neue Homepage online

Bereits seit 2011 koordiniert das Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) im Auftrag des britischen Ministeriums für Internationale Entwicklung (DFID – Department for International Development), das Programm „Growth and Labour Markets in Low Income Countries“ (GLM|LIC programme). Ziel des Programms ist die Förderung von Forschungsprojekten, die wichtige Erkenntnisse und Politikempfehlungen zu den Arbeitsmärkten in Niedriglohnländern liefern. Innerhalb von fünf thematisch fokussierten Schwerpunkten haben bislang 31 Projekte eine substanzielle finanzielle Förderung von GLM|LIC erhalten und mehr als 150 Veröffentlichungen vorgelegt.

Der neue Internetauftritt von GLM|LIC bietet neben einem besonders leichten Zugang zu den Programminhalten, Publikationen und Veranstaltungen auch zahlreiche neue Funktionen, mit denen sich Projekte und Forschungsresultate intuitiv erschließen lassen. Unter anderem bietet eine interaktive Weltkarte die Möglichkeit, Inhalte länderspezifisch zu filtern und sich einen raschen Überblick zu den vorliegenden GLM|LIC-Aktivitäten zu verschaffen.

Parallel zum Start der neuen Homepage wurde die Kooperation zwischen DFID und IZA bis zum Jahr 2020 verlängert. Ein aktueller Call for Proposals gibt Forschungsteams ab 1. August 2017 die Gelegenheit, sich um eine Förderung im Rahmen von GLM|LIC zu bewerben.

glmlic launch

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Langzeitarbeitslose aus Sicht von Personalverantwortlichen: Geringere Motivation gilt als Hauptproblem

Mit der Dauer der Arbeitslosigkeit sinken in der Regel auch die Wiederbeschäftigungschancen der Betroffenen. Denn wer sich mit dem „Makel“ der Langzeitarbeitslosigkeit bewirbt, wird häufig gar nicht erst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ein belgisches Forscherteam um IZA-Fellow Stijn Baert (Universität Gent) hat in einem aktuellen IZA Discussion Paper genauer untersucht, wie die Arbeitslosigkeitsdauer von Stellenbewerbern die Einschätzungen von Personalverantwortlichen beeinflusst.

Lange Arbeitslosigkeitsdauer signalisiert mangelnde Motivation

Für die Studie mussten 219 Personaler jeweils fünf fiktive Bewerbungen mit Blick auf Jobchancen und persönliche Eigenschaften wie Motivation, kognitive und soziale Fähigkeiten beurteilen. Die Bewerbungen unterschieden sich unter anderem in der Dauer der vorangegangenen Arbeitslosigkeit, die von einem Monat bis drei Jahre reichte.

Um zu entscheiden, wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, müssen Personalverantwortliche anhand von begrenzten Informationen Rückschlüsse auf die Produktivität der Bewerber ziehen. Dabei wird Langzeitarbeitslosigkeit meist als „Signal für geringe Motivation“ gewertet, so das zentrale Ergebnis der Studie. Auch andere Faktoren spielten eine Rolle. So wurden den fiktiven Langzeitarbeitslosen geringere kognitive und soziale Kompetenzen sowie Probleme im Umgang mit neuen Technologien und eine geringere Lernfähigkeit zugeschrieben.

Personaler folgen dem negativen Urteil ihrer Kollegen

Hinzu kommt ein weiteres Phänomen, das Ökonomen als „rationales Herdenverhalten“ bezeichnen: Längere Phasen der Arbeitslosigkeit implizieren, dass auch andere Arbeitgeber den betreffenden Bewerber bereits aufgrund mangelnder Eignung abgelehnt hatten, was Personalverantwortliche tendenziell dazu veranlasst, dieser Einschätzung zu folgen und im Sinne eines effizienten Auswahlverfahrens von einer Einladung abzusehen.

Die Forscher empfehlen Langzeitarbeitslosen daher, die persönliche Motivation für die ausgeschriebene Stelle in den Vordergrund zu stellen und möglichst konkret zu erläutern. Denn der Hinweis auf allgemeine Leistungsbereitschaft oder soziale Kompetenzen – beispielsweise durch ehrenamtliches Engagement – konnte laut Studie die negativen Auswirkungen der langen Arbeitslosigkeitsdauer nicht aufwiegen.

Download der englischsprachigen Studie:

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Religiöse und kulturelle Traditionen beeinflussen die Kindergesundheit

chen

Xi Chen

Frühkindliche Ernährung und Gesundheit haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die späteren Bildungs- und Arbeitsmarktchancen. Der Grundstein für die gesundheitliche Entwicklung wird bereits vor der Geburt gelegt: In zwei IZA Discussion Papers zeigt der Yale-Ökonom Xi Chen, dass Ernährungsdefizite der Mütter aufgrund religiöser und kultureller Traditionen langfristige negative Folgen für die Kinder haben.

Fasten während der Schwangerschaft

Beispielsweise leiden Kinder, die im Mutterleib mit Nährstoffen unterversorgt waren, weil die entscheidende Phase der Schwangerschaft in den Fastenmonat Ramadan fiel, im späteren Leben häufiger an Nierenerkrankungen, Diabetes, Herzproblemen sowie Fettleibigkeit. Chen erklärt den Befund damit, dass der Stoffwechsel mangelernährter Säuglinge auf das kurzfristige Überleben ausgerichtet ist und sich nur unzureichend an eine spätere Normalisierung der Ernährung anpasst.

Geschenke auf Kosten der Ernährung

Für eine weitere Analyse nutzt Chen die chinesische Tradition, anlässlich von Festivitäten wie Geburtstagen, Hochzeiten und Beerdigungen kostspielige Geschenke zu machen. Wer sich nicht an diesen Brauch hält, riskiert die gesellschaftliche Isolation. Da sich in den ländlichen Regionen Chinas viele Familien die teuren Geschenke kaum leisten können, investieren sie in Jahren mit einer Häufung von Festen zu wenig in die eigene Ernährung. Das führt zu langfristigen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Kinder.

Chen plädiert daher dafür, das Bewusstsein für die Langzeitfolgen von Mangelernährung bereits während der Schwangerschaft zu schärfen und die Erkenntnisse zu den kulturellen Faktoren in Aufklärungskampagnen und Gesundheitsprogramme einfließen zu lassen.

Lesen Sie mehr zu diesem Thema im englischen Newsroom.

Download der Studien:

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Bildungspolitik als Schlüssel zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in der EU

Seit der globalen Finanzkrise ist die Jugendarbeitslosigkeit im Süden und Osten der EU auf hohem Niveau von teils über 40% verharrt, während andere Mitgliedsstaaten die Krisenfolgen in dieser Hinsicht deutlich besser gemeistert haben. Ein aktuelles Policy Paper von IZA-Fellow Francesco Pastore (Università della Campania Luigi Vanvitelli) geht den Ursachen dieses Auseinanderdriftens nach und zeigt politische Lösungswege auf.

An der Bereitschaft zur Flexibilisierung der rigiden Arbeitsmärkte mangelte es vielen der Krisenstaaten nicht. Doch die Reformen tragen bislang kaum Früchte, weil das Wirtschaftswachstum nur langsam in Fahrt kommt. Eine der Hauptursachen sieht Pastore in den gegenläufigen Wachstumsphilosophien der Verträge von Maastricht und Lissabon: Während der Maastricht-Vertrag finanzielle Stabilität in den Vordergrund stellt, erkennt der Lissabon-Vertrag die Notwendigkeit nachhaltiger Investitionen an.

Pastore schlägt daher vor, den Maastricht-Vertrag flexibler zu gestalten, um mehr wachstumsfördernde Investitionen zu ermöglichen, die jedoch konsequent auf ihre Wirksamkeit überprüft werden müssten. Den wichtigsten Ansatzpunkt sieht er in der Bildungspolitik, die bislang in vielen Staaten zu wenig an den Anforderungen des Arbeitsmarktes orientiert ist.

Insbesondere der Übergang von der Schule in den Beruf müsse erleichtert werden. Hier könnten drei internationale Modelle als Vorbilder dienen: Deutschlands duale Ausbildung, das japanische Modell einer engen Kooperation der Unternehmen mit Schulen und Universitäten sowie die angelsächsische Praxis einer intensiven Jobvermittlung durch die Bildungsinstitutionen.

Lesen Sie eine ausführliche Zusammenfassung in englischer Sprache.

Download der Studie:

Lesen Sie auch:

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Verhaltensauffälligkeiten in der Schule können sich im Berufsleben auszahlen

Nicht-kognitive Fähigkeiten wie Kommunikationsverhalten und Kooperationsbereitschaft spielen in der Arbeitswelt eine immer größere Rolle. Daher werden bereits im Bildungssystem die sogenannten „soft skills“ gefördert. Verhaltensauffälligkeiten gelten hingegen als hinderlich für den schulischen Erfolg und somit auch die späteren Arbeitsmarktchancen. Doch das muss nicht immer so sein, wie ein aktuelles IZA Discussion Paper zeigt.

Für die Studie hat Nicholas Papageorge (Johns Hopkins University und IZA) mit zwei Kollegen einen umfangreichen Datensatz ausgewertet, der die schulischen Leistungen von rund 18.000 gleichaltrigen britischen Schulkindern erfasst und mit ihren beruflichen Erfolgen im Erwachsenenalter vergleicht. Als die Schüler elf Jahre alt waren, wurde ihr Schulverhalten von den Lehrern bewertet. Auf den ersten Blick entsprechen die Resultate der Lehrmeinung: Kinder, denen Verhaltensprobleme attestiert wurden, schnitten bei den Noten wie auch beim späteren Arbeitsmarkterfolg schlechter ab.

Unterscheidet man jedoch nach Art der Verhaltensauffälligkeit, so zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen „externalisierendem“ Verhalten (Aggressivität, Impulsivität, Unaufmerksamkeit) und „internalisierendem“ Verhalten (Zurückgezogenheit, Verschlossenheit). Aggressivere Schüler, insbesondere Mädchen, waren im Erwachsenenalter häufiger beschäftigt, arbeiteten mehr und erzielten höhere Löhne als ihre „normalen“ Klassenkameraden.

Zwar ergab sich für Kinder aus den unteren sozialen Schichten kein nennenswerter Vorteil, so dass sich die Ergebnisse nicht verallgemeinern lassen. Zudem wurde nicht untersucht, inwieweit Mitschüler unter dem schwierigen Verhalten anderer litten. Dennoch plädieren die Autoren dafür, normabweichende Verhaltensweisen nicht unbedingt durch Strafe oder Kontrolle zu unterbinden. Derartige Versuche durch die Lehrer wirkten sich nämlich laut Studie eher negativ auf die spätere Karriere der betroffenen Schüler aus.

Lesen Sie dazu auch einen umfangreicheren Beitrag in englischer Sprache.

Die Studie zum Download (IZA DP No. 10822):

Bildquelle: pixabay
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Kürzung von Forschungsgeldern: Wer sind die Leidtragenden?

Bruce A. WeinbergVon Bruce A. Weinberg (Ohio State University und IZA)

Die staatliche Förderung wissenschaftlicher Forschung dient der Generierung von Wissen und Ideen, die den technologischen und medizinischen Fortschritt vorantreiben und zugleich die Wirtschaft stärken. Einer der Vordenker auf diesem Gebiet war der US-Ingenieur Vannevar Bush, der während des Zweiten Weltkriegs das Amt für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung (OSRD) der amerikanischen Regierung leitete. Aktuelle Studien stützen seine Thesen zu den positiven Effekten auf den Wirtschaftsstandort.

Denn in der Praxis finanziert die Wissenschaftsförderung nicht nur spezifische Projekte, sondern auch die beteiligten Mitarbeiter sowie externe Unternehmen, die Materialien und unterstützende Dienstleistungen liefern. Angesichts der restriktiven Forschungspolitik der amtierenden US-Regierung – so plant Präsident Trump beispielsweise eine Mittelkürzung um 20 Prozent bei den National Institutes of Health – lohnt ein Blick auf die Konsequenzen und die Leidtragenden dieser Entwicklung.

Bislang werden solche Auswirkungen meist am Forschungsoutput in Form von Publikationen oder Patenten gemessen, nicht an der Beschäftigungsentwicklung. Die von mir mitgegründete Initiative UMETRICS stellt dagegen den Menschen in den Mittelpunkt. Denn Menschen sind Ausführende, Vermittler und nicht zuletzt auch „Produkte“ von Wissenschaft.

UMETRICS trägt Informationen zu Beteiligten an universitären Forschungsprojekten und den für die Projekte getätigten Anschaffungen zusammen. Die Personen werden ihren jeweiligen Institutionen zugeordnet und die Anschaffungen den zuliefernden Unternehmen. Da sich UMETRICS ausschließlich auf administrative Daten der inzwischen rund 50 kooperierenden Universitäten sowie des U.S. Census Bureau und anderer „natürlicher“ Quellen stützt, ist der Datensatz aus statistischer Sicht weit zuverlässiger als Umfragen.

Wer profitiert von Forschungsförderung?

Unsere administrativen Daten umfassen nicht nur die Autoren von Fachveröffentlichungen und Projektberichten, sondern alle Projektbeteiligten einschließlich studentischer Hilfskräfte und Verwaltungsmitarbeiter. Deren Rolle als Zielgruppe von Forschungsförderung ist nicht zu vernachlässigen, denn wie bei einem Unternehmen geht es nicht allein um die Führungskräfte.

Wir verglichen die Verteilung der Mitarbeiter an Forschungsprojekten der großen Einrichtungen und Abteilungen der National Science Foundation (NSF) und der National Institutes of Health (NIH), auf die zusammen fast 70 Prozent der Bundesmittel für akademische Forschung und Entwicklung entfallen.

Der auffälligste Befund ist, dass der Großteil der Projektbeteiligten noch im Ausbildungsstadium ist, darunter Studierende und Doktoranden bzw. Postdocs. Während Verwaltungsmitarbeiter bei den NIH oft über 40% ausmachen, entfällt bei beiden Institutionen nur ein geringer Anteil der Stellen auf Professoren und festangestellte Forscher. Eine Kürzung von Forschungsgeldern trifft somit insbesondere den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Daher haben wir uns bei unserer Analyse primär auf Doktoranden konzentriert:

Die Karte zeigt die betrachteten Universitäten und den Anteil von Doktoranden (ein Jahr nach Promotion) pro Bundesstaat. Laut unseren Daten tragen viele von ihnen maßgeblich zur regionalen Wirtschaft bei – 12,7% bleiben im Radius von 50 Meilen um die Universität, an der sie ihren Abschluss gemacht haben. Zwar sind Ost- und Westküste sowie die Staaten Illinois und Texas beliebte Ziele für die weitere Karriere, doch ein beachtlicher Teil bleibt der ausbildenden Fakultät im Anschluss erhalten.

Die Doktoranden in unserer Stichprobe wechseln auch häufig in Unternehmen der sogenannten Knowledge Economy. Sie sind stark überrepräsentiert in Branchen wie Elektronik, Halbleiter, Computer und Pharma, dagegen kaum präsent in Branchen wie Handel und Gastronomie. Eine Promotion erhöht die Wahrscheinlichkeit um das Vierfache, für ein Unternehmen mit hohem F&E-Anteil tätig zu sein (44%), das zudem deutlich höhere Durchschnittsgehälter bezahlt.

Die besten Verdienstaussichten bestehen in den Bereichen Ingenieurswesen, Mathematik/Informatik und Physik. Unter den MINT-Fächern sind Biologie und Gesundheitswesen am geringsten entlohnt, doch viele der Postdoc-Stellen in diesen Bereichen dienen als Sprungbretter in besser bezahlte Positionen. Frauen verdienen deutlich weniger als Männer, wobei diese Unterschiede fast ausschließlich auf Studienfachwahl, Familienstand und Mutterschaft zurückzuführen sind.

Insgesamt zeigt sich, dass die in staatlich geförderten Forschungsprojekten ausgebildeten Wissenschaftler das Rückgrat der Unternehmen in der neuen Knowledge Economy bilden.

Welche Anschaffungen werden in den Forschungsprojekten getätigt?

Geförderte Forschungsprojekte haben auch auf andere Weise einen Einfluss auf den Wirtschaftsstandort, nämlich durch die Beschaffung von Geräten, Materialien und Dienstleistungen. Die Ökonomin Paula Stephan hat diese Transaktionen umfassend beschrieben. Dazu zählen etwa Anschaffungen von Computern und Software, Reagenzien, medizinischen Bilddiagnostikgeräten und Teleskopen, bis hin zu Labormäusen und -ratten.

Eine noch unveröffentlichte Studie zu den Zulieferern geförderter Forschungsprojekte an Universitäten zeigt, dass es sich bei vielen von ihnen um Mittelständler im High-Tech-Bereich handelt, die oft auch Niederlassungen in Campus-Nähe haben. Insofern stärken Forschungsprojekte auf besondere Weise die Wirtschaft vor Ort.

Bei der Forschungsförderung geht es also nicht nur um die Generierung neuen Wissens, sondern insbesondere auch um die Ausbildung hochqualifizierten Fachpersonals im MINT-Bereich und die Förderung der unternehmerischen Aktivität auf diesem Gebiet. Das UMETRICS-Projekt liefert einen detaillierten Überblick über die Menschen und Unternehmen, die von staatlicher Forschungsförderung bzw. deren Kürzung betroffen sind, wobei sich daraus sowohl kurzfristige Effekte als auch langfristige Konsequenzen für die Volkswirtschaft ableiten lassen.

theconversation

Eine englische Fassung erschien in The Conversation.
Lesen Sie hier das Original.The Conversation

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Computer für Kinder – Fluch oder Segen?

Computer erobern nicht nur die Klassenräume, sondern zusehends auch die Kinderzimmer. Diese Entwicklung wird in Öffentlichkeit und Wissenschaft kontrovers diskutiert. Denn einerseits können Computer beim Lernen unterstützen und wichtige technische Fertigkeiten vermitteln. Andererseits besteht die Gefahr, dass Kinder zu viel Zeit mit Computerspielen und in sozialen Netzwerken verbringen. In der Realität fallen jedoch positive wie negative Effekte mitunter anders aus als erwartet. Das zeigen drei aktuelle IZA Discussion Papers anhand internationaler Erkenntnisse zu unterschiedlichen Aspekten der Computernutzung von Kindern.

Computerspiele verstärken Geschlechterunterschiede in den MINT-Fächern

Yann Algan (Sciences Po & IZA) und Nicole Fortin (University of British Columbia & IZA) gehen auf Basis von PISA-Daten der Jahre 2000-2012 der Frage nach, wie sich die regelmäßige Nutzung von Computerspielen auf das Abschneiden bei Mathematik-Tests auswirkt. Laut den Daten von 2012 spielten 42% der Jungen und 12% der Mädchen täglich am Computer und nutzten dabei vor allem die als MMOs bezeichneten Online-Spiele mit interaktivem Charakter. Der Studie zufolge konnten Jungen auf diese Weise ihre mathematischen Fähigkeiten verbessern, während bei Mädchen keine oder sogar negative Effekte zu verzeichnen waren. Die Autoren sehen in Computerspielen daher ein mögliches Hindernis für das Schließen der Geschlechterlücke in den mathematischen Fächern.

Kostenlose Laptops für benachteiligte Kinder nicht immer sinnvoll

Gustavo Yamada (Universidad del Pacífico & IZA), Pablo Lavado (Universidad del Pacifico) und Guadalupe Montenegro (GRADE) untersuchen anhand des peruanischen OLPC-Programms („One Laptop per Child“) die Auswirkungen von daheim genutzten Computern auf die schulischen Leistungen. Im Rahmen des Programms wurden speziell entwickelte Laptops an Schulen in besonders von Armut betroffenen Regionen des Landes ausgegeben. Obwohl das OLPC-Programm international überwiegend positive Resultate nach sich zog, zeigten sich im Falle Perus deutliche Negativeffekte. Insbesondere litten die sprachlichen Fertigkeiten von Viertklässlern darunter, dass die Lehrer den Einsatz von gruppenbasierten Methoden im Unterricht zugunsten der individuellen Computerarbeit reduzierten. Zudem verringerten viele Schülerinnen und Schüler ihren Einsatz im Haushalt bei einer gleichzeitigen Verstärkung des Fernsehkonsums.

Soziale Netzwerke gehen nicht auf Kosten des persönlichen Kontakts

Robert Fairlie (University of California, Santa Cruz & IZA) und Ariel Kalil (University of Chicago) analysieren am Beispiel von Schulen in Kalifornien den Einfluss der Bereitstellung von Computern auf das Sozialverhalten der Schüler. Die Studie gelangt zu durchaus überraschenden, positiven Resultaten: Zwar wurde ein erhöhtes Zeitbudget für die Computernutzung verbraucht, das sich jedoch gleichmäßig auf Spiele, Schularbeiten und die Nutzung von E-Mails sowie sozialen Netzwerken verteilte. Zudem wurde kein Beleg für eine Einschränkung von sportlichen oder anderen außerschulischen Freizeitaktivitäten und keine Tendenz zu sozialer Isolation gefunden. Im Gegenteil erhöhte sich bei den befragten Schülern die Intensität der Kommunikation und die Häufigkeit der persönlichen Kontakte mit Freunden.

Download der englischsprachigen Studien:

Bildquelle: pixabay
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Der US-Arbeitsmarkt brummt – aber die Ungleichheit nimmt zu

In den USA hat sich der Arbeitsmarkt fast vollständig von der Krise erholt: Die Arbeitslosigkeit ist unter 5% gesunken, und die Reallöhne sind zuletzt wieder deutlich gestiegen. Zugleich ist allerdings die Erwerbsbeteiligung zurückgegangen, während die Einkommensungleichheit nach wie vor drastisch zunimmt. Das sind die Hauptbefunde eines aktuellen IZA World of Labor Reports von Daniel S. Hamermesh, Professor am Royal Holloway (University of London) und IZA-Netzwerkkoordinator, der die Entwicklungen der letzten 15 Jahre auf dem US-Arbeitsmarkt unter die Lupe nimmt.

IZAWOL.361.gaDie Schwierigkeiten liegen laut Hamermesh unter der Oberfläche der positiven Makrodaten, etwa bei der vergleichsweise hohen Jugendarbeitslosigkeit von 15%. Die Langzeitfolgen für Gesellschaft und Arbeitsmarkt seien nicht zu unterschätzen, wenn junge Berufseinsteiger bereits mit Enttäuschungen und Rückschlägen ins Arbeitsleben starten.

Erstaunliches ist bei der Erwerbsbeteiligung zu beobachten, die in der Altersgruppe 55+ weiter steigt, während sie nicht nur bei Männern zwischen 20 und 54 Jahren zurückgeht, sondern inzwischen auch bei Frauen – was eine Trendumkehr bedeutet. Insgesamt fiel die Erwerbsquote seit 2000 um mehr als vier Prozentpunkte. Für Hamermesh ist dieser Trend jedoch nicht notwendigerweise negativ zu bewerten, zumal er auch dafür spricht, dass sich viele Amerikaner eine bessere Work-Life-Balance leisten können.

Problematisch ist dagegen die wachsende Kluft beim Einkommen, die auf überproportional gestiegene Reallöhne im oberen Einkommenssegment zurückzuführen ist. Auch die Entgeltlücke zwischen Schwarzen bzw. Hispanics und Weißen hat sich seit der Jahrtausendwende kaum weiter geschlossen.

Um der wachsenden Ungleichheit, soweit sie durch den Arbeitsmarkt verursacht ist, politisch entgegenzuwirken, schlägt Hamermesh eine steuerliche Mehrbelastung von Haushalten im oberen Einkommensdrittel vor, um damit im Gegenzug eine Entlastung von Geringverdienern und Mittelschicht zu finanzieren.

Lesen Sie den englischsprachigen Artikel im Volltext:

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Der Report von Dan Hamermesh ist der erste von insgesamt 27 geplanten Artikeln für IZA World of Labor, in denen renommierte Arbeits- und Makroökonomen aus verschiedenen Ländern die dortige Arbeitsmarktentwicklung pointiert zusammenfassen und bewerten. Unter der Rubrik “The labor market in …” werden neben Arbeitslosigkeit, Erwerbsbeteiligung und Lohnentwicklung auch weitere, im jeweiligen Länderkontext zentrale Arbeitsmarkttrends analysiert. Ein Deutschland-Report ist ebenfalls in Vorbereitung.

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Mit Hurra zurück zu den Fehlern der Vergangenheit

Für die Debatte “Agenda 2010 – Braucht es eine Reform?” auf XING Klartext hat IZA-Chef Hilmar Schneider die Vorschläge zum Arbeitslosengeld Q kommentiert:

  • Schulz’ Vorschläge animieren zur Frühverrentung auf Kosten der Allgemeinheit
  • Einer staatlichen Weiterbildungsgarantie droht Missbrauch durch Arbeitgeber
  • Sinnlose Weiterbildungsmaßnahmen verlängern nur die Arbeitslosigkeitsdauer

Hilmar Schneider

Rechtsanspruch auf Weiterbildung nach drei Monaten Arbeitslosigkeit? Verlängerung des Anspruchs auf Arbeitslosengeld? Klingt gut aus der Sicht derjenigen, die sich Sorgen um ihren Job machen. Wäre es auch, wäre da nicht ein immer wiederkehrender Denkfehler. Es wird übersehen, dass das Risiko, das hier zu versichern ist, leider manipulierbar ist. Und das Interesse, es zu manipulieren, ist groß, denn es geht um viel Geld.

Je großzügiger die Versicherungsleistung, desto größer die Versuchung, dem Schicksal ein wenig nachzuhelfen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Dass der Leistungsanspruch aus der Arbeitslosenversicherung beim vorzeitigen Eintritt in den Ruhestand behilflich sein kann, ist sattsam bekannt. Man muss kein Rechenkünstler sein, um zu prognostizieren, was eine Verlängerung der Anspruchsdauer auf Arbeitslosengeld hier bewirken wird.

Filigraner ist da schon die Möglichkeit, dass bei einem Weiterbildungsanspruch nach spätestens drei Monaten Firmen beispielsweise schnell auf die Idee kommen könnten, ihre Mitarbeiter in Zukunft auf Kosten der Bundesagentur für Arbeit und damit auf Kosten der Beitragszahler weiterzuqualifizieren. Insbesondere bei Arbeitnehmern mit einem befristeten Arbeitsvertrag könnte das eine elegante Methode zur Senkung der betrieblichen Qualifizierungskosten werden.

Weiterbildungen verschlechtern mitunter sogar die Jobchancen

Dazu muss man wissen, dass Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände eigene Weiterbildungseinrichtungen unterhalten, denen nichts Einträglicheres widerfahren kann als eine staatlich verordnete Weiterbildungsgarantie in großem Stil. Daran wäre vielleicht nicht einmal etwas auszusetzen, wenn das entsprechende Weiterbildungsangebot in jedem Fall zu einer substanziellen Verbesserung der Jobchancen der Absolventen führen würde. Das ist aber mitnichten der Fall. Das Qualitätsspektrum ist immens. In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen ist belegt, dass Weiterbildungsteilnehmer nach Abschluss einer Maßnahme mitunter sogar schlechtere Jobchancen haben als vergleichbare Personen, die einfach so einen Job gesucht haben.

Und selbst wenn man sich nur auf Maßnahmen konzentrieren würde, die sich als erfolgreich erwiesen haben, heißt das noch lange nicht, dass sich dieser Erfolg beliebig skalieren ließe. Wenn beispielsweise erfolgreiche Absolventen eines CAD-Schweißer-Lehrgangs in der Regel sehr schnell unterkommen, gilt das sicher nicht mehr, wenn sich die Zahl der CAD-Schweißer durch die geplante Regelung auf einmal mehr als verfünffacht. Das ist tatsächlich die Größenordnung, um die sich die Zahl der Weiterbildungsmaßnahmen gegenüber heute erhöhen würde, wenn es zur Umsetzung der SPD-Vorschläge käme.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie die Bundesagentur angesichts dieser Größenordnung noch den Überblick darüber behalten soll, welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind und welche nicht. Sie hätte ohnehin alle Hände voll damit zu tun, den Anspruchsberechtigten überhaupt ein Weiterbildungsangebot zu unterbreiten. Statt sich auf die Verwaltung von Versicherungsleistungen zu konzentrieren, würde sie zu einer staatlichen Einrichtung zur Fütterung der Weiterbildungsindustrie umfunktioniert.

Aus der Sicht der Arbeitslosenversicherung ist eine Finanzierung von Weiterbildung ohnehin nur zu rechtfertigen, wenn die Teilnahme an einer Maßnahme dazu führt, dass jemand schneller wieder in Arbeit kommt als ohne die Maßnahme. Wenn es also – wie derzeit – im Durchschnitt neun Monate dauert, bis jemand ohne Maßnahme wieder eine Arbeit findet, sollten es mit Maßnahme im Durchschnitt deutlich weniger als neun Monate sein, oder die Maßnahme sollte zumindest dazu beitragen, das künftige Arbeitslosigkeitsrisiko zu mindern.

Ohne einen solchen Effekt führt der Weiterbildungszwang nur zu einer Erhöhung der Kosten der Arbeitslosigkeit, denn zusätzlich zu den Kosten für das Arbeitslosengeld fallen auch noch die Weiterbildungskosten an. Das mag kurzfristig durch die Reserven der Bundesagentur für Arbeit finanzierbar sein, aber mittelfristig wird es zu einer unnötigen Erhöhung der Beitragssätze durch unsinnige Maßnahmen und zu mehr und längerer Arbeitslosigkeit führen.

Auch in Schweden ist man damit gescheitert

In Schweden hat man vor Jahren versucht, mit einer vergleichbaren Weiterbildungsinitiative den Arbeitsmarkt in Schwung zu bringen (was in Deutschland derzeit übrigens nicht nötig wäre). Das Ergebnis entsprach exakt dem, was nach den obigen Ausführungen zu erwarten war. Kein Wunder, dass das Programm schon nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurde.

Vergessen hat man in der SPD offenbar auch schon wieder, dass Weiterbildungsmaßnahmen vor der Hartz-Reform massiv dazu missbraucht wurden, Arbeitnehmer in den vorgezogenen Ruhestand zu entlassen. Damals firmierte dies unter dem verschleiernden Begriff Strukturkurzarbeitergeld.

Übrigens ist die Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland seit 2005 von unter 40 Prozent auf inzwischen fast 70 Prozent angestiegen. Diese Entwicklung ist geradezu sensationell und zeigt, dass Erwerbstätigkeit im Alter viel mehr mit finanziellen Anreizen zu tun hat als mit irgendetwas anderem. Durch die Beseitigung der starken Frühverrentungsanreize im Zuge der Hartz-Reform ist es Deutschland bislang gelungen, die negativen Folgen des Bevölkerungsrückgangs effizient zu vermeiden. Wer riskiert, einen solchen Erfolg wieder rückgängig zu machen, handelt schlicht verantwortungslos.

Dass die Umsetzung guter Ideen manchmal das Gegenteil dessen bewirkt, was beabsichtigt war, kommt häufiger vor, als einem lieb ist. Das mag verzeihlich sein, wenn man es vorher nicht besser wissen konnte. Für Wiederholungsfehler gilt das allerdings nicht.

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Diesen Artikel von Hilmar Schneider sowie weitere Debattenbeiträge zum Thema von Frank-Jürgen Weise und Dietmar Bartsch finden Sie auf XING Klartext.

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Machbarkeitsstudie zur Evaluation der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge

Flüchtlinge sind auf dem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt häufig auf aktive arbeitsmarktpolitische Unterstützung angewiesen. Bislang fehlen noch aussagekräftige Untersuchungen, welche der dabei eingesetzten Instrumente im Hinblick auf soziale Teilhabe und Integration im Zusammenhang von Fluchtmigration am besten wirksam sind. Eine jetzt veröffentlichte Machbarkeitsstudie des IZA zeigt, wie die arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) systematisch evaluiert werden könnten.

Die Studie macht fundierte Vorschläge, mit welchen statistischen Verfahren Ursache-Wirkungs-Beziehungen offengelegt werden können, und mit welchen Frühindikatoren ein Integrationserfolg gemessen werden kann. Das IZA hat außerdem ein Erhebungskonzept entwickelt, um zur Durchführung der Evaluation die Verwaltungsdaten der Bundesagentur für Arbeit zu Personen im Kontext von Fluchtmigration durch eine umfassende Verlaufsbefragung von Teilnehmern und Nichtteilnehmern zu ergänzen.

Die Machbarkeitsstudie hat das IZA im Auftrag des BMAS erarbeitet. Sie diente zur Vorbereitung einer geplanten integrationspolitischen Begleitevaluation der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete, die das Ministerium nun ausgeschrieben hat. Da sich die vom IZA angestellten konzeptionellen Überlegungen gut auf andere integrationspolitische Instrumente übertragen lassen, liefert die Machbarkeitsstudie aber auch wertvolle Hinweise für andere denkbare Evaluationsvorhaben, die sich an die nach Deutschland geflüchteten Menschen richten.

Download der Studie:

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