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IZA – Institute of Labor Economics

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Mark Fallak

Räumliche Nähe zu Hochschulen beeinflusst Studienerfolg und Bildungsabschlüsse

December 19, 2024 by Mark Fallak

Die wirtschaftlichen Vorteile eines Hochschulabschlusses sind in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Allerdings bestehen weiterhin deutliche Unterschiede in den Bildungsabschlüssen zwischen verschiedenen ethnischen und sozioökonomischen Gruppen – und diese haben sich in einigen Fällen sogar verschärft.

Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Riley Acton, Kalena E. Cortes, Lois Miller und Camila Morales beleuchtet einen entscheidenden, aber oft übersehenen Faktor: den geografischen Zugang zu Bildungseinrichtungen. Die Ergebnisse zeigen, wie die Nähe zu Hochschulen die Bildungsentscheidungen und Abschlüsse junger Menschen in den USA beeinflusst – mit negativen Folgen für unterrepräsentierte Gruppen.

Was sind „Community Colleges“ – und warum sind sie wichtig?

In den USA spielen sogenannte Community Colleges eine zentrale Rolle im Bildungssystem. Diese öffentlichen Hochschulen bieten zwei Jahre dauernde Associate Degrees (vergleichbar mit einem Fachhochschulabschluss) sowie Kurse an, die auf einen späteren Wechsel an eine Universität vorbereiten. Im Gegensatz zu Universitäten, die oft größere finanzielle und zeitliche Verpflichtungen erfordern, sind Community Colleges kostengünstiger, flexibler und oft näher am Wohnort der Studierenden gelegen. Sie dienen insbesondere einkommensschwachen und ethnischen Minderheiten als Einstieg in die Hochschulbildung und ermöglichen es vielen, später einen Bachelor-Abschluss an einer Universität zu erlangen.

Bildungswüsten: Wo Hochschulen fehlen

Die Studie untersuchte, wie sich das Leben in sogenannten „Community College Deserts“ – Gebieten ohne ein Community College in 30 Minuten Fahrdistanz – auf die Studienentscheidungen auswirkt. Mit Daten von texanischen Schulabsolvent:innen aus den Jahren 2013 bis 2017 zeigt die Analyse, dass junge Menschen in diesen Bildungswüsten erhebliche Nachteile haben. Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von sechs Jahren nach dem Schulabschluss einen Associate Degree zu erwerben, sinkt für sie um 2,7 Prozentpunkte. Dieser Rückgang ist auf niedrigere Einschreibungsquoten und eine geringere Anzahl an während des Studiums erworbenen Kreditpunkten zurückzuführen.

Wer leidet am meisten unter fehlendem Zugang?

Die Auswirkungen eines begrenzten Zugangs zu Community Colleges sind stark von der ethnischen und sozioökonomischen Zugehörigkeit der Studierenden abhängig. Wohlhabendere weiße Studierende und solche asiatischer Herkunft kompensieren den Mangel an Community Colleges oft durch die direkte Einschreibung an Universitäten. Für sie bleibt Hochschulabschlussquote insgesamt stabil.

Einkommensschwache, schwarze und hispanische Studierende hingegen verzichten oft vollständig auf ein Studium, wenn kein Community College in der Nähe verfügbar ist. Dies führt dazu, dass sie sowohl seltener Associate Degrees als auch Bachelor-Abschlüsse erreichen. Community Colleges fungieren hier als entscheidender Zugangspunkt, der ohne Alternativen zu erheblichen Bildungsdefiziten führen kann.

Insgesamt sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Studierende aus unterrepräsentierten Minderheiten (Black, Hispanic, Native American) einen Hochschulabschluss erlangen, um 3,3 Prozentpunkte, wenn sie in einer Community College Desert leben. Für einkommensschwache Studierende beträgt dieser Rückgang 2,6 Prozentpunkte. Dieser negative Effekt lässt sich bis zu acht Jahre nach Schulabschluss nachweisen.

Community Colleges als Motor für Chancengleichheit

Die Ergebnisse unterstreichen die „demokratisierende“ Rolle der Community Colleges im amerikanischen Bildungssystem. Sie bieten einkommensschwachen und ethnischen Minderheiten oft den einzigen Zugang zu höherer Bildung und dienen als Brücke zu einem späteren Bachelor-Abschluss.

Um bestehende Bildungsungleichheiten zu verringern, empfiehlt die Studie, den geografischen Zugang zu Community Colleges zu verbessern. Dies könnte durch den Ausbau von Standorten in wirtschaftlich und ethnisch diverseren Regionen geschehen. Ebenso könnten gezielte politische Maßnahmen, wie kostenlose Transportmöglichkeiten oder finanzielle Unterstützung für den Wohnortwechsel, dazu beitragen, den Zugang zu Hochschulbildung zu erleichtern.

Filed Under: Research Tagged With: college enrollment, education, inequality

Trauer um IZA-Preisträger Richard Easterlin

December 19, 2024 by Mark Fallak

Das IZA nimmt Abschied von Richard A. Easterlin (1926-2024), einem der prägendsten Ökonomen seiner Zeit. Seine Forschung, insbesondere zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und persönlichem Wohlbefinden, hat weltweit Denkanstöße geliefert.

Easterlin, der 25 Jahre lang als IZA Research Fellow aktiv war, veröffentlichte über zwei Dutzend IZA-Forschungspapiere – sein letztes im Januar 2023 im Alter von 97 Jahren. Sein bekanntestes Werk, das Easterlin-Paradox, zeigte, dass höheres Einkommen nicht automatisch zu mehr Glück führt. Für diese und weitere Beiträge wurde er 2009 mit dem IZA Prize in Labor Economics ausgezeichnet. Seine wichtigsten Erkenntnisse sind in dem Band „Happiness, Growth, and the Life Cycle“ zusammengefasst.

Andrew Oswald, Vorsitzender des IZA Network Advisory Panel, würdigte Easterlin als „außergewöhnlich innovativen Geist und eine Inspiration für Generationen von Forschenden in Ökonomie, Demografie und Verhaltenswissenschaften.“

Das IZA-Netzwerk verliert mit ihm einen wichtigen Impulsgeber und geschätzten Kollegen. Sein Werk wird bleiben und weiterwirken.

Lesen Sie auch einen ausführlicheren Nachruf in englischer Sprache.

Filed Under: IZA News Tagged With: happiness

Begrenzung der Zulassungen für Hausärzte: Lokale Monopole mindern die Servicequalität

December 18, 2024 by Mark Fallak

Die Zulassungsbeschränkungen für Vertragsärztinnen und Vertragsärzte in Deutschland zielen darauf ab, eine gleichmäßige Verteilung medizinischer Leistungen zu gewährleisten, indem Überversorgung in attraktiven städtischen Gebieten verhindert und die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen gefördert wird. Allerdings können solche Beschränkungen unbeabsichtigt den Wettbewerb reduzieren und so die Servicequalität beeinträchtigen.

Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Eduard Brüll, Davud Rostam-Afschar und Oliver Schlenker analysiert, wie die Verringerung des Wettbewerbsdrucks – also die Einschränkung des Marktzugangs für neue Hausärztinnen und Hausärzte – das Verhalten und die Versorgungsqualität bestehender Hausärzte beeinflusst.

Weniger Wettbewerbseinfluss, gleiche Anzahl an Hausärzten

Die Studie untersucht das deutsche Bedarfsplanungssystem, bei dem Planungsbereiche mit einem Versorgungsgrad von über 110 Prozent für neue Zulassungen gesperrt werden. Diese Regelung bewirkt, dass die Wahrscheinlichkeit für einen neuen Praxiseintritt um 20 Prozentpunkte abnimmt. Die tatsächliche Hausarztdichte pro Einwohner bleibt jedoch unverändert.

Lokale Monopolisten senken die Servicequalität

In Regionen ohne unmittelbare Konkurrenz – sogenannte lokale Monopole – reagieren Hausärzte auf die geringere Bedrohung durch Wettbewerb mit einer spürbaren Abnahme der Servicequalität. Patienten in diesen Gebieten bemängeln eine geringere Freundlichkeit und Aufmerksamkeit der Ärzte, kürzere Konsultationszeiten sowie eine niedrigere Qualität der ärztlichen Beratung. In ohnehin wettbewerbsintensiven Regionen bleibt das Verhalten der Ärzte hingegen weitgehend unverändert, da dort trotz Zulassungsbeschränkungen weiterhin direkte Konkurrenz herrscht.

Keine Auswirkungen auf Arbeitszeiten oder Gesundheitsindikatoren

Die Zulassungsbeschränkungen haben weder Auswirkungen auf die Arbeitszeiten der Hausärzte noch auf die Menge der von ihnen erbrachten Leistungen. Dies ist vor allem dem Vergütungssystem der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) geschuldet. Auch die soziodemografischen Merkmale der Hausärzte, wie Alter, Geschlecht oder Beschäftigungsform, bleiben unverändert.

Gesundheitsindikatoren auf überregionaler Ebene, etwa Hospitalisierungs- oder Sterberaten, zeigen ebenfalls keine signifikanten Veränderungen. Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass lediglich rund 20 Prozent der Hausärzte in Regionen ohne Konkurrenz tätig sind, wodurch der gesamtgesellschaftliche Einfluss dieser Regelungen begrenzt bleibt.

Politische Implikationen: Zugang und Qualität in Einklang bringen

Die Ergebnisse verdeutlichen einen zentralen Zielkonflikt: Zwar tragen Zulassungsbeschränkungen dazu bei, die regionale Versorgung zu sichern, doch in Gebieten mit geringem Wettbewerb führen sie häufig zu einer Abnahme der Servicequalität. Um diesen Konflikt zu lösen, schlagen die Autoren verschiedene Maßnahmen vor:

  • Leistungsbasierte Anreize einführen: Ärzte sollten für hohe Servicequalität belohnt werden, auch in Regionen mit geringem Wettbewerb.
  • Unterstützung für unterversorgte Gebiete: Finanzielle Anreize, Weiterbildungsmöglichkeiten und Investitionen in die Infrastruktur könnten qualifizierte Ärzte in diese Regionen locken.
  • Regelmäßige Überprüfung der Zulassungsbeschränkungen: Schwellenwerte sollten anhand von Patientenfeedback und Qualitätsindikatoren kontinuierlich angepasst werden.
  • Wettbewerb innerhalb von Regionen fördern: Benchmarking oder die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten könnte den Wettbewerb auch in Regionen mit Zulassungsbeschränkungen simulieren.

Fazit: Wettbewerb bleibt entscheidend für die Servicequalität

Zulassungsbeschränkungen erfüllen zwar das Ziel einer gleichmäßigen Versorgung, schwächen jedoch den Wettbewerb und ermöglichen es Ärzten in lokalen Monopolstellungen, ihre Servicequalität zu senken. Für eine hochwertige Gesundheitsversorgung ist es daher unerlässlich, die geeignete Balance zwischen Versorgungsgerechtigkeit und Wettbewerb zu schaffen. Denn auch in regulierten Märkten bleibt der Erhalt von Wettbewerbsanreizen ein zentraler Faktor, um hohe Standards in der Patientenversorgung zu gewährleisten.

Filed Under: Research Tagged With: competition, healthcare

Elterliche Vorbilder im Freundeskreis haben Einfluss auf spätere Karrierechancen

December 17, 2024 by Mark Fallak

Die sogenannte „Child Penalty“ – Gehalts- und Karrierenachteile, die viele Frauen nach der Mutterschaft erleben – bleibt eine der größten Hürden auf dem Weg zur Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. Das Ausmaß dieser Nachteile wird bereits im jugendlichen Alter durch elterliche Vorbilder geprägt, wie ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Henrik Jacobsen Kleven, Giulia Olivero und Eleonora Patacchini zeigt.

Die Studie untersucht den Werdegang von Schülerinnen und Schülern in den USA. Die umfangreichen Daten enthielten auch Informationen zum Arbeitsmarktstatus der Eltern. So konnten die Forschenden ermitteln, wie sich die Berufstätigkeit der Eltern von Mitschülern auswirkte. Um den Effekt der auf diese Weise vermittelten Rollenbilder zu isolieren, nutzten die Forschenden unterschiedliche methodische Ansätze und rechneten andere mögliche Einflussfaktoren wie Bildung und Einkommen heraus.

Die Analyse ergab: Bei Schülerinnen mit einem hohen Anteil an Klassenkameraden mit berufstätigen Müttern fiel die Child Penalty später geringer aus. Umgekehrt waren die Karrierenachteile durch die Mutterschaft später überdurchschnittlich groß, wenn es im sozialen Umfeld der Mädchen fast nur arbeitende Väter gab.

Filed Under: Research Tagged With: child penalty, gender norms

Offenlegung von Vorstandsgehältern verstärkt die Lohnungleichheit

December 16, 2024 by Mark Fallak

Gesetze zur Offenlegung von Vorstandsvergütungen sollen Transparenz schaffen, Gehaltsexzesse verhindern und dadurch letztlich die Lohnungleichheit verringern. Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Agata Maida und Vincenzo Pezone zeigt jedoch, dass solche Maßnahmen in der Praxis das Gegenteil bewirken können: In Italien führte die Verpflichtung börsennotierter Unternehmen zur Veröffentlichung der Vorstandsgehälter dazu, dass vor allem Spitzenverdiener im Unternehmen profitierten, wodurch die Lohnungleichheit in der Gesamtbelegschaft zunahm.

Offenbar verbesserte die Gehaltstransparenz vor allem die Verhandlungsposition auf den höheren Managementebenen, während die unteren und mittleren Gehaltsstufen keinen signfikanten Zuwachs verzeichnen konnten. Auch die räumliche Nähe zur Vorstandsetage zahlte sich buchstäblich aus: Mitarbeitende in der Zentrale konnten eher Gehaltssteigerungen durchsetzen als ihre Kolleginnen und Kollegen an weiter entfernten Unternehmensstandorten.

Aus Sicht der Forschenden verfehlt die Offenlegung der Vorstandsgehälter also ihr eigentliches Ziel. Sollten die Transparenzregeln also wieder abgeschafft werden? Im Gegenteil: Sie müssten deutlich umfassender ausfallen und auch die niedrigeren Gehaltsgruppen im Unternehmen mit erfassen, um detailliertere Vergleiche zu ermöglichen.

Filed Under: Research Tagged With: CEO compensation, income inequality, wage bargaining, wage disclosure

Schummelei im Kakao-Zwischenhandel

December 15, 2024 by Mark Fallak

In der Welt des Kakaohandels spielt sich bislang ein Großteil der Geschäfte auf der Ebene der Mittelsmänner ab, die zwischen Kleinbauern, Genossenschaften und Exporteuren vermitteln. Unehrlichkeit ist hier ein weit verbreitetes Problem, das Transparenz und Fairness in der Wertschöpfungskette massiv beeinträchtigt.

In einem aktuellen IZA-Forschungspapier untersuchen Delphine Boutin, Marine Jouvin and Louis Olié im Rahmen eines Experiments das Verhalten von Kakao-Mittelsmännern in der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoproduzenten der Welt.

Mehrheit neigt zur Schummelei

In dem Experiment konnten die Probanden durch falsche Angaben zu einem Würfelergebnis ihren Geldgewinn steigern. Dabei wurde die Gewinnwahrscheinlichkeit ebenso variiert wie die Chance, dass die Lüge entdeckt und bestraft wurde. Die Ergebnisse sind ernüchternd: 78 Prozent der Mittelsmänner schummelten mindestens einmal im Verlauf des Experiments.

Besonders erschreckend ist, dass 59 Prozent systematisch betrogen, um mit jedem Würfeln einen Gewinn einzufahren. Immerhin 22 Prozent der Mittelsmänner blieben konsequent ehrlich – selbst wenn sie dadurch finanzielle Nachteile in Kauf nehmen mussten.

Die Auswertung der persönlichen Merkmale zeigt: Jüngere Teilnehmer sowie solche mit einer hohen Risikobereitschaft und ohne starke religiöse Überzeugungen zeigten eine deutlich höhere Neigung zum Betrug.

Kontrolle wirkt – aber nicht bei allen

Überwachung und Strafen können das Ausmaß an Betrug spürbar verringern. Das Risiko, beobachtet zu werden, reduzierte die Betrugswahrscheinlichkeit um 42 Prozent- und um 52 Prozent, wenn außerdem finanzielle Strafen drohten.

Doch drei von fünf Mittelsmännern betrogen auch weiterhin, ungeachtet der Konsequenzen. Die Forschenden vermuten, dass die vergleichsweise geringen Strafen in der experimentellen Situation ein zu geringes Abschreckungspotenzial hatten.

In Praxis könnten striktere Kontrollen und härtere Strafen demnach durchaus Wirkung entfalten. Erfolgversprechender erscheinen jedoch umfassendere Ansätze wie eine verbesserte Rückverfolgbarkeit der Warenströme und die Förderung ethischen Verhaltens.

Inzwischen hat auch die Politik reagiert: Eine aktuelle Reform der Kakao-Vermarktung in der Elfenbeinküste soll den Einsatz von Mittelsleuten auf Dauer überflüssig machen.

Filed Under: Research

Frühere Erbschaften vergrößern den Vermögensvorsprung von Männern

December 14, 2024 by Mark Fallak

Männer erben früher – und das gibt ihnen einen entscheidenden Vorteil. Ein IZA-Forschungspapier von Charlotte Bartels, Eva Sierminska und Carsten Schröder zeigt, dass Zeitpunkt und Umfang von Erbschaften und Schenkungen einen signifikanten Einfluss auf die Vermögensunterschiede zwischen Männern und Frauen in Deutschland hat. Die Studie basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und beleuchtet, wie sich die Anhäufung von Vermögen im Laufe des Lebens zwischen den Geschlechtern unterscheidet.

Insgesamt besitzen Frauen etwa 40 Prozent weniger Vermögen als Männer. Besonders ausgeprägt ist dieser Unterschied bei den Superreichen: Im obersten Vermögensprozent sind weniger als 30 Prozent Frauen vertreten. Frühere Studien haben sich vor allem auf die Einkommenslücke konzentriert, die durch Unterschiede in der Arbeitsmarktbeteiligung und den Karrierewegen entsteht. Doch ein weiterer wichtiger Faktor ist der Zeitpunkt, zu dem Männer und Frauen erben. Männer erhalten ihr Erbe häufig früher im Leben, was ihnen die Möglichkeit gibt, in Unternehmen zu investieren oder Vermögen langfristig zu mehren. Frauen erben hingegen oft erst nach dem Tod ihres Partners. Wie die Grafik zeigt, klafft daher im mittleren Alter die größte Vermögenslücke zwischen den Geschlechtern, während sich diese zum Lebensende hin wieder etwas reduziert.

Abbildung: Durchschnittsvermögen nach Alter und Geschlecht

Das durchschnittliche Vermögen von Männern und Frauen ist in jungen Jahren nahezu gleich. Ab einem Alter von 40 Jahren wächst die Vermögenslücke jedoch etwa 100.000 Euro an und verringert sich erst ab dem Rentenalter wieder.

Filed Under: Research Tagged With: gender, inheritance, wealth

Vertrauen als Schlüssel für flexible Arbeitsmodelle

December 13, 2024 by Mark Fallak

Dass mangelndes Vertrauen in die Beschäftigten vielerorts die Ausweitung von Homeoffice oder anderen flexiblen Arbeitsformen erschwert, ist in den Medien ein häufig diskutiertes Thema. Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Adam Gill und Oskar Nordström Skans untersucht diesen Zusammenhang nun erstmals systematisch auf Basis umfangreicher Daten aus ganz Europa.

Die Studie misst das Vertrauen der Führungskräfte anhand der im European Social Survey gestellten Frage: „Glauben Sie, dass die meisten Menschen versuchen würden, Sie auszunutzen, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten?“ Die Auswertung zeigt, dass in Regionen mit hohem Vertrauen in andere Menschen – wie den nordischen Ländern, der Schweiz und den Niederlanden – Homeoffice vor und während der Pandemie intensiver genutzt wurde. In Ländern wie Bulgarien, Zypern oder der Slowakei, wo das Vertrauen geringer ist, blieb die Verbreitung von Remote-Arbeit hingegen vergleichsweise niedrig. Auch innerhalb einzelner Länder zeigen sich vergleichbare regionale Unterschiede.

Der direkte Zusammenhang zwischen Vertrauenskultur und Homeoffice-Verbreitung bleibt auch dann bestehen, wenn andere sozioökonomische und infrastrukturelle Faktoren wie Breitbandzugang, digitale Kompetenzen oder berufliche Tätigkeiten berücksichtigt werden. Die Ergebnisse legen daher nahe, dass das Vertrauen von Führungskräften der entscheidende Treiber für flexibles Arbeiten nicht nur während der Pandemie war, sondern angesichts des wachsenden Wunsches der Beschäftigten nach Autonomie in der zukünftigen Arbeitswelt eine noch zentralere Rolle auch für den Unternehmenserfolg spielen könnte.

Filed Under: Research Tagged With: management, remote work, shirking, Trust, work from home

Signale für Ehrlichkeit und Produktivität

December 12, 2024 by Mark Fallak

Bei Neueinstellungen können Personalverantwortliche in der Regel nur abschätzen, wie sich künftige Beschäftigte am Arbeitsplatz verhalten und welche Leistungen sie erbringen werden. In Bewerbungsgesprächen und Einstellungstests werden daher häufig neben klassischen „Signalen“ wie Bildungsstand, Berufserfahrung oder ehrenamtlicher Tätigkeit auch spezifische Persönlichkeitsmerkmale erfasst. In einem aktuellen IZA-Forschungspapier untersuchen David L. Dickinson und David Masclet anhand von zwei Online-Experimenten, welche Rückschlüsse solche Merkmale zulassen – und welche nicht.

Im ersten Experiment wurden Personen mit Merkmalen der „dunklen Triade“, etwa Narzissmus oder Psychopathie, mit Menschen verglichen, die „helle“ Persönlichkeitsmerkmale wie Humanismus und einen Glauben an die Menschheit aufwiesen. Beide Gruppen mussten Aufgaben erledigen, bei denen es zum einen um Ehrlichkeit ging, zum anderen um Leistungsbereitschaft. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit dunklen Merkmalen sowohl unehrlicher agierten als auch weniger produktiv waren.

Das zweite Experiment untersuchte zwei häufig beobachtete „schwache“ Signale und verglich Personen, die regelmäßig an religiösen Aktivitäten teilnehmen, mit früheren Gefängnisinsassen. Zwar legten die Ex-Häftlinge in manchen Situationen ein unehrlicheres Verhalten an den Tag. Andererseits waren sie insgesamt produktiver als die religiösen Teilnehmer. Diese differenzierten Ergebnisse verdeutlichen, wie vielschichtig die Interpretation solcher Signale sein kann.

Insgesamt gelangt die Studie zu dem Schluss, dass sowohl Persönlichkeitsmerkmale als auch schwache Signale nützliche Einblicke in das zu erwartende Verhalten am Arbeitsplatz liefern können. Personalverantwortliche sollten sich jedoch bewusst sein, dass solche Signale bestenfalls Tendenzen aufzeigen und etwaige Schwächen durch Stärken in anderen Bereichen ausgeglichen werden können – wie bei den besonders leistungsbereiten Ex-Häftlingen.

Filed Under: Research Tagged With: effort, experiment, honesty, personality traits, personnel economics, screening

Künstliche Intelligenz in der Bildung: Potenzial mit deutlichen Grenzen

December 11, 2024 by Mark Fallak

Mit der rasanten Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI) rückt ihr Einsatz im Bildungswesen zunehmend in den Fokus. Tools wie ChatGPT versprechen Entlastung für Lehrkräfte und Chancen für stärker personalisiertes Lernen. Doch wie gut können diese Systeme menschliche Lehrkräfte ersetzen? Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Arnaud Chevalier, Jakub Orzech und Petar Stankov zeigt Licht und Schatten von ChatGPT in diesem Bereich.

Für die Studie mussten Studierende eine Aufgabe bearbeiten und erhielten dazu Feedback, für das sie zufällig in drei Gruppen aufgeteilt wurden: eine erhielt Feedback von menschlichen Bewertern, die anderen von ChatGPT 3.5 bzw. 4. Die Qualität des Feedbacks wurde anhand der Leistungen in einer Folgeaufgabe gemessen. Beide Aufgaben wurden benotet. Weder Studierende noch Lehrkräfte wussten, ob das Feedback von Mensch oder Maschine stammte.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu menschlichen Lehrkräften lieferte ChatGPT 4 ähnlich effektives Feedback, während ChatGPT 3.5 deutlich schlechter abschnitt. Beim Benoten zeigten beide KI-Versionen jedoch massive Schwächen. Sie vergaben nicht nur oft großzügigere Noten als Menschen, sondern waren auch inkonsistent und hatten Schwierigkeiten mit komplexen Aufgaben wie der Interpretation von Daten. Besonders problematisch war die Variabilität: In einigen Fällen bewertete die KI die gleiche Arbeit extrem unterschiedlich.

Für die Bildungspolitik und Lehrkräfte, die den Einsatz von KI im Unterricht erwägen, liefert die Studie also eine klare Erkenntnis: Die neueste Generation von KI-Tools eignet sich vor allem, um Zeit bei Feedback und Korrekturen zu sparen, sodass Lehrkräfte ihre Energie stärker auf die eigentliche Lehre konzentrieren können. Die Bewertung komplexer Arbeiten sollte jedoch weiterhin in menschlicher Hand bleiben.

[Anm. d. R.: Diese Zusammenfassung der Studie basiert auf einem ChatGPT-Entwurf, der von einem Menschen überarbeitet wurde, mit Feedback der Studienautoren.]

Filed Under: Research Tagged With: AI, artificial intelligence, education, feedback, grading, teaching

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