• Skip to primary navigation
  • Skip to content
  • Skip to primary sidebar

IZA Newsroom

IZA – Institute of Labor Economics

  • Home
  • Archiv
  • Presselounge
  • DE
  • EN

20 Jahre IZA/SOLE Transatlantic Meeting

September 6, 2021 by Mark Fallak

Seit zwei Jahrzehnten richtet das IZA als weltgrößtes Netzwerk der Arbeitsmarktforschung gemeinsam mit der in den USA beheimateten Society of Labor Economists (SOLE) eine jährliche Fachtagung aus. Die in diesem Jahr von Gerard A. Pfann und Terry Gregory organisierte Konferenz fand pandemiebedingt online statt.

Mit dabei waren IZA-Netzwerkdirektor Daniel Hamermesh, gemeinsam mit Pfann einer der Gründungsväter der Veranstaltungsreihe, sowie der amtierende SOLE-Präsident Kevin Lang. Unter den Hauptrednern waren mit Petra E. Todd und Coen Teulings auch zwei Vortragende des ersten Treffens vor 20 Jahren.

Zum Themenspektrum zählte neben Mindestlohnpolitik und Gender Pay Gap – zwei Dauerbrennern der Arbeitsmarktökonomik – die hochaktuelle Frage nach den Lohn- und Beschäftigungswirkungen des technologischen Fortschritts.

Wachsende Lohnungleichheit durch Digitalisierung

Den Auftakt bildete eine Präsentation von Jeanne Tschopp zur wachsenden Lohnungleichheit zwischen Unternehmen in Deutschland. Laut Tschopp hat die fortschreitende Digitalisierung nicht nur zu Lohnnachteilen von Routine-Tätigkeiten gegenüber den immer stärker nachgefragten analytischen, kreativen Tätigkeiten geführt.

Zugleich nahmen auch die Produktivitätsunterschiede zwischen Unternehmen deutlich zu, was sich auf die in den jeweiligen Unternehmen gezahlten Löhne für vergleichbare Tätigkeiten auswirkt. Mit anderen Worten: Ein Routine-Job in einem hoch produktiven, wachsenden Unternehmen kann nach wie vor besser bezahlt sein als ein kreativer Job in einem weniger produktiven Unternehmen.

Bildungsanforderungen steigen bei höherem Mindestlohn

Gesetzliche Mindestlöhne zählen zu den populärsten Politikmaßnahmen gegen Lohnungleichheit. Doch die Frage nach dem optimalen Mindestlohn, mit dem sich Ungleichheit effektiv abbauen lässt, ohne massive Jobverluste gerade bei den Geringverdienenden zu riskieren, ist in der ökonomischen Forschung seit jeher umstritten. In seinem Vortrag skizzierte Coen Teulings einige der größten Herausforderungen aus vier Jahrzehnten globaler Mindestlohnforschung.

Anhand von US-Daten seit 1979 zeigte er, dass die Lohnungleichheit durch Mindestlöhne insgesamt zurückgeht, zugleich aber die Bedeutung von Bildung und Ausbildung für den Arbeitsmarkterfolg zunimmt. So sei inzwischen gut belegt, dass die meisten Beschäftigtengruppen von einem moderaten Mindestlohn eher profitieren. Wer jedoch eine massive Anhebung der Mindestlöhne fordere, nehme damit schwindende Jobaussichten für die Geringstqualifizierten in Kauf.

Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen Gender Pay Gap

Neben den formellen Bildungsqualifikationen spielen auch die sogenannten „Big Five“-Persönlichkeitsmerkmale eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Arbeitsmarkterfolg. Denn bestimmte Eigenschaften werden von Arbeitgebern mehr honoriert oder helfen in Gehaltsverhandlungen. Beispielsweise verdienen emotional stabile Menschen im Schnitt besser und bleiben länger beschäftigt, während besonders extrovertierte Menschen Nachteile bei Gehalt und Kündigungsrisiko haben.

Bei anderen Merkmalen hängt jedoch nach den Erkenntnissen von Petra Todd stark vom Geschlecht ab, ob sie der Karriere eher förderlich oder abträglich sind. Besonders auffällig ist die gegensätzliche Bewertung von „Gewissenhaftigkeit“: Während gewissenhafte Männer von höheren, schneller steigenden Gehältern und geringerem Entlassungsrisiko profitieren, wirkt sich diese Eigenschaft bei Frauen überraschenderweise genau umgekehrt aus. Zudem ist die bei Frauen verhältnismäßig stärker ausgeprägte „Verträglichkeit“ bei Gehaltsverhandlungen eher hinderlich.

Todds Fazit: Würden die Persönlichkeitsmerkmale von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt nach dem gleichen Maßstab bewertet, gäbe es in Deutschland keinen Gender Pay Gap.

Weitere Vorträge sind dem Konferenzprogramm zu entnehmen.

Filed Under: IZA News Tagged With: gender pay gap, inequality, labor economics, minimum wage, SOLE, Transatlatic Meeting

Was der Klimawandel für die globalen Arbeitsmärkte bedeutet

July 23, 2021 by Mark Fallak

Der Klimawandel führt dazu, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Wirbelstürme immer häufiger auftreten. Neben Schäden für die Umwelt und die menschliche Gesundheit stellt die globale Erwärmung die Funktionsfähigkeit von Arbeitsmärkten vor große Herausforderungen. Der erste IZA-Workshop „Klimawandel und Arbeitsmärkte“, organisiert von Andrew Oswald, Olivier Deschenes und Nico Pestel, bot ein Forum zur Vorstellung aktueller Forschung auf diesem Gebiet.

In seiner Begrüßung unterstrich Oswald, der die IZA-Initiativen zur Klimaforschung koordiniert, die Dringlichkeit des Problems mit Verweis auf die zu dem Zeitpunkt herrschenden Extremtemperaturen in Teilen Nordamerikas. Zudem beklagte er, dass Forschung zu den wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise in der internationalen Wirtschaftswissenschaft bislang ein Schattendasein führe, wie sich an der geringen Anzahl an einschlägigen Artikeln in den führenden ökonomischen Fachzeitschriften zeige.

Klima und Ökonomie im Wandel

Den Auftakt des Workshops machte Lord Nicholas Stern von der London School of Economics mit einem Impulsvortrag zum Thema „Changing Climate, Changing Economics“. Laut Stern lasse sich die globale Durchschnittstemperatur nur stabilisieren, wenn die Netto-Emissionen von Treibhausgasen bis Mitte des 21. Jahrhunderts auf Null zurückgefahren werde. Bereits eine globale Erwärmung um zwei Grad Celsius berge große Risiken für die Menschheit. Ab drei Grad mehr würden ganze Regionen der Erde unbewohnbar.

Vor allem bei der Energieversorgung seien jetzt massive Investitionen erforderlich, um eine solche Klimakatastrophe zu verhindern. Die Wirtschaftswissenschaft und -politik solle sich dabei nicht nur auf Fragen der CO2-Bepreisung konzentrieren, sondern auch auf den notwendigen systemischen Wandel in diversen Bereichen, in denen der Markt an seine Grenzen stoße, so Stern.

Regenfälle wirken sich auf Beschäftigung in der Landwirtschaft aus

Unmittelbare Arbeitsmarkteffekte von Wetteranomalien waren Gegenstand des Beitrags von Camilo Bohorquez-Penuela. Anhand der lokalen Niederschlagsmengen im ländlichen Kolumbien zeigt die Studie, dass Wasser und menschliche Arbeitskraft in der landwirtschaftlichen Produktion substitutiv eingesetzt werden: In Zeiten mit überdurchschnittlichem Niederschlag geht die reguläre Beschäftigung zurück, auch über den Agrarsektor hinaus, während sie in Dürreperioden zunimmt.

Dürreperioden beeinflussen Migrationsentscheidungen

Neben den direkten Beschäftigungseffekten wirkt sich der Klimawandel auch auf die Standortentscheidung von Unternehmen und Arbeitskräften aus. Die von Fernanda Martínez Flores vorgestellte Studie zeigt, dass Dürreperioden in Westafrika entgegen der verbreiteten Einschätzung nicht zu mehr, sondern eher zu weniger Migration in Richtung Europa führt. Dass dieser Effekt vor allem während der Anbausaison und in der Mitte der Einkommensverteilung zu beobachten ist, deutet darauf hin, dass dürrebedingte Einkommensausfälle für den Migrationsrückgang maßgeblich sind.

Anpassung an den Klimawandel kommt manche Branchen teuer zu stehen

Die zunehmende Volatilität von Niederschlägen ist mit hohen wirtschaftlichen Anpassungskosten verbunden, die Jeffrey G. Shrader für das US-Baugewerbe, eine ebenso wirtschaftlich bedeutende wie klimaanfällige Branche, abschätzt. Je mehr Regen vorhergesagt wird und je länger der Prognosezeitraum, desto stärker geht die Beschäftigung im Baugewerbe zurück, da sich die Unternehmen bei der Personalplanung an den Niederschlagsprognosen orientieren. Bei hohen Anpassungskosten sinkt diese Flexibilität, was wiederum größere Einbußen in Schlechtwetterperioden zur Folge hat. Viele Unternehmen wären daher bereit, für präzisere und langfristigere Wettervorhersagen zu zahlen.

Weitere vorgesteltle Studien sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: climate change

Wie sich hohe Umweltbelastung auf Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg auswirkt

July 1, 2021 by Mark Fallak

Der IZA-Programmbereich „Umwelt, Gesundheit und Arbeitsmärkte“ widmet sich drei hochaktuellen Forschungsthemen, die durch Klimawandel und Corona-Krise noch an Bedeutung gewonnen haben. Organisiert von Olivier Deschenes und Nico Pestel, bot der jährliche Workshop des Programmbereichs zum achten Mal ein Forum für die Präsentation und Diskussion neuer Forschungsarbeiten aus der internationalen Wissenschaft.

Schwerpunkte waren in diesem Jahr die Auswirkungen verschiedener Formen von Umweltbelastung auf den Bildungserfolg sowie die Gesundheits- und Beschäftigungseffekte umweltpolitischer Maßnahmen.

Blei schadet dem Lernerfolg

Die gesundheitsschädliche Wirkung von Blei im Trinkwasser ist hinlänglich bekannt. Mit umfangreichen Daten aus dem US-Staat North Carolina konnte Ludovica Gazze in ihrer Studie mit zwei Kolleginnen jetzt erstmals nachweisen, dass die Verhaltensauffälligkeiten und Leistungsschwächen von Schulkindern mit erhöhten Bleiwerten auch auf deren Mitschülerinnen und Mitschüler abfärben. Um den Effekt messen zu können, analysierten die Ökonominnen die schulische Laufbahn von Geschwisterkindern mit unterschiedlich hohem Anteil von Klassenkameraden, bei denen im Vorschulalter eine hohe Bleibelastung im Blut festgestellt wurde.

Dicke Luft im Klassenzimmer

Ebenfalls nachteilig auf den Lernerfolg wirkt sich schlechte Luft im Klassenzimmer aus. Juan Palacios und Koautoren maßen für ihre Studie zwei Jahre lang die CO2-Konzentration, Feinstaubbelastung, Temperatur und Feuchtigkeit in den Unterrichtsräumen von über 3.000 Schülern. Durch den Abgleich mit standardisierten Leistungsprüfungen am Ende der Schuljahre konnten die Forscher nachweisen, dass sich schlechte Luftqualität negativ auf die schulischen Leistungen auswirkt. Die Auswertung der Unterrichtszeiten legt nahe, dass bei schlechter Luft längere Pausen gemacht werden, die auf Kosten des Lernerfolgs gehen. Bauliche und organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität in Schulen seien daher gut investiertes Geld.

Umweltzonen fördern die Gesundheit

Dass Umweltzonen das Risiko von Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen reduzieren, hatte bereits eine frühere IZA-Studie detailliert belegt. Ein von Hannah Klauber präsentiertes Forschungspapier zeigt nun, dass die positiven Effekte schon in der frühen Kindheit einsetzen. Auf Basis umfangreicher Krankenversicherungsdaten verglich das Forscherteam den Medikamentenbedarf von Kindern, die kurz vor bzw. nach Einführung von Umweltzonen geboren wurden. Im Verlauf der ersten fünf Lebensjahre zeigt sich dabei ein signifikanter Unterschied in der Häufigkeit verschriebener Asthma-Medikamente. 

Gutes Management entscheidend für Klimaschutz

Viele Regierungen setzen im Kampf gegen den Klimawandel auf verstärkten Emissionshandel, beispielsweise mit CO2-Zertifikaten. Dadurch sollen umweltschädliche Produktionsmethoden teurer und somit unattraktiver werden. Der Erfolg einer solchen marktorientierten Klimapolitik hängt jedoch entscheidend vom Sachverstand der Akteure ab, wie die von Ulrich Wagner vorgestellte Studie zeigt. Die Forscher analysierten Befragungs- und Unternehmensdaten von Betrieben, die an Pilotprojekten für den Emissionshandel in China teilnahmen. Den Ergebnissen zufolge ging der Strom- und Kohleverbrauch nur in Firmen mit überdurchschnittlich hoher Managementqualität spürbar zurück.

+++

Weitere Forschungspapiere sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: environment, health

Aktuelle Forschung zu den ökonomischen Effekten von Zuwanderungspolitik

June 9, 2021 by Mark Fallak

Im letzten Jahr verließen 281 Millionen Menschen ihr Heimatland – ein neuer Höchststand der internationalen Migration und Anlass genug zur Vorstellung aktueller Erkenntnisse aus der ökonomischen Migrationsforschung. Bereits zum 17. Mal richtete das IZA sein inzwischen international fest etabliertes Annual Migration Meeting aus. Nach der pandemiebedingten Absage im vergangenen Jahr fand die Fachtagung, organisiert von George Borjas und Marc Witte, nun erstmals online statt.

Zu den Themenschwerpunkten zählten Ursachen und Folgen von internationalen Wanderungsströmen, Fragen der Zuwandererintegration sowie die Effekte von Migrationspolitik auf Herkunfts- und Zielländer. Die Präsentationen der 17 Vortragenden deckten auch geografisch weite Teile des Globus ab – von den USA, Mexiko und Kolumbien über Italien und Israel bis hin zu den früheren Kolonien Portugals.

Gleich mehrere Forschungsarbeiten beschäftigten sich mit den Auswirkungen restriktiver Einwanderungspolitik auf die wirtschaftliche Entwicklung in den Herkunftsländern. So zeigte beispielsweise die von Davide Coluccia vorgestellte Studie zur Masseneinwanderung aus Italien in die USA zu Beginn des letzten Jahrhunderts, dass die amerikanischen Immigrationsgesetze von 1921 bis 1924 das Bevölkerungswachstum in jenen italienischen Regionen verstärkten, die zuvor eine hohe Auswanderung verzeichnet hatten. Die dortige Industrie investierte aufgrund des gewachsenen Arbeitsangebots weniger in Kapitalgüter wie Maschinen – mit langfristigen Folgen für Wachstum und Produktivität.

Einkommenssteigerung durch Einbürgerung

Yajna Govind beleuchtete die Effekte der Einbürgerung von Immigranten auf deren Arbeitsmarkterfolg. Die Studie nutzt eine Gesetzesänderung von 2006, nach der Zuwanderer länger mit einer Französin oder einem Franzosen verheiratet sein müssen (mindestens vier statt vorher zwei Jahre), um sich einbürgern lassen zu können. Dadurch konnte die Forscherin den positiven Effekt der Staatsbürgerschaft messen: Im Schnitt verdienen zugewanderte Menschen 30 Prozent mehr, wenn sie eingebürgert sind. Bei Männern ist das Einkommensplus vor allem auf eine Ausweitung der Arbeitszeit zurückzuführen, bei Frauen auf einen höheren Stundenlohn.

In seinem Impulsvortrag zum „American Dream“ verglich Ran Abramitzky die Einwanderung in die USA vor 100 Jahren mit heutigen Immigrationsmustern. Seiner Diagnose zufolge werde die frühere europäische Massenauswanderung in die USA oft zu stark romantisiert. Sein Vortragstitel „Streets of Gold“ spielt auf das Zitat eines italienischen Einwanderers an, der die Einwanderungserfahrung im frühen 20. Jahrhundert treffend beschreibt:

I came to America because I heard the streets were paved with gold. When I got here, I found out three things: First, the streets were not paved with gold. Second, they weren’t paved at all. Third, I was expected to pave them.

Damals wie heute, so der Stanford-Ökonom, passten sich Einwanderer sowohl ökonomisch als auch kulturell nur in geringem Maße an ihr Gastland an. Unabhängig vom Herkunftsland gelänge es erst der zweiten Generation, wirtschaftlich in den meisten Belangen aufzuholen.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: Development, immigration policy, integration, migration

Arbeitsmarkttrends besser messen

May 19, 2021 by Mark Fallak

Um die Performance von Volkswirtschaften während Rezessionen und Aufschwüngen zu beurteilen, Arbeitsmarkttrends zu erkennen und politische Maßnahmen zu entwickeln, werden meist Arbeitsmarktindikatoren herangezogen, die von statistischen Ämtern erstellt werden. Solche Daten liefern jedoch oft ein unvollständiges oder verzerrtes Bild der tatsächlichen Arbeitsmarktbedingungen.

Gerade in einer so dynamischen Lage wie der aktuellen globalen Rezession durch die Corona-Pandemie wächst der Bedarf an Echtzeit-Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung. Im Rahmen des von Katharine Abraham und Susan Houseman organisierten 4. IZA-Workshops „Arbeitsmarktstatistik“ wurden zwölf bislang unveröffentlichte Forschungsbeiträge vorgestellt, die sich kritisch mit bestehenden Messgrößen der Arbeitsmarktbedingungen auseinandersetzten, Korrekturen oder Alternativen anboten und innovative Daten nutzten, um wichtige Arbeitsmarktfragen neu zu beleuchten.

Mehr zu den Workshop-Beiträgen hier in englischer Sprache.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: labor statistics

IZA Young Labor Economist Award 2021 geht an Patrick Kline

May 6, 2021 by Mark Fallak

Alle zwei Jahre verleiht das IZA den „Young Labor Economist Award“ an herausragende Forscherinnen und Forscher, deren Promotion weniger als 15 Jahre zurückliegt. Mit dem diesjährigen Preis wird der Berkeley-Ökonom Patrick Kline für seine exzellenten Beiträge zur Weiterentwicklung der empirischen Arbeitsmarktforschung ausgezeichnet.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich Kline insbesondere mit Fragen der Lohnfindung und der Effektivität politischer Maßnahmen zum Abbau von Ungleichheit. So hat er beispielsweise untersucht, wie sich die Personalpraxis von Unternehmen auf die Lohnungleichheit auswirkt, mit welchen Maßnahmen sich soziale Mobilität effektiv fördern lässt und was die Politik tun kann, um die lokalen Arbeitsmärkte in strukturschwachen Gegenden zu stützen.

„Neben seiner innovativen empirischen Forschung zu hoch relevanten gesellschaftlichen Fragestellungen hat Patrick Kline auch mit seiner profunden methodischen Expertise den Instrumentenkasten der Evaluationsforschung bereichert“, so Daniel Hamermesh, Vorsitzender des IZA-Preiskomitees. Dem Auswahlgremium gehören neben Hamermesh fünf weitere international renommierte Ökonominnen und Ökonomen an: Oriana Bandiera (London School of Economics), Richard Blundell (University College London), George Borjas (Harvard University), Pierre Cahuc (Sciences Po, Paris) und Claudia Goldin (Harvard University).

Die Preisverleihung wird voraussichtlich Anfang Januar 2022 im Rahmen des traditionellen IZA-Empfangs während der Jahrestagung der Allied Social Science Associations (ASSA) in Boston stattfinden.

Filed Under: IZA News Tagged With: IZA Young Labor Economist Award

Anteil der Beschäftigten im Homeoffice nimmt weiter zu

March 2, 2021 by Mark Fallak

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitssituation für viele Beschäftigte spürbar verändert. Während diese Veränderungen für die erste Phase des Pandemieverlaufs inzwischen recht gut dokumentiert sind, liegen zu aktuellen Entwicklungen kaum belastbare Daten vor. Das IZA hat daher im Februar 2021 für das Bundesarbeitsministerium eine repräsentative Befragung unter abhängig Beschäftigten in Deutschland durchgeführt.

Themenschwerpunkte sind die Verbreitung von Homeoffice, die Wirkung der Ende Januar 2021 in Kraft getretenen Corona-Arbeitsschutzverordnung, das von den Beschäftigten empfundene Ansteckungsrisiko am Arbeitsplatz sowie ihr allgemeines Belastungsempfinden.

Knapp die Hälfte der Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice

Die Befragungsergebnisse zeigen, dass Homeoffice in der aktuellen Pandemielage stark genutzt wird. Mitte Februar arbeitete annähernd jeder zweite abhängig Beschäftigte zumindest stundenweise im Homeoffice. Gut jeder dritte abhängig Beschäftigte arbeitete sogar überwiegend oder ausschließlich im Homeoffice.

22 Prozent der Beschäftigten arbeiteten im Februar mehr im Homeoffice als noch im Januar. Der Anteil der Beschäftigten, die einen wesentlichen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice erledigen, lag demnach im Februar 2021 deutlich höher als zu Beginn der zweiten Lockdown-Phase.

Positive Effekte der Corona-Arbeitsschutzverordnung

Nach Einschätzung des IZA-Forscherteams dürfte die zuletzt weiter gestiegene Homeoffice-Nutzung auch auf die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung zurückzuführen sein. In der Befragung äußerte jeder vierte abhängig Beschäftigte den Eindruck, dass diese neue Regelung etwas daran geändert hat, wie stark Homeoffice im eigenen Betrieb genutzt wird.

Viele Beschäftigte mit diesem Eindruck haben wahrgenommen, dass Kolleginnen und Kollegen mit dem Homeoffice jetzt erst angefangen haben oder aber ihren Homeoffice-Anteil an der Arbeitszeit weiter ausgebaut haben.

Diejenigen Befragten, die in ihrem Betrieb keine Veränderungen der Homeoffice-Praxis in Folge der Corona-Arbeitsschutzverordnung wahrgenommen haben, nennen dafür zwei wesentliche Gründe: Entweder war Homeoffice bereits vorher gut möglich, oder die betreffenden Tätigkeiten eignen sich schlecht fürs Homeoffice.

Potenzial für noch mehr Homeoffice begrenzt

Die mangelnde Homeoffice-Eignung bestimmter Tätigkeiten ist der wichtigste Faktor, dass Homeoffice in der aktuellen Pandemielage nicht noch stärker genutzt wird. Dagegen nennt nur etwa jeder fünfte abhängig Beschäftigte eine mangelnde oder schlechte technische Ausstattung als Grund, nicht oder nicht in größerem Umfang im Homeoffice zu arbeiten.

Demnach könnte die Corona-Arbeitsschutzverordnung weitere Veränderungen eher bei den Beschäftigten erzielen, die jetzt schon ihre Arbeit zumindest zum Teil von zu Hause aus erledigen. Von diesen plant jeder vierte, den Arbeitgeber vor dem Hintergrund der Verordnung darum zu bitten, noch mehr Homeoffice machen zu dürfen. Eine große Mehrheit ist jedoch mit dem aktuellen Umfang an Homeoffice zufrieden oder arbeitet bereits jetzt schon so viel wie möglich im Homeoffice.

Von den abhängig Beschäftigten, die derzeit nicht im Homeoffice tätig sind, plant jeder zehnte, den Arbeitgeber mit Verweis auf die Verordnung zu bitten, Homeoffice machen zu können. In ganz wenigen Fällen wird die Zurückhaltung mit der Sorge begründet, dass diese Bitte schlecht beim Arbeitgeber ankommen könne.

Verbesserter Infektionsschutz in den Unternehmen

Neben der stärkeren Nutzung von Homeoffice-Möglichkeiten hat die Corona-Arbeitsschutzverordnung offenbar auch zu einem höheren Infektionsschutz in den Betrieben beigetragen. Aus Sicht der abhängig Beschäftigten haben die Arbeitgeber in Reaktion auf die Vorgaben der Verordnung die einschlägigen Maßnahmen verstärkt.

Ein Drittel gibt an, dass Regelungen und Maßnahmen zur Kontaktreduktion bei der Arbeit im Vergleich zum Dezember 2020 noch einmal verschärft wurden. Jeder vierte abhängig Beschäftigte, der Mitte Februar 2021 vom Arbeitgeber medizinische Schutzmasken gestellt bekam, gibt an, dies sei im Dezember 2020 noch nicht der Fall gewesen. Aktuell erhalten dennoch 12 Prozent der abhängig Beschäftigten von ihrem Arbeitgeber keine medizinischen Schutzmasken. In Kleinbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten ist dieser Anteil mit 22 Prozent deutlich höher.

Hohe Zufriedenheit mit den Maßnahmen der Arbeitgeber

Insgesamt schneiden Arbeitgeber in ihren Bemühungen um einen Infektionsschutz aus Sicht der Beschäftigten gut ab. So machen sich aktuell nur 17 Prozent große oder sehr große Sorgen, dass sie sich bei der Arbeit mit dem Coronavirus infizieren könnten. Nur einer von zehn Beschäftigten hält die von ihrem Arbeitgeber ergriffenen Maßnahmen zum Schutz vor Ansteckung alles in allem für nicht weitreichend genug. Dagegen halten 82 Prozent der Beschäftigten die Infektionsschutzmaßnahmen ihres Arbeitgebers für gerade richtig.

Auch bei den Arbeitsmitteln zeigen die Unternehmen sich in vielen Fällen kooperativ. Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten (85 Prozent) erhält Computer, Laptops oder Tablets zur Verfügung gestellt, bei Smartphones und Handys sind es 44 Prozent. Büromöbel wie etwa Schreibtische oder Bürostühle bekommt allerdings nur jeder Zehnte. Auffällig allerdings: Weibliche Beschäftigte im Homeoffice bekommen im Schnitt seltener Arbeitsmittel gestellt als ihre männlichen Kollegen.

Viele Beschäftigte fühlen sich stark belastet

Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich auch beim Empfinden von Belastung, Anstrengung und Stress. 42 Prozent der Befragten fühlen sich momentan stark oder sehr stark belastet, wobei dieses Befinden bei Frauen mit 48 Prozent deutlich stärker ausgeprägt ist als bei Männern (36 Prozent).

Der zunehmende Stresspegel drückt auch auf die Lebenszufriedenheit. Auf einer Skala von 0 (ganz und gar unzufrieden) bis 10 (ganz und gar zufrieden) ergab die Befragung einen Durchschnittswert von 6,7. Eine Befragung auf Basis von SOEP-Daten hatte zu Beginn der Pandemie im April 2020 noch einen Wert von 7,4 für die in Deutschland lebende Bevölkerung ermittelt.

Filed Under: IZA News, Research

Herausforderungen der Digitalisierung für die Aus- und Weiterbildung in Deutschland

February 24, 2021 by Mark Fallak

Das neue Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) wurde der Bundeskanzlerin angesichts der Pandemie in Berlin virtuell übergeben (Details siehe EFI-Homepage). In einem Schwerpunkt widmet sich das Gutachten den Herausforderungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland, die sich aus der fortschreitenden Digitalisierung in der Wirtschaft und an den Arbeitsplätzen ergeben.

Dazu ein Interview mit IZA-Forschungsdirektor Holger Bonin, der sich intensiv mit den Beschäftigungsfolgen des Übergangs zur digitalen Arbeitswelt befasst und als Mitglied der EFI-Kommission am Gutachten mitgewirkt hat:

Herr Professor Bonin, wie verändert sich die Arbeitswelt durch die digitale Transformation?

Holger Bonin: Viele Menschen befürchten ja, dass uns durch Digitalisierung die Arbeit ausgehen wird. Die Zahlen sprechen aber eine ganz andere Sprache: Die vorhandenen Projektionen zeigen uns, dass selbst bei einer beschleunigten Digitalisierung die Beschäftigung in Deutschland allenfalls leicht zurückgehen wird. Was aber passieren wird, ist eine Umwälzung der Beschäftigung. Auf der einen Seite entstehen neue Beschäftigungsmöglichkeiten, auf der anderen Seite gehen viele vorhandene Tätigkeiten und damit auch viele Arbeitsplätze verloren. Und das bedeutet, dass sich die betroffenen Menschen beruflich neu orientieren müssen. Deshalb wird der Weiterbildungsbedarf erheblich zunehmen.

Die Digitalisierung wird zu einer Umwälzung der Beschäftigung führen und Tätigkeitsprofile verändern.

Ein anderer wichtiger Faktor ist, dass sich auch an den Arbeitsplätzen, die erhalten bleiben, die Tätigkeitsprofile verändern. Durch immer mehr künstliche Intelligenz, durch intelligente Maschinen geht Routine-Arbeit verloren und wird gefüllt durch anspruchsvollere Tätigkeiten. Deshalb müssen sich die Menschen auch innerhalb ihres Berufs immer weiter und besser qualifizieren, um ihre berufliche Handlungsfähigkeit zu erhalten.

Was fordern denn künftig Arbeitgeber von Mitarbeitern?

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer benötigen zunächst einmal technologische Fähigkeiten. Die braucht man, um neue digitale Techniken und neue Maschinen zu entwickeln. Daneben brauchen alle Beschäftigten digitale Kernfähigkeiten, damit neue Techniken und digitale Methoden auch in der Breite eingesetzt werden können. Was aber mindestens ebenso wichtig ist: Mit dem Übergang zur Wirtschaft 4.0 entstehen neue Geschäftsmodelle, neue flexible Formen der Arbeitsorganisation. Und damit verbunden ist ein Bedarf an sogenannten „klassischen Kernfähigkeiten“.

Neben technologischen Fähigkeiten werden auch klassische Kernfähigkeiten stärker gefragt sein.

Das sind zum Beispiel Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Fähigkeit zu kommunizieren. Heute haben immer mehr Beschäftigte, die das früher gar nicht tun mussten, mit Kunden zu tun, weil sie Dienstleistungen erbringen und nicht nur produzieren. Um diese verschiedenen Kernfähigkeiten zu entwickeln, müssen Unternehmen, Arbeitnehmer und auch der Staat ganz viel tun. Denn wenn es uns nicht gelingt, diese Fähigkeiten in der Breite der Erwerbsbevölkerung zu entwickeln, dann wird es uns auch nicht gelingen, die Früchte der Digitalisierung voll zu ernten.

Ist die berufliche Aus- und Weiterbildung bei uns gut auf diese Herausforderung eingestellt?

In den meisten Ausbildungsberufen wurden in den letzten Jahren die inhaltlichen Vorgaben bereits an die Digitalisierung angepasst. Woran es allerdings oft hapert, ist die Umsetzung dieser Vorgaben in die betriebliche Praxis. Das beobachten wir insbesondere in kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die weniger digitalisiert sind. Beim Berufsausbildungspersonal sehen wir, dass häufiger die Fähigkeiten, die man in der digitalen Arbeitswelt benötigt, selbst fehlen. Die Ausbildungs- und Lernmethoden sind nicht immer zeitgemäß und auf dem neuesten Stand. Im Bereich der beruflichen Weiterbildung tun sich viele Beschäftigte schwer, sich in ihrem Erwerbsverlauf noch einmal komplett neu zu orientieren. Wir reden in Deutschland zwar viel über lebenslanges Lernen, wir könnten da aber durchaus noch besser werden.

Lebenslanges Lernen erfordert zielführende Angebote, aber auch die nötige Anpassungsbereitschaft.

Ein Problem ist die recht unübersichtliche Weiterbildungslandschaft. Es gibt viele Anbieter, viele Angebote. Aber die Akteure, die nach solchen Angeboten suchen, tun sich schwer herauszufinden, welche Angebote für sie passgenau und zielführend sind. Um solche Probleme zu überwinden, sind in erster Linie die Unternehmen, aber auch die Beschäftigten gefragt. Der Staat kann dabei flankierende Hilfe geben. Er kann Impulse setzen, die Rahmenbedingungen verbessern, und er kann versuchen die Anpassungsbereitschaft zu stärken.

Was konkret wären geeignete Maßnahmen, um die Berufsausbildung fit für die digitale Transformation zu machen?

Zunächst einmal ist es wichtig, dass die Ausbildungsgestaltung überall an die Digitalisierung angepasst wird. Dafür brauchen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen mehr Beratung und Unterstützung. Die Bildung von Ausbildungsverbünden, in denen sich weniger digitalisierte Unternehmen mit digitalisierten Unternehmen zusammentun, sollte gefördert werden.

Berufsschulen brauchen endlich eine flächendeckende, gute Ausstattung mit digitaler Technik. 

Zweitens ist es notwendig, mehr in die Berufsschulen zu investieren. Wir brauchen endlich eine flächendeckende, gute Ausstattung mit digitaler Technik. Auch die Fort- und Weiterbildung der Ausbildenden und der Lehrkräfte an Berufsschulen sollte gestärkt werden, damit sie in die Lage versetzt werden, die Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln, die man in der digitalen Arbeitswelt braucht.

Außerdem empfiehlt die EFI-Kommission, die berufliche Ausbildung durch die verstärkte Nutzung von sogenannten Zusatzqualifikationen flexibler zu machen. Das sind kleine, in sich abgeschlossene Module, die man flexibel an sich wandelnde inhaltliche Anforderungen anpassen kann und die die Grundlage für sich ausdifferenzierende Fachkarrieren legen können. Im Idealfall sollten diese Zusatzqualifikationen auch für die berufliche Weiterbildung geöffnet werden.

Was empfiehlt die EFI für die berufliche Weiterbildung?

Dafür sehen wir eine ganze Reihe von Ansatzpunkten. Kleine und mittlere Unternehmen sollten dadurch unterstützt werden, dass Netzwerke gebildet werden, die leistungsfähige, überbetriebliche Lösungen ermöglichen. Deshalb begrüßen wir, dass das Bundesarbeitsministerium die Bildung von Weiterbildungsverbünden jetzt unterstützt.

Um die berufliche Flexibilität zu erhöhen, sollten verstärkt präventive Anpassungsqualifizierungen gefördert werden. Nach Einschätzung der EFI-Kommission sind die vorhandenen Instrumente zur Förderung der beruflichen Weiterbildung zu stark darauf ausgerichtet, eine Weiterbeschäftigung beim bisherigen Arbeitgeber zu ermöglichen. Sie setzen außerdem häufig zu spät ein, nämlich erst dann, wenn der vorhandene Arbeitsplatz bereits stark gefährdet ist. Deswegen sollten Brückenlösungen entwickelt und erprobt werden, die es den Beschäftigten ermöglichen, frühzeitig berufliche Qualifizierungen zu durchlaufen, die sie befähigen, zu einem neuen Arbeitgeber zu wechseln. Damit solche Brückenlösungen tragfähig sind, ist es entscheidend, dass sowohl der alte als auch der neue Arbeitgeber sich angemessen an diesen Lösungen beteiligen.

Berufliche Weiterbildung setzt häufig zu spät an, nämlich wenn der Arbeitsplatz bereits stark gefährdet ist.

Außerdem hält die EFI-Kommission ein Monitoring von beruflichen Kompetenzen in Deutschland für sinnvoll. Damit ist gemeint, dass sowohl die Fähigkeiten, die im Berufsleben gebraucht werden, als auch die Fähigkeiten, die bei den Beschäftigten vorhanden sind, kontinuierlich und umfassend erfasst werden. Wir sind überzeugt, dass eine bessere Informationsbasis entscheidend dazu beitragen kann, passgenaue Aus- und Weiterbildungen vor dem Hintergrund des digitalen Wandels zu ermöglichen.

Wie sollte die Bundesregierung die Umsetzung dieser Maßnahmen generell angehen?

Die Bundesregierung muss sich in den nächsten Jahren mit Nachdruck für eine Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland einsetzen. Schließlich sind wir nicht nur mit der digitalen Transformation konfrontiert, sondern auch mit dem demografischen Wandel, mit den starken Anstrengungen für einen besseren Klimaschutz, mit der Überwindung der strukturellen Folgen der Corona-Krise. All dies erhöht den Bedarf an Aus- und Weiterbildung. Darum begrüßt die EFI-Kommission, dass die Bundesregierung die nationale Weiterbildungsstrategie ins Leben gerufen hat. Jetzt wird es darauf ankommen, die zusammen mit den Sozialpartnern entwickelten Maßnahmen und Vorhaben schnell und agil umzusetzen und auch deren Wirkungen zu evaluieren, damit man gegebenenfalls nachsteuern kann.

Bessere Qualifikation bedeutet stärkere Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit, bessere Jobs und mehr Einkommen.

Die Bundesregierung muss sich in den nächsten Jahren mit Nachdruck für eine Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland einsetzen. Wenn es uns gelingt, angesichts der Herausforderungen durch die digitale Transformation das deutsche Aus- und Weiterbildungssystem noch leistungsfähiger zu machen, dann wird davon nicht nur die deutsche Volkswirtschaft profitieren, weil die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit steigt. Auch die Beschäftigten werden nachhaltig gewinnen, denn auch in Zukunft wird gelten: Bessere Qualifikation bringt bessere Jobs und mehr Einkommen.

+++

Das Interview ist auf der EFI-Seite auch als Video-Podcast abrufbar.

Filed Under: IZA News, Opinion

IZA-Krisenmonitor vergleicht internationale Politikreaktionen auf die Corona-Pandemie

January 20, 2021 by Mark Fallak

Die durch die COVID-19-Pandemie verursachten wirtschaftlichen und sozialen Störungen können dauerhafte Auswirkungen auf Beschäftigung, Einkommen und Arbeitsbedingungen haben. Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich beträchtliche Unterschiede bei den arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Reaktionen, die zur Milderung der drohenden Krisenauswirkungen eingesetzt werden, wie die von der OECD und anderen Institutionen veröffentlichten Zusammenstellungen verdeutlichen.

Das IZA hat vor diesem Hintergrund ausgewählte internationale Arbeitsökonomen als Länderexpertinnen und -experten eingeladen, um die nationalen Krisenreaktionen gemeinsam zu beobachten und zu bewerten. Die qualitative Umfrage basiert auf acht Fragen und umfasst inzwischen ingesamt 13 ausgewählte europäische und G7-Länder, die von COVID-19 stark betroffen sind.

Auf der Grundlage der Expertenberichte nimmt das IZA eine unabhängige Bewertung der Krisenreaktionen vor. Diese Bewertung konzentriert sich auf die verschiedenen Bereiche, in denen Politikmaßnahmen beobachtet werden können, und analysiert ihre Ausrichtung, Umsetzung und Wirkung. Der zweite vom IZA erstellte Bericht zum internationalen Corona-Krisenmanagement liegt inzwischen vor.

Länderberichte online abrufbar

Auf der IZA-Sonderseite COVID-19 and the Labor Market lassen sich unter der Rubrik Crisis Response Monitoring sämtliche Länderberichte online einsehen und vergleichen.

Viele Länder haben ihre zu Beginn der Krise getroffenen Politikmaßnahmen inzwischen ausgeweitet oder angepasst. In einem zusammenfassenden Überblick gehen die IZA-Forscher Werner Eichhorst, Paul Marx und Ulf Rinne insbesondere auf drei Elemente der Krisenbewältigung ein: Neben länderspezifischen Arbeitsmarktproblemen zählen dazu die Weiterentwicklung von Kurzarbeitregelungen sowie Ad-hoc-Maßnahmen zur Einkommenssicherung für Selbstständige.

+++

Lesen Sie außerdem Interviews mit unseren Länderexpertinnen und -experten aus Schweden, Österreich und den Niederlanden.

Filed Under: IZA News Tagged With: COVID-19, crisis monitor, policy response

Trauer um IZA-Fellow Edward Lazear

November 25, 2020 by Mark Fallak

Edward P. Lazear, Wirtschaftsprofessor an der Stanford-Universität und ehemaliger Wirtschaftsberater der US-Regierung, ist am 23. November 2020 im Alter von 72 Jahren verstorben. Lazear gilt als Mitbegründer der Personalökonomik und erhielt im Jahr 2004 den IZA Prize in Labor Economics für seine Pionierarbeiten auf diesem Gebiet, unter anderem zu den Auswirkungen von Vergütungs- und Anreizsystemen auf die Arbeitsproduktivität. Unter dem Titel „Inside the Firm“ sind seine wichtigsten Erkenntnisse in der IZA-Preis-Buchreihe zusammengefasst.

Bereits seit 2002 war Lazear mit dem IZA als Research Fellow verbunden. Im Jahr 2014 zählte er mit einem Beitrag zu Arbeitsmärkten in Rezessionen zu den ersten prominenten Autoren der damals neu gegründeten IZA World of Labor. Einen seiner wenigen öffentlichen Auftritte in Deutschland hatte er im Juni 2009 beim IZA Tower Talk in Bonn, wo er die US-Reaktion auf die Wirtschafts- und Finanzkrise analysierte und vor protektionistischen Tendenzen in der Weltwirtschaft warnte.

„Ed war eine riesige Inspiration für eine ganze Generation von Ökonominnen und Ökonomen. Sein scharfer Verstand, gepaart mit feinsinnigem Humor, machten ihn zu einem gefragten Gesprächspartner in der ökonomischen Forschung und Beratung, für den stets die Sache im Mittelpunkt stand, niemals er selbst. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen großen Wissenschaftler, sondern auch eine herausragende Persönlichkeit“, sagt Daniel Hamermesh, Chefkoordinator des globalen IZA-Forschungsnetzwerks.

Filed Under: IZA News Tagged With: IZA Prize, obituary, personnel economics

  • Vorige Seite
  • Page 1
  • Page 2
  • Page 3
  • Page 4
  • Page 5
  • Page 6
  • …
  • Page 8
  • Nächste Seite

Primary Sidebar

© 2013–2026 Deutsche Post STIFTUNGImpressum | DatenschutzerklärungIZA