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Dajan Baischew

Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Reduzierung des Tabakkonsums

November 21, 2019 by Dajan Baischew

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist Tabakkonsum die Ursache für jährlich mehr als acht Millionen Todesfälle weltweit, davon 15% durch die Folgen des Passivrauchens. Viele Länder haben daher inzwischen Anti-Tabak-Maßnahmen ergriffen, die neben Verboten auch auf Abschreckung und Aufklärung setzen. Drei aktuelle IZA-Forschungspapiere liefern neue Erkenntnisse zu Wirksamkeit verschiedener Politikmaßnahmen in den USA, Europa und Australien.

Kinder profitieren von Rauchverboten in der Öffentlichkeit

Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen, Arbeitsstätten, Restaurants und Bars sollen vor allem Passivraucher schützen. Kritiker befürchten, dass Kinder die Leidtragenden sein könnten, wenn dadurch vermehrt zu Hause geraucht würde. Laut einer Studie von Kerry Anne McGeary, Dhaval M. Dave, Brandy Lipton and Timothy Roeper ist jedoch das Gegenteil der Fall: Das Rauchen in den eigenen vier Wänden ging ebenfalls zurück.

Die Analyse zeigt darüber hinaus, dass sich die Säuglingsgesundheit, gemessen am Geburtsgewicht, infolge der Rauchverbote deutlich verbessert hat. Nach Schätzungen der Autoren könnten die USA allein durch diesen Effekt jährlich zwischen 71 und 111 Millionen Dollar an Gesundheitsausgaben einsparen, wenn umfassende Rauchverbote landesweit eingeführt würden. Zum Erhebungszeitpunkt lebten noch 40% der Bevölkerung in Bundesstaaten ohne strikte Regelungen für Arbeitsräume und Gaststätten.

Jugendliche umgehen Altersbeschränkung beim Zigarettenkauf

Um Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, haben viele Länder zudem die Altersbeschränkungen für den Tabakverkauf verschärft. Die Studie von Armando N. Meier, Reto Odermatt und Alois Stutzer analysiert die Effektivität unterschiedlicher Regelungen in der EU und der Schweiz. Um andere Einflussfaktoren wie etwa eine parallele Verteuerung der Zigaretten herauszurechnen, verglichen sie außerdem einzelne Kantone in der Schweiz, die das Mindestverkaufsalter selbst festlegen können, nicht aber die Tabaksteuer.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Erwartungen der Politik zumindest in der Schweiz nicht erfüllt haben: Der Tabakkonsum von Teenagern ging statt der erhofften fünf Prozentpunkte um lediglich einen Prozentpunkt zurück. Hauptgrund dafür ist nach Einschätzung der Forscher, dass die Jugendlichen das Verkaufsverbot durch volljährige Freunde umgehen. Befürchtungen, ein Verbot könnte den Konsum für junge Menschen erst recht attraktiv machen, haben sich nicht bewahrheitet: Teenager finden Rauchen sogar eher weniger „cool“ als vorher. Allerdings hat sich auch die Einstellung zu den Gesundheitsgefahren kaum verändert.

Schockbilder verfehlen ihre abschreckende Wirkung nicht

Ein dritter Ansatz besteht in der Abschreckung durch Schockbilder, wie sie inzwischen auch EU-weit auf Zigarettenpackungen verpflichtend sind. Skeptiker wenden ein, dadurch könne man bestenfalls Nichtraucher vom Rauchen abhalten, nicht aber eingefleischte Raucher zum Aufhören bewegen.

Dem widerspricht die Studie von Daniel Kühnle am Beispiel Australiens: Hier ging die Zahl der Raucher im ersten Jahr nach Einführung der Schockbilder um rund 4% zurück, insbesondere weil mehr Menschen mit dem Rauchen aufhörten. Am stärksten ausgeprägt war der Effekt bei jüngeren und weniger gebildeten Rauchern, gleich welchen Geschlechts.

Nach Einschätzung des Forschers hat es sich bewährt, die Schockbilder mit einem Hinweis auf Hotlines zur Raucherentwöhnung zu kombinieren und durch entsprechende Medienkampagnen zu flankieren.

Filed Under: Research Tagged With: children, health, public health interventions, smoking ban, teenage smoking, tobacco control

Anreize für mehr „Learning on the Job“

August 9, 2019 by Dajan Baischew

Leistungsabhängige Vergütung kann nicht nur motivationssteigernd wirken, sondern bietet laut einem aktuellen IZA-Forschungspapier von Joshua Graff Zivin, Lisa B. Kahn und Matthew Neidell auch wirksame Anreize für mehr „Learning by Doing“. Dadurch verbessern Beschäftigte ihre jobrelevanten Fertigkeiten eigenständig, um mehr Arbeit in der gleichen Zeit zu schaffen.

Empirisch ist dieser Zusammenhang schwer nachzuweisen, weil eine Leistungssteigerung sowohl durch größere Anstrengung als auch durch höhere Effizienz erzielt werden kann. Das Forscherteam nutzte daher eine Besonderheit im Vergütungssystem eines kalifornischen Obstbaubetriebs, der Trauben und Heidelbeeren produziert. Der Obstbau eignet sich aus wissenschaftlicher Sicht besonders gut zur Messung individueller Produktivität, weil sich die gepflückte Menge exakt im Zeitverlauf messen lässt und Verzerrungen etwa durch Teamdynamiken weitgehend ausgeschlossen sind.

Die Obstpflücker erhielten als Grundvergütung jeweils den gesetztlichen Mindestlohn und bei Überschreiten eines festgelegten Tagesziels einen Bonus für jeden darüber hinaus befüllten Korb. Im Gegensatz zu den Traubenpflückern wurde bei den Heidelbeerpflückern das Erreichen des Tagesziels zusätzlich durch eine attraktive Leistungsprämie in Höhe des anderthalbfachen Stundenlohns honoriert.

Leistungsprämie steigert Lernbereitschaft

Die Auswertung bestätigte zunächst frühere Befunde aus der personalökonomischen Forschung, nach denen Beschäftigte ihre Arbeitsleistung tendenziell so anzupassen versuchen, dass sie den für die Prämie maßgeblichen Schwellenwert gerade überschreiten. Die Wahrscheinlichkeit, dieses strategische Ziel zu erreichen, steigt mit der Arbeitserfahrung: Nach zehn Tagen im Job erreichten die Heidelbeerpflücker das Tagesziel mit 80 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit als an den ersten beiden Arbeitstagen (siehe Abb. 1). Bei den Traubenpflückern (siehe Abb. 2) war dieser Lerneffekt mit 8 Prozent deutlich geringer.

Abb. 1: Produktivität der Heidelbeerpflücker nach Arbeitstagen. Bei Überschreiten des eingezeichneten Schwellenwerts (Tagesziel) erhielten die Beschäftigten eine Leistungsprämie sowie Bonuszahlungen pro zusätzlich produzierter Mengeneinheit.
Abb. 2: Produktivität der Traubenpflücker nach Arbeitstagen. Bei Überschreiten des eingezeichneten Schwellenwerts (Tagesziel) erhielten die Beschäftigten Bonuszahlungen pro zusätzlich produzierter Mengeneinheit, jedoch keine separate Leistungsprämie.

Produktivitätssteigerung kompensiert Mehrkosten

Die Autoren schließen daraus, dass erst die Aussicht auf die Leistungsprämie einen wirksamen Anreiz für die Beschäftigten darstellt, ihre Pflücktechnik in möglichst kurzer Zeit zu perfektionieren. Trotz der relativ kostspieligen Prämien zahlte sich das Vergütungssystem für das Unternehmen in Form eines höheren Gewinns pro Mitarbeiter aus, was laut Studie darauf zurückzuführen ist, dass auch die weniger leistungsstarken Heidelbeerpflücker ihre Effizienz spürbar steigerten.

Als alternative Erklärung für die Unterschiede zwischen Trauben- und Heidelbeerpflückern wäre denkbar, dass sich die Tätigkeiten – oder die Beschäftigten – im Hinblick auf das Verbesserungspotenzial durch „Learning on the Job“ systematisch unterscheiden. Beides können die Forscher jedoch weitgehend ausschließen, da das beobachtete Leistungsspektrum in beiden Bereichen ähnlich breit ist. Zudem betrachteten sie auch Beschäftigte, die bereits in beiden Bereichen gearbeitet hatten.

Zwar sind die Befunde nicht notwendigerweise auf andere Tätigkeiten übertragbar, in denen sich die individuelle Produktivität weniger leicht messen bzw. steigern lässt. Nach Einschätzung der Autoren sei es jedoch sinnvoll, Leistungsprämien nicht nur als Motivationsinstrument zu sehen, sondern auch unter dem Qualifizierungsaspekt zu betrachten: Je nach Kontext könne der finanzielle Anreiz für mehr „Learning by Doing“ ebenso zur Produktivitätssteigerung beitragen wie kostspielige Investitionen in neue Technologien oder Weiterbildungsmaßnahmen.

Filed Under: Research Tagged With: bonus payment, contracts, heaping, learning-by-doing, productivity

Bonuszahlungen wirken – manchmal in die falsche Richtung

August 6, 2019 by Dajan Baischew

Viele Unternehmen haben den Trend zur leistungsabhängigen Vergütung wieder ein Stück weit zurückgedreht, indem sie stärker auf das offene Feedback-Gespräch mit Mitarbeitern über Verbesserungspotenziale setzen. In einem aktuellen IZA-Forschungspapier vergleichen Kathrin Manthei, Dirk Sliwka und Timo Vogelsang die Effektivität der unterschiedlichen Personalpraktiken anhand eines Feldexperiments im deutschen Einzelhandel.

In dem Experiment wurden die Leistungsanreize für Filialleiter einer Supermarktkette variiert: Einige erhielten gewinnabhängige Bonuszahlungen beim Erreichen eines bestimmten Schwellenwerts, mit anderen führten die vorgesetzten Verkaufsleiter alle zwei Wochen „Performance Review“-Gespräche, in denen durchgeführte und geplante Maßnahmen zur Gewinnsteigerung diskutiert wurden. Bei zwei weiteren Gruppen wurden beide Varianten kombiniert bzw. keine dieser Praktiken eingesetzt.

Das Ergebnis war auch für die Forscher überraschend: Während Bonuszahlungen allein keine signifikanten Effekte hatten, führten regelmäßige Feedback-Gespräche zu einer Gewinnsteigerung von 7-8 Prozent. Allerdings blieb die positive Wirkung der Gespräche aus, wenn sie mit Bonuszahlungen kombiniert wurden.

Bonuszahlungen untergraben Reputationsanreize

Die Autoren erklären sich den Befund damit, dass monetäre Belohnungen „Reputationsanreizen“ entgegenwirken: In den Gesprächen haben Mitarbeiter die Möglichkeit, ihre Motivation und Leistungsbereitschaft karrieredienlich unter Beweis zu stellen, indem sie ihre Ideen und Vorhaben, aber auch bestehende Probleme offen ansprechen. Wie Befragungen nach dem Experiment bestätigen, leidet diese konstruktive Gesprächskultur, wenn die Leistungsbewertung auf das Erreichen eines Bonus reduziert wird.

Daraus lasse sich jedoch nicht schließen, dass Bonuszahlungen grundsätzlich kontraproduktiv seien, warnen die Forscher, zumal der Effekt immer auch kontextabhängig sei. Vielmehr gehe es darum, die Unternehmen für unerwünschte Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Personalpraktiken zu sensibilisieren.

Filed Under: Research Tagged With: feedback, field experiment, incentives, management practices, monitoring, performance pay, performance review

Die dritte Revolution der Neuzeit

July 18, 2019 by Dajan Baischew

In den vergangenen Jahrhunderten hat die Wissenschaft der Menschheit verschiedene Formen von Fortschritt beschert. Die Industrielle Revolution, die ab dem späten 18. Jahrhundert einen steigenden materiellen Lebensstandard ermöglichte, ging vor allem auf den Aufstieg der Natur- und Technikwissenschaften zurück. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sorgten Fortschritte in der Medizin und anderen Lebenswissenschaften für die Demografische Revolution, die durch einen parallelen Rückgang von Sterblichkeit und Geburtenraten gekennzeichnet war.

Ende es 20. Jahrhunderts folgte dann, was IZA-Preisträger* Richard Easterlin, einer der Pioniere der ökonomischen Glücksforschung, in einem aktuellen Beitrag als „Happiness Revolution“ beschreibt. Dabei geht es nicht mehr um objektiv messbare Größen wie Pro-Kopf-BIP oder Lebenserwartung, sondern um die Verbesserung der subjektiven Lebenszufriedenheit. Laut Easterlin hatten die Sozialwissenschaften einen maßgeblichen Anteil daran.

Denn die sozialwissenschaftliche Forschung habe erstmals breite Akzeptanz dafür geschaffen, dass widrige Lebensumstände wie Arbeitslosigkeit, schlechte Gesundheit und Armut nur durch kollektive Anstrengungen beseitigt werden können, weil sich die Ursachen häufig der Kontrolle des Individuums entziehen. Bis zum 20. Jahrhundert habe noch die Ansicht vorgeherrscht, dass „jeder seines Glückes Schmied“ sei, verankert nicht zuletzt im seinerzeit dominanten ökonomischen Prinzip des Laissez-Faire.

Entwicklung des Sozialstaats

Nachdem schwere Finanz- und Wirtschaftskrisen die Unzulänglichkeiten der freien Märkte schonungslos offengelegt hatten, sei es zu einem Umdenken gekommen: Neben der Notwendigkeit geld- und fiskalpolitischer Interventionen habe sich auch das Prinzip der „sozialen Sicherung“ durchgesetzt, das heute eine Vielzahl sozialpolitischer Maßnahmen umfasst und kontinuierlich weiterentwickelt wird – von den verschiedenen Formen der Einkommenssicherung über Gesundheit, Betreuung und Pflege bis hin zur Förderung beruflicher Auszeiten für Eltern.

Ein über den gesamten Lebenszyklus reichendes Sicherheitsnetz des Sozialstaats fördere die laut Befragungsdaten wichtigsten Faktoren für ein glückliches Leben: Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit, ein erfülltes Familienleben und Gesundheit. Inwieweit es dem Staat gelingt, diese Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen, lasse sich an Messungen des gefühlten Glücks (siehe World Happiness Report) ablesen – darin bestehe die „Glücksrevolution“.

Wirtschaftswachstum und Lebenszufriedenheit

An einigen Beispielen verdeutlicht Easterlin, dass die subjektive Lebenszufriedenheit den sozialen Fortschritt deutlich aussagekräftiger abbilden kann als wirtschaftliche Kennzahlen. Costa Rica etwa erreicht nach erfolgreichen Sozialreformen inzwischen das gleiche Glücksniveau wie die USA, wo die Lebenszufriedenheit seit 70 Jahren stagniert, obwohl sich die Wirtschaftsleistung pro Kopf verdreifacht hat. In China kommt die Lebenszufriedenheit sogar trotz einer Verfünffachung des realen BIP pro Kopf nicht über das Niveau von 1990 hinaus.

+++

*Easterlins Beitrag zur IZA Prize-Buchreihe trägt den Titel „Happiness, Growth, and the Life Cycle“ und liefert einen Überblick über seine zentralen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der ökonomischen Glücksforschung.

Filed Under: Opinion, Research Tagged With: happiness, life satisfaction, social science, social security, subjective well-being

Crowdworker können ihr Potenzial nicht ausschöpfen

July 5, 2019 by Dajan Baischew

Auch wenn ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung bislang noch gering ist: Immer mehr Menschen bieten ihre Arbeitskraft über Online-Plattformen an, um entweder lokale Dienstleistungen wie Kurierfahrten zu erbringen oder aber Auftragsarbeiten, die komplett über das Smartphone oder den Computer abzuwickeln sind. Bei diesen „rein“ digitalen Aufgaben variiert die Bandbreite wiederum von kleinteiligen „Microtasks“, die teilweise mit wenigen Mausklicks im Minutentakt zu erledigen sind, bis hin zu komplexen Tätigkeiten, für die meist eine entsprechende Qualifikation erforderlich ist.

Einerseits bietet diese Arbeitsform ein hohes Maß an zeitlicher und räumlicher Flexibilität, andererseits mangelt es den so genannten „Crowdworkern“ häufig an sozialer Absicherung und Verhandlungsmacht gegenüber den Auftraggebern. Vor allem der Bereich der Microtasks gilt als anfällig für prekäre Arbeitsverhältnisse. Allerdings lässt sich Plattformarbeit nur schwer mit regulärer Beschäftigung vergleichen, da sich die Arbeitsinhalte, aber auch die Qualifikationen und Präferenzen der Beschäftigten stark unterscheiden können.

In einem aktuellen IZA-Forschungspapier versuchen Michele Cantarella und Chiara Strozzi daher zu ermitteln, wie sich die Arbeitsbedingungen für Nutzer einschlägiger Online-Plattformen von regulär Beschäftigten mit ansonsten vergleichbaren Merkmalen unterscheiden. Dazu nutzen sie umfangreiche Befragungsdaten aus den USA und Europa (siehe engl. Version für Details zur Methodik).

Die Auswertung deutet darauf hin, dass Crowdworker im Schnitt bei etwas geringerer wöchentlicher Arbeitszeit rund 70% weniger verdienen als „klassische“ Arbeitnehmer. Häufig äußern sie den Wunsch, mehr zu arbeiten und besser entlohnt zu werden. Dennoch geben sie bemerkenswert selten an, einen Wechsel in reguläre Beschäftigung anzustreben.

Nach Einschätzung der Autoren legen die Ergebnisse nahe, dass Plattformarbeit – zumindest im Bereich der Microtasks – dazu führt, dass Menschen weit unter ihrem tatsächlichem Potenzial beschäftigt und entlohnt werden.

Filed Under: Research Tagged With: digitalization, future of work, Internet, online, platform economy, platform work

Flexible Väterzeit fördert die Gesundheit von Müttern

June 17, 2019 by Dajan Baischew

Wenn berufstätige Väter in den ersten Monaten nach der Geburt des Kindes einen Anspruch darauf haben, je nach Bedarf kurzfristig zu Hause zu bleiben, verbessert sich das körperliche und seelische Wohlbefinden der Mütter spürbar, so das Ergebnis eines aktuellen IZA-Forschungspapiers der Stanford-Ökonominnen Petra Persson und Maya Rossin-Slater.

Die Studie untersucht die Auswirkungen einer Elternzeitreform in Schweden. Vor der Gesetzesänderung im Jahr 2012 konnten Eltern – bis auf die ersten zehn Tage nach der Geburt – nur getrennt voneinander eine bezahlte berufliche Auszeit nehmen. Die Neuregelung ermöglicht Vätern innerhalb des ersten Jahres bis zu 30 freie Tage zeitgleich mit der Mutter.

Weniger Komplikationen im Wochenbett

Um den Reformeffekt zu messen, verglichen die Forscherinnen Familien, deren Kinder in den Quartalen kurz vor bzw. nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung geboren wurden.

Die Auswertung zeigt: Nach der Reform sank die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter in den ersten sechs Monaten nach der Entbindung wegen typischer Geburtsfolgen wie zum Beispiel Brustentzündungen ärztliche Hilfe benötigen, um 14 Prozent. Behandlungen mit Antibiotika gingen ebenfalls um 11 Prozent zurück.

Vor allem in den ersten drei Monaten zeigte sich außerdem ein positiver Effekt auf das psychische Wohl der Mütter: Die Wahrscheinlichkeit, Medikamente gegen Angstzustände zu benötigen, reduzierte sich um rund ein Viertel.

Mehr Flexibilität für Familien

Dabei hatten die Väter das Maximum von 30 sogenannten „Doppel-Tagen“ selten ausgeschöpft, sondern im Schnitt nur wenige Tage bezahlten Urlaub zusätzlich genommen. Die Autorinnen schließen daraus, dass es weniger auf die Dauer der Väterzeit ankomme als auf die Flexibilität.

„Entscheidend ist, dass Familien die Möglichkeit haben, spontan zu entscheiden, wann der Vater zu Hause bleiben soll. Wenn sich beispielsweise bei der Mutter erste Krankheitssymptome andeuten, kann der Vater ein, zwei Tage frei nehmen, damit die Partnerin sich schonen kann“, erklärt Persson. Auf diese Weise ließen sich schwerwiegendere Komplikationen offenbar in vielen Fällen verhindern.

Filed Under: Research Tagged With: child care, maternal health, mental health, paid maternity leave, paternity leave, physical health, spillover effects, workplace flexibility

Männliche Überflieger in der Klasse bremsen weibliche Bildungskarrieren

June 14, 2019 by Dajan Baischew

Geschlechterunterschiede sind von Ökonomen in vielerlei Hinsicht erforscht, wenn es beispielsweise um Wettbewerbsverhalten, Risikoneigung , Teamleistung oder Karrierewege geht. Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Angela Cools, Raquel Fernández und Eleonora Patacchini ergänzt den Wissensstand um einen weiteren Aspekt – die geschlechtsspezifischen Effekte von Leistungsunterschieden innerhalb einer Gruppe.

Am Beispiel von Schulklassen in den USA untersucht die Studie die Auswirkungen des Anteils männlicher bzw. weiblicher Leistungsträger („High-Achievers“) auf den späteren Werdegang der Mitschülerinnen und Mitschüler. Dazu analysierten die Forscherinnen repräsentative Daten der Langzeitstudie „Add Health“ zu über 10.000 Schülern aus rund 120 High Schools in den USA.

Um Ursache und Wirkung sauber zu trennen, identifizierten sie die leistungsstarken Schüler nicht anhand deren Zeugnisnoten, da diese bereits durch die Interaktion mit Mitschülern beeinflusst sein könnten. Stattdessen zogen sie das Bildungsniveau der Eltern heran, das mit dem schulischen Leistungspotenzial der Kinder nachweislich stark korreliert.

Auswirkungen auf Bildungsabschluss und Erwerbstätigkeit

Die Auswertung zeigt: Sind Mädchen von vergleichsweise vielen männlichen Leistungsträgern umgeben, erzielen sie tendenziell schlechtere Noten in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern. Zudem verringert sich ihre Wahrscheinlichkeit, später einen Hochschulabschluss zu erlangen, während sie im Schnitt früher Kinder bekommen und seltener erwerbstätig sind.

Umgekehrt verhält es sich, wenn die Klasse besonders viele leistungsstarke Mädchen hat: Deren Mitschülerinnen profitieren in Form von größerem Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg. Besonders ausgeprägt sind die Effekte bei Schülerinnen in der unteren Hälfte des Leistungsspektrums und an „besseren“ Schulen.

Auf Jungen hatte der Anteil männlicher oder weiblicher Leistungsträger in der Klasse hingegen keinerlei Einfluss.

Mangelndes Selbstbewusstsein?

Den verfügbaren Daten zufolge lassen sich die Befunde primär darauf zurückführen, dass Mädchen weniger Selbstbewusstsein und Ehrgeiz an den Tag legen, wenn sie von vielen leistungsstarken männlichen Schülern umgeben sind. Außerdem neigen sie eher zu riskanten Verhaltensweisen wie Drogenkonsum und Teenager-Schwangerschaften.

Ob sich diese Effekte durch die unmittelbare Interaktion mit den Mitschülern ergeben, lässt die Studie offen. Denkbar seien auch indirekte Einflüsse durch das Verhalten von Lehrern und Eltern.

In jeden Fall sprechen die Ergebnisse nach Einschätzung der Autorinnen dafür, dass schwächere Schülerinnen in einem männlich dominierten Umfeld besondere Förderung erfahren sollten – sei es durch Maßnahmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins oder durch intensiveren Kontakt zu leistungsstarken Mädchen.

Filed Under: Research Tagged With: achievement, education, gender, high school, peer effects

Soziale Mobilität durch Bildung

June 12, 2019 by Dajan Baischew

Mangelnde Chancengleichheit in der Bildung gilt als Hauptgrund für die Zementierung der sozialen Ungleichheit in vielen westlichen Gesellschaften. Kindern aus Problemvierteln gelingt es nur selten, den Teufelskreis aus Armut, Kriminalität, geringer Bildung und Arbeitslosigkeit zu durchbrechen. Zwar existiert eine Vielzahl von steuer- oder spendenfinanzierten Förderprogrammen, die benachteiligten Jugendlichen den sozialen Aufstieg erleichtern sollen, doch deren Kosteneffektivität ist oft nicht wissenschaftlich fundiert belegt.

Bisherige Studien konzentrieren sich zudem meist auf unmittelbare Erfolge, etwa die Verringerung der Schulabbrecherquote. Ein aktuelles IZA-Forschungspapier von Adam M. Lavecchia, Philip Oreopoulos und Robert S. Brown liefert nun erstmals eine umfassende Auswertung der Langzeiteffekte eines Förderprogramms für kanadische Jugendliche und gelangt zu einem bemerkenswert positiven Ergebnis.

Vier-Säulen-Fördermodell

Die untersuchte Initiative Pathways to Education startete 2001 in Regent Park, einem der ärmsten Stadtteile der kanadischen Metropole Toronto. Die Förderstrategie des Programms basiert auf vier Säulen: individuelle Beratung, finanzielle Unterstützung, pädagogische Betreuung und soziale Interaktion. Beispielsweise erhielten die Programmteilnehmer kostenlose Schülertickets, Lehrmaterialen und Studienbeihilfen, wenn sie sich verpflichteten, Nachhilfeangebote und Gruppenstunden wahrzunehmen.

Das Programm war zunächst auf Neunt- bis Zwölftklässler aus einem sozialen Wohnungsbauprojekt begrenzt, von denen bis zu 90% freiwillig teilnahmen. Die Forscher konnten daher die Langzeiteffekte des Förderprogramms zuverlässig messen, indem sie anhand von Daten der Schul- und Steuerbehörden den Werdegang der Programmteilnehmer mit Gleichaltrigen verglichen, deren Sozialwohnungen außerhalb des Einzugsgebiets lagen.

Höhere Beschäftigung und höheres Jahreseinkommen

Die Auswertung zeigt, dass die „Pathways“-Absolventen nicht nur häufiger einen Hochschulabschluss erreichten, sondern im Alter von 28 Jahren auch ein um 19% höheres Jahreseinkommen und eine 15% höhere Beschäftigungsquote verzeichneten als Jugendliche mit vergleichbarem sozioökonomischem Hintergrund, die nicht am Programm teilgenommen hatten. Zudem reduzierte das Förderprogramm die Abhängigkeit von Sozialhilfe um ein Drittel.

Nach Einschätzung der Autoren sprechen die Befunde dafür, dass die Fördermittel in Höhe von mehreren Tausend Dollar pro Teilnehmer sinnvoll investiert sind. Nicht eindeutig belegen lässt sich jedoch die Effektivität jeder einzelnen Komponente des Programms. Anders ausgedrückt: Falls eine flächendeckende Einführung an den hohen Kosten scheitern sollte, bleibt unklar, welche Bestandteile am ehesten verzichtbar wären, ohne den Erfolg des Programms zu gefährden.

Filed Under: Research Tagged With: disadvantaged, lifetime outcomes, poverty, social assistance, student support program, youth

Nachhaltige Migrationspolitik: Ursachen, Kosten und Nutzen von Zuwanderung

May 31, 2019 by Dajan Baischew

Bereits zum 16. Mal trafen sich international renommierte Ökonomen zum IZA Annual Migration Meeting, um neue Forschungserkenntnisse zu Migrationsfragen zu diskutieren. Die diesjährige Veranstaltung fand in Irland statt, einem Land mit besonders intensiver Migrationsgeschichte. Ausrichter war das Geary-Institut am University College Dublin.

In seiner Keynote-Rede zum Thema „Nachhaltige Migration“ wies der Oxford-Professor Sir Paul Collier, einer der bekanntesten Entwicklungsökonomen, auf häufig unterschätzte Kosten von Einwanderung hin. Diese entstünden beispielsweise dadurch, dass Unternehmen zu wenig in die Aus- und Weiterbildung einheimischer Arbeitskräfte investieren. Auch könne die bevorzugte Ansiedlung hochqualifizierter Zuwanderer in Großstädten zur Verdrängung Einheimischer durch steigende Preise führen und die soziale Kluft zwischen Stadt und Land verschärfen.

Ungeachtet der vielfach belegten Vorteile von Migration gelte es diese potenziellen Nachteile nicht aus den Augen zu verlieren, so Collier. Eine nachhaltige Migrationspolitik müsse zum Ziel haben, die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kosten der Migration für die Herkunfts- und Zielländer zu minimieren.

Wirtschaftliche Implikationen der globalen Flüchtlingsströme 

Ein zentrales Thema des Workshops waren die wirtschaftlichen Auswirkungen der Flüchtlingsströme. Am Beispiel türkischer Regionen mit hohem Anteil syrischer Flüchtlinge konnte Onur Altindag zeigen, dass die lokale Wirtschaft durch Produktivitätssteigerungen und Unternehmensneugründungen stimuliert wurde. 

Panu Poutvaara wies auf Basis neuer Daten zu den Flüchtlingsströmen der Jahre 2015-2016 nach, dass es vor allem die besser qualifizierten Arbeitskräfte sind, die ihre Heimatländer in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa verlassen. 

Kehren Kriegsflüchtlinge in ihre Heimatländer zurück, profitiert die dortige Wirtschaft vom neu gewonnenen Knowhow. Der Studie von Dany Bahar zufolge stiegen Wachstum und Exportleistung in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens insbesondere in Branchen mit einem hohen Anteil an Beschäftigten, die während der Balkankriege nach Deutschland geflohen waren und bei ihrer Rückkehr nützliche Kenntnisse und Fähigkeiten mitbrachten.

Breites Themenspektrum

Weitere Forschungserkenntnisse bezogen sich auf die Arbeitsmarkteffekte hochqualifizierter Zuwanderung, die Rolle der sogenannten Sanctuary Cities in den USA bei der Strafverfolgung, den Einfluss des rechtlichen und institutionellen Rahmens im Zielland auf die Auswanderungsentscheidung, die wirtschaftliche und soziale Integration von Einwanderern der zweiten Generation sowie die Vorteile der Zweisprachigkeit von Lehrern für den Spracherwerb von Einwandererkindern.

Sämtliche vorgestellten Studien finden Sie im Workshop-Programm.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: illegal migration, immigration polices, labor market, migration, refugee

Brückentage verleiten Beschäftigte offenbar nicht zum Blaumachen

May 27, 2019 by Dajan Baischew

Verhalten sich Arbeitnehmer – im Ökonomenjargon ausgedrückt – „freizeitnutzenoptimierend“, indem sie sich durch Krankmeldung an Brückentagen ein extralanges Wochenende ermöglichen? Oder schleppen sie sich vor und nach Feiertagen womöglich sogar eher krank zur Arbeit, um bei Vorgesetzten und Kollegen nicht in den Verdacht des Blaumachens zu geraten?

Studien aus Schweden zeigen, dass sich vor allem junge männliche Beschäftigte an Tagen mit sportlichen Großereignissen und um den eigenen Geburtstag herum überdurchschnittlich oft krankmelden. Ob das auch für Brückentage gilt, untersuchen die österreichischen Ökonomen René Böheim und Thomas Leoni in einer aktuellen Studie, die kürzlich als IZA Discussion Paper erschienen ist. Dazu werteten sie umfangreiche Sozial- und Krankenversicherungsdaten von abhängig Beschäftigten in Oberösterreich aus.

Über den Zeitraum 2006-2016, in den insgesamt 45 Brückentage fielen, analysierten die Forscher die in über 67.000 Unternehmen angefallenen Krankheitstage und die jeweiligen Gründe für die Krankschreibungen. Die Auswertung zeigt: An Brückentagen melden sich Beschäftigte unabhängig von Geschlecht, Alter und Unternehmensgröße seltener krank als an regulären Montagen oder Freitagen (siehe Abbildung).

Abbildung 1: Krankmeldungen an Brückentagen im Vergleich zu regulären Montagen oder Freitagen. „Subjektive Diagnosen“ beziehen sich auf schwer nachweisbare Symptome wie z.B. Kopfschmerzen.

Strategisches Verhalten im Sinne der Vermeidung allzu auffälliger Krankmeldungen können die Forscher allerdings nicht erkennen, denn bei den attestierten Krankheitsgründen zeigen sich keine systematischen Unterschiede. Der Studie zufolge dürften die geringeren krankheitsbedingten Fehlzeiten an Brückentagen eher darauf zurückzuführen sein, dass Beschäftigte häufiger Urlaub nehmen oder vom Arbeitgeber einen zusätzlichen freien Tag gewährt bekommen.

Filed Under: Research Tagged With: absenteeism, employee, employer, sick leave, vacation, workers

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