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IZA – Institute of Labor Economics

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Fachkräftebasis in Deutschland durch Bildung und Qualifizierung stärken

March 9, 2022 by Mark Fallak

Heute hat die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), der auch IZA-Forschungsdirektor Holger Bonin angehört, ihr Jahresgutachten an die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, überreicht (Details siehe EFI-Homepage). Neben den Kernthemen technologische Souveränität, nachhaltiger Individualverkehr, Plattformökonomie und digitale Transformation im Gesundheitswesen widmet sich das Gutachten auch der Frage, wie sich die Fachkräftebasis in Deutschland vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung sichern lässt. Gerade der fehlende Nachwuchs im MINT-Bereich könnte Deutschland als Innovationsstandort auf Dauer gefährden, wenn die Politik nicht rechtzeitig gegensteuert. Im Podcast (hier zum Nachhören) erläutert Holger Bonin die Empfehlungen der Kommission.

Da die Babyboomer-Jahrgänge kurz vor dem Ruhestand stehen, sei „das nächste Jahrzehnt das Jahrzehnt der Fachkräftesicherung, weil wir große Lücken in der Erwerbsbevölkerung sehen werden“, so Bonin. Parallel zur Alterung der Gesellschaft finde eine massive strukturelle Transformation statt. Zwei seien Strukturwandelprozesse und entsprechende berufliche Anpassungen normal, jedoch „haben wir mit der Digitalisierung eine Herausforderung vor uns, die grundlegender ist. Die Digitalisierung erfasst alle Lebensbereiche. Das bedeutet, es entstehen komplett neue Geschäftsmodelle und neue berufliche Anforderungen.“ Um diesen Wandel erfolgreich zu bewältigen und die Fachkräfte der Zukunft für den internationalen Wettbewerb zu rüsten, müssten durch Bildung und Qualifizierung die Weichen frühzeitig gestellt werden.

Innovative Methoden und qualifiziertes Personal für Schule und Ausbildung

In diesem Zusammenhang lobt Bonin den Digitalpakt Schule, den die neue Bundesregierung bis 2030 fortsetzen möchte. Allerdings handele es sich dabei um eine reine Infrastrukturmaßnahme, die mit ausreichend technisch-qualifiziertem Personal begleitet werden müsse. Entscheidend sei, „dass das Lehrpersonal in die Lage versetzt wird, mit der technischen Ausstattung kompetent umzugehen.“ Neben innovativen Lehrkonzepten unter produktivem Einsatz digitaler Mittel brauche es auch „ein Nachsteuern bei den Lehrplänen, den Lehrinhalten und den Lehrmethoden.“ so Bonin. Nicht zuletzt sollte das Schulfach Informatik weiter gefördert werden und einen höheren Stellenwert im Curriculum einnehmen.

Gleichzeitig müsse die betriebliche Ausbildung für junge Menschen, aber auch für Unternehmen, attraktiver gestaltet werden, so Bonin. Durch eine gezieltere Berufsorientierung sollten Jugendlichen die Chancen der beruflichen Ausbildung verdeutlicht werden, beispielsweise die wichtige Rolle des Handwerks bei der Umsetzung großer transformativer Veränderungen wie die Anpassung an den Klimawandel. Gerade das deutsche System der dualen Ausbildung bringe im internationalen Vergleich „sehr leistungsfähige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ hervor.

Aber auch im Beruf werde in den nächsten Jahren die Anpassungsfähigkeit wichtiger, da viele bestehende Arbeitsplätze verschwinden werden, während an ganz anderen Stellen der Wirtschaft wiederum neue entstehen. Berufliche Anpassungsfähigkeit bedeute dabei nicht nur, mit neuen technischen Entwicklungen umgehen zu können. Ebenso gefragt sei die Vermittlung von Soft Skills, die mit zunehmendem Alter immer schwerer zu erlernen seien.

Arbeitslosigkeit durch präventive Brückenlösungen vermeiden

Zur Förderung der Weiterbildung von Beschäftigten befürwortet die EFI-Kommission außerdem sogenannte präventive Brückenlösungen. Zwar ermögliche das Qualifizierungschancengesetz Arbeitnehmern, deren Arbeitsplatz durch die transformativen Wandel stark verändert oder zunehmend gefährdet ist, eine Weiterbildung in ihrem Unternehmen. Allerdings fehle es bilang an unterstützenden Maßnahmen, die „den Wechsel von einem Arbeitgeber zum nächsten vorbereiten, ohne dass dazwischen Arbeitslosigkeit entsteht, und wo dieser Wechsel eine Höher- oder Umqualifizierung erfordert“, erläutert Bonin.

Insgesamt erhofft sich Bonin, dass wir am Ende der jetzigen Legislaturperiode „eine wirklich umfassende Strategie etabliert haben, die sich einerseits der Lösung der Migrationsfrage zuwendet und andererseits dafür sorgt, dass wir eine Entwicklung auf den Weg bringen, bei dem wir die berufliche Aus- und Weiterbildung schulen und die Hochschulen leistungsfähiger, bedarfsgerechter und auch sozial durchlässiger werden“.

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Kooperation von BIBB und IZA erleichtert Datenzugang für die Forschung

March 9, 2022 by Mark Fallak

Forschende, die sich mit Fragen des Erwerbs und der Verwertung beruflicher Kenntnisse und Kompetenzen beschäftigen, können ab sofort die Forschungsdatensätze des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) per kontrolliertem Fernrechnen auswerten, also ohne die Räumlichkeiten des BIBB aufzusuchen. Möglich wird dies durch die Software JoSuA (Job Submission Application), die das IZA an seinem Forschungsdatenzentrum (IDSC) entwickelt hat und für das BIBB bereitstellt. Der Service eröffnet der Wissenschaft somit eine neue, ortsunabhängige Möglichkeit des Fernzugriffs für die Auswertung der BIBB-Forschungsdaten.

Viele Arbeiten der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung basieren auf umfangreichen Mikrodatensätzen, beispielsweise Personen- und Unternehmensdaten, die meist strengen Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit unterliegen. Die Auswertung solcher Daten ist daher oft nur auf Antrag an speziell abgesicherten Gast-Arbeitsplätzen am Standort des Datenanbieters möglich. Dieses aufwändige Verfahren wurde durch pandemiebedingte Reise- und Kontaktbeschränkungen zusätzlich erschwert.

Zugleich hat die Corona-Krise strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt beschleunigt, wodurch sich ein erhöhter Forschungsbedarf im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung ergibt. Das BIBB, dessen Daten hierfür besonders relevant sind, kann die steigende Nachfrage der Forschung nun mit Hilfe des innovativen Fernrechentools JoSuA komfortabel bedienen.

JoSuA ist ein flexibles Instrument für die Datenanalyse, das sich an die individuellen Sicherheitsbestimmungen der jeweiligen Datenanbieter anpassen lässt und beliebig skalierbar ist. Mit dem Einsatz von JoSuA im Forschungsdatenzentrum des BIBB wird nun die Auswertung von Forschungsdaten im Bereich der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und hierbei insbesondere die empirische Forschung zu Aus- und Weiterbildungsthemen weiter gestärkt.

Die JoSuA-Nutzung über das BIBB ist für Forschende kostenfrei. Der Datenzugang ist auf wissenschaftliche Forschungszwecke beschränkt.

Weitere Informationen:

    • IZA/BIBB-Pressemitteilung vom 9. März 2022
    • Details zu den BIBB-Forschungsdaten und Nutzungsbedingungen
    • JoSuA (Job Submission Application) im BIBB-FDZ
    • JoSuA-Homepage

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Neues Buch zu Arbeitsmärkten in Ländern mit niedrigem Einkommen

February 9, 2022 by Mark Fallak

Im Rahmen der 2011 begonnenen Forschungsinitiative „Growth, Gender, and Labour Markets in Low-Income Countries” (G²LM|LIC) arbeitet das IZA eng mit dem britischen Ministerium für Auswärtiges, Commonwealth & Entwicklung (FCDO) zusammen, um anhand fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse die Entwicklung der Arbeitsmärkte in den ärmsten Weltregionen voranzutreiben.

Auf Grundlage zahlreicher Studien und Politikempfehlungen, die im Rahmen der Initiative bislang entstanden sind, haben David Lam (Gründungsdirektor des Programms) und Ahmed Elsayed (stellv. Programmdirektor) jetzt ein Buch mit dem Titel Labour Markets in Low-Income Countries: Challenges and Opportunities vorgelegt.

Der Band ist als Open-Access-Veröffentlichung zur nicht-kommerziellen Nutzung kostenfrei online abrufbar und widmet sich unter anderem Fragen von Armutsbekämpfung, informellen Arbeitsmärkten, Bildung, Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, Kinderarbeit und Migration. Im Zentrum steht die Auswertung von Evaluationsstudien zur Erfolgsmessung entwicklungspolitischer Strategien.

Am 23. Februar 2022 findet ab 15:30 Uhr eine Online-Buchpräsentation statt – die Teilnahme ist nach vorheriger Registrierung möglich.

Filed Under: IZA News, Research Tagged With: Development, growth, labor markets, low-income countries

IZA fördert innovative Wirtschaftsforschung zum Klimawandel

February 3, 2022 by Mark Fallak

Obwohl der Klimawandel die wohl größte Herausforderung der Menschheit in den kommenden Jahrzehnten darstellt, fristen Klima- und Umweltthemen in der internationalen ökonomischen Forschungslandschaft bislang noch eher ein Schattendasein. Um einen zusätzlichen Anreiz für innovative Forschung insbesondere zu den gesellschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Implikationen des Klimawandels zu setzen, verleiht das IZA in diesem Jahr erstmals den mit 10.000 Euro dotierten Forschungspreis “Innovative Research in the Economics of Climate Change” (IRECC). Ausgezeichnet werden damit zwei Studien aus dem IZA-Netzwerk:

  • „Temperature, Workplace Safety, and Labor Market Inequality“ (IZA DP No. 14560) von Jisung Park, Nora Pankratz und Patrick Behrer weist auf oft unterschätzte Nebenwirkungen des Klimawandels hin: Bei höheren Temperaturen steigt das Unfallrisiko am Arbeitsplatz, und zwar draußen wie drinnen. Da Geringverdienende besonders betroffen sind, könnte sich dadurch auch die soziale Ungleichheit verschärfen. [mehr]
  • „Fighting Climate Change: The Role of Norms, Preferences, and Moral Values“ (IZA DP 14518) von Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra, Armin Falk analysiert die Rolle sozialer Normen und individueller Moralvorstellungen im Kampf gegen den Klimawandel. Der überraschende Befund des Befragungsexperiments: Viele Menschen tun zu wenig fürs Klima, weil sie die Bereitschaft anderer unterschätzen, ebenfalls ihren Teil beizutragen. Durch bessere Aufklärung über diese Fehleinschätzung könnte die Politik demnach mehr Unterstützung für klimapolitischen Maßnahmen generieren. [mehr]

Nach Einschätzung der Jury, der neben dem Vorsitzenden Andrew Oswald (University of Warwick und IZA) auch Susana Ferreira (University of Georgia) und IZA-Chef Hilmar Schneider angehörten, repräsentieren beide Forschungsarbeiten die Spitze der modernen empirischen Wirtschaftsforschung.

Aus allen Klima-Studien, die in diesem Jahr als IZA Discussion Paper erscheinen, werden Anfang 2023 erneut die besten Arbeiten für den IRECC-Preis ausgewählt.

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IZA Young Labor Economist Award an Patrick Kline überreicht

January 12, 2022 by Mark Fallak

Alle zwei Jahre verleiht das IZA den „Young Labor Economist Award“ an herausragende Forscherinnen und Forscher, deren Promotion weniger als 15 Jahre zurückliegt. Traditionell findet die Preisübergabe während der Jahrestagung der Allied Social Science Association (ASSA) in den USA statt. Da die Tagung pandemiebedingt auf ein Online-Format umgestellt wurde, organisierte das IZA eine „virtuelle Cocktail-Party“ zu Ehren des aktuellen Preisträgers Patrick Kline. Der Berkeley-Ökonom erhält die Auszeichnung des Jahres 2021 für seine herausragenden Beiträge zur Weiterentwicklung der empirischen Arbeitsmarktforschung.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigt sich Kline insbesondere mit Fragen der Lohnfindung und der Effektivität politischer Maßnahmen zum Abbau von Ungleichheit. In seinem jüngsten IZA-Forschungspapier belegt er anhand von 83.000 fiktiven Stellenbewerbungen, dass große US-Unternehmen Bewerber mit „schwarz klingenden Namen“ systematisch diskriminieren. Neben den Auswirkungen der Personalpraxis von Unternehmen auf die Lohnungleichheit hat er unter anderem untersucht, mit welchen Maßnahmen sich soziale Mobilität effektiv fördern lässt und was die Politik tun kann, um die lokalen Arbeitsmärkte in strukturschwachen Gegenden zu stützen.

IZA-Netzwerkdirektor Daniel Hamermesh, der dem Preiskomitee vorsteht, hob die bemerkenswerte Publikationsleistung des jungen Preisträgers hervor. Noch entscheidender für das einhellige Votum der Jury sei aber gewesen, „dass man aus jeder seiner Studien eine Menge lernen kann.“ Laut MIT-Ökonom David Autor verstehe es Kline auf besondere Weise „komplexe Ideen transparent und verständlich zu machen“. Der frühere YLEA-Preisträger Raj Chetty, der an der Harvard University lehrt, würdigte Kline zudem für seine methodisch anspruchsvolle Herangehensweise an wichtige Fragen der Arbeitsmarktforschung.

Kerwin Charles, Dekan der Yale School of Management und langjähriger Wegbegleiter des Preisträgers, äußerte mit gewissem Stolz, dass er Kline in frühen Jahren habe überzeugen können, eine Karriere in der ökonomischen Forschung einzuschlagen. Neben seiner wissenschaftlichen Expertise stellte Joseph Altonji, Yale-Professor und IZA-Preisträger 2018, Klines „Energie und Neugier“ heraus, mit der er Fachkollegen und Studierende immer wieder aufs Neue beeindrucke und bereichere.

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IZA richtet zum fünften Mal sein jährliches Junior/Senior Symposium aus

November 8, 2021 by Mark Fallak

Zu den zahlreichen Initiativen des IZA zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Arbeitsmarktforschung zählt das inzwischen fest etablierte Junior/Senior Symposium, in diesem Jahr organisiert von Maia Güell und Daniel Hamermesh. Die folgenden drei Studien zählten zu den zehn vorgestellten Forschungspapieren, die aus rund 80 Einreichungen ausgewählt wurden.

Geschlechterunterschiede bei der Studienwahl

In vielen Ländern der Welt gibt es standardisierte Zugangsprüfungen für die Aufnahme an staatlichen Universitäten. Am Beispiel Kolumbiens untersuchte Catalina Franco, wie sich der landesweite Wettbewerb auf die Wahl des Studienfachs auswirkt. Ihrer Studie zufolge neigen Frauen eher dazu, sich für einen weniger präferierten Studiengang entscheiden, in dem sie direkt zugelassen weden, während Männer sich häufiger für das Fach ihrer Wahl erneut bewerben. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied könnte zur Erklärung für den geringen Frauenanteil in MINT-Studiengängen beitragen.

Internationaler Handel schafft neue Berufsbilder

Wie der internationale Handel neue Arten von Arbeitsplätzen schaffen kann, war Thema des Beitrags von Gueyon Kim. So entstehen neue Jobs und Berufsbilder häufiger in Branchen mit hohem internationalen Wettbewerbsdruck. Bemerkenswert ist dabei, dass neuartige Tätigkeiten nicht zwangsweise auf Kosten bereits bestehender Arbeitsplätze entstehen. Der internationale Handel fördert also die Innovationsstätigkeit von Unternehmen, die sich nicht nur in mehr Patentanmeldungen niederschlägt, sondern auch in einem strukturellen Wandel der Arbeitsnachfrage.

Grenzen zwischen Bundesstaaten hemmen Umzugsbereitschaft

Üblicherweise wird ein negativer Schock auf dem lokalen Arbeitsmarkt durch Abwanderung in angrenzende Regionen kompensiert. Allerdings stellt Riley Wilson in seinem aktuellen Forschungspapier fest, dass Menschen in den USA den Umzug in einen anderen Bundesstaat scheuen, selbst wenn die Gemeinde direkt angrenzt. Mit bürokratischen Hürden, kulturellen oder steuerlichen Unterschieden lässt sich dieses Phänomen nicht erklären, eher mit einer besonderen Art der Heimatverbundenheit. Das führt dazu, dass Gemeinden in innerstaatlichen Grenzregionen länger brauchen, bis sich der Arbeitsmarkt erholt.

Weitere Beiträge sind über die Symposium-Website abrufbar.

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Frauen in Führungspositionen

November 4, 2021 by Mark Fallak

Trotz vielfältiger politischer und gesellschaftlicher Initiativen für mehr Gleichberechtigung bleiben Frauen in Führungspositionen sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Sektor nach wie vor unterrepräsentiert. Die vierte Jahrestagung des IZA-Programmbereichs „Gender and Family Economics“, organisiert von Deborah A. Cobb-Clark und Christian Zimpelmann, beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit den Ursachen und Konsequenzen dieses Phänomens.

Frauenquoten

Inwieweit Geschlechterquoten für Vorstände und Aufsichtsräte zielführend sind, ist in vielen Ländern umstritten. So verdeutlichte Andrea Weber am Beispiel einer Reform in Italien, dass die dort eingeführte Quotenregelung zwar den Frauenanteil in Aufsichtsräten erwartungsgemäß erhöht hat. Der erhoffte Spillover-Effekt auf andere Führungsebenen im Unternehmen blieb jedoch aus (siehe dazu auch einen früheren Beitrag im IZA Newsroom).

Ähnliche Befunde präsentierte Joanne Tan aus Frankreich. Hier führte eine Frauenquote für Vorstände zu einer Angleichung der Karriere- und Verdienstmöglichkeiten an der Unternehmensspitze, allerdings ohne Auswirkungen auf die Geschlechterverteilung im mittleren Management.

Netzwerkeffekte

Karrierenetzwerke, über die sich Frauen gegenseitig beim beruflichen Aufstieg unterstützen, können laut der Studie von Francesca Truffa einen wichtigen Beitrag zum Schließen der Geschlechterlücke in Führungspositionen leisten. Sie ermittelte, dass ein höherer Anteil an weiblichen Kommilitoninnen in MBA-Kursen von Business Schools die Karrierechancen der Absolventinnen deutlich steigert. Für Männer lässt sich ein solcher Effekt nicht beobachten.

Politiker*innen

Im letzten Teil des Workshops ging es um die Frage, inwieweit sich der Poltitikstil von Männern und Frauen unterscheidet. So spricht die von Damian Clarke vorgestellte Studie dafür, dass Politikerinnen andere Prioritäten setzen, die insbesondere Frauen zugutekommen: In Entwicklungsländern sorgte die Einführung von Geschlechterquoten in Parlamenten dafür, dass die Müttersterblichkeit um bis zu zehn Prozent zurückging.

Bei der Verwendung öffentlicher Gelder sind männliche Politiker stärker auf ihre Wiederwahl fixiert, wie Carmela Accettura anhand von Bürgermeisterwahlen in Italien belegen konnte. Laut ihrer Studie neigen männliche Amtsinhaber im Vorfeld von Wahlen besonders zu strategischen Ausgaben für Leuchtturmprojekte mit direkter Sichtbarkeit für die Wählerschaft, auch auf Kosten höherer Haushaltsdefizite.

Weitere vorgestellte Studien sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

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Wie Algorithmen den Arbeitsmarkt effizienter machen können

November 2, 2021 by Mark Fallak

Wie die meisten Märkte ist auch der Arbeitsmarkt zunehmend digitalisiert. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien helfen dabei, Angebot und Nachfrage passgenauer zueinander zu bringen. Seit einigen Jahren widmet das Forschungsdatenzentrum des IZA (IDSC) diesem Themenkomplex einen Workshop, der aktuelle Forschungsarbeiten zum Potenzial und den Herausforderungen von datenbasierter Stellensuche und Jobvermittlung diskutiert. Exemplarisch sind hier einige der präsentierten Studien zusammengefasst.

Empfehlungsdienste effizienter gestalten

Nach dem Vorbild individuell zugeschnittener Online-Produktempfehlungen für Verbraucher sind auch Personalempfehlungen für Unternehmen mit offenen Stellen denkbar. Das Problem: Während etwa ein empfohlener Film von Millionen Nutzern konsumiert werden kann, kann ein Arbeitnehmer nur für ein Unternehmen arbeiten. Es würde also keinen Sinn machen, Tausenden von Unternehmen die gleichen Stellensuchenden vorzuschlagen. Wie sich dieses Effizienzproblem lösen lässt, untersucht Bruno Crépon anhand von  Daten der französischen Arbeitsverwaltung, die derzeit einen solchen Dienst vorbereitet. Die Studie legt nahe, dass die Präferenzen der Jobsuchenden sowie die Intensität des Wettbewerbs um offene Stellen bei der Programmierung des Algorithmus stärker berücksichtigt werden sollten, um eine zu hohe Anzahl von Empfehlungen zu vermeiden.

Verdienstchancen aus Anzeigentext ableiten

Aus Sicht der Stellensuchenden sind die Gehaltsaussichten im neuen Job ein wichtiges Entscheidungskriterium. Zwar sind die ungefähren Verdienstmöglichkeiten für bestimmte Berufe und Qualifikationen bekannt, allerdings spielen neben Betriebsgröße und Standort auch die genauen Tätigkeitsinhalte eine Rolle für das tatsächlich erzielbare Gehalt. Sarah H. Bana stellte mit ihrem Forschungspapier ein Modell vor, das Erkenntnisse aus der Computerlinguistik nutzt, um anhand der genauen Textinhalte von Stellenausschreibungen die Gehaltsaussichten vorherzusagen. Die Auswertung zeigt, dass das Modell rund drei Viertel der Gehaltsvariation bei gleichen Qualifikationsanforderungen erklären kann und somit deutlich präzisere Vorhersagen ermöglicht als herkömmliche Modelle.

Qualität von Universitäten besser messen

Die individuellen Gehaltsaussichten für Akademiker hängen auch davon ab, an welcher Universität der Abschluss erworben wurde. So gibt es beispielsweise Gehaltsrankings für bestimmte Abschlüsse an US-Eliteuniversitäten. Um die internationale Vergleichbarkeit zu verbessern, wertete Jason Sockin Gehaltsdaten der Online-Plattform Glassdoor aus. Die Ergebnisse decken sich zum Teil mit etablierten Rankings, allerdings stuft die Studie geisteswissenschaftlich orientierte Colleges sowie technische Hochschulen in Entwicklungsländern tendenziell höher ein. Insgesamt zeigt sich, dass der Abschluss von einer Spitzenuniversität Gehaltsvorteile von bis zu 50 Prozent gegenüber durchschnittlichen Hochschulen bringt.

Weitere Studien sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

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Schlaf, Stress und Depressionen: Neue Erkenntnisse der Wirtschaftsforschung

October 28, 2021 by Mark Fallak

Depressionen und andere psychische Belastungen etwa durch Schlafmangel und Stress haben erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkterfolg. Daher beschäftigen sich auch zahlreiche Ökonominnen und Ökonomen aus dem IZA-Netzwerk mit diesem Themenkomplex. In einem von Michèle Belot, Joan Costa-Font, Osea Giuntella und Nico Pestel organisierten IZA-Workshop wurden nun einige der neuesten Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert.

In seiner Eröffnungsrede unterstrich IZA-Netzwerkdirektor Dan Hamermesh den wichtigen Beitrag der Wirtschaftswissenschaften zur Erforschung von individueller Zeitverwendung, Schlafverhalten und seelischer Gesundheit, insbesondere mit Blick auf den Einfluss von Einkommen und Bildung.

Freizeit, Schlaf und psychische Gesundheit

Ob Fernsehen dem persönlichen Wohlbefinden schadet oder eher förderlich ist, untersuchte Manuel Hoffmann in einer neuen Studie, die sich regionale Unterschiede in der Verbreitung des Privatfernsehens im Deutschland der 1980er Jahre zunutze macht. Zwar stieg der Fernsehkonsum in Gebieten mit mehr Sendern deutlich an, jedoch ließen sich keine negativen gesundheitlichen Folgen feststellen. Auf die Lebenszufriedenheit wirkte sich das größere Programmangebot im Schnitt positiv aus.

Negative Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit hat hingegen die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit. Ein von Sarah Fléche vorgestelltes Forschungspapier auf Basis von repräsentativen Befragungsdaten aus Deutschland stützt die These, dass geringere Schlafqualität und erhöhter Zeitstress dafür verantwortlich sind.

Einschneidende Lebensereignisse

Wie sich der Tod eines Elternteils auf die psychische Gesundheit des Kindes auswirkt, war Gegenstand des Beitrags von Petri Böckerman. Daten aus Finnland zeigen, dass Jungen besonders unter dem Verlust des Vaters leiden, während sich der Verlust der Mutter vor allem auf Mädchen auswirkt. Zu den unmittelbaren psychischen Folgen zählen vor allem Depressionen, während Angstzustände und Selbstverletzung noch nach einigen Jahren vermehrt auftreten.

Auch der Verlust des Arbeitsplatzes ist für viele Menschen ein einschneidendes Lebensereignis. Paneldaten aus den Niederlanden liefern laut einer Studie von Jim Been jedoch keine Hinweise auf körperliche oder seelische Leiden als direkte Folgen des Jobverlusts. Im Gegenteil lassen Kopfschmerzen und Müdigkeit sogar nach, was darauf hindeutet, dass der unmittelbare Rückgang an Arbeitsstress die finanzielle Belastung zunächst mehr als aufwiegt.

Medikamentöse Behandlung

Bei Jugendlichen, die unter Depressionen leiden, kann die Einnahme von Antidepressiva zu einer deutlichen Verbesserung der schulischen Leistungen beitragen, wie Meltem Daysal anhand von Mathematik-Testergebnissen nachweisen konnte. Dennoch bleibt die Vergabe von Antidepressiva ein zweischneidiges Schwert. In einer weiteren Studie mit Daten aus den Niederlanden belegen Janet Currie und Esmee Zwiers, dass die medikamentöse Behandlung von Wochenbettdepressionen zu einem Gewöhnungseffekt führen kann. Auch nach mehreren Jahren neigen die behandelten Frauen zur weiteren Einnahme von Antidepressiva, ohne dass sich dadurch ihre Arbeitsmarktsituation verbessert.

Um die Wirkung einer nicht-medikamentösen Intervention auf die psychische Gesundheit von Frauen ging es in dem von Abu Siddique präsentierten Forschungspapier. Die Studie zeigt, dass psychologische Beratungsgespräche per Telefon während der Corona-Pandemie in Bangladesh maßgeblich zum Abbau von Stress und Depressionen beitrugen. Die Effekte hielten auch zehn Monate später noch an und wirkten sich zudem positiv auf andere Lebensbereiche wie Ernährung, Homeschooling und Impfbereitschaft aus.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Armut und Depressionen bilden einen Teufelskreis, der sich gerade in Entwicklungsländern oft über Generationen verfestigt. Laut der von Daniel Bennett vorgestellten Auswertung eines Hilfsprogramms in Indien können psychiatrische Behandlungsangebote für die arme Bevölkerung einen Ausweg bieten. Zwar konnte kein direkter Effekt der Behandlung auf die Arbeitsproduktivität festgestellt werden, doch die Programmteilnehmer investierten deutlich mehr in die Bildung ihrer Kinder, was für eine erhöhte Handlungsbereitschaft und mehr Resilienz statt Resignation spricht.

Auch in den entwickelten Ländern sind die Arbeitsmarktnachteile für Menschen mit psychischen Erkrankungen gravierend. Auf Basis dänischer Daten schätzt Barbara Biasi die Einkommenseinbußen je nach Art der Erkrankung auf rund 35 bis über 70 Prozent. Dass es sich dabei um einen kausalen Effekt handelt, belegt die Studie anhand der Zulassung der Lithiumtherapie für die psychiatrische Behandlung in Dänemark, in deren Folge sich die Einkommenslücke um etwa ein Drittel verringerte.

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Wirtschaftsnobelpreis 2021 geht an drei IZA-Fellows

October 11, 2021 by Mark Fallak

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet die US-Ökonomen David Card (UC Berkeley), Joshua D. Angrist (MIT) und Guido W. Imbens (Stanford University) mit dem diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften aus.

Card erhält den Preis für „seine empirischen Beiträge zur Arbeitsökonomie“, Angrist und Imbens „für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalzusammenhängen“.

Alle drei Preisträger gehören dem IZA-Forschungsnetzwerk seit vielen Jahren an. In den vergangenen zwei Jahrzehnten zählten Card und Angrist zu den aktivsten IZA-Fellows mit Dutzenden von veröffentlichten IZA-Forschungspapieren und zahlreichen Teilnahmen an IZA-Fachtagungen. Gemeinsam mit Alan Krueger erhielt David Card den IZA Prize in Labor Economics 2006.

Mehr Informationen in der Pressemitteilung auf nobelprize.org

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