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IZA – Institute of Labor Economics

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Mark Fallak

IZA richtet zum fünften Mal sein jährliches Junior/Senior Symposium aus

November 8, 2021 by Mark Fallak

Zu den zahlreichen Initiativen des IZA zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Arbeitsmarktforschung zählt das inzwischen fest etablierte Junior/Senior Symposium, in diesem Jahr organisiert von Maia Güell und Daniel Hamermesh. Die folgenden drei Studien zählten zu den zehn vorgestellten Forschungspapieren, die aus rund 80 Einreichungen ausgewählt wurden.

Geschlechterunterschiede bei der Studienwahl

In vielen Ländern der Welt gibt es standardisierte Zugangsprüfungen für die Aufnahme an staatlichen Universitäten. Am Beispiel Kolumbiens untersuchte Catalina Franco, wie sich der landesweite Wettbewerb auf die Wahl des Studienfachs auswirkt. Ihrer Studie zufolge neigen Frauen eher dazu, sich für einen weniger präferierten Studiengang entscheiden, in dem sie direkt zugelassen weden, während Männer sich häufiger für das Fach ihrer Wahl erneut bewerben. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied könnte zur Erklärung für den geringen Frauenanteil in MINT-Studiengängen beitragen.

Internationaler Handel schafft neue Berufsbilder

Wie der internationale Handel neue Arten von Arbeitsplätzen schaffen kann, war Thema des Beitrags von Gueyon Kim. So entstehen neue Jobs und Berufsbilder häufiger in Branchen mit hohem internationalen Wettbewerbsdruck. Bemerkenswert ist dabei, dass neuartige Tätigkeiten nicht zwangsweise auf Kosten bereits bestehender Arbeitsplätze entstehen. Der internationale Handel fördert also die Innovationsstätigkeit von Unternehmen, die sich nicht nur in mehr Patentanmeldungen niederschlägt, sondern auch in einem strukturellen Wandel der Arbeitsnachfrage.

Grenzen zwischen Bundesstaaten hemmen Umzugsbereitschaft

Üblicherweise wird ein negativer Schock auf dem lokalen Arbeitsmarkt durch Abwanderung in angrenzende Regionen kompensiert. Allerdings stellt Riley Wilson in seinem aktuellen Forschungspapier fest, dass Menschen in den USA den Umzug in einen anderen Bundesstaat scheuen, selbst wenn die Gemeinde direkt angrenzt. Mit bürokratischen Hürden, kulturellen oder steuerlichen Unterschieden lässt sich dieses Phänomen nicht erklären, eher mit einer besonderen Art der Heimatverbundenheit. Das führt dazu, dass Gemeinden in innerstaatlichen Grenzregionen länger brauchen, bis sich der Arbeitsmarkt erholt.

Weitere Beiträge sind über die Symposium-Website abrufbar.

Filed Under: IZA News Tagged With: junior, senior, young scholars

Frauen in Führungspositionen

November 4, 2021 by Mark Fallak

Trotz vielfältiger politischer und gesellschaftlicher Initiativen für mehr Gleichberechtigung bleiben Frauen in Führungspositionen sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Sektor nach wie vor unterrepräsentiert. Die vierte Jahrestagung des IZA-Programmbereichs „Gender and Family Economics“, organisiert von Deborah A. Cobb-Clark und Christian Zimpelmann, beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit den Ursachen und Konsequenzen dieses Phänomens.

Frauenquoten

Inwieweit Geschlechterquoten für Vorstände und Aufsichtsräte zielführend sind, ist in vielen Ländern umstritten. So verdeutlichte Andrea Weber am Beispiel einer Reform in Italien, dass die dort eingeführte Quotenregelung zwar den Frauenanteil in Aufsichtsräten erwartungsgemäß erhöht hat. Der erhoffte Spillover-Effekt auf andere Führungsebenen im Unternehmen blieb jedoch aus (siehe dazu auch einen früheren Beitrag im IZA Newsroom).

Ähnliche Befunde präsentierte Joanne Tan aus Frankreich. Hier führte eine Frauenquote für Vorstände zu einer Angleichung der Karriere- und Verdienstmöglichkeiten an der Unternehmensspitze, allerdings ohne Auswirkungen auf die Geschlechterverteilung im mittleren Management.

Netzwerkeffekte

Karrierenetzwerke, über die sich Frauen gegenseitig beim beruflichen Aufstieg unterstützen, können laut der Studie von Francesca Truffa einen wichtigen Beitrag zum Schließen der Geschlechterlücke in Führungspositionen leisten. Sie ermittelte, dass ein höherer Anteil an weiblichen Kommilitoninnen in MBA-Kursen von Business Schools die Karrierechancen der Absolventinnen deutlich steigert. Für Männer lässt sich ein solcher Effekt nicht beobachten.

Politiker*innen

Im letzten Teil des Workshops ging es um die Frage, inwieweit sich der Poltitikstil von Männern und Frauen unterscheidet. So spricht die von Damian Clarke vorgestellte Studie dafür, dass Politikerinnen andere Prioritäten setzen, die insbesondere Frauen zugutekommen: In Entwicklungsländern sorgte die Einführung von Geschlechterquoten in Parlamenten dafür, dass die Müttersterblichkeit um bis zu zehn Prozent zurückging.

Bei der Verwendung öffentlicher Gelder sind männliche Politiker stärker auf ihre Wiederwahl fixiert, wie Carmela Accettura anhand von Bürgermeisterwahlen in Italien belegen konnte. Laut ihrer Studie neigen männliche Amtsinhaber im Vorfeld von Wahlen besonders zu strategischen Ausgaben für Leuchtturmprojekte mit direkter Sichtbarkeit für die Wählerschaft, auch auf Kosten höherer Haushaltsdefizite.

Weitere vorgestellte Studien sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

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Wie Algorithmen den Arbeitsmarkt effizienter machen können

November 2, 2021 by Mark Fallak

Wie die meisten Märkte ist auch der Arbeitsmarkt zunehmend digitalisiert. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien helfen dabei, Angebot und Nachfrage passgenauer zueinander zu bringen. Seit einigen Jahren widmet das Forschungsdatenzentrum des IZA (IDSC) diesem Themenkomplex einen Workshop, der aktuelle Forschungsarbeiten zum Potenzial und den Herausforderungen von datenbasierter Stellensuche und Jobvermittlung diskutiert. Exemplarisch sind hier einige der präsentierten Studien zusammengefasst.

Empfehlungsdienste effizienter gestalten

Nach dem Vorbild individuell zugeschnittener Online-Produktempfehlungen für Verbraucher sind auch Personalempfehlungen für Unternehmen mit offenen Stellen denkbar. Das Problem: Während etwa ein empfohlener Film von Millionen Nutzern konsumiert werden kann, kann ein Arbeitnehmer nur für ein Unternehmen arbeiten. Es würde also keinen Sinn machen, Tausenden von Unternehmen die gleichen Stellensuchenden vorzuschlagen. Wie sich dieses Effizienzproblem lösen lässt, untersucht Bruno Crépon anhand von  Daten der französischen Arbeitsverwaltung, die derzeit einen solchen Dienst vorbereitet. Die Studie legt nahe, dass die Präferenzen der Jobsuchenden sowie die Intensität des Wettbewerbs um offene Stellen bei der Programmierung des Algorithmus stärker berücksichtigt werden sollten, um eine zu hohe Anzahl von Empfehlungen zu vermeiden.

Verdienstchancen aus Anzeigentext ableiten

Aus Sicht der Stellensuchenden sind die Gehaltsaussichten im neuen Job ein wichtiges Entscheidungskriterium. Zwar sind die ungefähren Verdienstmöglichkeiten für bestimmte Berufe und Qualifikationen bekannt, allerdings spielen neben Betriebsgröße und Standort auch die genauen Tätigkeitsinhalte eine Rolle für das tatsächlich erzielbare Gehalt. Sarah H. Bana stellte mit ihrem Forschungspapier ein Modell vor, das Erkenntnisse aus der Computerlinguistik nutzt, um anhand der genauen Textinhalte von Stellenausschreibungen die Gehaltsaussichten vorherzusagen. Die Auswertung zeigt, dass das Modell rund drei Viertel der Gehaltsvariation bei gleichen Qualifikationsanforderungen erklären kann und somit deutlich präzisere Vorhersagen ermöglicht als herkömmliche Modelle.

Qualität von Universitäten besser messen

Die individuellen Gehaltsaussichten für Akademiker hängen auch davon ab, an welcher Universität der Abschluss erworben wurde. So gibt es beispielsweise Gehaltsrankings für bestimmte Abschlüsse an US-Eliteuniversitäten. Um die internationale Vergleichbarkeit zu verbessern, wertete Jason Sockin Gehaltsdaten der Online-Plattform Glassdoor aus. Die Ergebnisse decken sich zum Teil mit etablierten Rankings, allerdings stuft die Studie geisteswissenschaftlich orientierte Colleges sowie technische Hochschulen in Entwicklungsländern tendenziell höher ein. Insgesamt zeigt sich, dass der Abschluss von einer Spitzenuniversität Gehaltsvorteile von bis zu 50 Prozent gegenüber durchschnittlichen Hochschulen bringt.

Weitere Studien sind über die Workshop-Homepage abrufbar.

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Schlaf, Stress und Depressionen: Neue Erkenntnisse der Wirtschaftsforschung

October 28, 2021 by Mark Fallak

Depressionen und andere psychische Belastungen etwa durch Schlafmangel und Stress haben erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkterfolg. Daher beschäftigen sich auch zahlreiche Ökonominnen und Ökonomen aus dem IZA-Netzwerk mit diesem Themenkomplex. In einem von Michèle Belot, Joan Costa-Font, Osea Giuntella und Nico Pestel organisierten IZA-Workshop wurden nun einige der neuesten Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert.

In seiner Eröffnungsrede unterstrich IZA-Netzwerkdirektor Dan Hamermesh den wichtigen Beitrag der Wirtschaftswissenschaften zur Erforschung von individueller Zeitverwendung, Schlafverhalten und seelischer Gesundheit, insbesondere mit Blick auf den Einfluss von Einkommen und Bildung.

Freizeit, Schlaf und psychische Gesundheit

Ob Fernsehen dem persönlichen Wohlbefinden schadet oder eher förderlich ist, untersuchte Manuel Hoffmann in einer neuen Studie, die sich regionale Unterschiede in der Verbreitung des Privatfernsehens im Deutschland der 1980er Jahre zunutze macht. Zwar stieg der Fernsehkonsum in Gebieten mit mehr Sendern deutlich an, jedoch ließen sich keine negativen gesundheitlichen Folgen feststellen. Auf die Lebenszufriedenheit wirkte sich das größere Programmangebot im Schnitt positiv aus.

Negative Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit hat hingegen die Zeitumstellung von Winter- auf Sommerzeit. Ein von Sarah Fléche vorgestelltes Forschungspapier auf Basis von repräsentativen Befragungsdaten aus Deutschland stützt die These, dass geringere Schlafqualität und erhöhter Zeitstress dafür verantwortlich sind.

Einschneidende Lebensereignisse

Wie sich der Tod eines Elternteils auf die psychische Gesundheit des Kindes auswirkt, war Gegenstand des Beitrags von Petri Böckerman. Daten aus Finnland zeigen, dass Jungen besonders unter dem Verlust des Vaters leiden, während sich der Verlust der Mutter vor allem auf Mädchen auswirkt. Zu den unmittelbaren psychischen Folgen zählen vor allem Depressionen, während Angstzustände und Selbstverletzung noch nach einigen Jahren vermehrt auftreten.

Auch der Verlust des Arbeitsplatzes ist für viele Menschen ein einschneidendes Lebensereignis. Paneldaten aus den Niederlanden liefern laut einer Studie von Jim Been jedoch keine Hinweise auf körperliche oder seelische Leiden als direkte Folgen des Jobverlusts. Im Gegenteil lassen Kopfschmerzen und Müdigkeit sogar nach, was darauf hindeutet, dass der unmittelbare Rückgang an Arbeitsstress die finanzielle Belastung zunächst mehr als aufwiegt.

Medikamentöse Behandlung

Bei Jugendlichen, die unter Depressionen leiden, kann die Einnahme von Antidepressiva zu einer deutlichen Verbesserung der schulischen Leistungen beitragen, wie Meltem Daysal anhand von Mathematik-Testergebnissen nachweisen konnte. Dennoch bleibt die Vergabe von Antidepressiva ein zweischneidiges Schwert. In einer weiteren Studie mit Daten aus den Niederlanden belegen Janet Currie und Esmee Zwiers, dass die medikamentöse Behandlung von Wochenbettdepressionen zu einem Gewöhnungseffekt führen kann. Auch nach mehreren Jahren neigen die behandelten Frauen zur weiteren Einnahme von Antidepressiva, ohne dass sich dadurch ihre Arbeitsmarktsituation verbessert.

Um die Wirkung einer nicht-medikamentösen Intervention auf die psychische Gesundheit von Frauen ging es in dem von Abu Siddique präsentierten Forschungspapier. Die Studie zeigt, dass psychologische Beratungsgespräche per Telefon während der Corona-Pandemie in Bangladesh maßgeblich zum Abbau von Stress und Depressionen beitrugen. Die Effekte hielten auch zehn Monate später noch an und wirkten sich zudem positiv auf andere Lebensbereiche wie Ernährung, Homeschooling und Impfbereitschaft aus.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Armut und Depressionen bilden einen Teufelskreis, der sich gerade in Entwicklungsländern oft über Generationen verfestigt. Laut der von Daniel Bennett vorgestellten Auswertung eines Hilfsprogramms in Indien können psychiatrische Behandlungsangebote für die arme Bevölkerung einen Ausweg bieten. Zwar konnte kein direkter Effekt der Behandlung auf die Arbeitsproduktivität festgestellt werden, doch die Programmteilnehmer investierten deutlich mehr in die Bildung ihrer Kinder, was für eine erhöhte Handlungsbereitschaft und mehr Resilienz statt Resignation spricht.

Auch in den entwickelten Ländern sind die Arbeitsmarktnachteile für Menschen mit psychischen Erkrankungen gravierend. Auf Basis dänischer Daten schätzt Barbara Biasi die Einkommenseinbußen je nach Art der Erkrankung auf rund 35 bis über 70 Prozent. Dass es sich dabei um einen kausalen Effekt handelt, belegt die Studie anhand der Zulassung der Lithiumtherapie für die psychiatrische Behandlung in Dänemark, in deren Folge sich die Einkommenslücke um etwa ein Drittel verringerte.

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Wirtschaftsnobelpreis 2021 geht an drei IZA-Fellows

October 11, 2021 by Mark Fallak

Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnet die US-Ökonomen David Card (UC Berkeley), Joshua D. Angrist (MIT) und Guido W. Imbens (Stanford University) mit dem diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften aus.

Card erhält den Preis für „seine empirischen Beiträge zur Arbeitsökonomie“, Angrist und Imbens „für ihre methodischen Beiträge zur Analyse von Kausalzusammenhängen“.

Alle drei Preisträger gehören dem IZA-Forschungsnetzwerk seit vielen Jahren an. In den vergangenen zwei Jahrzehnten zählten Card und Angrist zu den aktivsten IZA-Fellows mit Dutzenden von veröffentlichten IZA-Forschungspapieren und zahlreichen Teilnahmen an IZA-Fachtagungen. Gemeinsam mit Alan Krueger erhielt David Card den IZA Prize in Labor Economics 2006.

Mehr Informationen in der Pressemitteilung auf nobelprize.org

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Wirtschaftliche Sorgen fördern körperliche Schmerzen

September 24, 2021 by Mark Fallak

Laut einer 2012 veröffentlichten Erhebung leidet rund ein Fünftel der Bevölkerung reicher Staaten unter chronischen Schmerzen. Obwohl die negativen gesundheitlichen Folgen mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden sind, ist der Zusammenhang zwischen der Wirtschaftslage und dem Ausmaß an körperlichen Schmerzen in der Gesellschaft bislang kaum untersucht. Diese Forschungslücke füllt nun ein IZA-Forschungspapier von Andrew Oswald und Lucía Macchiat auf Basis von Daten zu etwa 1,3 Millionen Erwachsenen aus 146 Ländern.

Ökonomischen Standardmodellen zufolge sollten physische Schmerzen eher zunehmen, wenn die Wirtschaft boomt und die Menschen länger arbeiten. Doch die Studie ermittelt das genaue Gegenteil: Chronische Schmerzen sind während Rezessionen und hoher Arbeitslosigkeit in der Bevölkerung stärker verbreitet. Nach den Berechnungen der Autoren bedeutet ein Anstieg der Arbeitslosenquote um drei Prozentpunkte, dass der Anteil der Menschen mit chronischen Schmerzen um knapp einen Prozentpunkt zunimmt.

Die Arbeitslosigkeit selbst kann den Anstieg jedoch nicht erklären, da primär die arbeitende Bevölkerung betroffen ist. Die Forscher vermuten, dass die schlechtere Wirtschaftslage zu mehr mentalem Stress führt, der sich gerade bei Menschen mit psychischen Leiden auch in körperlichen Schmerzen äußern kann. Laut Studie leiden vor allem Frauen darunter. Mögliche Erklärungen beinhalten neben einer Zunahme an häuslicher Gewalt auch die im Durchschnitt schwächere Position von Frauen am Arbeitsplatz.

Filed Under: Research Tagged With: boom, health, pain, recession, unemployment, well-being

Sind Wahlen Pandemie-Treiber?

September 17, 2021 by Mark Fallak

Die Corona-Pandemie zwingt Regierungen weltweit zu einer schwierigen Abwägung zwischen dem Schutz von Grundrechten und der öffentlichen Gesundheit. Dieser Zwiespalt zeigt sich auch bei der Durchführung demokratischer Wahlen. Denn einerseits zählt das Wahlrecht zu den wichtigsten politischen Grundrechten. Andererseits können die Menschenansammlungen beim Urnengang selbst, aber auch bei Wahlkampfveranstaltungen und Wahlparties, die Infektionen und damit verbundene Todesfälle weiter in die Höhe treiben.

Da reine Briefwahlen oder Online-Abstimmungen bislang an rechtlichen und praktischen Hürden scheitern, haben allein in den ersten 18 Monaten der Corona-Pandemie rund 80 Länder ihre nationalen oder regionalen Wahlen verschoben. Solche Maßnahmen sind oft umstritten, auch weil es an belastbaren Daten als plausible Entscheidungsgrundlage fehlt.

Volksabstimmung in Italien als Quasi-Experiment

Diese Lücke wollen Marco Mello und Giuseppe Moscelli mit einem aktuellen IZA-Forschungspapier füllen, in dem sie die Auswirkungen der Wahlbeteiligung auf die Ausbreitung des Coronavirus untersuchen. Die Studie nutzt eine Besonderheit der landesweiten Volksabstimmung in Italien im September 2020: Da die Abstimmung in Teilen des Landes mit Regionalwahlen kombiniert war, gab es ungewöhnlich große regionale Unterschiede bei der Wahlbeteiligung, anhand der die Forscher den Einfluss auf das Infektionsgeschehen berechnen konnten.

Der Analyse zufolge kam es für jeden zusätzlichen Prozentpunkt an Wahlbeteiligung zu einem Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 1,1 Prozent. Eine hohe Wahlbeteiligung kann das Infektionsgeschehen also stark befeuern, gerade wenn die Wahlen während einer Hochphase der Pandemie abgehalten werden.

Vermeidung von Neuwahlen rettete Menschenleben

Auf Basis dieses Befunds schätzen die Autoren außerdem die Gesundheitskosten, die angefallen wären, wenn es in Italien nach der Regierungskrise Anfang 2021 zu Neuwahlen inmitten der dritten Corona-Welle gekommen wäre. Demnach rettete die Einigung auf eine Regierung der nationalen Einheit etwa 23.000 Menschen das Leben und sparte Krankenhauskosten in Höhe von rund 362 Millionen Euro.

Natürlich lassen sich die Zahlen nicht unmittelbar auf andere Länder oder künftige Wahlen übertragen. Doch in weiten Teilen der Welt bleibt angesichts geringer Impfquoten die Frage nach einer möglichen Verschiebung von Wahlen auch mit Blick auf die nächste Pandemie-Welle akut. Die Studienautoren plädieren dafür, vor einer solchen Entscheidung eine fundierte Kosten-Nutzen-Analyse vorzulegen und dabei die zu erwartende Wahlbeteiligung einzubeziehen.

Filed Under: Research Tagged With: COVID-19, elections, mass gatherings, public health, voting

Schlechte Luft am Wahltag schadet den Regierungsparteien

September 13, 2021 by Mark Fallak

Lange Zeit wurden die negativen Folgen von Luftverschmutzung für die menschliche Gesundheit unterschätzt. Erst in den letzten Jahren sind sie verstärkt ins kollektive Bewusstsein gerückt, etwa durch die Einführung von Umweltzonen in deutschen Städten oder auch im Zusammenhang mit der Zahl der Todesfälle durch Covid-19. Verschmutzte Luft schadet jedoch nicht nur der Gesundheit, sondern hat auch erhebliche psychologische, wirtschaftliche und soziale Folgen, wie verschiedene IZA-Studien beispielsweise zu Bildungserfolg oder Kriminalitätsraten zeigen.

So kann ein hoher Grad an Luftverschmutzung die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigen und negative Emotionen wie Angst oder Wut hervorrufen. Neueste Erkenntnisse deuten außerdem darauf hin, dass diese psychologischen Auswirkungen wiederum die Entscheidungsfindung beeinflussen. Einer Untersuchung dieses Zusammenhangs widmen sich Luna Bellani, Stefano Ceolotto, Benjamin Elsner und Nico Pestel in einem aktuellen IZA-Forschungspapier.

Das Autorenteam analysiert die Auswirkungen der Luftverschmutzung am Wahltag auf die Stimmabgabe bei Parlamentswahlen. Da hier viele Menschen zeitgleich an verschiedenen Orten vor der gleichen Entscheidung stehen und dabei einem unterschiedlichen Grad an Luftverschmutzung ausgesetzt sind, eignet sich ein solches Szenario besonders gut für eine wissenschaftliche Analyse.

Opposition profitiert von schlechter Luft

Die Forscher verknüpfen Daten auf Landkreisebene von 64 Bundes- und Landtagswahlen im Zeitraum zwischen 2000 und 2018 mit tagesgenauen Messungen der lokalen Luftverschmutzung und Wetterverhältnisse. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Stimmenanteil der Parteien, die zum Zeitpunkt der jeweiligen Wahl die amtierende Regierungskoalition bilden. Die Stimmabgabe für die regierenden Parteien kann als Ausdruck der Unterstützung für den Status quo angesehen werden und stellt zudem gegenüber einem Votum für die Opposition die risikoärmere Wahloption dar.

Die Auswertung zeigt, dass hohe Luftverschmutzung die Chancen für einen Regierungswechsel erhöht: Bereits ein Anstieg der Feinstaubkonzentration (PM10) um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, wie er in deutschen Städten nicht unüblich ist, reduziert den Stimmenanteil der Regierungsparteien um zwei Prozentpunkte, während die Opposition um 2,8 Prozentpunkte zulegt. Die Größenordnung dieses Effekts ist durchaus beachtlich, wenn man bedenkt, dass eine amtierende Regierung typischerweise um die fünf Prozentpunkte verliert.

Zwei repräsentative, deutschlandweite Umfragen zeigen einen ähnlichen Effekt. Das Politbarometer registriert bei der „Sonntagsfrage“ an Tagen mit hoher Luftverschmutzung weniger potenzielle Stimmen für die Bundesregierung und eine höhere Bereitschaft, die Opposition zu wählen. Auch die Zustimmungswerte für die Regierungspolitik sinken, wobei die Zustimmung für die Opposition unverändert bleibt. Die gleiche Tendenz lässt sich in Befragungsdaten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) beobachten.

Einfluss auf die Emotionen als plausible Erklärung

Die SOEP-Daten deuten außerdem darauf hin, dass eine plausible Erklärung für das veränderte Wahlverhalten in der Beeinflussung menschlicher Emotionen durch schlechte Luftqualität zu suchen ist. An Tagen mit erhöhter Luftverschmutzung geben die Befragten eher an, sich besorgt, wütend, traurig oder unglücklich zu fühlen. Allerdings gibt es keine Hinweise darauf, dass die Luftverschmutzung die Wahrnehmung der aktuellen Wirtschaftslage oder der eigenen wirtschaftlichen Situation beeinflusst.

Die Forscher schließen daraus, dass es sich beim veränderten Wahlverhalten nicht etwa um eine bewusste Abstrafung der Regierungsparteien für zu wenig Umweltschutz handelt. Ohnehin ist bei den in Deutschland gemessenen Feinstaubwerten eine erhöhte Konzentration kaum wahrnehmbar, denn mögliche Symptome wie Husten oder Atemwegsreizungen könnten auch andere Ursachen haben. Ausschlaggebend dürfte daher vielmehr der unbewusste Effekt der Luftqualität auf den allgemeinen Gemütszustand sein, der sich wiederum auf die Fähigkeit zur Informationsverarbeitung und Entscheidungsfindung auswirkt.

Filed Under: Research Tagged With: air pollution, behavior, elections, emotions, environment, voting

Beschäftigte profitieren von Digitalisierung

September 7, 2021 by Mark Fallak

Künstliche Intelligenz, 3D-Druck, Augmented Reality – diese Schlagworte schüren in der Arbeitswelt häufig Ängste vor massiven Beschäftigungsverlusten. Anders als bei Robotern, die primär schwere körperliche Arbeit verdrängen, könnte die neueste Generation der digitalen Technologien zunehmend auch hochqualifzierte Jobs gefährden, so die Befürchtung. Allerdings gibt es dafür bislang kaum empirische Belege, auch weil es an aussagekräftigen Daten auf Betriebsebene mangelt.

Diese Lücke füllt nun eine aktuelle Studie, die IZA-Forscher Terry Gregory gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von der Universität Utrecht und dem IAB erstellt hat. Die Autoren verknüpfen erstmals repräsentative Erhebungen zu betrieblichen Investitionen in neue Technologien mit Sozialversicherungsdaten der Beschäftigten.

Die detaillierten Daten für die Jahre 2011 bis 2016 erlauben eine Unterscheidung zwischen digitalen Technologien der sogenannten dritten industriellen Revolution, etwa computergestützte Assistenzsysteme, und den noch stärker vernetzten, zunehmend autonomen Technologien der Industrie 4.0, darunter die oben genannten Beispiele.

Zwar investierte im Untersuchungszeitraum erst etwa jeder fünfte Betrieb in Deutschland in die neueste Generation digitaler Technologien, doch die rasante Zunahme dieser Investitonen lässt darauf schließen, dass weitere Unternehmen und Branchen in naher Zukunft folgen werden.

Stabilere Beschäftigung, höhere Löhne

Was bedeutet dieser Trend für die Beschäftigten? Die Analyse der individuellen Erwerbsbiografien zeigt, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der Einführung digitaler Technologien in ihrem Betrieb unterm Strich profitieren: Im Vergleich zu Beschäftigten in Unternehmen ohne entsprechende Investitionen weisen sie nicht nur eine höhere Beschäftigungsstabilität auf, sondern kommen auch in den Genuss höherer Löhne und somit insgesamt gestiegener Arbeitseinkommen.

Allerdings unterscheiden sich diese positiven Effekte je nach Art der eingeführten Technologien. Während sich im Bereich der Industrie 3.0 besonders stabile Jobaussichten zeigen, ist die Einführung die 4.0-Technologien mit deutlich höherem Lohnzuwachs verbunden, ohne dass es hier zu einem nennenswerten Plus bei der individuellen Beschäftigungsstabilität kommt.

Nach Einschätzung der Autoren könnte dies einerseits auf einen ausgeprägten Fachkräftemangel im Bereich der modernsten Technologien hindeuten. Andererseits sei denkbar, dass sich die Technologien der Industrie 4.0 noch in einem frühen Stadium befinden, in dem sie keinen deutlichen Produktivitäts- und Wachstumsschub auslösen.

Bessere digitale Jobs im Dienstleistungsbereich?

Am deutlichsten profitieren Beschäftigte in Betrieben, die in erster Linie Dienstleistungen erbringen. Dieser Befund deckt sich mit früheren Erkenntnissen zu den Arbeitsmarkteffekten von Industrierobotern, die menschliche Arbeitskraft eher ersetzen können, während digitale Technik bei Dienstleistungen eher unterstützend eingesetzt wird.

Den Autoren zufolge dürfte das beschäftigungsfördernde Potenzial neuer Technologien nicht zuletzt deshalb oft unterschätzt werden, weil sich viele der bisherigen Untersuchungen auf das produzierende Gewerbe konzentrieren.

IT-Fähigkeiten sind gefragt, Uni-Abschluss nicht unbedingt

Natürlich profitieren auch innerhalb der Betriebe nicht alle Beschäftigtengruppen gleichermaßen von der Digitalisierung. Zu den größten Gewinnern zählen – wenig überraschend – IT-Fachleute mit nicht-routinemäßigen, analytischen Aufgaben. Bemerkenswert allerdings: Trotz komplexerer Qualifikationsanforderungen ist keine erhöhte Nachfrage nach Akademikern zu beobachten.

Vielmehr werden die von der Digitalisierung besonders begünstigten Berufe, etwa in der Unternehmensorganisation oder der Produktionssteuerung, zum Großteil von Fachkräften mit Berufsausbildung ausgeübt. Die Forscher sehen darin ein Indiz für die hohe Qualität der dualen Ausbildung in Deutschland. Denkbar sei aber auch, dass es schlicht an Hochschulabsolventen mit relevanten Abschlüssen mangele.

Filed Under: Research Tagged With: artificial intelligence, employment stability, Industry 4.0, technological change, wages

20 Jahre IZA/SOLE Transatlantic Meeting

September 6, 2021 by Mark Fallak

Seit zwei Jahrzehnten richtet das IZA als weltgrößtes Netzwerk der Arbeitsmarktforschung gemeinsam mit der in den USA beheimateten Society of Labor Economists (SOLE) eine jährliche Fachtagung aus. Die in diesem Jahr von Gerard A. Pfann und Terry Gregory organisierte Konferenz fand pandemiebedingt online statt.

Mit dabei waren IZA-Netzwerkdirektor Daniel Hamermesh, gemeinsam mit Pfann einer der Gründungsväter der Veranstaltungsreihe, sowie der amtierende SOLE-Präsident Kevin Lang. Unter den Hauptrednern waren mit Petra E. Todd und Coen Teulings auch zwei Vortragende des ersten Treffens vor 20 Jahren.

Zum Themenspektrum zählte neben Mindestlohnpolitik und Gender Pay Gap – zwei Dauerbrennern der Arbeitsmarktökonomik – die hochaktuelle Frage nach den Lohn- und Beschäftigungswirkungen des technologischen Fortschritts.

Wachsende Lohnungleichheit durch Digitalisierung

Den Auftakt bildete eine Präsentation von Jeanne Tschopp zur wachsenden Lohnungleichheit zwischen Unternehmen in Deutschland. Laut Tschopp hat die fortschreitende Digitalisierung nicht nur zu Lohnnachteilen von Routine-Tätigkeiten gegenüber den immer stärker nachgefragten analytischen, kreativen Tätigkeiten geführt.

Zugleich nahmen auch die Produktivitätsunterschiede zwischen Unternehmen deutlich zu, was sich auf die in den jeweiligen Unternehmen gezahlten Löhne für vergleichbare Tätigkeiten auswirkt. Mit anderen Worten: Ein Routine-Job in einem hoch produktiven, wachsenden Unternehmen kann nach wie vor besser bezahlt sein als ein kreativer Job in einem weniger produktiven Unternehmen.

Bildungsanforderungen steigen bei höherem Mindestlohn

Gesetzliche Mindestlöhne zählen zu den populärsten Politikmaßnahmen gegen Lohnungleichheit. Doch die Frage nach dem optimalen Mindestlohn, mit dem sich Ungleichheit effektiv abbauen lässt, ohne massive Jobverluste gerade bei den Geringverdienenden zu riskieren, ist in der ökonomischen Forschung seit jeher umstritten. In seinem Vortrag skizzierte Coen Teulings einige der größten Herausforderungen aus vier Jahrzehnten globaler Mindestlohnforschung.

Anhand von US-Daten seit 1979 zeigte er, dass die Lohnungleichheit durch Mindestlöhne insgesamt zurückgeht, zugleich aber die Bedeutung von Bildung und Ausbildung für den Arbeitsmarkterfolg zunimmt. So sei inzwischen gut belegt, dass die meisten Beschäftigtengruppen von einem moderaten Mindestlohn eher profitieren. Wer jedoch eine massive Anhebung der Mindestlöhne fordere, nehme damit schwindende Jobaussichten für die Geringstqualifizierten in Kauf.

Persönlichkeitsmerkmale beeinflussen Gender Pay Gap

Neben den formellen Bildungsqualifikationen spielen auch die sogenannten „Big Five“-Persönlichkeitsmerkmale eine nicht zu unterschätzende Rolle für den Arbeitsmarkterfolg. Denn bestimmte Eigenschaften werden von Arbeitgebern mehr honoriert oder helfen in Gehaltsverhandlungen. Beispielsweise verdienen emotional stabile Menschen im Schnitt besser und bleiben länger beschäftigt, während besonders extrovertierte Menschen Nachteile bei Gehalt und Kündigungsrisiko haben.

Bei anderen Merkmalen hängt jedoch nach den Erkenntnissen von Petra Todd stark vom Geschlecht ab, ob sie der Karriere eher förderlich oder abträglich sind. Besonders auffällig ist die gegensätzliche Bewertung von „Gewissenhaftigkeit“: Während gewissenhafte Männer von höheren, schneller steigenden Gehältern und geringerem Entlassungsrisiko profitieren, wirkt sich diese Eigenschaft bei Frauen überraschenderweise genau umgekehrt aus. Zudem ist die bei Frauen verhältnismäßig stärker ausgeprägte „Verträglichkeit“ bei Gehaltsverhandlungen eher hinderlich.

Todds Fazit: Würden die Persönlichkeitsmerkmale von Männern und Frauen auf dem Arbeitsmarkt nach dem gleichen Maßstab bewertet, gäbe es in Deutschland keinen Gender Pay Gap.

Weitere Vorträge sind dem Konferenzprogramm zu entnehmen.

Filed Under: IZA News Tagged With: gender pay gap, inequality, labor economics, minimum wage, SOLE, Transatlatic Meeting

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