• Skip to primary navigation
  • Skip to content
  • Skip to primary sidebar

IZA Newsroom

IZA – Institute of Labor Economics

  • Home
  • Archiv
  • Presselounge
  • DE
  • EN

Mehr Homeoffice würde Infektionszahlen deutlich bremsen

January 26, 2021 by Mark Fallak

Laut aktuellen Berechnungen eines Bonner Ökonomenteams könnte eine stärkere Ausschöpfung des bislang von vielen Unternehmen, Behörden und Beschäftigten noch ungenutzten Homeoffice-Potenzials die Zahl der Corona-Neuinfektionen deutlich reduzieren. Die Forscher simulieren die Entwicklung der Pandemie im Februar mit unterschiedlichen Homeoffice-Quoten sowie mit offenen bzw. geschlossenen Schulen und Kitas.

Dazu nutzen sie ein neu entwickeltes Simulationsmodell, das Kontakte zwischen Menschen in unterschiedlichen Bereichen des Lebens und deren jeweilige Infektiosität in den Mittelpunkt stellt. Den Ergebnissen zufolge würde die Erhöhung der Homeoffice-Quote von derzeit etwa 25 Prozent auf 35 Prozent dazu führen, dass die Neuinfektionen Ende Februar um rund 27 Prozent niedriger lägen.

Schul- und Kitaschließungen bewirken eine weitere Verringerung der Infektionszahlen um etwa 10 Prozent. Dieser Effekt rührt zu großen Teilen daher, dass mindestens ein Elternteil zu Hause bleiben muss. Für eine möglichst schnelle Reduktion der Fallzahlen sei daher eine Kombination ratsam, für eine gegebene Zielgröße könne eine strengere Homeoffice-Regelung aber auch Schulschließungen ersetzen, heißt es in der Studie.

„Angesichts der Effektivität von mehr Heimarbeit für die Reduktion der Neuinfektionen scheint es aus unserer Sicht dringend geboten, dass die dadurch resultierenden Effizienzverluste in Kauf genommen werden“, so das Fazit der Forscher.

Siehe dazu auch den Bericht in der ARD tagesschau vom 22.02.2021.

Filed Under: Research

Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf den Gender Care Gap

December 23, 2020 by Mark Fallak

In der Pandemie scheint einzutreten, was die Familienpolitik seit vielen Jahren zu erreichen versucht: Väter verbringen mehr Zeit mit Kinderbetreuung und Hausarbeit. Allerdings oft nicht aus freien Stücken, sondern weil sie auf Kurzarbeit oder im Homeoffice sind, während die Mütter systemrelevanten Tätigkeiten nachgehen. Ob die Erfahrungen in der Corona-Krise dazu beitagen, den „Gender Care Gap“ dauerhaft zu verringern, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Bisherige Erkenntnisse sprechen jedoch eher dagegen.

So haben Juliane Hennecke und Astrid Pape in einem kürzlich erschienenen IZA-Forschungspapier untersucht, wie sich eine durch unfreiwilligen Jobverlust bedingte Veränderung der „väterlichen Verfügbarkeit im Haushalt“ auf die Arbeitsverteilung zwischen Paaren auswirkt. Auf Basis von SOEP-Daten zeigen die Ökonominnen, dass arbeitslos gewordene Väter ihren werktäglichen Zeitaufwand für Kinderbetreuung um 1,2 Stunden (58% mehr als vorher) und für Hausarbeit um 1,7 Stunden (plus 79%) erhöhen. An Wochenenden ist kein nennenswerter Unterschied zu beobachten.

Vor allem bei längerer Arbeitslosigkeitsdauer und berufstätiger Partnerin werden Väter verstärkt im Haushalt aktiv. Sobald jedoch die Arbeitslosigkeit des Vaters endet, verschwindet der positive Effekt nicht nur, sondern verkehrt sich sogar ins Gegenteil: Wohl aufgrund der beruflichen Herausforderungen im neuen Job verbringen Väter ab dem Zeitpunkt der Wiederbeschäftigung signifikant weniger Zeit mit Kindererziehung und Hausarbeit als vor dem Jobverlust.

Die Forscherinnen finden außerdem keine Hinweise darauf, dass sich die innerfamiliäre Verhandlungsposition der Mütter oder die emotionale Bindung zwischen Vätern und Kindern in den betroffenen Familien spürbar verbessert hätte. Daher halten sie kurzfristige Impulse – wie beispielsweise die Partnermonate beim Elterngeld – für wenig effektiv, selbst wenn mehr Väter davon Gebrauch machen würden. Um den Gender Care Gap nachhaltig zu verringern, müssten sich nicht nur die gesellschaftlichen Rollenbilder, sondern auch die Arbeitswelt dahingehend wandeln, dass eine gleichberechtigtere Aufteilung der Sorgearbeit auch für breitere Bevölkerungsgruppen möglich werde.

Filed Under: Research Tagged With: childcare, fathers, gender care gap, household, mothers, parents, unemployment

Individuelles Verhalten entscheidend für das weitere Infektionsgeschehen

December 21, 2020 by Mark Fallak

Für die Wirksamkeit des harten Lockdowns ist die Zeit um Weihnachten Chance und Risiko zugleich. Einerseits sind viele Betriebe, Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Dadurch entfällt eine Vielzahl von Alltagskontakten, die teils sogar während des Lockdowns im Frühjahr weiterhin stattfinden konnten. Andererseits dürfte eine Reihe privater Kontakte hinzukommen: Die Menschen reisen durch die Republik, tätigen Einkäufe für die Festtage, feiern Weihnachten mit der Familie und treffen sich danach mit Freunden.

Allen Appellen zum Trotz sind mehr Kontakte als während des Frühjahrslockdowns zu erwarten, welche zudem meist über viele Stunden in Innenräumen stattfinden dürften und somit ein hohes Infektionspotenzial aufweisen.

Um die Effekte verschiedener Szenarien vorhersagen zu können, nutzt ein Bonner Ökonomenteam ein neu entwickeltes Simulationsmodell. Es unterscheidet sich von anderen Modellen dadurch, dass es Kontakte zwischen Menschen in unterschiedlichen Bereichen des Lebens und deren jeweilige Infektiosität in den Mittelpunkt stellt. Dadurch lassen sich auch starke Veränderungen im Verhalten gut abbilden, wie sie rund um Weihnachten zu erwarten sind, wenn es zu wesentlich weniger Begegnungen im Arbeitsumfeld kommt und mehr Familienfeiern stattfinden.

Das Modell unterscheidet zwischen entdeckten und unentdeckten Infektionen auf Basis von Schätzungen zur Dunkelziffer und wurde anhand medizinischer Erkenntnisse und Kontaktzahlen aus früheren Erhebungen so kalibriert, dass eine gute Übereinstimmung mit den deutschen Infektions- und Sterberaten erzielt wird.

Entwicklung des Infektionsgeschehens über den Jahreswechsel

Für die Vorhersage der Pandemie-Entwicklung über Weihnachten und den Jahreswechsel haben die Forscher verschiedene Szenarien mit unterschiedlich starken Kontaktreduktionen simuliert. Im optimistischen Szenario mit wenigen privaten Kontakten im Anschluss an die Feiertage (dargestellt durch durchgezogene Linien) führt der harte Lockdown zunächst zu einem leichten Rückgang der Neuinfektionen bevor die Weihnachtsvorbereitungen und -zusammenkünfte dazu führen, dass die Neuinfektionen in die Höhe schnellen. Im pessimistischen Szenario ist der Rückgang deutlich geringer und die Steigerung über Weihnachten und danach deutlich ausgeprägter.

Abb. 1: Bedeutung von Weihnachtsfeiern und Grad der Kontaktreduktion

Bei den gemeldeten Fallzahlen treten die Unterschiede aufgrund der Verzögerung bis zum Auftreten von Symptomen sowie mutmaßlich geringerer Testkapazitäten erst weit nach Weihnachten zutage. Der bereits von den Wochenenden bekannte Effekt dürfte sich an Weihnachten noch verstärken. Wie trügerisch die gemeldeten Zahlen sein können, zeigt sich beim pessimistischen Szenario. Auch hier sinken die offiziellen Werte zunächst und schießen erst nach dem Jahreswechsel steil nach oben. Die tatsächliche Inzidenz pendelt sich jedoch schon Ende Dezember bei dem rund doppelten Wert der Vorweihnachtszeit ein.

Nach Einschätzung der Forscher lassen diese Zahlen wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende des Lockdowns. Entscheidend sei jedoch, inwieweit die Menschen – auch angesichts begrenzter Möglichkeiten von Arztpraxen, Testzentren und Gesundheitsämtern – das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen, wenn eine Infektion möglich scheint, und andere über den eigenen Infektionsverdacht informieren.

Private Kontaktnachverfolgung ist entscheidend

Die Kontakte mit Familie und Freunden sind zwar intensiver als andere und dadurch mit einer höheren Infektionswahrscheinlichkeit behaftet. Andererseits lassen sich die Kontakte leichter nachverfolgen und schnell benachrichtigen. Die Forscher simulieren hier wiederum verschiedene Szenarien.

Im Vergleich zum Ausgangsszenario (gelb gestrichelte Linie in Abb. 1) tritt im Szenario mit 90% Kontaktreduktion in der ersten Januarwoche eine um 25% geringere Inzidenz auf. Dies sind fast 230.000 Neuinfektionen weniger in der ersten Januarwoche. Selbst bei 50% Kontaktreduktion ist die Inzidenz in der ersten Januarwoche bereits um 16% oder 140.000 Fälle geringer.

Abb. 2: Effekte privater Kontaktnachverfolgung


Zur frühzeitigen Unterbrechung von Infektionsketten müssen Kontakte umgehend benachrichtigt werden, da Infektiosität schon gegeben ist, bevor Symptome auftreten. Schon bei Inzidenzen im zweistelligen Bereich wird dies auf offiziellen Wegen schwierig, bei den derzeitigen Infektionsraten praktisch unmöglich. Den Forschern zufolge werde der weitere Verlauf der Pandemie daher entscheidend davon abhängen, ob die privaten Netzwerke funktionieren, alle Kontakte im Familien- und Freundeskreis direkt über Symptome oder positive Tests in Kenntnis gesetzt werden und die Betroffenen ihre Kontakte reduzieren.

Filed Under: Research

Neue Methode zur genaueren Schätzung von Armut in Entwicklungsländern

December 18, 2020 by Mark Fallak

In Entwicklungsländern bestehen die privaten Haushalte oft aus vielen Personen. Je mehr Kinder die Familie hat, desto geringer fällt der Anteil des Haushaltsbudgets pro Person aus. Großfamilien profitieren jedoch beim gemeinsamen Konsum auch von sogenannten „Skaleneffekten“, etwa durch die gemeinschaftliche Nutzung von Wohnraum, Haushaltsgeräten und Verbrauchsgütern. Für die Messung von Armut und Ungleichheit ist daher entscheidend, was sich daraus unterm Strich für die Einzelperson an Konsummöglichkeiten ergibt.

In einem aktuellen IZA-Forschungspapier entwickeln Rossella Calvi, Jacob Penglase, Denni Tommasi und Alexander Wolf eine neue Berechnungsmethode, die diese gegenläufigen Wirkungen der haushaltsinternen Ressourcenallokation und der Skaleneffekte berücksichtigt. Anhand dieses Haushaltsmodells schätzen sie das individuelle Konsumpotenzial der Menschen in Bangladesch und Mexiko.

Länderunterschiede

Die beiden Entwicklungsländer unterscheiden sich deutlich bei der haushaltsinternen Ressourcenverteilung. So spielen in Bangladesh Skaleneffekte durch den gemeinschaftlichen Konsum in Haushalten eine geringere Rolle als in Mexiko, wo wiederum ein höherer Anteil des Haushaltsbudgets auf Frauen entfällt. Während Kinder in beiden Ländern über die geringsten Anteile der Haushaltsressourcen verfügen, ist ihr Nachteil gegenüber Erwachsenen in Bangladesh ausgeprägter.

Auf der Grundlage ihres neuen Modells berechnen die Forscher länderspezifische Armutsquoten, die um Skaleneffekte und haushaltsinterne Ungleichheit bereinigt sind. Dabei zeigt sich, dass die üblicherweise genutzten Äquivalenzskalen zur Berücksichtigung der Haushaltsgröße die individuelle Armut tendenziell unterschätzen, weil sie zu große Skaleneffekte annehmen. Umgekehrt führt das Vernachlässigen von Skaleneffekten dazu, dass die Armutsquote überschätzt wird.

Filed Under: Research Tagged With: Bangladesh, consumption, Development, economies of scale, households, Mexico, poverty

Höhere Produktivität durch flexible Arbeitszeiten

December 4, 2020 by Mark Fallak

Die Corona-Pandemie hat die Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit weiter vorangetrieben. Aus bisherigen Studien ist bekannt, dass sich mehr Autonomie am Arbeitsplatz vor allem in kreativen Berufen förderlich auf die Produktivität auswirkt. Dass flexible Arbeitszeiten aber auch bei einfachen Routinetätigkeiten positive Effekte entfalten können, zeigt jetzt erstmals ein IZA-Forschungspapier von Marie Boltz, Bart Cockx, Ana Maria Diaz und Luz Magdalena Salas.

Für die Feldstudie schrieb das Forscherteam in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine auf drei Wochen befristete Stelle im Bereich der Datendigitalisierung aus. Die Bewerberinnen und Bewerber mussten unter anderem einen Online-Test absolvieren, der Aufschluss über ihre grundsätzliche Eignung und ihr ungefähres Leistungsniveau gab.

Erfolgreichen Bewerbern wurde eines von vier Arbeitszeitmodellen zugelost: entweder 40 oder 20 Wochenstunden, jeweils mit festen oder flexiblen Arbeitszeiten. Der Stundenlohn war für alle gleich. Nahmen die Stellenbewerber das Angebot an, mussten sie zunächst noch einen Fragebogen ausfüllen, der Rückschlüsse auf ihre Motivation zuließ.

Vollzeitbeschäftigte bei flexiblen Arbeitszeiten motivierter

Während der bezahlten Tätigkeit, die aus dem Abtippen von Dokumenten bestand, wurden die Arbeitszeiten einschließlich Pausen vom Computer genauestens erfasst. Dabei zeigte sich: Bei Vollzeitbeschäftigten lag die Produktivität – gemessen an der Anzahl korrekter Eingaben pro Zeiteinheit – um bis zu 50 Prozent höher, wenn sie Beginn und Ende ihrer täglichen Arbeitszeit selber wählen konnten.

Rund 40 Prozent dieses Produktivitätseffekts lassen sich auf „Selbstselektion“ zurückführen: Produktivere Arbeitskräfte waren für dieses Arbeitszeitmodell eher zu gewinnen. Die restlichen 60 Prozent schreiben die Forscher einem „Motivationseffekt“ zu, der vor allem darin bestand, dass die flexibel Beschäftigten weniger Pausen während der eigentlichen Arbeitszeit machten. Dadurch arbeiteten sie um zehn Prozentpunkte effektiver als mit festen Arbeitszeiten.

Bei Teilzeitkräften waren die Effekte weniger deutlich. Im Vergleich zu den Vollzeitkräften machten sie weniger Pausen im Verhältnis zur vertraglichen Arbeitszeit, und zwar unabhängig vom Zeitmodell. Auf die Produktivität hatte dies jedoch unterm Strich keine Auswirkung, da die Teilzeitbeschäftigten im Schnitt mehr Fehler machten und häufiger fehlten.

Die Forscher geben zu bedenken, dass sich die Ergebnisse aus ihrem Feldversuch nicht notwendigerweise auf jede Art von Tätigkeit übertragen lassen. Die Erkenntnisse sprächen jedoch dafür, flexiblere Arbeitszeitmodelle auch in stärker von Routinetätigkeiten geprägten Berufen einführen zu können, ohne Produktivitätsverluste zu riskieren. Davon würden vor allem Frauen profitieren, für die viele Jobs mit festen Arbeitszeiten aufgrund familiärer Verpflichtungen nicht in Frage kämen. Zudem könnten Arbeitskräfte aus dem informellen Sektor auf diese Weise eher in reguläre Beschäftigung gebracht werden.

Lesen Sie hier eine ausführlichere Zusammenfassung in englischer Sprache.

Filed Under: Research Tagged With: autonomy, Colombia, field experiment, flexibility, part-time, productivity, routine, working time

Bewerbungen mit Video-Lebenslauf haben höhere Erfolgschancen

November 24, 2020 by Mark Fallak

Stellenbewerbungen im Videoformat erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bewerbende können sich und ihre Qualifikationen auf diese Weise besser „in Szene setzen“, und Personalverantwortliche erhalten schon vor dem Vorstellungsgespräch einen Eindruck vom Auftreten der Kandidaten. Ein möglicher Nachteil besteht jedoch darin, dass Merkmale wie Hautfarbe, Geschlecht, Übergewicht oder Behinderung offengelegt werden, wodurch sich das Risiko von Diskriminierung bei der Vorauswahl von Bewerbungen erhöht.

Ein kanadisches Forscherteam hat nun anhand eines groß angelegten Feldexperiments mit über 2.000 Bewerbungen für Sekretariatsjobs untersucht, inwieweit sich die Quote der positiven Rückmeldungen verändert, wenn ein Link zu einem Video-Lebenslauf beigefügt wird. Bei einem Teil der Videos war erkennbar, dass die Bewerberin im Rollstuhl sitzt (siehe Screenshots).

Die Auswertung der Rückmeldungen zeigt: Der Video-Lebenslauf erhöht die Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch für Bewerberinnen ohne Behinderung von 45 auf 55,3 Prozent und für Bewerberinnen im Rollstuhl von 19,9 auf 27,4 Prozent. Beide Gruppen profitieren also etwa in gleichem Maße vom Video-Lebenslauf.

Der Vergleich offenbart allerdings auch eine deutliche Benachteiligung von Bewerberinnen mit Behinderung: Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rückmeldung lag für sie nur halb so hoch. Die Forscher sehen darin einen Beleg für ein hohes Maß an Diskriminierung bei der Personalauswahl. Um mangelnde Barrierefreiheit des Unternehmens als möglichen Einflussfaktor auszuschließen, hatten sie (in Erweiterung früherer Studien mit ähnlichem Ergebnis) sichergestellt, dass die ausgeschriebenen Stellen rollstuhlgeeignet waren.

Auf den ersten Blick spricht der Befund also dafür, etwaige körperliche Einschränkungen im Video-Lebenslauf zu verbergen, um die Einstellungschancen zu erhöhen. Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass sich die Ergebnisse der Studie nur auf den ersten Schritt des Bewerbungsverfahrens beziehen. Gerade für Menschen mit eingeschränker Mobilität sei die Anreise zum Vorstellungsgespräch oft beschwerlich. Wenn sie trotz sichtbarer Behinderung eine Einladung erhielten, sei davon auszugehen, dass das Unternehmen nicht diskriminiere. Es könne sich daher lohnen, geringere Chancen im ersten Bewerbungsschritt in Kauf zu nehmen, um dafür mit höherer Wahrscheinlichkeit an den „passenden“ Arbeitgeber zu geraten.

Lesen Sie hier eine ausführlichere Zusammenfassung in englischer Sprache.

Filed Under: Research Tagged With: correspondence study, disability, discrimination, hiring, job application, video resume

Stellenausschreibungen spiegeln Trend zum Homeoffice wider

November 20, 2020 by Mark Fallak

Die Corona-Krise hat dem Homeoffice einen unerwarteten Boom beschert. Laut einer Eurofound-Erhebung vom April 2020 verlegten EU-weit 37 Prozent der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz während der Krise zumindest teilweise nach Hause. Am Beispiel Österreichs, wo der Wert mit 41 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegt, untersuchen Omar Bamieh und Lennart Ziegler in einem aktuellen IZA-Forschungspapier, inwieweit sich diese Entwicklung in neuen Stellenausschreibungen niederschlägt. Das Projekt wurde vom IZA im Rahmen des Coronavirus Emergency Research Thrust gefördert.

Für ihre Analyse nutzten die Autoren umfangreiche Daten des größten österreichischen Online-Stellenportals. Dieser Forschungsansatz hat gegenüber amtlichen Statistiken den Vorteil, dass sich Veränderungen des Arbeitsangebots nahezu in Echtzeit ablesen lassen und detaillierte Informationen zu Jobmerkmalen und Einstellungsvoraussetzungen abrufbar sind.

Rückgang der Stellenangebote um ein Drittel

Die Auswertung zeigt zunächst, dass es nach den Corona-Beschränkungen im März 2020 zu einem deutlichen Rückgang der Stellenausschreibungen kam, der auch nach den ersten Lockerungen anhielt: Im zweiten Quartal verringerte sich die Zahl der Jobangebote auf dem Online-Portal gegenüber dem Vorjahr von rund 75.000 auf 50.000.

Gemessen am verlangten Bildungsabschluss betraf der Rückgang an neuen Stellen alle Qualifikationsniveaus gleichermaßen, obwohl von den pandemiebedingen Jobverlusten vorrangig Beschäftigte mit geringer bis mittlerer Qualifikation betroffen waren. Die Verdienstaussichten veränderten sich hingegen kaum – das durchschnittliche Lohnangebot ging gegenüber dem Vorkrisenniveau nur um 0,2 Prozentpunkte zurück.

Homeoffice-Angebote vor allem für höher Qualifizierte

Ein expliziter Hinweis auf Möglichkeiten für Telearbeit, Homeoffice oder andere Formen des mobilen Arbeitens blieb in den neuen Stellenauschreibungen insgesamt zwar weiterhin die Ausnahme. Doch bei den Jobangeboten für höher qualifizierte Bewerbende mit mindestens allgemeiner Hochschulreife zeigte sich eine Zunahme der Homeoffice-Angebote um bis zu ein Viertel. Dieser Trend hielt auch mehrere Monate nach Ende des ersten Lockdowns an und beschränkte sich nicht allein auf berufliche Tätigkeiten, die typischerweise mit Telearbeit assoziiert werden.

Die Autoren schließen daraus auf einen grundlegenderen organisatorischen Wandel, da offenbar viele Unternehmen in der Krise festgestellt hätten, dass sich mehr Tätigkeiten als bislang gedacht ins Homeoffice verlagern lassen.

Filed Under: Research Tagged With: Austria, COVID-19, hiring, job ads, labor demand, remote work, telework, vacancy

Auswirkungen der Corona-Krise auf die Präsidentschaftswahl in den USA

November 16, 2020 by Lars Meierwisch

Die bestätigten Corona-Neuinfektionen in den USA erreichen täglich neue Höchstwerte. Auch im US-Wahlkampf war der politische Umgang mit der Pandemie ein zentrales Thema. Ob die Corona-Krise Trump letztlich die Wahl gekostet hat, ist jedoch nicht leicht zu beantworten. Auf den ersten Blick sprechen die Zahlen dagegen: Laut einem AP-Bericht wählten 93% der 393 Wahlkreise mit der höchsten COVID-19-Infektionsrate mehrheitlich pro Trump.

Eine aktuelles IZA-Forschungspapier von Leonardo Baccini, Abel Brodeur und Stephen Weymouth liefert nun eine vertiefende Analyse. Die Forscher berücksichtigen mittels verschiedener statistischer Methoden den Umstand, dass sich die politische Einstellung sowohl auf die Wahlentscheidung als auch auf Verhaltensweisen auswirkt, die das Infektionsgeschehen beeinflussen.

Verluste gegenüber 2016

Insgesamt lässt sich auf diese Weise ein negativer Effekt der COVID-19-Fälle auf Trumps Abschneiden im Vergleich zur Präsidentschaftswahl 2016 nachweisen. Konservativen Schätzungen der Autoren zufolge verringerte sich Trumps Stimmenanteil durch zusätzliche 100 Corona-Fälle pro 10.000 Einwohner um 0,13 Prozentpunkte im Vergleich zu anderen Wahlkreisen im gleichen Bundesstaat. Hochgerechnet bedeutet das: Bei fünf Prozent weniger COVID-19-Fällen hätte Trump die Wahl wahrscheinlich gewonnen.

Die detaillierte Auswertung zeigt besonders starke Effekte von COVID-19 in Ballungsräumen, entscheidenden Swing States und Bundesstaaten, die Trump 2016 gewinnen konnte. Auf die Anzahl der in den jeweiligen Wahlkreisen abgegebenen Stimmen hatte die Pandemie hingegen keine messbaren Auswirkungen.

Mögliche Erklärungsansätze

Inwieweit Trumps Corona-Politik an der Wahlurne abgestraft wurde oder sich die politischen Präferenzen angesichts der pandemiebedingten Rezession stärker in Richtung sozialer Sicherung verschoben haben, lässt sich aus den Ergebnissen nicht ablesen. Allerdings scheinen die wirtschaftlichen Krisenfolgen weniger ausschlaggebend gewesen zu sein: Die Forscher finden keine Hinweise darauf, dass Trump in Wahlbezirken mit besonders stark gestiegener Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich schlecht abgeschnitten hätte.

Filed Under: Research Tagged With: Biden, COVID-19, Trump, U.S. elections

Kein Anstieg der Corona-Infektionen durch Schulöffnungen nach den Sommerferien

October 13, 2020 by Mark Fallak

Schulschließungen zählen zu den häufigsten und zugleich umstrittensten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Die Kosten der entgangenen Bildung sind enorm: Bis zu 15 Billionen US-Dollar könnten die weltweit betroffenen Schülerjahrgänge an Lebenseinkommen einbüßen. Dennoch werden Schulen in vielen Ländern nur zögerlich wieder geöffnet und bei lokalen Ausbrüchen oft schnell wieder geschlossen. Medienberichte über die Quarantäne von Schulklassen befeuern zusätzlich die Sorge vor der Entstehung neuer Infektionsherde in Schulen.

Diese Sorge könnte unbegründet sein, zumindest was den Schulneustart in Deutschland nach den Sommerferien betrifft. Darauf deutet eine aktuelle IZA-Studie von Ingo Isphording, Marc Lipfert und Nico Pestel hin. Aufgrund der zeitversetzten Sommerferien in den Bundesländern konnten die Forscher die Auswirkungen der Schulöffnungen auf die SARS-CoV-2-Fallzahlen schätzen. Dazu verglichen sie die tägliche Differenz der Fallzahlen zwischen Kreisen in Bundesländern mit endenden Sommerferien bzw. mit weiterhin geschlossenen Schulen über die Zeit.

Die Abbildung veranschaulicht die Ergebnisse der Analyse: Jeder Punkt der dicken schwarzen Linie entspricht einer Veränderung der Differenz zwischen Kreisen in „öffnenden“ Bundesländern und solchen mit später endenden Sommerferien. Jeder Punkt ist dabei zusätzlich als relativer Unterschied zum letzten Tag vor Ende der Sommerferien dargestellt. Ein ausbleibender Trend von Unterschieden nahe Null vor dem Ende der Sommerferien zeigt, dass sich die relativen Unterschiede vor der Wiedereröffnung der Schulen nicht verändert haben. Erst nach dem Ende der Schulferien treten Unterschiede auf. Dieses Muster bestätigt die Annahme der Forscher, tatsächlich einen kausalen Effekt des Sommerferienendes abzuschätzen.

Nach den Sommerferien gingen die relativen Fallzahlen zurück

Nach dem Ende der Sommerpausen nehmen die relativen Zahlen der neu bestätigten Fälle in den Wiedereröffnungsstaaten im Verhältnis zu den (noch) nicht wiedereröffneten Staaten allmählich ab. Der Effekt ist beträchtlich: Drei Wochen nach der Sommerpause macht die Differenz 0,55 Fälle weniger pro Tag aus – etwa 27 Prozent einer typischen Differenz zwischen zwei täglichen Zählungen vor dem Ende der Sommerferien.  Der Effekt ist dabei auf die Altersgruppen der schulpflichtigen Kinder und ihrer Eltern konzentriert. Risikogruppen ab einem Alter von 60 Jahren sind hingegen nicht betroffen.

„Dieses Ergebnis entspricht sicher nicht dem, was wir erwartet hätten“, sagt IZA-Forscher Ingo Isphording. Auch die Wissenschaftler selbst waren – wie viele in Politik, Medien und Öffentlichkeit – besorgt über die Wiedereröffnung der Schulen. Sie überprüften ihre Ergebnisse daher mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ansätze und Schätzspezifikationen, doch auch alle anderen Methoden zeigten keinen Anstieg der Fallzahlen aufgrund der Schulöffnungen.

Die Autoren liefern dafür mehrere mögliche Erklärungen. Zunächst fiel das Ende der Sommerferien in eine Phase mit insgesamt niedrigen Infektionsraten. Außerdem wendeten die Schulen strikte Hygienemaßnahmen an, darunter die Maskenpflicht, Unterricht in festen Kleingruppen sowie Schnelltests und Quarantäne von Klassen, in denen ein Schüler oder Lehrer positiv getestet wurde. Hinzu komme, dass viele Eltern nach den Erfahrungen mit dem „Homeschooling“ besondere Vorsicht walten ließen, um keinen erneuten Betreuungsengpass zu riskieren. „Wenn die Folge einer laufenden Nase ist, dass meine Tochter einige Tage nicht zur Schule gehen kann, überlege ich es mir zweimal, ob sie auf engem Raum mit anderen spielen darf“, so Isphording. Diese besondere Situation beim Schulneustart nach den Ferien lasse daher keine Umkehrschlüsse auf die Effekte der Schulschließungen im Frühjahr zu.

Die Ergebnisse der Studie bieten eine wertvolle Orientierung für Länder, in denen die Schulen noch nicht wieder geöffnet wurden. Sie zeigt dass in einer Situation, in der Schulen unter strikten Hygienemaßnahmen wiedereröffnet wurden, die Fallzahlen nach der Wiedereröffnung der Schulen nicht angestiegen sind. Auch neue Quarantänemaßnahmen bestätigen letztlich, dass das System zur Eindämmung an den Schulen funktioniert. Frei verfügbare Schnelltests für Lehrer und Schüler sowie dezentralisierte Quarantäne- und Eindämmungsmaßnahmen scheinen in einer Situation mit geringer Ausbreitung in der Gemeinde ausreichend zu sein, um die Pandemie unter Kontrolle zu halten und gleichzeitig einen universellen Unterricht in der Klasse zu ermöglichen. Angesichts der hohen unmittelbaren und längerfristigen Humankapitalkosten, die durch die Schließung von Schulen entstehen, können die Ergebnisse der Studie dazu beitragen, die Kosten-Nutzen-Erwägungen einer Rückkehr zum Präsenzunterricht neu zu bewerten.

Aufgrund der besonderen Situation in Deutschland nach den Sommerferien und der noch kurzen Phase der Wiederöffnung wollen die Autoren ihre Studie zwar nicht als uneingeschränktes Plädoyer für rasche Schulöffnungen verstanden wissen. Sie raten jedoch dazu, Kosten und Nutzen sorgfältig abzuwägen, statt bei lokal aufflammendem Infektionsgeschehen reflexartig wieder zum Mittel der Schulschließung zu greifen.

Filed Under: Research Tagged With: Bildung, COVID-19, Schule

Mehr als ein Drittel der Beschäftigten arbeitet während Corona im Homeoffice

October 8, 2020 by Mark Fallak

Mit dem Wandel der Arbeitswelt gehen auch neue Formen flexiblen Arbeitens einher. Fragen der Nutzung, Gestaltung und Wirkung von Homeoffice und ortsmobilem Arbeiten sind dadurch vermehrt in den Fokus gerückt. Dies gilt umso mehr, als Unternehmen und Beschäftigte während der COVID-19-Pandemie in großem Stil die Arbeit von zu Hause als Möglichkeit genutzt haben, um betriebliche Abläufe trotz Mobilitätsbeschränkungen und Abstandsregelungen aufrecht zu erhalten.

Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung greift das Thema auf und spricht sich für eine Erleichterung, Förderung und rechtliche Rahmung mobiler Arbeit aus. In einer Kurzexpertise für das Bundesarbeitsministerium hat ein IZA-Team gemeinsam mit Forscherinnen von IAQ und ZEW das verfügbare Wissen über die Nutzung, die Effekte und die rechtliche Gestaltung zu mobiler Arbeit und Homeoffice zusammengetragen, bewertet und an einigen Stellen gezielt erweitert.

Eine systematische Auswertung der verfügbaren Literatur wurde mit repräsentativen Umfragen vor und während der Pandemie, einer international vergleichenden Untersuchung sowie betrieblichen Fallstudien vertieft. Um die positiven Aspekte von Homeoffice und mobilem Arbeiten realisieren zu können, stellen sich demnach einerseits erhöhte Anforderungen an die betriebliche Organisation von Arbeit und Zusammenarbeit, andererseits an die Fähigkeiten zur Selbstorganisation bei den Beschäftigten. Die Praxis zeigt jedoch, dass in vielen Fällen passende Arrangements gefunden werden. So lässt sich Abb. 1 entnehmen, dass im Sommer 2020 bereits 36 Prozent der abhängig Beschäftigten zumindest teilweise im Homeoffice gearbeitet haben (im Vorjahr waren es rund 24 Prozent).

Abb. 1: Nutzung von Homeoffice im Juli/August 2020 nach Gruppen (in %)

Dabei haben zum einen die Beschäftigten, die bereits in der Zeit vor Corona im Homeoffice gearbeitet haben, ihre Arbeitszeit, die sie von zu Hause oder einem anderen selbstbestimmten Ort aus arbeiten, massiv erhöht und verbringen aktuell vielfach den überwiegenden Teil ihrer gesamten Arbeitszeit im Homeoffice. Zum anderen haben während der Pandemie zahlreiche Beschäftigte erstmals mit der Arbeit im Homeoffice begonnen.

Trotz der starken Ausweitung der Arbeit von zu Hause aus und zusätzlichen Belastungsfaktoren wie dem Ausfall von Betreuungsinfrastrukturen waren die Beschäftigten mit ihrer Arbeit im Homeoffice zum Zeitpunkt der Befragung zu 87 Prozent alles in allem zufrieden bis sehr zufrieden. Dies gilt unabhängig von Bildungsstand, Geschlecht und Alter.

Eine klare Mehrheit der Beschäftigten befürwortet darüber hinaus einen individuellen Rechtsanspruch auf Homeoffice – genauer gesagt: auf Prüfung der Machbarkeit ortsflexiblen Arbeitens im Einzelfall. Die folgende Abbildung veranschaulicht das Verhältnis von Zustimmung (blau) zu Ablehnung (gelb) dieses Vorschlags nach Beschäftigtengruppen.

Abb. 2: Einstellungen zum Rechtsanspruch auf Homeoffice (Juli/August 2020)

Von den Befragten, die im Juli/August 2020 im Homeoffice gearbeitet haben, möchten 93 Prozent die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, auch in der Zeit nach Corona weiter nutzen. Die wesentlichen Vorteile, die die Beschäftigten – auch in der Corona-Zeit – mit dem Homeoffice verbinden, liegen darin, dass Zeit für die Fahrt zur Arbeit eingespart, Arbeit und Privatleben besser miteinander verbunden sowie mehr und besser gearbeitet werden kann.

Allerdings möchten die meisten Beschäftigten in der Zeit nach Corona weniger häufig im Homeoffice arbeiten als zum Befragungszeitpunkt, da oft vor allem der Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen vermisst wird. Eine deutliche Mehrheit von etwa zwei Dritteln präferiert ein Modell, bei dem sie einige Tage in der Woche im Homeoffice arbeiten und die übrigen Tage am Arbeitsplatz im Betrieb.

Filed Under: IZA News, Research

  • Vorige Seite
  • Page 1
  • …
  • Page 15
  • Page 16
  • Page 17
  • Page 18
  • Page 19
  • …
  • Page 49
  • Nächste Seite

Primary Sidebar

© 2013–2026 Deutsche Post STIFTUNGImpressum | DatenschutzerklärungIZA